Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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— 18 — der Gemeinde zu Opferwilligkeit angeregt. Neidlos wird die Tätigkeit der Frankfurt-Loge von allen Organisationen dieser Stadt anerkannt, nnd es wird jetzt bereitwillig diejenige führende Stellung im jttdiscben Leben unserer Stadt eingeräumt, die ihr bei ihrer Begründung vorgeschwebt hat. Mit Hingebang haben auch unsere verschiedenen Aas schasse gearbeitet, allen voran der Unterstützungsausschuss der, in von Jahr zu Jahr steigendem Masse von den Brüdern bei freudigen nnd traarigen Anlässen bedacht, Tausende an Stadienstipendien and zar Aufrichtung bedrohter Einzel existenzen veraasgabt hat. Unserm Arbeitsnachweis-Ausschuss ist die gewiss nicht leichte Aufgabe gelangen, einer beträchtlichen! Anzahl Arbeits' suchender dauernd Arbeit zu verschaffen und sie und ihre Familie dem Ruin zu entziehen* . Wir haben auch eine grosse Anzahl jadischer Wohl tätigkeitsanstalten dotiert, so den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund zur Erteilang von Religionsunterricht in den kleineren und kleinsten Gemeinden mit Mk. 500,—; die Anstalt zur Erziehung israelitischer Knaben und Mädchen zu Handwerk, Ackerbau und Hauswirtschaft in Ahlem mit Mk. 500,— das hiesige Seminar znr Heranbildung osteuropäischer Knaben zur Ausübung des Lehrerberufs in ihrer Heimat mit Mk. 1000,— die von uns begründeten Veranstaltungen zur Ausbildung der hierorts wohnenden jungen und erwachsenen Galizianer mit Mk. 600,— und noch eine grössere Anzahl weiterer Institute namentlich auch die beiden jüdisch-litterarischen Gesellschaften mit bedeutenderen Beträgen. Nicht stille gestanden hat insbesondere auch uns« Propagandaaasschuss. Zwar hat der grause Tod in diesem Jahre eine besonders reiche Ernte unter uns gehalten, indem er sieben liebe Brüder aus unserm Bruderkreise gerissen, nämlich die Brüder: Konsul Max Budge, Jakob Sichel, Ludwig Joseph Pfungst, Joseph Kahn, Max Mayer, Albert Schames und Carl Kahn, deren Verlast wir tief beklagen nnd deren Andenken aas unserer Mitte .nie schwinden wird; ein Bruder ist durch Wegzug aus geschieden; aber wir haben unserer Loge 'im vergangenen Jahre 44 Mitglieder zuführen können, sodass wir mit 411 Mitgliedern, zu denen heute noch weitere 6 getreten sind, wohl heute die grösste Loge in Deutschland sind. In Deutschland haben wir in diesem Jahre dem Orden neue Arbeitsstätten nicht erschlossen; unsere Bemühungen, Aachen and Konstanz für unsere Arbeit zu gewinnen, harren noch der Krönung. Oft war in den letzten Jahren darüber geklagt worden, dass hinter die Erwartungen, die wir an die Erbauung unseres glänzenden Logenheims hinsichtlich unserer Geselligkeit geknüpft haben, die Wirklichkeit zurückgetreten, dass der gesellschaftliche 'Zusammenschluß der Brüder kein regerer sei. Auch nach dieser Richtung glauben wir in diesem Jahre Fortschritte gemacht zu haben. Ausser einem glänzend verlaufenen Stiftungsfeste haben wir ein Gartenfest und einen allen Teilnehmern noch in schönster Erinnerung stehenden Rheinaustlug mit den Brüdern und Schwestern der benachbarten Logen veranstaltet. Mehrere Brüdennahle fanden, namentlich im Anschluss an die Neueinführungen statt; auch hatten wir diesmal wieder eine herrliche Chanukafeier für unsere Kleinen, bei welcher Licht nnd Gaben den Kindern unserer Armen gespendet wurden; und auch unsere Frauen kamen bei den