Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1924
- Issue
- Nr. 7/8 - Juni/Juli (6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 93 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6727475-6029118-6074600--0571-4867242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Wahlspruch Worte: »Wohltun, unser es Ordens. umfaßt die Bruderliebe ubd Eintracht«. Fast sollte man meinen, daß das vj/ort »Bruderliebe«, — lassen Sie es mich für uns Frauen »Schwesternliebe« nennen, y— zwischen Wohltun und Eintracht gerahmt, das wirkliche Bild ist, das seinen Rahmen überstrahlt,! denn wo wahrhafte ^Nächstenliebe st, da ist auch Wohltun, da ist auch Eintraclf. So sollte man meinen! Wo also kein Wohlt in istJ wo keine Eintracht, da auch keine wahre Schwesternliebe? Nein, meine Schwestern, dler Wahlspruch ist mit Bedacht gewählt. Wir j können uns :re Schwester lieben, wir können ihrer gedenken, aber wir linnen trotzdem im Orange des Lebens um uns versäumen, ihr;:u he fen, wir können ihr wollen, aber jes allein nicht mit unsern Mitschwestern Um kWohltjun« -zu üben, bedarf es nicht nur der Nächstenliebe, sondern einer starken und vor einigem Wiljen getragenen Schwester' erkrankt, so einzige1 Schwester nicht weil diese selber ihre allernächsten Pflichten im; eigenen Heim fesseln; es kann eine einzelne Schwester vielleicht nicht die Mittel besitzen, um £iner anderen, in Not geratenen wirksam zu helfen, es kann nicht eine einzelne Schwester allein i ufkommen für eine Erholungsreise oder [für die ausreichende Ernährung einer andereil; aber wenn viele, wenn alle Schwestern von einig :m Willen getragen jjfid, dann kann auch das wlrden, das — eine Ausstrah > liebe — »Schwesterlichkeit« versäumen, ihr vielleicht auch helfen vermögen! Im Verein aber können wir es Vereinigung. Ist* eine kann vielleicht eine dauernd bei ihr sein, »Von einigem Wollen g fragen«! ist noch Einigkeit! Aber Einheit tracht, die letztere ist schwerer. Deshalb ist sie auch als letzte und schwerste Forderung in den Wahlspruch unseres Ordens können uns alle vol unser Ziel, über unsern Weg zu Schwesterliebe uqd doch und Wohltun Wesen, über Eitelkeit, K Selbstüberhebung, vielleicht bedacht oder Unwissenheit schöne Eintracht zerstören zu üben aber bedeui1 eignen Wesens, innere Zügigkeit gegenüber kommen einig sein über Wohltun« wirksam ung der Schwesternbedeutet. Das heißt nicht Einaufgenommen. Wir über : unser eignes einlichkeit, Ehrgeiz, auch nur über Unstrauchcln und die Schwesterlichkeit et Zutückdrängen unsres Bescheidenheit, Großandrein Ansichten, vollkommenes Absehen von der eignen Person, j liebevolles Verstehenwollen und Sachlichkeit. Nicht umsonst warnen'und bitten wir. immer wieder, Schweigen, zu üben über unsere Sitzungen,, denn qft würde es Schaden bringen, über unsere noch unreifen Pläne vorher Kenntnis zu verbreiten, oder es würde uns schlecht stehen, mit getaneri LiebeswCrken zu Markte zu gehen, aber viel häufiger ’ noch würden bei der Wiedergabe Sache und Person verwechselt werden. — »Diese hat gesagt....,jene hatgeantwortet.... und schon ist Zwietracht, Uebelwgllen, Mißtrauen gesät. Zur «Schwesterlichkeit« aber gehört neben Schwesternliebe und Wohltun die Eintracht — Es kann nicht die Aufgabe einer kurzen Skizze sein, auf Einzelheiten einzugehen. Es wäre sonst notwendig, den Begriff des »Wohltuns«, der für uns Schwestern in seinem weitesten Sinne noch nicht weit genug gefaßt sein dürfte, deutlich zu machen. Gerade in der neusten Zeit hat die alte »Wohltätigkeit« ganz ändere Formen annehmen müssen. Sie ist sehr häufig gar nicht mehr mit Qeld- oder anderen materiellen Gaben verbunden; unsere überall, enteigneten Alten |inüssen mit Sonnenschein und Wärme umgeben werden, den im harten Lebenskämpfe stehenden Mänhern und Frauen muß Arbeit' abgenorrlmen, Wohlwollen und "Rat entgegengebracht, Erholung ermöglicht werden, unserer an Freude arm aufgewachsenen Jugend die schöne Welt draußen gezeigt, Anregung, Mannigfaltigkeit, Leben geboten.— Es wäre auch notwendig, den Begriff der »Eintracht« noch deutlicher zu machen,, Denn Eintracht ist nicht nur das Vermeiden von Zwietracht, von Unfrieden. Es gehört auch das positive Entgegenkommen dazu, das leider noch so vielen Schwestern nicht notwendig erscheint. Wenn4 das Wort »Eintracht« richtig verstanden würde, so würde es z. B. nicht Vorkommen,. daß Schwestern, welche vielleicht noch gfestem in einer Sitzung zusammen gearbeitet haben, heute auf der Straße oder im Kopzertsaal ohne Gruß (an einander vorüberschreiten, weil sie sich noch nicht persönlich vorgestellt worden sind. Solcher Mangel an Eintracht, an Schwesterlichkeit ist unsrer unwürdig, wenn es auch nur eine Aeußerlichkeit zu seid scheint. Auch die »Schwesternliebe« wird * noch so vielfach falsch aufgefißt, daß mehr darüber gesagt werden müßtet a|s hier möglich ist. Es ist viel leichter. — 93 —