Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 4 - Mai
Article
Beilage zu Nr. 4
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4864325-6028968-6074134-6074136--1021-4865178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Krbteil seines ' von ihn» hochverehrten Vaters Von Natur aus war Gabriel Kiesser tfji sanfter u:id ruhiger Gemütsart. .Mündlich konnte er. kaum jemand <las geringste Unangenehm e sagen. .\l>er in dem Kampfe gegen tausendjährig!ss Unrecht, in "welchem" er, wenn er hätte helfen können, lieber sein Herzblut.verspritzt als Tinte verschrieben, konnte er von heftiger Bitterkeit werden. Indeser zürnte nur mit seihen Kopfe, sein Herz blieb unberührt und ging u!• verbittert aus dem Streit hervor. Kr hasste nie lt den Gegner, sondern nur die Bosheit und-die Ungerechtigkeit.. Sein Eintreten für seine Glaubensbrüder hatte nicht blos in der abstrakten Rechtsideeseine Quelle, sondern aheh in seiner' innigen Anhäng lichkeit an jüilisches Keben und an jüdische Sittt;. Seine Kenntnis vorn Judentum war jedoch trotz der vom Vater empfangenen Belehrung und trotlz dem er sich noch in reiferen Jahren mit dem Stil dium «'er Bibel im Urtext beschäftigte,.nicht so^rois. dass er steh in religiösen I )ingen eiii'selbständigL's Urteil orlaubt hätte. Aber er war doch befdurchdrungen von der iveljgeschichtlichen Bedeutung des Judentums und betonte es wiederholt in seinen' Schriften« dass es an Vernunftgemässheit alle andere Bekenntnisse übertreffe und hinsichtlich der Erhabenheit seiner Sittenlehre von keinem Bekenntnis übertroffen werde. Von der Ausübung des sogenannten l ere ntonialgesctzes hatte er sich losgesagt. Aber er hatte sich solche Verehrung und Liebe für es Le wahrt, dass das. was er von ihm sagt, zii dem schönsten gehört was je über dasselbe gesagt; »i irden ist. , j- „Um den Wert solcher formen zu erkennen, muss man sie empfun len. muss man darin j|e- . ' lebt haben. Ihr müsst sehen, wie jenes System für jeden religiösen" Gedanken eine Tat hat, die ihn festhält, für jede Tat einen Gedanken, der sie erhebt, für jeden Genuss einen Segen, für jede Ercude ein ,Gebet, für jeden Schmerz einen Trost, einen Dank selbst." Auch des in seinen l agen selbst von Juden viel geschmähten Talmud nahm er sich mitW.irme an. Mit bitterer Schärfe geisselte er darum das Verfahren derer, die einzelne, aus ihrem Zu sammenhang gerissene Und dänim entstellte Sät>e aus dehi jüdischen Schrifttum gegen die Moral der Juden ins Feld führten. „Könnten wir nicht," so hält er ihnen ent gegen, „gegen jedes ohnmächtige Wort der Un- . duldsamkett und der Lieblosigkeit gegen'Anders gläubige, welches man uns aus dem. I nlinud und den rahbinischen Schriften anführt, t-odbrin gftide Worte des Ilassirs und-der. Verfolgung in die Wagscbalc legen, womit die«herrschende christliche Kirche "'ganze Nationen Anders gläubiger dem Untergang«; geweihthat .-" Darum wetst er aüöh ' jegliches Paktieren afil religiösem Gebiete zu Gunsten der politischen Gleichberechtigung von vornhereinzurück. ■■'■_■ ...Man fordere von uns das geringste < >|vier, die geringste Erklärung, weicht* mit den''religi , osen Ucberzeugungcn auch nur /.-iner Minorität unter uns in einem wahrhaften Wicdcrspriiche steht. Wir werden sie verweigernun<[ \ver<J.e"n es vorziehen, in dem Zustande, der Kutbeh iimg zu verharren." .J ■ -:< So war er denn auch weit-entfernt, dav on, sich auf .sein treues Ausharren' *'aji väterlichen Glauben etwas zu (inte zu tun.. Er; sab .-daHii etwas selbstverständliches, -dass man .st inen An sichten, seiner Würde und seinem -Glauben seine äussere Stellung . pfere. und keine Treulosigkeit begehe. Aus voller, heiliger Ueberzeugüng konnte er darum von sich sagen: "' ' ..Auch wir werden in jlcr letzteii Stünde der religiösen* Gemeinschaft, iii der wir lebten •/ und starben, mit Innigkeit, gedenken, aber nicht als einer Schmach, sondern als\ des Bandes und der Sache, an die sich ein Teil unseres besten Wirkens und Höffens und Empfindens"" knüpfte, für die wir Manches gelitten .inid entbehrt, in deren sittlichen Bedeutung wir (fenf . inneru Lohn , für Leiden und Entbehrungen geiuj'derr. haben.•' Mit gleich hehrer Begeisterung jyie.fijr seinen Glauben und seine GlaubcUsbrndt-r hat Uiesser für sein Deutschtum, gestritten und für che Einheit und Grosse des deutschten Vaterlandes seine Kräfte eingesetzt Auch auf. poetischem-Gebiete wuchs seine Tätigkeit aus-Mlem-Boden einer tiefen und betssen Ueberzeugüng empor, und-aach hier wollte er stets die strengsten Grundsätze -'des Recht! und der Moral angewandt wissen. Die. erhoffte Einigung Deutschlands mit einem .erblichen. Kaiser an der'Spitze euseheint ihm:'als Inbegriff der Freiheit und des Wohles der Allgemei'n1u_-it. Seine Liebe zum deutschen V^iterlaiide .überstieg .garnoch sein Streben nach Gleichberechtigung.» „Bietet man mir.-1 so spricht er einm.il.. ..mit iler einen Hand die Kmancipatinn/ auf-ilie alle meine innigsten Wünsche gerichtet suhl * mit tler anderen die Vervv irklicliung ' «k's; .scJiohiin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.