Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922)
- Date
- 1922-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Geist. ■ Von Kurt Walter O o Id s c h m i d t - Berlin. Phänomen und Problem: das ist, wie kein anderer, der jüdische Geist. Beides wird uns durch die abstumpfende Gewöhnung nur nicht mehr recht fühlbar. [ Mit fJem Staunen beginnt nach dem Worte des antiken Denkers die Weisheit; aber vor den: alltäglich geschauten Weltwundern verlernt der Mensch das Staunen, das in inm die philosdphische Frage und jenen faustisch-ehrfürchtigen Schauer weckt, jder »der Menschheit bestes Tjeil ist«. Vermögen] wir der trivialen Selbstverständlichkeit des Tages auch nur ein wenig von jener philosophischen Besinnung abzuringen,j so müssen wir’s bekennen und anerkennen : auch der jüdische Geist ist ein :cht nur in dem Sinne, in alles, auch das Qeringste t der letzten Unergrjändlichkeit seiner Erscheinung und seines Kfeijnes ein Wunder ist; auch nicht nur in denvjSinne, in dem jeder Geist! einer Rasse oder Kultur, genau wie die natü liehen Lebensformen, als ein Schöpfungsmirakel gelten darf: sondern darüber hinaus als etwas 1 Einzigartiges, Ueberfagendes, das ein Phänomen im betonten Sinne zu nennen ist — groß und ungewöhnlich, säkular und kosmisch, selbst noch bis in seine Fehler und Negativitäten,seine historischen Entstellungen und Verzerrungen hinein (die leider {für das Judentum genommen werden und von niemandem schmerzlicher beklagt Und schärfer I bekämpft werden als von dem höheren Juden, dem wahrhaften Geistes- und Kulturjuden selbst). Nicht genug an 'einer K ulturleistung, die höchstens mit der griechischen verglichen werden darf und »Weltwunder* dem schlechterdings und Nichtigste, ’ kra sie im Ethischen sogar Volk ist nicht nur weit überflügelt — dieses immer noch de fä,cto da, während die anderen großen ebenbürtigen Kulturvölker Römer, Griechen, Inder, Chinesen,- Araber — längst versch wunden, degeneriert oder sterilisiert sind, sondern dieses Volk ist immer noch mit beispielloser Vitalität schöpferisch; es hat (wie nach Oo ithes schönem Wort der geniale Einzelmensch.) gleichsam eine wiederholte Pubertät; es scheint unerschöpflich an produktiven Kräften — und es wirkt noch bestimmend am großen, Um- und Neubau der Gegenwart und Zukunft mit, wenn auch eben gewiß nicht durchweg in einwandfreien und sympathischen Formen — aber muß man erst an 1 die Trivialität erinnern, daß wo viel Licht ist, auch starker Schatten ist? Es handelt sich nundarum, vor diesem Schatten nicht die Augen zuzudrUcken. Ein Riesen-Phänonen -- ein Rieszn-Prablem: beides zugleich ist der jüdische Geist.,* Die jahrhundertalte Problematik seines Wesens und Leidens hat ihm die einzige, unverwechselbare Prägung gegeben. Wenn ein Volk, »änti-N nomistisch , widersp üchlich und 'im Widerspruch doch ganz es selbst ist, so ist es dieses, von dem Goethe gesagt hat, daß es das Höchste und Niedrigste zugleic 1 in sich herberge. Keine Formel, kein Dogma, Lein Rezept erschöpft es im Guten wie im Bösen. .Seine Größe und seihe Tragik liegen (wie stets) dicht beieinander! Und mag man dieser nehmen, Problem wirjd Jahrtausend-Problem, nomen bleibt. ragik ihre blutige Schärfe dieses Volk bleiben — wie es Jahrtausend-Phä- I ► _^_-_1-4. Nachträgliche No tiz. In der ersten Fotnummer zum Ordenstage (Oktober 1Q1Q S. 128) ist bei der Wiedergabe der Skul|dur an "Her Fassade des Berliner Logenheims »Aelterer Bruder einen jüngeren einführend der Name des bildenden Künstlers versehentlich nicht angegeben worden. Wir holen dies hiermit nach. Jaray. Der Name des Künstlers ist: Sandor Die diesmalige Festnumm :r zum Ordenstage mußte leider etwas gekürzt1 erscheinen, di einige Autoren ohne eigene Schuld ihre Aufsätze dicht rechtzeitig einsenden konnten. Verantwortlich für der Inhalt: Dr. E. Finkel, Berlin, Kleistttr. 12.— Druck Buchdruckern Wilhelms, f Berlin SW. 68, HoUmann.tr/W.