Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 6 - Juni
- Date
- 1914-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Als ich das Präsidium übernahm und auch im weiteren Verlaufe des Jahres waren gerade die momentanen persönlichen Verhältnisse bei uns keine günstigen. Verstimmung, Tod, Krankheit und sonstige unglückliche Lebensverhältnisse hatten in den Reihen unserer eifrigsten :Logenbesucher manche empfindliche Lücke gerissen. Es war daher nötig, durch eine zielbewußte Propaganda für die Ergänzung und Verjüngung unseres Mitgliederbestandes zu sorgen; eine wichtige Aufgabe, die aber bereits seit längerer Zeit nicht die gebührende Beachtung bei uns gefunden hatte. r Wir nahmen diese Aufgabe in Angriff und ließen uns hierbei auch durch pessimistische Stimmen nicht beirren. Heute können wir als Erfolg konstatieren, daß in unsere Loge seit genau einem Jahjc nicht weniger als 18 Brüder neu aufgenommen worden sind, von denen gerade die jüngst eingetretenen sich mit ganz besonderem Eifer für die Logenarbeit zu interessieren scheinen. Unter den Neuaufgenommehen sind 5 auswärtige und 13 hiesige Brüder. Vier von ihnen hatten bereits vorher anderen Logen angehört. Auch im nächsten Jahre kann es m. E. bei einiger Bemühung nicht schwierig sein, unserer Loge noch eine größere Reihe neuer Mitglieder zuzuführen. Dagegen verloren wir durch Tod und durch Wegzug je einen Brüder, durch Austritt drei. Somit beträgt unser Mitgliederbestand 124 Brüder und zwar 72 hiesige und 52 auswärtige. Unsere Zahl hat sich mithin im Berichtsjahre um 10% vermehrt. Von dem regelmäßigen Besuche unserer Logensitzungen läßt sich dagegen etwas ähnlich Günstiges nicht aussagen. Es waren durchschnittlich in den Logensitzungen nicht mehr als 30 , der hiesigen Brüder ariwesend. Ordentliche Sitzungen wurden im Berichtsjahre 30. abgehalten. Die in ihnen gebotene geistige Anregung war eine sehr intensive. Die Vorträge bezw. Referate welche gehalten wurden, betrafen zumeist das literarische oder wissenschaftliche Gebiet des Judentums, oder direkt Ordensangelegenheiten. Gern hätte ich außerdem auch noch, um jede Eintönigkeit zu vermeiden, eine Hineinbeziehung anderer, mehr allgemeiner Wissensgebiete in unsere Verhandlungen gesehen. Es sprachen Br. Dr. K a e 11 e r über „Die jüdische Schule"; die BBr. Dr. Exp. Levy und 15au mann über „Die letzte Großlogentagung"; Präs. Dr. S o 1 m s e n über das Baumannsche Referat „Sollen die Logen thesaurieren?"; B,r. Krön hei m über den Inhalt der „Bnai Brith News"; Br. Expr. Le, vy über „Papyri und Talmud"; Br. S c h a p i ra. über „Das pharisäische Judentum"; Br. Bruckstein über „Die Geschichte der Juden Danzigs"; Präs. Dr. S.o Imsen über „Die Wanderbewegungen der Juden"; Br. Expräs. Bau- T1m a n n mehrfach über „Die Sitzungen des Gencralkomitees". •"' -V Außerdem berichteten noch recht häufig die Vorsitzenden der verschiedenen Ausschüsse über ihre Ressorts. Gemeinsame Tagungen der Schwestern und Brüder wurden 7 veranstaltet. Hierbei wurden folgende Vorträge gefiaften: - . Frau K ro n h e i m über „Die Loge als Erzieherin unserer Jugend"; Br. Expräs. Raböw über „Arbeitsnachweise"; Frau O 11 e n d o r f - Bullauüber „Die jüd. soziale Hilfsarbeit"; Br.Z a u s m e r über „Heinrich I leine als Dichler der Judentums".; Frau Johanna Meyer- Berlin über „Der Jude in der christlichen Dichtung; Br. Expräs. Levy über„,Die Mischehe"\ Br. Dr. Zlocisti über „Der universelle Gedanke im jüdischen Schrifttum"; Br. Gordon: Lichtbildervortrag „Wanderung durch das bayrische Hochland"; Fohl Zlocisti „Rezitationen aus jüdischen Dichtern. Man sieht aus dieser Zusammenstellung, daß mit Absicht alle Vorträge allgemein e r interessierenden Inhalts in die gemeinsamen Tagungen der Schwestern und Brüder verlegt wurden, wosie ein größeres Auditorium fanden. Außerdem erwies sich dieses als ein ausgezeichnetes Mittel, das vorhandene hiteresse unserer Schwestern für die Ordensidee zu befriedigen und weiter anzufachen, was sodann weiterhin auch nicht ohne Einfluß auf das LogeninterCjSse ihrer Männer sein dürfte. ' „' . Dreimal wurden die Sitzungen am Sonntag N-ach mittag abgehalten, größtenteils im Interesse der auswärts wohnenden Brüder, und erfreuten sich •auch stets eines guten Besuche;. Sobald sich diese Einrichtung als eine ^tändig wiederkehrende eingelebt haben wird, werden hoffentlich auch die auswärtigen Brüder noch in größerer Zahl erseneinen. An diese Sonntagsnachmittagssitzungen schloß sich jedesmal ein gemütliches Beisammensein und zwangloses Abendessen in den Logenräumen an. Unzweifelhaft haben hierdurch der gesellschaftliche Zusammenhang und der freundschaftliche Verkehr zwischen den Brüdern und ihren Familien in diesem Winter einen ungeahnten Aufschwung genommen. Von größeren Festen wurden veranstaltet am 6. April ein Brudermahl, ein ebensolches mit Damen - 93 — i