Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1903-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 68- — kann auch die Neuaufnahme zweier Mitglieder — weitere Aufnahmen stehen in Aussicht — angesehen werden. Zum Schlüsse wollen wir noch auf die zahlreichen Beiträge von Seiten unserer BBr. für die verschiedensten wohlthätigen Zwecke hinweisen und damit konstatiren, dass der Wohlthätigkeitssinn, eine der wesentlichsten Stützen des Logengedankens, in ausgedehntem Maasse bei uns gepflegt wird. Bergische Loge in Biber teld-Barmen Der letzte Bericht über-die Thätigkeit unserer Loge reichte bis zur Mitte des Februar. Zunächst sei über den ungetrübten und sehr harmonischen Verlauf unseres ersten Stiftungsfestes referirt, das am 10. Mai unter sehr zahlreicher Betheiligung der ansässigen Brüder und deren Angehörigen, sowie einer stattlichen Zahl auswärtiger Brüder in den Räumen der Barmer Stadthalle begangen worden ist. Die Festloge wurde eingeleitet durch einen historischen, geschickt abgerundeten Ue.berfyick des w. Präsidenten über den grösseren Theil des abgelaufenen Logenjahres, an den sich die Ansprachen der verschiedenen Delegirten der auswärtigen Logen anschloss. Br. Dr. Ollendorff skizzirte dann in grosszügigen Umrissen die Stellung der Frauen zum Orden und die Aufgaben der Frauen in Beziehung zu demselben. Darauf ging es zum schöngeschmückten Festsaale, wo unser wechselvolle, sorgfältig einstudirte und darum auch von lebhaitem Erfolge begleitete Aufführungen harrten. Mit lobenswerthem Eifer und Hingabe hatten die zahlreichen Mitwirkenden unter der energischen unermüdlichen Leitung und Führung der Gattin unseres Br. Dr. Ollendoiff in allen einzelnen Theilen ein gutes Ensemble und daher auch eine gute Aufführung zu Wege gebracht. Besonders erwähnt sei ein Festspiel, verfasst von Br. Dr. Ollendorff, das in edler Sprache und sinnigen Gleichnissen die Ziele und Zwecke unseres Ordens charakterisirte und eine einwandsfreie Darstellung fand. Ueber den Verlauf dieses schönen Festes herrschte bei den fremden und einheimischen Gästen nur eine Stimme der Befriedigung und Anerkennung. Dass aber die Bergische Loge nicht nur Feste zu feiern versteht, sondern auch in ernster Arbeit, getreu den Ordenszwecken, sich bemüht, daiür mag eine kurze Aufzählung der verschiedenen Referate, an welche sich stets lebhafte und ausgedehnte Diskussionen anschlössen, Zeugniss geben. Br. Dr. Grabowski berichtete über Ziele und Zwecke des neu gebildeten Vereines zur Förderung der Wissenschaft des . Judenthums, Br. Dr. Wey 1 „über die bisherige Thätigkeit des Hülfsvereins der deutschen Juden." Der protokollirende Sekretär Dr. Apfel erstattete eingehende Referate über die folgenden Werk*: 1) Morris Rosenleid „Lieder des Ghetto" 2) Ueber Herzl's utopistischen Roman „Altneuland" 3) über den jüdischen Almanach 4) über Löwenberg's Gedichte „Aus jüdischer Seele". Ör. Dr. Ollenberg referirte über eine Broschüre „Deutschthum und Judenthum", Br. Dr. Malsch über das vielbesprochene Werk Rathenau's „Impressionen" und Br. Orgler schliesslich über Herzl's „Judenstaat". Besonders interessant für die Brüden i der übrigen Logen mag eine gedrängte Uebersicht des pfcdankenganges der Diskussion sein, welche sich an das jedenfalls den Meisten bekannte Werk Rathenau's „Impressionen" anschloss. Das Werk im Allgemeinen, von dem der für uns wichtige erste Aufsatz „Höre Israel" nur I . '; in Betracht kommt, erweist sich als die Schöpfung eines stilgewandten Schriftstellers. Rathenau, selbst Jude, spricht' nur von der gesellschaftlichen Judenfrage, nicht Von der wirtschaftlichen, mit welcher der Staat sich abzufinden habe. Als hauptsächlichsten Vorwurf gegen das Jadenthum führt er an, dass dasselbe als zersetzender Fremdkörper im Staate wirke und daher einen strikten Gegensatz zum Deutschthum darstelle. Des Weiteren hält der Verfasser den Israeliten ein langes Sündenregister über äusserliche Fehler vor und versucht im letzten Theile seine Ansicht von der Lösung der Judenfrage glaubhaft zu machen. Er verwirft die Massentaufen und sieht nur in dem unparteiischen Vorgehen des Staates, welcher den besseren jüdischen Elementen den Weg zu allen Berufen öffne, eine Aussicht zur Besserung und eventuellen Lösung der Frage. In der Diskussion wurde besonders hervorgehoben, dass Rathenau viel zu einseitig gewisse Berliner Verhältnisse zur Grundlage seiner Schrift genommen habe und dass hier ganz bestimmte Kreise den Verfasser zu dieser ungerechten Verallgemeinerung geführt hätten. So geistvoll und kenntnissreich das Buch als Ganzes erscheine, wie sehr man die stilistisch abgerundete Form desselben rühmen müsse, so widerlich und unangenehm wirkte die Anschauungsweise und die Tendenz, welche aus dem ersten Aufsatze „Höre Israel" spreche. Es gehe daraus eine vollkommene Verachtung und Verj kennung des Judenthums hervor, das der Verfasser aus einzelnen degenerirten Kreisen und Persönlichkeiten heraus so ungerecht und historisch durchaus ungerechtfertigt;beurtheile. So zutreffend die Charakteristik dieser ganz vereinzelten Kreise auch sein möge, so boshaft und unrichtig ob mit oder ohne Absicht, sei dahingestellt — seien die Voraussetzungen und Folgerungen des Verfassers. Ein geist-f voller Mensch sei der Verfasser zweifellos, aber auch ein entwurzelter, heimathloser Mensch. Von dem Boden, von der Kultur des Judenthums völlig losgelöst, bezeichne er sich doch als Jude, vermöge aber nicht, in einer anderen Kultur Wurzel zu fassen, vermöge er nicht, sich als Glied einer grossen Gemeinschaft, sei es im nationalen oder religiösen Sinne zu empfinden. Gerade, dass allein aus dem erstenAuf- , satze des Werkes eine so persönliche Verbitterung spreche, während der Autor in den übrigen Theilen des Buches sich einer bemerkenswerthen Objektivität befleissige, beweise schon zur Genüge die Voreingenommenheit und den schlechten Willen desselben. — / Am 30. März fand die einstimmig^ Wiederwahl des gesammten Beamtenrathes statt, nachdem vorher demselben ein herzliches Vertrauensvotum der Loge von Seiten des damit betrauten Br. Block sen. ausgesprochen worden war. Am 20. April nahm im Auftrage der Grossloge Br. Expräs. Benjamin von der Rheinlandloge die Wiederinstallirung der Beamten vor. Zum Delegirten zur Grosslöge für 1903/04 als auch zu dem im Juni zu Cöln stattfindenden Nordwestdeutschen Logentage wurde unser w. Präs. Wahl gewählt. Auf diesem Logentage solle unser Delegirter vor allem über die mannigfachen Erfahrungen und Beobachtungen, welche er in seinem vielverzweigten Berufe mit den im Wupperthale vorübergehend oder dauernd angesiedelten osteuropäischen Glaubensgenossen gemacht habe, berichten. Die Mitgliederzahl unserer Loge beträgt bis jetzt 82. Eine Reihe Neuanmeldungen für das zweite Logenjahr