verschiedenen gelungen verlaufenen Familienabenden zu ihrem Rechte,, und das alles, ohne dass unsere Mittel in erheblicher Weise für die Zwecke der Geselligkeit brauchten in Anspruch genommen wurden; wir haben für dieselben nämlich kaum Mk. 3,— pro Mitglied verausgabt. Ad vocem: Frauen, so möchte ich nicht verfehlen, auf die in stetem Aufschwung begriffene soziale Fürsorge-Tätigkeit unserer Frauen-Vereinigung und auf ihre Mitwirkung an unseren Zielen, die Veranstaltung von Vorträgen and die Einrichtung einer Jugendgruppe hinzuweisen, welche in manchen Zweigen des Wissens, namentlich des jüdischen fortgebildet wird. Vieles hätte ich noch anzuführen, am ein auch nur annäherndes Bild unserer Tätigkeit im verflossenen Jahre zu geben. Ich habe noch der Vermehrung unserer Logenbiliothek um über 300 der besten jüdischen Bücher zu gedenken, die der wacker arbeitende Bibliötheks-Aüsschuss mit den neu bewilligten Mitteln herbeigeführt bat und die nach Schaffung einer Bibliotheksbenutzungsordnung und eines Katalogs den Brüdern werden zugänglich gemacht werden. Die" jüdischen Volksbibliotheken, die wir auf dem Lande znr Fortbildung der daselbst lebenden Glaubensgenossen lunausgesckickt haben, sind um eine beträchtliche Anzahl yermehi t worden und haben jetzt die Zahl yon 25 bereits überschritten. 'Unser Archiv geht nach Schaffang eines geräumigen Scbrankmaterials seiner Ordnung entgegen. Nicht ganz untätig ist auch unser neu ins Leben ge tretener sozialer Ausschoss geblieben, and wenn auch hauptsächlich infolge der durch die rassischen Wirren herbeigeführten stärkeren Inanspruchnahme . der Kräfte seiner Mitglieder dieser Aussenuss noch nicht voll hat seine Tätigkeit entfallten können, so bat er doch in mehreren Sitzungen, die . er'in der ersten Hälfte dieses Jahres gehalten, den jüdischen Wohltätigkeitsinstituten manche wertvolle Anregung gegeben und eine gemeinsame Arbeit mit ihnen in Angriff genommen. So hat er sich bereits mit der Frauenvereinigung, der weiblichen Fürsorge und dem Hilfsverein in Verbindung gesetzt, um auf die Familien, die sich hilfesuchend an diese Vereinigung wenden, nach Richtung der Beschaffung hygienisch und moralisch einwandfreier Wohnungen Einfluss zu nehmen. Der Aosschuss hat mit dem Hilfsverein und der weiblichen Fürsorge die Schaffung eines Ferienaufenthalts für bedürftige israelitische Arbeiterinnen in König im Odenwald beraten und mit Hilfe der Loge durchführen helfen. Die Frage der Nutzbarmachung der allgemeinen Walderholungsstätten für die jüdische Jugend hat er studiert, und da die mit der Zentrale für Walderholungswesen aus hier nicht za erörternden, nicht in der Zentrale, aber auch nicht in ans gelegenen Ursachen zu einem günstigen Resultat nicht geführt, bei der Schaffang einer eigenen jüdischen Walderholungsstätte, die, wie Sie wissen, in diesem Sommer so segensreich gewirkt, mitgetan. Die Offenhaitang der Sappenanstalt im Sommer und an Samstagen wurde in Beratung genommen, nnd auf ihre Anregung ist von Seiten der Frankfurt-Loge bei der Grossloge die Errichtung einer jüdischen Nervenheilanstalt in Fluss gebracht worden. Die Gründung eines jüdischen Mädchenheims und die Fürsorge, für die schulentlassene Jagend und für die jüdischen Strafgefangenen nach deren Entlassung waren endlich gleichfalls Gegenstand seiner Beratung. Last but not least hat unser Hausverwaltungsausschuss angesichts der Beliebtheit unserer Logenlokalitäten bei Ver-