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Der Orden Bne Briss · 1921-09-01 · Nr. 9/10 - September (9.1921) · p. Seite 79

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1921
Issue
Nr. 9/10 - September (9.1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 79 (sequence 15)
Language
German
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dem sie den elfjährigen Abraham Oscherowitz aus Krakau, der schon jetzt ein bedeutendes musikalisches Talent zu werden verspricht, an Kindesstatt annahm. Eine Loge in demselben Staat Missouri, nämlich dje St. Joseph-Loge, hat einen Propagandafeldzug eröffn'et, der auf die Gewinnung einef jeden Juden der Stadt als Logenmitglied abzielt? Kein Wunder, daß es einzelne Logen bei so intensiver Tätigkeit auf 1100 bezw. 900 Mitglieder bringen, wie die Har Sinai-Loge in Philadelphia und die Loge in Denvdr (Colorado). Die Har Sinai-Loge hofft es in diesem Frühling auf 1600 Brüder zu bringen! Eine Einführung größten Stils fand in der Minneapolis-Loge statt, die seit dem September vorigen Jahres ihren Mitgliederbestand verdoppelt hat. Jetzt ist sie nahe daran, 1000 Mitglieder zu zählen. Die Feierlichkeit leitete der hochw. Ordenssekretär, Br. A. B. Seelenfreund aus Chicago, unter Assistenz von Br. A. F. Mecklenburger. Der Zahl Tausend nähert sich auch der Brüderbestand der Loge in Toronto (Canada). In der Bay City-Loge hat Br. Speiseberger eine elektrische Menorah als Ansporn ausgesetzt, wenn es der Loge gelingt, die Brüderzahl 200 zu erreichen. Die obenerwähnte Mirtneapolis-Loge plant den .Bau eines eigenen Logenheims, nachdem auf Veranlassung von Br,. D. Jeffrey ein B. B.-Orchester ins Leben getreten ist. , , Erfreulich ist die Tatsache, daß auch in den polnischen Logen neues, frisches Leben pulsiert. Die Solidaritätsloge in Krakau errichtet ^ine jüdische Bibliothek und Kurse zur Verbreitung jüdischer Kenntnisse. Ja, sie ist sogar bereits mit den Vorarbeiten zur Errichtung eines jüdischen Museums in Polen beschäftigt. Ihre Mitgliederzahl betrug am Schluß des abgelaufenen Jahres 138 Brüder. :; In den letzten Jahren hat sichdie jüdisjche Bevölkerung in Genf — welche'1888 nur 701 Seelen betrug — auf 2773 vermehrt, nachdem die jüdische Bevölkerungsziffer im Kanton Aargau von 1538 im Jahre 1860 auf nur 690 Seelen zurückgegangen ist. Es ist mit Sicherheit aTtzuhehmen, daß die ehrwürdige Kalvinistenstadt Genf in absehbarer .Zeit eine Arbeitsstätte B. B. in ihren Mauern sehen wird. Br. Professor Dr. Eugen Wölbe, . Montefiore-Loge zu Berlin.. ' Salomo Birnbaum* Leben und Worte des Baal-Schem. Weltverlag, Berlin. — Schade um die Zeit und schade um das Papier. Diese Worte drängten sich mir auf die Lippen, als ich das mir zugesandte Büchlein mit Aufmerksamkeit gelesen und gewissenhaft geprüft hatte. Mit dem ersten Satze ist das Urteil über das Buch gefällt, und wenn ich noch einige Bemerkunge'n hinzufüge, so geschieht es aus einem ganz bestimmten Grunde. In letzter Zeit sind nämlich betriebsame Schriftsteller und mystische .Schwärmer bestrebt, alles, was aus dem Osten kommt, als Herrliches, Schönes, sogar Nachahmenswertes darzustellen. Der Chassidismus gehört zu den Objekten, auf die sich diese Schriftsteller geworfen haben. Während man im Osten dem Chassidismus mit einem gewissen Mißtrauen von vornherein begegnete, ja sogar ihn scharf bekämpfte, soll er jetzt, idealisiert, den Westjuden nahe gebracht werden. Wenn man diese Büchlein, die in letzter Zeit über den Baal-Schem geschrieben wurden, liest, so findet man, daß diese Oeschichtchen,j die im ostjüdischen Ohetto nur von den ganz ungebildeten Schichten gelesen Wurden, durch die Uebersetzung an Gehalt nicht gewonnen haben. Diese albernen Erzählungen vom Baal-Schem gewinnen auch nicht an Wert, wenn, wie Birnbaum es tut,? die hebräischen Worte in der Aussprache, des ostjüdischen Jargons wiedergegeben werden. Bekanntlich .verwenden viele Ostjuden infolge ihrer äußeren drückenden Lage wenig Sorgfalt auf ihre Sprache, wodurch sich eine gewisse Mundfaulheit bei ihnen eingestellt hat. Dadurch kommt es, daßmanche hebräischen Vokale, falsch ausgesprochen werden. Diese falsche Aussprache sucht Herr Birnbaum hier zu verewigen und glaubt dadurch, seinem Büchlein mehr Reiz zu verleihen, so z. B. wffd das Wort „Schabbis“ . anstatt Schabbos gebraucht, Misisi - anstatt Mesusoh, Toiri anstatt Tauro oder Toro. Um dem Büchlein ein gewisses wissenschaftliches Oewarid zu geben, sind ihm ein Olossar und Anmerkungen beigefügt. Aber auch dieses Olossar verrät die Unwissenheit des Verfassers. So wird beispielsweise anstatt Tefillin (bei Bim-1 bäum „Twillin“) erklärt: zwei kleine kubische Pergamentgehäuse, die das Sch’ma enthalten usW.. Der Verfasser scheint nicht zu wissen, daß außer dem Sdi’ma sieih-noch andere Bibelstücke in den Tefillin befinden. Zu (den Worten Väter Abraham auf S. 41 ist im Olossar vermerkt: „der Erzvater“. Diese Anmerkung zeigt, daß der-Verfasser auch: die Bibel nicht kennt, da in, der Regel mit dem Worte Vater „Erzvater“ gemeint ist: vgl. Josua 24, 3. 79 —

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