Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 9 - Oktober
- Date
- 1908-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4864325-6028974-6074176--1338-4865474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- I - , '. - ■ Im Anscbluss an die konstituierende Mitgliederversammlung liielt der Ausschuss seine erste Sitzung ab.. Ks wurden <lie Herren: Professor Philippsi in /um Vorsitzenden, Justiz rat Timendorfer /um stellvertretenden Vorsitzenden, D. Wollt zum Schriftführer. Rabbiner I)r. Schreiber' zu dessen Stellvertreter. Kmil < «>hn zum Schatzmeister, Justiz rat Jösephsohn zu seinem Stellvertreter erwählt. Diese << Herren bilden den Vereinsvorstand, ' der ilen Verkehr mit dem Rcgisterrichter zu, führen hat. /■Unter dem neuen Aiisschuss bleiben die bereits vor der konstituierenden Sitzung des Vereins eingesetzten Kommissionen für die Beschallung der inneren Einrichtung, die Propaganda, die Aufnahme der Köglinge weiter bestehen. Die Anstellung der Beamten hat sich der V«»rstaiul vorbehalten. < J >ie wichtigste Bedingung .des Krfblges ist richtige Wahl lies Anstaltsleiters. Für diesen Posten ist Herr Lehrer S. Bein, der seit einigen ,Jahren an der israelitischen Taubstummenanstalt in * Weissetisee berHeilin w irkte gewühlt worden. Unter allen Bewerbern wies der genannte Herr die beste Vorbereitung für das verantwortungsreiche Amt auf: er ist mit dem Anstaltswesen vertraut, die Erziehung der I aubstummen ist dasjenige Gebiet tierl lejipädag' >gik, das der Behandlung derSchwach- -innigen am nächsten verwandt ist. ja direkte Berührungen mit ihir) hat, indem «las Vorkommen ton Sprachfehlern bei solchen Kyidern häufig ist, kvie andererseits in' jeder Taubstummenanstalt einige Zöglinge, die mit einem Grade Von Schwachsinn behaftet sind,, vorkommen i lerr Hein hat aber, auch alle notwendi gen Kurse für sein neues ^Arbeitsgebiet durchgemacht und in ausgiebiger l\'eise unter den bew äbrtcti Fachleuten: Erzibhungs- [•iispektor Piper in Dalldorf und Hilfsschulleiter Akio l uchs ii>_Berhn,{ den Kehr und Anstaltsfietrieb an Idiotenanstaltcn und Hilfsschulen kennen gelernt, er ist auch für die Erteilung des Hand- HFertigkeitsunXerrichts ausgebildet. Möge ilern für weihe Aufgabe begeisterten jugendlichen Kehrer reicher Krfolg beschiedfi) sein! Ihm zur Seite, als Lehrerin der Mädchen, wird seine bisherige Kollegin an der Weissense er Anstalt und nunmehrige Gattin stehen. , Das Anstaltspersonal bestehend in der Wirtschafterin Jüdin}, einem Aufseher, einem verlheirateten Pförtner unrl einer jüdischen Köchin.- |jstebenfalls engagiert, f Leber die Besetzung des Hausarztpostens kann erst kurz vor der Eröffnung der Anstalt Beschluss gefasst wereten; es handelt sich dabei nur um die nicht mit dem Schwachsinn zusammenhangenden Krankheitsfälle: für die psychiatrische Aufsicht stellt sich Herr Dr. Xawratzki in selbstloser Weise zur Verfügung. Die Rücksicht auf das Er/.ieherpcrsonal, das ..sieh bei Eröffnung der Anstalt vor eine ungemein schwierige und komplizierte Aufgabe gestellt sehen wird, veranlasst die Aufnahme-Kommission, ein möglichst einheitliches Zöglingsmaterial auszuwählen. Massgebend ist einmal ein gew isser Grad von Bildungsfähigkeit und andererseits das schulpflichtige Alter. Während die erste Bedingung als dauernde Norm gelten soll, und das Kuratorium sich vorbehält, in Fällen, in denen trotz der vor I < *• -*'§:*■' ■ "i ■ ■ -. * ausgegangenen »Untersuchung^' durch den Hausarzt und unseren Vertrauensarzt sich noch nachträglich Bildungsunfähigkeit herausstellen sollte, die Zöglinge ihren Angehörigen zurückzugeben, ist die Bestimmung der Altersgrenze auf höchstens i 5 Jahre keine dauernde. Zöglinge, bei denen dadurch eine wirkliche Förderung erreicht wird, können bis zum 1. Lebensjahre behalten werden und es sind Einrichtungen zu treffen, damit die älteren Knaben für eine, wenn auch noch so einfache berufliche Tätigkeit, die Mädchen für die Verwendung im Haushalt' angelernt werden. Aber für den Anfang soll doch -die Erweckung des schlumnierden Geistes durch heilpädagogische Einwirkung neben der dem leiblichen Gebrechen individuell angepassten Körperpflege die Hauptrolle spielen. Dies soll hervorgehoben werden, um Enttäuschungen von Angehörigen und Gönnern .zu begegnen, die mit ihren Anträgen zum lebhaftesten Bedauern der Aufnahmekommission abt gewiesen werden müssen, wenn die von ihnen angemeldeten Zöglinge nicht den beiden erwähnten Bedingungen entsprechen. Lnter Anwendung des vorstehend dargestellten Aiislcseprinzips sind die vorhandenen' 2<> Stellen für Knaben schon fast vollständig besetzt. Geringer ist entsprechend der auch anderwärts gemachten Erfahrung die Zihl der angemeldeten, für die Anstalt passenden, weiblichen Zöglinge. Immerhin empfiehlt es sich auch hier, nicht lange zu zogern, sonst konnte eine' vorläufige Zurückstellung wegen zeitweiser L'eberfüllung gewärtigt werden. Uebrigens befindet sich bereits — 118