Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1925-01-01 · Nr. 1 - Januar (1.1925) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1925
Issue
Nr. 1 - Januar (1.1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 11 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6727475-6029128-6074646--0729-4867391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

sein mit leerer Tasche. Wenn man ein Mahn der Tatsache sein will, dann muß man irgend etwas im Beutel haben. Utopien kann man ohne Geld aufbauen, um Tatsachen aufzubauen, ist diese Materie, dieses Materielle leider von nöten.. Von deni alten Meier Anselm Rothschild wird das Wort erzählt: »Reichtum macht nicht gerade glücklich, aber er gibt ein angenehmes Gefühl der Sicherheit.« Ich glaube, unser verehrter Oast sehnt sich manchmal nach diesem Gefühl der Sicherheit. Jeder Arbeiter verlangt nach einer Möglichkeit der Sicherheit des Arbeitens, nach dem beruhigenden Gefühl, am heutigen Tage wissen zu dürfen, daß er morgen und übermorgen wird weiter baüen können. Es ist gut, daß so eines Tages das materielle Opfer, die materielle Tat gefordert wird. Es ist zu bequemi nur zu schwärmen, zu bequem, nur Utopien nachzugehen. Der starke Beweis wird i'mrne’ durch das Opfer erbracht. , Aber in aller Arbeit für die Tatsache sollte doch auch etwas von jenem Geiste der Utopie, sollte der Hunger nach Zukunft immer bleiben Menschen ohne ihn verlieren über der Tatsache zuletzt die Idee. Sie büßen ihre eigene; Idee ein, sie werden Menschen der bloßen Realitäten, gewissermaßen satte Menschen. Sie verstehen die Sehnsucht, den Hunger nicht melm Ein schottisches Sprichwort sagt: »Der Satte kann nicht mit dem^Hungrigen sprechen.« Wir Juden wissen davon zu erzählen, wir Menschen der, Sehnsucht, wir Menschen des Zukunftstraumes. Es ist eine Zeit voller Bedeutung, wenn das Problem zur Tatsache zu werden beginnt, die Zeit der Entscheidung darüber, ob die große Sehnsucht nun verklingen wird. rAber keiner ist ganz ein Jude ohne sie. Hunger ist in unserem biblischen Schrifttum der Ausdruck Jür das tiefe Verlangen nach Religion, für die Sehnsucht, sich mit dem Ewigen verbunden zu fühfen. Es ist noch kein Werk wahren Aufbaus vollbracht worden ohne den starken religiösen Impuls, ohne den lebendigen seelischen Drang, den Religion dem Menschen gibt. Die Männer, welche die Vereinigten Staaten von Amerika gegründet haben, welche dort das große Werk eines Aufbaus vollbrachten, die Pilgrimväter und ihre Nachkommen sind durch den religiösen Impuls, dyrch die Kraft, dfe er gibt, befähigt worden, aufzubauen. Den Hunger trugen sie in anderes geworden als das, welches durch die Staaten von S In Südamerika das Verlangen sich. Ihr Werk ist .darum ein iidamerika in die Geschichte“ trat, war es der Impuls der Macht, nach dem Golde, das -zur Gründung von Staaten führte, von .denen manche heute noch ni:ht Staaten sind. DeKGruhdstein der Vereinigten Staaten ist von MänneYn. religiöser egt worden. Um Gottes willen waren sie in die neue Welt gezogen, ■ unu in jhr einen Staat Gottes zu gründen. ■ ■../ könnte der Mensch der Utopie ader religiösen Kraft entraten. Man kann-von manchem träumen auch ohne Religion. Aber wenn aufgebaut werden soll, dann kann sie nicht mehr entbehrt werden. In den Bauenden muß dieser Hunger sein, der immer neu die Erfüllung der ' Idee sucht, cieses Verlangen, ein- Heijiges im irdischen Leb:n zu verwirklichen, ein Heiligtum riu errichteil, eine civitas dei, ein" Refch Gottes auf Erden zu schaffen Heute sind die Tage gekommen, wo Wirklichkeit, fordernd und ge-, bietend, vor denen steht,, .die einst Utopisten waren. Heut : zeigt es sich, daß diese religiöse Kraft nicht Entbehrt werden kann, und daß religiöses Enpfinden in den-Menschen atmen* muß, wenn /item bleiben soll. gegenüber allen Schwierigkeiten, wenn die Kraft des. Menschen über die Kleinlichkeit siegen/so'l, -damit ein Werk geschaffen werde. ' : •- Zu uns, j zu uns Brüdern des Deutschen Distrikts unseres Ordeps ßne Briss, zu uns. dje wir djis Kulturgut und gleichsam der» Hunger der deutscher^ Juden hüten wollen, sie bewahren wollen vor d^r Sattheit, zu uns spricht hier noch ein Besondereist Wir deutscfie/i Judenr dieses Wort auch in dem weiten S:nne des. Sprachgebietes genommen — sind--stolz darauf, daß im letzten Jahrhundert bestimmende, führende Gedanken von uns atisgegangen s.ind. Auch wenn einst die Geschichte dfis Karhpfes für die Idee Palästinas einmal geschrieben werden wird, wird niemand diese Geschichte schreiben können, wenn er nicht deutsch zu lesen versteht- Moses Heß, Theodor Herzl, Max Nordau, um nur diese Namen zu nennen, haben ihre Bücherin der deutschen Sprache verfaßt,, in der Sprache, die sfeit Jahrhundertenhiej eineigen, die für die Juden ein Stück loschaun hakaudesch geworden ist. Wir deutschen Juden sind auch,stofz darauf, 11

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.