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Der Orden Bne Briss · 1922-10-01 · Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922) · p. Seite 121

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1922
Issue
Nr. 9 - Oktober = Festnummer zum Ordenstag (10.1922)
Date
1922-10-01
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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Judentums in der Diaspora nicht etwa mit seiner inneren Stärke und seinem nicht zu brechenden Lebenswillen erklärt haben wollen, sondern einfach den Antisemitismus, die Einsperrung in das Ghetto und den auf sie überall von außen ausgeübten Druck für die Fortexistenz der Juden verantwortlich machen, erwarten müssen, daß sich in diesem freien, niemanden nach der Konfession fragenden Amerika das einströmende Judentum sofort hätte in seine Bestandteile auflösen oder doch allmählich im Versickerungsprozeß zugrunde gjehen müssen. < Nun unterliegt es ^keinem Zweifel, daß ein Teil der nach Amerika gekommenen Juden direkt oder in ihrer Nachkommenschaft sich in dem dortigen großen Völkergemisch und in dem allgemeinen radikalen Amalgamierungsprozeß auch aufgelöst hat, daß insbesondere — und nicht immer ohne Schuld der sich ungemein radikal gebärdenden, von den deutschen Juden ausgehenden religiösen Refornj — das Judentum der aus Deutschland gekommenen Familien häufig einfach in Vergessenheit geraten ist. Aber auf der andern Seite sehen wir einen so starken Gemeinschaftswillen, ein so rühriges und lebhaftes Organisieren der freiwillig sich überall zu Gemeinden und Vereinen zusammenschließenden , Juden, daß demgegenüber die Neigung zum Verrschwindenwollen und zum Auflösen doch sehr stark in den Hintergrund tritt. Ein Blick au^ gewisse Ziffern des heutigen amerikanischen Judentums zeigt, daß dieTendenzzum Zusammenschluß (zum, wie immer wieder betont werden muß, nicht irgendwie durch einen Druck des Staates veranlaßten, sondern völlig freiwilligen Zusammen-! Schluß) sich in vielfach imposanter Weise kund- - gibt. Ein paar Angaben: obwohl nirgends gesetzliche Vorschriften zur Bildung von Religionsgemeinden zwingen oder auch nur anregen, zählen die jüdischen Kultusgemeinden nicht weniger als 357135 eingeschriebene Mitglieder, die in der Regjel wohl Familien gleichzusetzen sind. Daneben; bestehen nun noch die für das amerikanische Leben typischen Logen und Brüderschaften. Unsejr Orden »Bne Briss< ist nicht einmal der größte, wohl aber der einflußreichste unter ihnen.' Immerhin legt er mit seinen 313 Logen (Angaben vom Jahre 1917/18) und seinen ca. 36000 Mitgliedern’ auch schon Zeugnis ab von dem Wi)I6n zur Einheit upd zur gemein¬ I i aber notii. samen jüdischen Arbeit Nun gibt e? insbesondere auch für die aus dem Osten Europ is stammenden jüdischen dem Boden der Bruder arbeitens für Zwecke Kreise, große, auch auf iebe und des Zusamme nr der Wohltätigkeit u id Nächstenliebe gegründete sehr kräftige Loge n- Organisationen. Da ist der Orden »Bri: h A b r a h a m*, der, im Jahre 1887 gegründet, in 774 Logen 203000 Mitglieder zählt, ferner .< er m mit 53000 Mitgliedern rden Western* S t i r d noch 5 kleinere Orc en e mit zusammen ungefihrchnet man dann noch c en : und die national-jüdiscfie Orden B r i t h S h o L in 378 Logen, der mit 21000 Brüdern auf ähnlicher Grundlafe 20000 Mitgliedern, großen Arbeiterring Arbeiterallianz hinzu, so kommt man auf eine Gesamtmitgliederzahl allein dieser auf gegenseit ge Unterstützung aufgeb; luten solidarischen Verbär de ohne die Religionsgemeinden von weit mehr ils* einer halben Million- Schon New York selbst jze igt das interessante Bild einer außetordentlict en Buntscheckigkeit und Vielseitigkeit Jüdisch organisatorischen Lebens. Zu einer Zeit, als hj:w York nur etwa einundeinhalb Millionen Ju< en zählte, hatte man nicht weniger als 3600 jüdisi he Organisationen in d :r Stadt, darunter 653 Syiagogengemeinden, 1031 Organisationen mit religi 3skulturellen .Zielen, 1010 gegenseitige Un erstützungs- und Versicherungsgesellschaften, ' >65 Logen, 164 sonstige philanthropische Vereine i nd andere mehr. Trotz dieser Zahl ist es aber d >ch kaum möglich, die re igiösen,nationaler^ kulture len und sozialen Bedür misse einer sof gewaltiger in . einer Stadt zusammengeballten Masse ’on Juden auch nur an lähernd zu befriedigen. Es ist nach alledem kein Zufall, däß die I iee der jüdischen Loge von Amerikä nach Deuts chland und zu der alten Welt überhaupt gekomi ren ist. Oerade in dem Land, wo es1 keine vom S :aat angeordnete' zwangsweise Zusammenpferch tng von Juden gab, gerade dort, wo nur die Bevölkerungsgruppen einheitlicher Herkunft auch - solidarisch bliebeJr und in bestimmten Grer zen eine Einheit wahrten, die in sich mit lei« enschaftlicher Inbrunst ein starkes gemeinsames Ideal trugen, grade-vop dort mißte derOedanke freiwilligenjüdisch eh Zusammenschlusses und s d Jid a r Ls c i e r Arbeit kommen. Der Logen - Oedanke . in Amerika und die gesamte aus eigener 'Kraft 121 —

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