Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1922
- Issue
- Nr. 3 - März (3.1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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keit, Bigotterie, Vermummung, Terror. Selbstverständlich gelten .diesem Geheimbunde, dessen Mitglieder vielfach in ihren früheren Vaterländern begeisterte Nationalisten waren, die Juden der -Union als Nicht-Amerikaner. Gegen diese Verletzung ihrer patriotischen Gefühle wehren sich die amerikanischen Brüder B. B. wie ein Mann. »Duldsamkeit gegen'Andersdenkende ist keine Forderung der Nächstenliebe oder etwa ein Luxus im amerikanischen Leben, nein, sie ist eine unerläßliche Notwendigkeit unserer amerikanischen Tradition, wie sie sich in einer alle Rassen und Bekenntnisse umfassenden Gastlichkeit und wohlwollenden Gesinnung bekundet.« Von diesem Gesichtspunkte aus bekämpft der| Orden diesen Schutz- und Trutzbund als einej auf Haß, Vorurteil und Heuchelei beruhende Verbrecherbande. I In diesem Kampfe haben die Juden den anständigen Teil' ihrer andersgläubigen Mitbürgeif auf ihrer Seite!' Eine .geradezu begeisterte Huldi-j gung brachte Pastor Dr. Robert Arthuij EI w o o d in Boardwalk den Juden dar, indem er in der dortigen Fürche über das Wort »Denn das Heil kommt von den Juden* (Joh. 4,221 predigte. »Ein Volk, welches Krieger und Staats-! männer, Dichter und Musiker, Seher und Propheten hervorgebracht hat, wie Israel es getan hat! braucht keinerlei Verfolgung zu befürchten; una wie jeder Bibelforscher, so bin auch ich fest davon überzeugt, daß das goldene Zeitalter des Judentums noch kommen wird, wenn der Glorienschein, der das salomonische Reich umwebtj, überstrahlt wfrd durch den Ruhm und die Schaffensfreudigkeit des wiederhergestellten jüdischen* Volkes.* _ Ueber .Henry Fotd ist es in Amerika anscheinend Still geworden. In Deutschland wird sein* Name bekannt werden, denn seih Pamphlet ist in$ Deutsche übertragen worden (Hammer-Verlag L) und hat in der angesehensten kritischen Wochenschrift in Zamckes »Literarischem Zentralblatt« eine — natürlich streng »wissenschaftliche«! — Beurteilung gefunden, deren Verfasser sich vorsichtigerweise in dajs Gewand der Anonymität hüllt. ‘ Auch in Holland ist jetzt ein Ford erstandet. Der Leidener Universitätsprofessor B o 11 ä n!d hat in diesem bisher vom Judenhaß verschontein Lande . einen Feldzug gegen Juden und Judentum eingeleitet. In seinen Vorlesungen sucht er den Nachweis zu erbringen, daß die Juden eine »minderwertige Rasse« sind.' Vermutlich haben diesen Hetzapostel die Huldigungen verdrossen, welche die wissenschaftliche Welt Hollands Albert Einstein anläßlich seiner am 5. Mai 1920 in Leiden gehaltenen Vorlesung darbrachte! , Eine wertvolle Waffe im Kampfe gegen den Judenhaß liefern die in den »B. B. News« abgedruckten »Grundsätze der jüdischen Sittenlehre«, wie sie auf Veranlassung des D. I. G. B. im Jahre 1883 zusa'mmengestellt würden und seither in, jedem Gebetbuche der Berliner Gemeinde abgedruckt sind. Nur schade, daß die »Grundsätze« kaum je in die Hände der’, christlichen Mitbürger gelangen! In ihren Kämpfen gegen den Antisemitismus, welchen unsere Brüder jenseits des Ozeans; mit Recht als eine Versündigung an den demokratischen Grundlagen jedes republikanischen Staatswesena empfinden, hatten dieamerikanisc^ien Juden keinen berufeneren Sachwalter als Professor Gotthard Deutsch vom Hebrew Union College in Cincinnati. Am Sabbat vor dem Laubhüttenfeste ist dieser wackere, federgewaltige Kämpe zur Ewigkeit eingegangen. Unser Ordensorgän widmet diesem Bruder q. B. einen mehrere Spalten umfassenden Nachruf, den sein überaus sympathisches Bildnis schmijckt. Als ob er den Tag seines Todes geahnt :hat, bestimmte er unter den für seine Leichenfeier ausgewählten Schriftstellen auch das Psalnjlied für das Laubhüttenfest. Die Leser der »B. B. News« waren von jeher erstaunt über die geradezu beispiellose Belesenheit, welche die interessanten, oft mit Humor durchwüizten Aufsätze von Prof. Deutsch widerspiegelten. Die Nachrufe rühmen, daß seine Zettelkästen ungeheure Dimensionen annahmen, und da|ß er dies wertvolle Material dem Fleiße verdankte, mit welchem er jedes noch so unbedeutende Buch durchlas und exzerpierte. Sein warmes Herz umfaßte Deutschtum, Judentum jund Menschheit, was ihn nicht hinderte, begeistert an seiner neuen Heimat zu hängen. »Er hinterläßt eine Lücke, die nimmer ausgefüllt werden kann«, mit diesen Worten kennzeichnet unsere Zeitung den unersetzlichen Verlust, den unser Orden und das gesamte Judentum durch den Tod von Gotthard Deutsch erlitt. 40