Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-05-01 · Nr. 6 - Mai · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 6 - Mai
Date
1908-05-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4864325-6028974-6074172--1293-4865432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sämtlichen hiesigen Brüder als ausserordentliche Mitglieder beigetreten sind; die Sitzungen und Zusammenkünfte finden.stets in unseren Räumen statt, wie wir überhaupt den Verein in jeder Beziehung fordern und unterstützen. Nachdem die Statutenberatung einige Sitzungen in Anspruch genommen hatte, fand am Montag, den 27. April, die erste Veranstaltung statt, die einen überaus erfreulichen Verlauf nahm. Br. Dr. Rosenberg eröffnete die Versammlung, indem er einen kurzen Rückblick über die Gründungsgesehichte gab. und die Ziele des Vereins darlegte. Hierauf hielt unser Expris. Adolph Jacob einen Vortrag über das Leben und Wirken Gabriel Riessers, der an diesem Abend ganz besonders angebracht war, da, sicherlich dem grössten Teil der jungen Leute erst hierdurch klar wurde, was der Mann geleistet hat, de>>en Namen wir die Ehre haben zu tragen. Nach dem Vortrage erfreute uns Herr stud. phfl. Horowitz durch Vortrag einiger Lieder; auch beteiligten sich einzelne Mitglieder ebenfalls mit Gesangsrorträgen. Das erste Zusammensein verlief zur allgemeinen Befriedigung sämtlicher Teilnehmer und ist geplant, zunächst alle 11 Tage eine derartige Zusammenkunft zu veranstalten; ausser der Pflege der Geselligkeit soll auch jedesmal ein kurzer ■ Vortrag oder ein Referat gehalten/werden. Wir schliessen mit dem W ansehe, dass wir durch die Gründung des Jugend-Vereins mit dazu beitragen werden, der Gesellschaft sowohl als auch dem Judeutume brauchbare und nützliche Mitglieder zu erhalten. Hohenzollera-Loge. Bei der l ebernahnie seines Amtes hielt der derzeitige Präsident Br. A. Margolius folgende Ansprache: "; Hochverehrter Delegat, w. E\-Präsidenten, liebe Brüder! Durch Ihr einmütiges Vertrauen anf diesen Platz berufen, flanke ich Ihnen allen für die mir zuteil gewordene Ehrung wie für die liebenswürdigen, schmeichelhaften Worte, mit denen Sie Ihre wohlwollende Zustimmung zum Ausdruck gebracht haben. Gleichzeitig möchte ich von dieser Stelle aus dem scheidenden Präsidenten Br. Bloch auch in meinem Namen Dank sagen für die treue und von edlem Eifer erfüllte Arbeit, die er zwei Jahre hindurch an der Spitze unserer Loge unermüdlich geleistet hat. Wir wissen, dass er stets das Beste gewollt und uns seine schätzenswerte Kraft gern hat allezeit dienen lassen. Wir hatten allerdings gerade in diesen letzten zwei Jahren ganz besonders anter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden. Tieftraurige Ereignisse, erschütternde Verluste hemmten unsere Arbeit. Liebe Brüder, die so gern mit uns gestrebt, voll Hoffhttngsfreudigkeit und Opfermut, die durch ihr vorbildliches Wesen, ihre vornehme Gesinnung und Würde unsere reichste Liebe und Verehrung besassen, sie wurden uns von einem herben Geschick entrissen, mitten aus ihrem reichen Leben. Ihr Andenken wird in unserer Mitte nie erlöschen. Und nun übernehme ich gern und freudig das mir überwiesene Amt. Ich hoffe, mich Ihres Vertrauens allezeit würdig zu zeigen, indem ich bestrebt sein will, all mein Können und Wollen in den Dienst unserer guten Sache zu stellen. ■ ' ■ Ich bin mir wohl bewusst, da«s das übernommene Amt hohe Pflichten auferlegt, doch hoffe ieh zuversichtlich im Vertrauen auf Ihrer aller treue Hilfe meine neuen Pflichten redlich zu erfüllen. Dabei denke ich der Worte, welche der Priester am allerheiligsten Tage, da er für sein Volk Sühne und Erhörung heischt, mit Inbrunst betet: „O dass doch diejenigen, die mich entboten, nicht durch mich zur Schande werden, noch ich durch sie*. rIch liebe die Geburtstage, die Sylvesternächte", sagt Nietzsche, »denn sie geben uns Stunden, wie man sie sich freilich oft machen kann, aber nur zu selten sich macht, wo die Seele stille steht und eiuen Abschnitt der eignen Entwickelung übersehen kann. In solchen Stunden werden entscheidende Vorsätze geboren". Eine solche Stunde, liebe Brüder, feiern auch wir heute. Wir tieten in das Schlussjahr des ersten Dezenniums unseres Bestehens und ich wünschtt^ dass auch in unseren Seelen heut entscheidende Vorsätze entstünden. Denn wenn wir"' Rückblick halten über das, was wir' erstrebt und erreicht haben, so sind wir wohl alle übereinstimmend, dass das Geleistete uns noch nicht genügen darf, dass wir unseren fing höher nehmen müssen, um den gelobten Idealen nahe zu kommen, dass unsere Tätigkeit sich neu beleben und erfrischen müsse zu unserem Heile und zum Heile des geliebten Ordens. Gestatten Sie mir in dieser Stunde, da ich die volle Verantwortung für den guten Geist, der in^unserer Loge zu herrschen hat, übernehme, offen und rückhaltlos zu sprechen. Meine lieben Brüder! Die Tätigkeit einer jeden Loge baut sich auf dem Prinzip der Teilnahme sämtlicher Mitglieder auf. Brüder, welche der Arbeitsloge, aus welchen Gründen auch, dauernd fernbleiben, sind dem inneren Gehalt und Geist unseres Bundes völlig fremd geblieben. Wer aus eigensüchtigen oder kleinlichen Gründen seine Kraft der erspriesslichen gemeinsamen Arbeit entzieht, macht sich eines Verrates an dieser heiligen Sache schuldig. Es ist ein schweres Unrecht, dem kleinen Krimskrams des Lebens, der sich wie Bleigewicht an die Schwingen unserer Seele hängt, soviel Raum zu geben, dass er auf unsere höchsten und heiligsten Beziehungen Einfluss gewinnt. Wenn ein Bruder sich im Leben da draussen durch einen andern Bruder gekränkt glaubt, so soll er nicht durch Fernbleiben von der Logentätigkeit diese Brüder zu strafen glauben. Er straft nur damit sein Ordensgelübde, und schädigt sein eigenes Ansehen, wie das dieser heiligen Sache, der er seine Kräfte entzieht. Der Orden braucht keine leeren Zahlen und Namen, sondern tätige, ruhige Männer, die mit allen Strömungen der Zeit gehend, Schulter an Schulter kämpfen für das Gute und Wahre, und nur durch diese ihre treue Mitarbeit den Ehrennamen eines Bundesbruders verdienen. Die halben, nur dem Namen nach Brüder aber sind den dürren toten Aesten vergleichbar, die zwar auch dem Baum angehören, aber frucht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.