Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-10-01 · Nr. 8/9 - Oktober · p. Seite 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 8/9 - Oktober
Date
1920-10-01
Page
Seite 107 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6029099-6074458--2609-4866687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mittelstandes in die Htad zu nehmen (M. B. 1Q07 No. 4). Seit der Zeit ruhte diese Frage, da die Großloge mit den Jugend vereinen, Krankenschwesternorganisation u. a. m. vollauf zu tun hatte. Als aber im Jahre 1918 der Oroßloge die Sally und Helene Heymann-Stiltung zufiel, die 40 000 Mark für ein Kinderferienheim bestimmte, nahm ich die Frage des Ferien- und Erholungsheimes U. O. B. B. wieder auf, die in der 131. Sitzung des Oeneralkomitees (M. B. 1908 No. 5) eingehend und mit großem Interesse behandelt wurde. Man hat im Jahre 1899 den überaus vernünftigen . Piah der Ausrüstung einer Ferienkolonie für Logenkinder nicht weiter verfolgt, weil man eine pekuniäre Schädigung der Ferienkolonien für Unbemittelte befürchtete (M. B. 1899, Dezember-Nummer). Diese Befürchtung ist aber jetzt völlig unbegründet, denn unsere Ferienkolonie-Einrichtungen für bedürftige Kinder sind in den letzten zwei Jahrzehnten genügend erstarkt; sie sind z. T. gut fundiert und vor allem sehr populär. Wohl ..kein Bruder wird, wenn das Ferienheim U.O.B.B. begründet sein wird, seinen bisherigen Beitrag den Ferienkolonien für arme Kinder entziehen. Dagegen können sich unsere Brüder nicht entschließen, ihre Kinder den bestehenden Ferienkolonien, zuzuführen, weil diese zum großen Teil ausgesprochene Wobllabrtselnrichtungen sind. Die einen wollen diese Wohlfabriseinrichtung nicht in Anspruch nehmen, weil sie, nicht mit Unrecht, eine Schädigung ihrer Reputation befürchten, die anderen wiederum mögen ihre Kinder bei den bestehenden Ferienkolonien nicht anmelden, weil sie glauben, sie könnten dadurch arme Kinder verdrängen. Sei dem, wie es wolle, die Kinder des Mittelstandes gehen bei diesen Ferienkolonien in der Regel leer aus und haben daher weniger als die armen Kinder Gelegenheit, einen mehrwöchigen Land-, Gebirgs- oder Seeaufenthalt während der Ferien zu genießen.*) Wie wohltuend eine Ferienerholung für unsere Logenkinder wäre, wurde bei den Verhandlungen über das Thema „Eugenische Bestrebungen' mehrfach hervorgehoben. Infolge des Krieges ist die wirtschaftliche Lage mancher Brüder sehr geschwächt worden, so daß aie es als eine wirkliche Wohltat empfänden, wenn sie in der' Lage wären, ') Das im Jabre 1912 begründete Kinder Erholungsheim des nordostd. Logenverbandes in Zoppot luchte diesem Mangel teilweise abzuhelfen (M.B. 1913 No 1 S. 11). ihre Kinder gegen einen ermäßigten Preis in. einem Ferienheim der Großloge, auf das sie ein gewisses Anrecht haben, unterzubringen. Den Nutzen eines derartigen Ferienheims für den Logengedanken selbst brauche ich nur anzudeuten, n einem solchen Ferienheim werden sich die Kinder der Brüder aus den verschiedensten Gegenden kennenlernen, Freundschaften fürs Leben schHessen; sie werden schon im zartesten Alter mit dem Logengedanken, soweit ihr Begriffsvermögen es zuläßt, vertraut gemacht; sie werden sich als kleine Bnei Briss fühlen und können dann als gereifte Menschen einen erwünschten Nachwuchs für unsere Logen abgeben. Dieses Heim soll aber, wie es s. Zt. 1m Generalkomitee vorgeschlagen wurde, auch als Erholungsheim für Erwachsene im Herbst und Winter dienen. . Unsere Brüder mit ihren Familien werden sicherlich dieses Familienheim des U. O. B. B. gern aufsuchen, da sie dort glelcbgesinnle Menschen fuiden und vor allem sicher sein werden, dort vor antisemitischen Anremptlungen bewahrt zu bleiben. ' i ■} :T* r" ' - ■ » - " J Die Brüder in unserem Distrikte, die infolge des altruistischen Prinzips unseres Ordens gegen die Errichtung eines solchen Heimes Bedenken haben könnten, seien an das bekannte englische Sprichwort erinnert: „Charily begini at home". Der in dieser Sentenz ausgesprochene Gedanke entspricht ganz dem Geiste der jüdischen Wohltätigkeit, wie er sich im engeren Familienkreise und über diesen hinaus im erweiteren Kreise der Glaubensgemeinschaft und der Gesamtmenschheit seit Jahrtausenden bewährt bat. Von diesem Gedanken geleitet, hat auch das Generklkomitee auf Antrag, der w. Lessing-Loge in Breslau in der 129. Sitzung die Begründung eines Fonds zur Unterstützung von Brüdern beschlossen (vgl. M. B. Nr. 2 S. 16). Diesem Momente verdanken wir. auch den uns vom Exekutiv Komitee zur Verfügung gestellten Hilfsfond, der von Brüdern und für Brüder geschaffen worden ist. Im übrigen verweise ich auf den Artikel des Br. Grünwald in dieser Nummer, der als erfahrener Arzt und bewährter Logenbruder wiederholt und überzeugend das Bedürfnis nach solchen Heimen nachgewiesen hat. Seinem warmen Appell an die Brüder schließe ich mich von ganzem Herzen an : „Sammelt für das Ferien- und Erholungshelm des U. O. B. B." Das Titelbild ist eine Wiedergabe des Moses von Michelangelo aus dem Vorraum des Berliner Logenhauses. Verantwortlich lür den Inhalt: Dr. E. hinke), Berlin, Klelststraüe 12. — Druck: Max Cohn, Berlin SW. 68, Hollmuuutraße 10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.