Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 3 - Februar
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 39 — das Jubiläum der Deutschen Reichs-Loge. Unsere Fuhrer gaben in den ersten Jahren den Kurs an, wie wir unsere Ideen verbreiten sollten, unsere ersten Führer halten den Kampf aufzunehmen mit all' den Vorurteilen, die heute glücklicherweise gewichen. Jetzt scheint der Weg geebnet, jetzt ist auch denen, die früher unseren Bestrebungen fern standen, die Erkenntnis gekommen, dass ein Zusammenarbeiten auf geistigem, sittlichem und sozialem Gebiet unumgänglich notwendig ist, um unser Ansehen zu heben und die Gleichberechtigung — wenn nicht Präeponderanz — des Judentums zu zeigen. Unser letztes Geschäftsjahr unter dem Präsidenten Bach begann am 7. April 1906 mit der 1008. Sitzung und schloss am 23. März 1907. Die Sitzungen waren durchweg gut besucht. Viel beschäftigte uns die „Toynbeehalle", welche unter bewährter Leitung recht gut gedeiht. Die Statuten dieser Institution der drei Berliner Logen wurden durchberaten und genehmigt. In einem Semester wurden ca. 750 deklamatorische und musikalische Vorträge gehalten — diese Zahl lässt die ungeheure Arbeitslast erkennen, die zu bewältigen war. Nach erschöpfender Tagestätigkeit wird hier armen Glaubensgenossen am Abend populäre Wissenschaft und Kunst geboten, um bei ihnen Interesse zu wecken für Dinge, die abseits ihres sonstigen Ideenkreises, Ihres Berufes liegen. Man hatte die Absiebt, eine, zweite Toynbeehalle in Berlin zu gründen oder die vorhandene zu vergrössern; die Verhandlungen hierüber sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Auch der „Arbeitsnachweis" gedeiht erfreulicherweise, die Bureauräume wurden vergrössert und nach dem Monbijou-Platz verlegt. Nähere Angaben über die beiden letztgenannten Institutionen erfahren unsere Brüder aus dem jeweiligen speziellen Jahresbericht. Die Tätigkeit der Deutschen Reichs-Loge zeigt sich auch in den Ausgabezahlen. Für Regie (inkl. Jubiläumsfeier mit j|865 Mk., Vorträge pp.) wurden rund 15 500 Mk., für Unterstützungen rund 13 300 Mk. verausgabt, trotzdem sind unsere Finanz Verhältnisse erfreuliche zu nennen; das Vermögen der Deutschen Reichs-Loge stieg auf 113 800 Mk. in Effekten und 4 451 Mk. in bar; die Mitgliederzahl auf 385 Brüder; neu aufgenommen wurden 40- Brüder. Die Einführungen trugen stets einen recht feierlichen Charakter und besonders an diesen Abenden zeigte es sich, dass unser Sitzungssaal zu klein Ist und dass zu wenig Nebenräume vorhanden sind. Diesem Uebelstande abzuhelfen ist schon lange das Bestreben unserer Loge und das unserer Berliner Schwesterlogen; aber trotz vieler Vorschläge konnte bis jetzt ein geeignetes Grundstück nicht gefunden werden. Am 28. Juni 1906 fand in dieser Angelegenheit sogar eine ausserordentliche gemeinsame Sitzung der drei Berliner Logen statt; man glaubte schon ein passendes Grundstück zu haben, die Verhandlungen zerschlugen sich jedoch. Um die Geldmittel für eine erhöhte Miete bei einem ev. Neubau aufzubringen, wurde folgender Antrag angenommen: „Der Beitrag wird um 5 Mark vierteljährlich erhöht, welche dem Logenfonds zufliessen, beginnend mit demjenigen Quartal, das dem Ankauf eines neuen Logengrundstücks durch die Logenhaui- Aktiengesellschaft folgt'S Um den bei dem Anwachsen der Berliner Logen und der damit verbundenen Aufgaben sich immer schwieriger gestaltenden Geschäftsverkehr innerhalb der Logen untereinander und mit den Mitgliedern zu erleichtern, sowie um die Beamten von oft rein mechanischen Arbeiten zu entlasten, wurde ein ständiges Bureau der drei Berliner Logen gegründet, welches von einem Berliner Bruder geleitet wird und sich vortre ff lieh j;be währt. ■, In den unzulänglichen Räumen unseres Logenhauses konnten die grösseren Festlichkeiten und Vorträge nicht statifinden; wie in früheren Jahren wurden die Säle anderweitig gepachtet. Unter anderem sprachen , Dr. Gustav Karpeles über „Die Entstehung des Christentums". Frl. Maria Holgers über, „Dichtungen semitischer Völker aus der älteren Zeit bis in das Mittelalter*', Dr. Leopold Hirschberg über „Beethovens Symphonien*'. Im engeren Kreise der Brüder wurde im Logentempel manch anregendes Thema behandelt; so erstattete Br. Ex¬ Präs. Maretzki einen ausführlichen Bericht über den in Paris stattgefundenen Kongress zur Bekämpfung des Mädchenhandels, dem er selbst als Delegierter beiwohnte; Br. Expr. Ewer hielt einen Vortrag über: „Die sozialen Zustände in Frankreich vor der Revolution", Br. Vizepräsident Schindler referierte über die Broschüre Blau's: „Die Criminalität der Juden in Deutschland*'. ' Leider hatten wir im vergangenen Jahr den Verlust mehrerer Brüder zu beklagen, unter ihnen Männer, die an der Spitze unserer Loge standen und mit aufopfernder Freudigkeit unsere Führer waren. r \^ Br. Expr. Julius Wagner, ein treuer Kämpfer für unsere Sache, ging dahin; ihm ist durch die Hochherzigkeit seiner Gemahlin ein bleibendes Denkmal durch die Julius Wagner-Stiftung gesetzt worden. Zweckder Stiftung ist, Kranke zu unterstützen, insbesondere /ihnen die Mittel zu einer ev. Badereise zu gewäbren. Welche bedeutende Stellung unser Verstorbener Bruder Adolf Mayer im Orden einnahm, werden wohl alle Brüder wissen; wie beliebt er war, beweist die ausserordentlich grosse Teilnahme an der Trauerfeier, dem Verblichenen zu Ehren im Mozart-Saal' abgehalten wurde; eine ausführliche Beschreibung stand s. Zt. im Monatsbericht. Jedem Teilnehmer an der Feier wurde noch einmal so recht klar, wie unersetzlich der Verlust isi und wie abgrundtief die Lücke, die der Tod gerissen hat., Ihm zu Ehren soll in Misdroy ein jüdisches Ferienheim errichtet werden, um gerade seine unvergänglichen Verdienste auf dem Gebiete der Fürsorge für arme Kinder während der Ferien zu würdigen. Während dieses Geschäftsjahres wurde beschlossen, die Deutsche Reichs-Loge in das Vereins-Register eintragen zu lassen, um die Rechtsfähigkeit zu erlangen; die Eintragung der Deutschen Reichs-Loge als rechtsfähiger Verein ist am 17. Juli 1907 erfolgt.. Am 16. und 17. März d. J. fand das Jubiläumsfest unseres Ordens statt; im Bericht der Grossloge No. 3 vom