Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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122 — wiederspiegeln. Sie sollen gewissermassen die Strahlen der Ordenssonne bilden, welche ein farbenreiches, lichtvolles Bild zu bieten geeignet sind. Aber nicht allen Logen ist es vergönnt, diesem Bilde Licht und Glanz zuzuführen. Gleichwohl verdient auch selbst die bescheidenste Arbeit einer Loge Aufmerksamkeit. Interesse und Beachtung. Und deshalb ist es wohl zu verstehen, dass die hochw. Grossloge auf die Berichterstattung der Schwesterlogen besonderen Wert legt. — Von diesen Gesichtspunkten geleitet, wollen wir auch über die Tätigkeit der Leipzig-Loge innerhalb des Termins 1904/1905 kurz berichten, t'nmittelbar nach, dem Beginn desselben wurde jtnsere Loge von einem schweren Schicksalsschlage getroffen. Ihr Begründer und eifrigster, opferfreudigster Förderer. Br. Alphon s Jacobson, ward uns am 8. April 1904 in New-York durch den unerbittlichen Tod entrissen. Was wir an diesem Bruder besessen und verloren, das ist eingeschrieben in die Anualen unserer Loge lür alle Zeiten. Die von uns herausgegebenen „Gedenkblätter", der Erinnerung an diesen trefflichen -Mann gewidmet, sind allen Schwesterlogen zugegangen. Präs. des verflossenen Termins war der gegenwärtige Expräs. Br. Ernst Blumenthal, ein Neffe des Br. Jacobson. In seinem Schluss- und Dankeswort an die Teilnehmer d6r für den Verewigten abgehaltenen Trauerfeier konnte er mit Recht sagen: „Das Bild dVs Verklärten aber wird segnend in uns weiter leben, das Vermächtnis, das er uns hinterlassen hat. wird gehegt Hnd gepflegt werden in unsern Kreisen und Gutes wirken für und für". — Die L')ge hat zunächst von Künstlerhand aussei lieh das Bild des Br. Jacobson festhalten lassen. Sein lebens^rossfs Brustbild ziert unsere Logenhalle. Ein Br. (Georg Bluiiieuihal) iiat eine Gedenktafel gestiftet, auf der Alphons Jacobson als Erster verzeichnet steht. Leider folgte ihm ein zweiter Br . Heinrich Zander, bald in die Ewigkeit uach ,— Das Andenken an den Wohltäter Jacobson hat unsere Loge dadurch zu ehren sich bemäht, indem sie ein Institut ins Leben gerufen, dessen Schaffung ein Lieblingswunscji des Heimgegangenen gewesen und dem er noch in der letzten von ihm besuchten Logensitzung, kurz vor seiner Abreise nach New-York, beredten Ausdruck gegeben hatte. Es ^t dies ein Kinderpflegeheim, das bezweckt. Kindern solcher hiesiger Eltern, deren Erwecbstätigkeit sie zeitweilig zwingt, ausserhalb Leipzigs zu weilen und die infolgedessen ihre Elternpfl'chten zu erfüllen nicht immer in der Lage sind, ein Heim zu bieten, in dem sie gute Verpflegung, ein sauberes Lager. Beaufsichtigung der Schul irbeiten erhalten, und zwar gegen ein sehr geringes Entgelt. Die jährlichen Kosten dieser Wohlfahrtseinrichtung, welche sich immer mehr als segensreich für unsere, dem Hausier- und Kleinhandel obliegenden Glaubensgenossen erweist, belaufen sich auf zirka 4000 Mark, die durch freiwillige Beiträge der B. Br. aufgebracht werden. Neuerdings ist die Tendenz dahin erweitert worden, dass auch drei hiesige Halbwaisen unter gewissen Bedingungen im Heim Aufnahme auf Jahre hinaus linden konnten, ein Beschluss, für dessen Herbeiführung der Spezial-Ausschuss r.nd insbesondere unser w. Präs. Br. Jacob Blumenfehl mit grosser Wärme eingetreten ist. Und es wird wohl zu erwägen sein, ob nicht in Zukunft dem Gedanken Beiliegend .»Wegweiser für die Jugendliteratur der Unterbringung und Erziehung elternloser