Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 4 - März
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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seinen Ausführungen folgte. Nach einer Erfrischungspause von 10 Minuten, während welcher das im Nebensaale aufgestellte Büffet mit Automaten-Preisen reichen Zuspruch fand, eröffneten den zweiten Teil gesangliche Darbietungen, nämlich Einzelvorträge und Duette von Frau Rechtsanwalt Peiser und Herrn Franz Laqueur. Die Kunst der Vortragenden, wie die überaus glückliche Auswahl der Lieder begeisterten das Publikum zu wahren Beifallsstürmen. Nicht geringeren Applaus erntete sodann Fräulein Hannach, eine junge Violinistin, mit ihren Vorträgen, von Fräulein Seelig vorzüglich auf dem Klavier begleitet. < Dass jungen strebenden Talenten an solchen Veranstaltungen eine vorzügliche Gelegenheit durch die Loge geboten wird, ihre künstlerischen Fähigkeiten öffentlich zu betätigen, ist als ein überaus segensreicher Nebenzweck anzusehen. Nachdem noch Fräulein Lustig auf Verlangen einige Gedichte prächtig zu Gehör gebracht hatte, wurde der Abend überaus glücklich beschlossen mit dem ebenso belehrenden, wie launigen Vortrage des Br. Expräs. Albert Peiser über „Saphir". Sonach darf die Loge auf ihren ersten Unterhaltungsabend mit vollster Befriedigung zurückblicken, so dass nur zu wünschen bleibt, dass die Einrichtung derartiger Unterhaltungsabende von der Loge als ständiges Programm aufgenommen werden möge. Bevor wir an einen weiteren Ausbau herangehen können, muss das Unternehmen zuerst finanziell sichergestellt werden. Möge es uns an Wohltätern nicht fehlen, die ihr Scherflein zu diesem segensreichen Werke beisteuern und möge die bereits am ersten Abend freudig gewährte Spende eines lieben Bruders in Höhe von 300 Mark einen glück - verheissenden Anfang bedeuten! Georg Peiser. e' Aus den Logen des VIII. Distrikts. Friedrich-Loge. Zwei hervorragende Ereignisse kennzeichnen das Jahr 1908 für uns. Es war uns vergönnt, mit den Schwestern zusammen die Erinnerung an die 25. Wiederkehr der Errichtung unseres Ordens in Deutschland in würdiger Weise zu feiern, uns dabei des schon Erreichten zu freuen, uns aber noch viel mehr daran zu erinnern, was alles noch zu leisten uns vor Augen liegt oder noch im Dunkel der Zukunft ruht. Unser Präsident Br. Dr. Kaufmann gab damals in grossen Zügen die Geschichte dieser 25 Jahre unter Benutzung des inzwischen in' die Hände aller Brüder gelangten - Buches unseres hochverehrten Br. Dr. Maretzki und gedachte dabei auch insbesondere der Tätigkeitsgebiete, auf denen wir auf die Mithilfe unserer Schwestern besonders rechnen. Expr. Ferdinand Liebhold gab daran anschliessend ein Bild des grossartigen, am Sitz der Grossloge aus dem gleichen Anlass gefeierten Festes. Während bei diesem im Anfang des Jahres gefeierten Fest die Wogen der Begeisterung manches Versprechen zeitigte, das noch der Einlösung harrt, aber zum Segen des Judentums und der Menschheit noch eingelöst werden wird, verursachte ein zweites Ereignis unseren Herzen tiefe Trauer. Noch sind die schweren Stunden nicht vergessen, in denen wir um das Leben des zu seinen Vätern heimgegangenen hochherzigen. Landesfürsten und gütigen Menschen bangten und dann die Majestät des Todes sich über die sterbliche Hülle eines ausgezeichneten Menschen herniedersenkte. Wir gaben der innigen Trauer um den Heimgegangenen, diesen Edelmenschen und Fürsten, durch eine Trauerfeier auch unsererseits Ausdruck, bei welcher Gelegenheit Präs. Br. Dr. Kaufmann uns vorführte, was unser engeres und weiteres Vaterland, was das Judentum und speziell unsere Loge, der sein Name immer voranleuchten wird, verloren hat. Bei den Sammlungen zur Errichtung eines Denkmals für Grossherzog Friedrich in unserer Stadt haben wir uns mit einem namhaften Beitrag beteiligt. Die Entwickelung unseres Bruderbundes ist in einem hocherfreulichen Aufschwung begriffen. Neue Arbeitsstätten konnten dank der stetigen Arbeit rühriger Brüder errichtet werden. Wie auch früher beteiligten wir uns bei den feierlichen Installationen dieser neuen Zentren jüdischer Arbeit und Schaffenskraft durch Entsendung gemeinsamer Delegierten der badischen 'Logen Auch unsere Loge ist durch Zuführung neuer, insbesondere jüngerer Brüder in der glücklichen Lage, nicht nur numerisch besser abzuschliessen, sondern' sie kann sich auch der zuversichtlichen, Hoffnung hingeben, dass die erzieherische Tätigkeit unserer Ordensidee auch für weitere Kreise sichtbare Erfolge hervorbringt. Das innere Leben der Loge zeigt in dem sich in erfreulichem Masse entwickelnden Besuch der Arbeitssitzungen eine bedeutsame Steigerung und Kräftigung, die aber auch anhalten muss, wenn wir allen an uns herantretenden Aufgaben gerecht werden sollen. ,) , Dieses Anteilnehmen und das stetige Fördern der vitalsten Interessen unseres Ordens', das selbstverständlich nicht allein in Zahlen, aber auch nicht allein in den von uns tatsächlich geleisteten Arbeiten sich ausdrücken lässt, muss jeder an sich selbst verspüren. Eine grössere Aktion auf, dem Gebiet der Wohltätigkeit leiteten wir beim Ordensjubiläum durch Stiftung eines Kinderhilfs-Fonds ein, der durch Spenden unserer Brüder schon ein ansehnliches Grundkapital erhalten bat, und der durch die in alle Familien verteilten Sparbüchsen neue Nahrung erhalten soll, sodass wir bedürftige und kranke Kinder sonnigen und gesunden Tagen entgegenführen können. Wie schon seit einigen Jahren verwaltete, Br. Nathan Marx in aufopfernder Weise die Kleidersammelstelle, der es in diesem harten Winter vergönnt War, 34 arme Glaubensgenossen zu kleiden. Neben den Zuwendungen an Vereine unterstützten wir ausnahmsweise auch Einzelpersonen und steuerten zur Linderung der Not unserer rumänischen Glaubensgenossen grössere Geldmittel bei. Eine Auszeichnung erfuhr unsere Loge dadurch, dass unser Grosspräsident Br. Justizrat Timendorfer persönlich die Beamten dieses Termins in feierlicher Weise installierte und seine vielen Erfahrungen in einer Arbeitssitzung uns zur Verfügung stellte.