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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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nahme-Gesuche von unbemittelten Kranken, die an uns aus allen Gauen Deutschlands herantraten, bewiesen uns, welchem tatsächlichen Nothstande in den Reihen unserer,Glaubensgenossen die neubegründete Organisation zu begegnen berufen sei. Die Errichtung einer eigenen Anstalt konnten wir vorerst wegen der enormen Kosten eines solchen Unternehmens nicht ins Auge fassen und wir beschlossen deshalb die betreuenden Kranken in bereits vorhandene gut geleitete jüdische Anstalten unterzubringen. Es gelang uns die bewährte Anstalt, zn Sayn zu weitgehendem Entgegenkommen zu bestimmen, indem sie sich bereit erklärte,- die von uns empfohlenen Kranken zu bedeutend ermässigten Ptlegesätzen aufzunehmen. Wir haben die erhebende Genugthnung. in der kurzen Zeit des Bestehens unseres Vereins 14 Kranke in der Anwalt zu Sayn untergebracht zu' haben, und was uns zur bemruderen Ereudegereicht: „wir konnten bereits 8 dieser Kranken genesen entlassen und ihrem Wirkungs- und Familienkreise wieder zuführen.-' Mit neuem iluthe und ei höhten Hoftuungen gehen wir auf dem betretenen Wege weiter, da ein mächtiger Zeuge und Sachwalter unserer Bestrebungen uns erstanden ist. Wir haben eine Fürsprache gefunden, die alle Hindernisse und Bedenken hinwegräumen wird, die etwa noch hätten ins Feld geführt weiden können gegen unsere Ideen und Ziele. Denn wie gross und bedeutsam das Werk ist, dessen wir uns zu Nutz und'Frommen der armen jüdischen Nerven- und Geisteskranken und zum Wohle der Gesammtheit des Judenthums angenommen haben, dafür mag das sachliche, massgebende Urtheil des berühmten holländischen Psychiaters Dr. van Dev e n t e r , Direktor der grossen Staats-Irrenanstalt in Meerenberg, in dem Bericht über seine Anstalt für das Jahr 1901, hier wörtlich angeführt sein : ..Im Laufe dieses Jahres wurde durch unsere Kommission tli- Frage erwogen, ob nicht eine besondere Abtheilung für israelitische Geisteskranke zu errichten wäre, und die Verpflegung der Israeliten ausschliesslich in dieser neuen Anstalt ' zu geschehen hätte. Die Antwort unserer Kommission konnte . / sowohl im. Interesse der Anstalt, als auch der Kranken nicht anders als zustimmend lauten. < »liue Zweifel bilden den Vorschriften gemäss alle Bewohner der Anstalt eine Haushaltung; eine Bestimmung, woran seit Gründung stets im Interesse der Kranken möglichst festgehalten worden ist. Seitdem die Anzahl der israelitischen Patienten bedeutend zugenommen und die Wichtigkeit ihrer speciellen Vorschriften festgestellt ist, die mit sich bringen, dass sie ihre Mahlzeiten an einer besonderen Tafel nehmen, ist die angegebene Bestimmung nicht mehr genau durchzuführen. Der Nachtheil, der hieraus entsteht, ist die Abschliessung der Israeliten von den übrigen Kranken. Dieses widerspricht dem Charakter der Anstalt. Die Tbatsache, dass sie am Sabbath im Gegensatz zu den anderen Patienten nicht arbeiten mögen, wirkt in demselben ungünstigen Sinne. Aus diesem Grunde glaube ich es im Interesse von Meerenberg aussprechen zu müssen, dass daselbst israelitische Patienten nicht länger mehr aufgenommen werden sollen. Was die Interessen der israelitischen Kranken selbst betrifft, gelten dieselben Schwierigkeiten, wobei noch andere hinzutreten, die sich aus ihren rituellen Verpflichtungen ergeben. Die Erfahrung, die in Meerenberg g; macht ist, hat doch aufs deutlichste gelehit, dass die Genauigkeit der Speisezurichtung und die Behattdlung des E-sg-j-chirres mit grossen Schwierigkeiten vorbunden und in Wirklichkeit nicht streng durchzuführen ist. Dasselbe gilt von den rituellen Gebräuchen hinsichtlich de3 Gebetes bei vorkommenden Sterbefällen in der Anstalt, die rituelle Vorschrift beim Ableben von Familienmitgliedern und das Halten der Traue;tage. Diese Nachtheile werden um so drückender gefühlt, als es das Streben des Irrenarztes sein muss, jedem Krauken die Gelegenheit zu verschaffen, seine religiösen Bedürfnisse zu befriedigen. Aus vorgenannten Gründen glaubte ich meiner Meinung Ausdruck geben zu müssen, dass die Errichtung eiuer israelitischen Zentral-Irrenanstalt für die unbemittelten jüdischen Geisteskranken einer ernsten Erwägung bedarf. Unsere Kommission war mit mir in voller rebereinstimmung.1' Bedarf es noch eines schlagenderen Beweises für die Existenzberechtigung unserer Vereinigung? Möge dieses beherzigenswert he Wort aus dem Munde eines vorurtheilslosen Mannes der Wissenschaft, dazu eines Nicht-Juden, Eingang finden in die Herzen aller derer, die ernstlich bemüht sind, diesen Nothstand unserer unglücklichen, unverschuldet unglücklichen, unbemittelten geistes- und nervenkranken Glaubensgenossen zu lindern. Wir aber wollen rastlos weiterarbeiten und wirken an diesem Werke im Geiste unserer Religion und der Menschlichkeit, deren höchstes Gebot die Fürsorge nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere leidenden Brüder und Schwestern ist. Was wir in der kurzen Zeit erreicht haben, kann uns mit Befriedigung erfüllen und mit dem Gefühle aufrichtiger Dankbarkeit für Alle, die uns ihre Hilfe liehen. Dass die Begeisterung für dieses rein humane Hilfswerk Wurze| schlage in den Herzen aller Guten und Ellen iht unsere Zuversicht, dass Gottes Segen unser Werk begleite wie bisher, und innerer Friede allen denen zutheil werde, die sich der Sache unserer awnen Kranken annahmen, ist unser Wunsch. Möge der nie versiegende Wohlthätigkeitssinn unserer Brüder Herzen und Hände öftcen unserem Werke und der Noth der ärmsten unserer Brü ler und Schwestern! Er öffne Herz und Hand aller derer, die bemüht sind ihr Bestes zu geben um der Andern willen, wissend, dass irdisches Gut uur geliehene Gaben sind, die uns anvertraut wurden, um davon den rechten Gebrauch zu machen! Dann werden wir in absea barer Zeit in die Lage kommen unsere Hilfe immer weiteren Kreisen nothleidender jüdischen Nerven- und Geisteskranken angedeihen zu lassen und unser Werk dadurch kröuen. da<s wir uns auch der hilflosen jüdischen idiotischen Kinder fürsorglich annehmen können. I * 100. Sitzung des General-Comites der Grossloge für Deutschland VIII. Berlin, den 22. Januar 1995. Dass die 100. Sitzung dieser Körperschaft einen wichtigen Abschnitt im deutschen Ordensleben bedeutet, ist von einer Anzahl Mitglieder des General-Comite betont, und gewünscht worden, dass diese Sitzung zu einer festlichen ausgestaltet werden möge. Diesem Wunsche glaubte sich der geschäftsführende Ausschuss nicht entziehen zu sollen, und ist demselben

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