und verlassener Kinder in diesem Institut noch mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden sollte. Als eine weitere Einrichtung sei der Arbeitsnachweis erwähnt. Allerdings zunächst nur in kleinerem Umfange gedacht, ist er bestrebt, hauptsächlich durchreisenden jungen Leuten, die arbeitswillig und arbeitsfähig sind, Beschäftigung, zumeist in den Geschäftsbetrieben der BBr. zu verschaffen. Die BBr. Hahn, Elias und W o h r i z e k widmen sich dieser Angelegenheit in uneigennütziger Weise. Durch die Vermittelung der hochw. Grossloge ist es uns ferner gelungen, seit Oktober d. Js. eine im Schwestemheim zu Berlin ausgebildete Krankenschwester am hiesigen Platze zu stationieren, womit sich ein längst gehegter Wunsch unserer Loge zu allgemeiner Betriedigung erfüllt hat. Zunächst für ambulante Pflege, vorwiegend bei kränken Armen bestimmt, soll die Schwester demnächst auch für Dauerpflegen zur Verfügung gestellt werden. Trotz der nicht unbeträchtlichen Kosten, die der Loge aus der Berufung der Schwester erwachsen, haben wir beschlossen, bei Bedürftigen von einem Entgelt abzusehen und von Bemittelten kein bestimmtes Honorar zu erheben, dies vielmehr dem eigenen Ermessen der Gepflegten zu überlassen. Der Opferwilligkeit unsei er BBr. verdanken wir bereits einen ansehnlichen Grundstock zu einem ..Schwesternfonds", der in absehbarer Zeit sicherlich durch freiwillige Beiträge und Spenden in wünschenswer tem Masse wachsen wird. Eingehende informatorische Mitteilungen über längere Erfahrungen auf dem Gebiete der Krankenpflege haben wir der Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit der BBr. Expräsideuten Flörsheim iu Dortmund und Dr. Freudenthal in Danzig, die uns bereitwilligst und in erschöpfender Form uusere Anfragen beantwortet, zu verdanken. Hilfreichen Beistand leisten uns in dieser Beziehung unsere BBr. Aerzte Dr. Belmonte und Dr. Freymann, die dem Krankenpflege-Ausschuss als Mitglieder angehören. In diesem sowie im Ausschuss für das Kinderpflegeheim wirken auch segensreich die Schwestern Fr. Dr. P o r g e s und Fr. S. G u g e n Ii e i m mit. Was das innere Logenleben betrifft, so ist ein kräftiger Aufschwuug darin unverkennbar. Der Besuch der,Sitzungen hat sich nicht allein gehoben, sondern das Interesse au den Arbeiten ist ein allgemeineres, intensiveres geworden. Wesentlich tragen hierzu die geistigen Anregungen durch kleine, fast regelmässig in der Loge gehaltenen Vorträge seitens der BBr. Expräs. Dr. Porges. Dr. Nobel und Apotheker Hauptmann, die jederzeit bereit sind, aus ihrem Wissensschatze Belehrendes und Anregendes zu bieten, während unser.Br. Vicepräs. Heinrich Rosenthal höchst interessant gestaltete Referate über eingegangene Berichte; besonders den Mädchenhandel betreffend, liefert. Auch die kleine Logenbibliothek, die durch Anschaffung neuerer. Juden und Judentum behandelnde Schriften und Werke erweitert wird, giebt den BBrn. Gelegenheit, sich, mehr als sonst zu geschehen pflegt, Fragen zuzuwenden, welche die Gegenwart stark bewegen. Es erübrigt noch zu registrieren, dass unsere Loge gegenwärtig 75 BBr. zählt, unter denen sich eine nicht eeringe Anzahl jüngerer . Männer befindeu, die von dem Ordensgedauken erfüllt und beseelt, so viel an ihnen liegt, mit Eifer an den Bestrebungen und Arbeiten teilnehmen. Wir dürfen deshalb hoffuungstreudig der weiteren Entwickelung der Leipzig-Loge entgegensehen. — No. 7. Uiichdruckerei Max Cohn (Inh.: A. M. Brodacz), Berlin SW., Ritterstrasse 78.