Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 8/9 - Oktober
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 104 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Jibrea seine vier Heime in Norderney, Wyk auf Föhr Grpf-Müritz und Zoppot begründete. Neben der Schaffung von Heilstätten bezw. Erholungshei.nen wurde ein zweiter Weg beschritten, den Gesundheitszustand schwächlicher Kinder durch einen gesunden Aufenthalt auf dem Lande, an der See oder im Gebirge zu verbessern: die Unterb-rf-ngungvon Stiidtkindernin Ferienkolonien oder dft Ausrüstung von Ferienkolonien. - Den Arsten Versuch in Deutschland verdanken wir der Harsistadt Hamburg ), die im Jahre 1876 durch ihreh im Jahr- 1875 gegründeten wohltätigen Schulvereirj -11 Kinder in Bauernfamilien unterbrachte. Den ersten Versuch in der Schweiz unternahm Pfarrer Dr. Waller B i o n In Zürich (gestorben 3. September 1(909), der in demselben Jahre 68 erholungsbedürftige,! mittelloie Kinder unter Leitung von Lehrern während der Schulferien in die Waldtäler der Appenzeller Alpen führte. Im Gegensatz zum Schulverein in Hamburg vertrat Blon die Ansiebt, daß Kinder unter ausreichender Aufsicht von Erziehern gruppenweise auf dem Lande unterzubringen seien. Er wird als Vater der geschlossenen Ferienkolonien bezeichnet. „Es sollen die Kinder", sagt er einmal, „nicht nur leiblich,- sondern auch geistig in eine bessere Lnft versetzt werden". Die' in der Folgezeit entstandenen Vereine für Ferienkolonien in Frank!urt a. M. (1878), Dresden, Stuttgart (1879), Berlin, Leipzig, Karlsruhe (1880) folgten dem Züricher System, während die im Jahre 1880 begründeten Vereine in Barmen und Bremen nach dem Hamburger Muster arbeiteten. In dem in den ersten Jahren heftig geführten Kampf zwischen den Anhängern der , beiden Systeme obsiegte das System der geschlossenen Kolonie, wohl auch aus dem Grunde, weil bei der immer zunehmenden Zahl der Ferienkinder es schwierig wurde, geeignete Familien zü finden und die erforderliche Aufsicht zu führen. Das System deriF amilienpflege wurde vornehmlich dort beibehalten, wo es sich um unentgeltliche Unterbringung — Freistellen — Handelte. Neben den Vollkolonien nach beiden Systemen wurden auch Halbkolonien (auch Stadtkolonien,; Milchstationen) für weniger pflegebedürftige Kinder eingerichtet, die. morgens ofer mittags unter Leitung von Lehrpersonen oder *) Bereits Ende der sechziger Jahre richtete Frau Wüstenfeld an wohlhabende Landleute [in der Nähe Hamburgs wohl die f ste öffentliche Bitte, arme Schulkinder der Stadt als Feriengäste aufnehmen zu wollen. Kindergärtnerinnen nach einem in der Näbe der St idt gelegenen freien Platze odej- Walde geführt wurd :n, sich dort in frischer Luft tummelten und Milch und Butterbrot erhielten. Die Halb kolonien haben s ch in manchen Orten zu Dreiviertel - Kolonien be?w. zu l'ages-Erholungstätten mit vollständiger Tageskost entwickelt. Aebnlich wie die Ferienkolonien sind die Ferienwanderungen, did Ferienspielkolonien (zuweilen mit Luit- und Sonnenbad) und die Leipziger Schrei er Vereine, die gleichzeitig üärten- Wanderkotonien sind. Spiel-, Milchl i nd Bei der Wohlfahrt der Sommer- und Ferienpfli ge, für die das Interesse der Privatwohltätigkeit kn ner mehr zunahm, wären die bedürftigen jüdischen Kinder leer ausgegangen, wenn nicht die B 11 e i Briss-Logen rechtzeitig diesem Fürsorgez» eig ihre Aufmerksamkeit zugewandt und besondere jüdischeFerienkolonien eingerichtet hätten. Wohl haben die allgemeinen Vereine für Ferienkolonien, denen von jüdischer Seite namhafte Beiträge und Spenden zuflössen, bei der Aufnahme von Kindern keinen Unterschied der Konfession gemacht, aber in ihren Kolonien und Heilstätten war für :ine rituelle Verpflegung nicht gesorgt, und da gei ade die ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung an der Ueberlieferung und auch an den Speisegeselze» festhalten, hätten die Kinder dieser ärmeren Krsise auf die Wohltat der Ferienpflege verzichten müs en Die damals erst kurze Zeit bestehenden Bnei Bfiss- Logen suchten nun diesem Mangel abzuhelfen und beschlossen, Ferienkolonjen mit ritueller Verpflegung für jüdische Kinder auszurüsten. Insbesondere war es Br. Expräs. Moritz Jablonsky s. A., der die Bruderschaft für diese neue soziale Arbeit zu erwärnen verstand. Ihm stand talkräftig zur Seite Br. Expräs. Sanitätsrat Dr. Reimann, der noch jetzt als Vertrauensarzt der jüdischen Ferienkolonie seines Amtes mit Liebe waltet. Im Sommer 1884—zwei Jahre nach der Verpflan; ung des U.O B.B. nach Deutschland — wurde die erste Kolonie von 12 Kindern auf vier Wochen in Famil enpflege nach Neuruppin gegeben; die Kosten in Höhe von M. 600-— wurden von den Logenbrüdern durch freiwillige Spenden aufgebracht. Im folgenden jähre stieg die Zahl der entsandten Kinder auf 25, der Kostenaufwand auf M. 1070.—. Einen ungeatnten — 1C4 — Aufschwung nahm die Berliner Logen unter Ferienkolonie-Einrichtung der der Leitung des verew gten