Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 8 - September (9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Schneidemühl, der als Vertreter der Familie Nobel erschienen ist Den Beamtenrat für diese Feier bilden folgende Brüder:! Präsident: Br. Lisser, Vizegroßpräsident. Vizepräsident: „ Alfred Levy, Expräs. der Steinthal-Loge. Mentor: „ Dentschfärider, Expräs. der Henry Jones-Loge. Beamte: „ Philipp, Expräs. der Steinth il- Loge, Br. Bamberger, Präs, der Henry Jones-Loge und Br. Baeck vom Geschäftsausschuß Berlin. Prot. Sekretär: „ Aufhäuser, Präs, der Steinthal- Loge. t Wächter: „ Caspary, Vizepräs. der Henry Jones-Loge. Der Vizegroßpräs. Br.' Lisser bemerkt einleitend, daß Br. Großpräs. Timendorfer, welcher s« Zt. auch die Steinthai-Loge installiert habe, es ungemein bedauerte, wegen ernstlicher Erkrankung verhindert zu sein, der Installation dieser neuen Loge, welche den Namen des verehrten Br. Rabb. Dr. Nehemja Nobel s. A. tragen soll, beizuwoljnen und regt an, Begrüßungstelegramme an Br. Timendorfer wie an Frau Julie Nobel, Frankfurt a. M., zu senden. Diese Anregung findet freudige Zustimmung. Br. Lisser dankt sodann dem Br. Expräs. Unna von der Henry jones-Loge und Br. Expräs. Storch von der Steihthal-Loge, welche sich bereit erklärt haben, ihre Arbeitskraft und ihre Erfahrung dem Beamtenrat der neuen'Loge zur Verfügung zu stellen. Hierauf werden unter den feierlichen Klängen des Harmoniums die Petenten von dem Br. Mentor und dem Br, Vizepräs. in den Saal geführt uijd von Br. Vizegroßpräs. Lrsser in üblicher Form feierlichst verpflichtet. Beschlossen wird dieser Akt durch den eindrucksvollen Gesang »Höre Israel des Herrn Stimme«, vorgetragen von der Frau des Br. Elias und begleitet von Br. Comitzer. Nachdem der, Gesang verklungen war, wendet sich der Präsident an. die neuen Brüder mit einer Ansprache, welcher er die Symbole des Ordens: Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht zugrunde legt Er erklärt, daß nicht die Wohltätigkeit in gewöhnlichem Sinne gemeint sei, sondern der im Gründungsland unseresrOrdens geprägte Ausdruck »Benetolence«, welcher gleichbedeutend ist mit Güte lund Wohlwollen und damit auch die Wohltätigkeit in engerem Sinne umfaßt. Ist es doch jein Symbol jüdischen Denkens, dal das Wort j»Zedoko< ebensowohl Gerechtigkeit wie Wohltätigkeit bedeutet. Bruderliebe bedeutet, daß sich eine echte Freundschaft in den Logen entwickeln sol, befestigt! und getragen durch die gemeinsamen Ziele Und Ideale. Die Eintracht ist keiner Gemeinschaft nötiger als gerade den Juden, die vielfach zerrisser! und gespalten sind. Der-Orden ist dem gegenüber die lejtzte und neutrale'Plattform, auf welcher sich alle aufrechten Juden finden können. Ein Mann, dessen Leben und Wirken ein getreues und echtes Spiegelbild dieser drei Symbole War, ist Br. Nehemia Nobel sei. Ang. gewesen. Die Größe und Bedeutung dieses wahrhaft jüdischen Mannes und Gelehrten zu würdigen und ihn den neuen Brüdern al^ldeal hinzustellen, hat Br. Baeck, Berlin, übernommen, dem der Vize- Groß-Präsident nunmehr das Wort erteilt. Br. Baeck führt aus, daß man dem Wesen Nobels nicht gerecht wird, wenn man ihn nur als Schriftgelehrten ansieht, obgleich er in dieser Hinsicht seine eigene Bedeutung hatte. Nobel war mehr als das; er wirkte künstlerisch, schöpferisch. Gelassen und unentwegt im Leben stehend, | hatte er ein innerstes Verhältnis zu der jüdischen Religion. Ihm war das Judentumnicht wie den meisten überkommen, sondern umgekehrt;: er kam zum Judentum. Gewiß hatte er* ein starkes Empfinden für den -historischen Adel des Judentums und hat sich in* diesem Sinne mit dem Schrifttum befaßt, aber dieses Schrifttum war ihm nicht nur Stoff, Sondern Kraft und Ewigkeit, eine nie versiegende Quelle der Erkenntnis und eine Antwort auf das Heute. So erneuern sich ihm die tiefsten Gedanken und Geheimnisse. Wir sind leicht geneigt, zumal bei einem Gelehrten, Talente und Fähigkeiten zu Ungunsten des Charakters zu überschätzen. Bei Nobel erwuchsen seine Gaben aus seinem 'seelischen Wesen, sein Können aus seinem Sein. In seinem Gewissen und seinem Charakter hatten die Klarheit seines Denkens und die Oewalt seines Wortes ihren Grund. Die Tora war ihm der fruchtbare Boden, aus ihr erwuchs ihm auch sein starkes Gefühl 104