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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1903-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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— 55 — druck, dass unter der Leitung meines Nachfolgers die Loge zur Ehre und zum Segen unseres Ordens beste Erfolge zu verzeichnen haben wird. Dass dieses ernstlich gelingen möge, das walte Gott!" 1 Dalberg-Loge In Worms. Am 5. er. begingen wir das Fest unseres einjährigen Bestehens unter sehr reger Betheiligung unserer Brüder nebst Angehörigen und von Delegierten der Schwesterlogen. In der Festloge erstattet unser Präsident Br. Dr. Selig ein mit grossem Beifall aufgenommenes Referat, in welchem er zunächst die Aufgaben des Ordens Bnei Briss nnd seiner Logen behandelte, und nachwies, wie die Dalberg-Loge bestrebt gewesen, diesen Aufgaben nach Massgabe ihrer Kräfte gerecht zu werden. Nach einem stimmungsvollen Poem schildert Redner die Eindrücke, die vor einem Jahr die Installationsfeier auf die Bruder gemacht, und prüft, ob und in wie weit die Wünsche und Hoffnungen sich erfüllt haben, die damals zum Ausdruck gelangten. Br. Dr. Sei ig glaubt, dass nicht Worte, sondern nur Thaten den Beweis nach dieser Richtung erbringen können, besonders da er nicht nnr vor Brüdern, sondern vor einem erweiterten Kreise von Theilnehmern spreche. In der Pflege der Wohlthätigkeit, so führt Redner aus, unterscheidet sich die Loge vorteilhaft von sonst bestehenden Vereinen, weil wir bestrebt sind, den Geist frei zu machen,, um die Noth zu erkennen, und die Wurzel des Uebels zu beseitigen. So bewegt' sich denn unsere Wohlthätigkeit in socialen Bahnen, wir üben sie nicht am Individuum, sondern an Klassen, und deshalb leihen wir unsere Unterstützungen weniger den unmittelbar Betroffenen, sondern vornehmlich solchen Organisationen, welche einzelne Programmpunkte unseres Ordens' als Spezialaufgabe auszutühren bestrebt sind. Diesen Grundsätzen entsprechend, betheiligten wir uns mit Subventionen an den Bestrebungen des Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, an denen des Hilfsvereins der Deutschen Juden und des Vereins zur Förderung jüdischer Wissenschaften. Wir haben ein heranwachsendes Mädchen, um es den traurigen Einflüssen seiner Familie zu entziehen, in der Erziehungsanstalt zu Ahlem untergebracht, wir tragen zu den Kosten bei, welche die Unterbringung eines unehelich geborenen jüdischen Knaben in Pflege verursacht, wir haben eine Reihe von Wohlthätigkeitsorganisationen subventionirt, wozu wir im Stande gewesen vornehmlich durch die hochherzige Freigebigkeit unserer Brüder bei Gelegenheit freudiger oder auch trauriger Familienereignisse. — Die in unsern Sitzungen vom Br. Salo Hei mann erstatteten Referate „Ueber die Lage der Juden in Rumänien", nach der Schrift von Bernhard Lazare, und von. Br. H. B1 ün „Ueber die Bekämpfung des Mädchenhandels" dienten uns zur Information und gleichzeitig zum Anreiz auch auf diesen Gebieten thätig zu sein. — Im abgelaufenen Jahre haben wir 16 Sitzungen abgehalten, die sich reger Betheiligung erfreuten, besonders auch unserer nicht am Platze wohnhaften Mitglieder, was für diese immerhin mit erheblichen Opfern an Zeit und Geld verknüpft war. — Auf die Veranstaltungen der Dalberg Loge übergehend, die diese zur Pflege der Geselligkeit und geistigen Interessen getroffen hat, erwähnt Redner zunächst die beiden Vorträge von Br. Hugo Schlesinger von der Frankfurt-Loge „Ueber die Devise des Ordens W. B u. E.' und von Br. Dr. Blau-Frankfurt „Aus schlimmen Tagen, eine Frankfurter Judenverordnuug aus dem Jahre 1616", die in offener Loge in Anwesenheit von Damen gehalten würden. In der'Loge sprachen: 1. Com. K. B a r u c h „Ueber den Zolltarif". 2. S. Rothscb.il d Ueber Ludw. Aug. Frankl, ein jüdischer Dichter". .,' '• 8. Dr. Selig „Wahnideen im Vöikerleben, Aberglauben und Zauberei", 4. Dr*. Marx „Ueber Krankheiten welche bei Juden - ' ».' - * *\* . I häufig vorkommen". 5. Dr. A. Stein „Ueber H. Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts". Alsdann fährt Br. Selig wörtlich fort: „Unser ruhige?, anspruchloses Wirken hat, so wHl es scheinen, angefangen, auch diejenigen zu beruhigen, welche bei unserer Gründung die Befürchtung aussprachen, die noch bestehende Kluft zwischen uns und unsern christlichen Mitbürgern müsse sich verbreitern. Wir vermeiden es, die Werbetrommel zu rüliren, heissen aber jeden edeldenkenden Israeliten, * der mit uns an der Einigung der Möschen wirken will, in uoserm Bunde willkommen. Das abgelaufene Jähr hat uns zu den bei der feierlichen Installation eingeführten 47 Brüdern noch 5 weitere gebracht, welche ihr Gelöbniss, an unsern Bestrebungen teilzunehmen, treu und eifrig erfüllen." Sovglaubt denn Br. Dr. Selig constatiren zu können, dass die Dalberg-Loge während des ersten Jahres ihres Bestehens ihre Schuldigkeit gethan hat, auch in Zukunft wolle sie in gleicher Weise wirken, um ihren Aufgaben gerecht zu werden, und beizutragen, dass sich.die, Wunsche und Hoffnungen in vollem Masse'erfüllen, die an die Errichtung der Dalberg- Loge geknüpft worden. Ostpreusgische Loge. In Osterode Ostpr. Nach der feierlichen Installation unserer Loge am 80. Novbr. 1002, über welche bereits berichtet worden, war unsere Thätigkeit zunächst auf den inneren Ausbau» gerichtet. Die von der Grossloge gegebenen Anleitungen, ' die «Festsetzung der Nebengesetze, die Cünstituirung der Ausschüsse, sowie Einführung neu aufgenommener Brüder, lieferten das hauptsächlichste Material für'unsere bisherigen Sitzungen. Auch an dieser Stelle wollen wir »unseren Dank aussprechen für die Unterstützung, welche uns die würd. Gabriel Riesser- Loge und ganz besonders Expr.r'Br. Bloch-Deutsche Reichsloge angedeihen Hess, dass wir "zur selbständigen Arbeit gelangen konnten. Wir hatten bis jetzt 7 offlcielle Sitzungen und „waren dieselben stets von der Hälfte der Brüder besucht; bei dem' Charakter unserer Loge, deren Mitglieder ja auf die verschiedensten Städte Ostpreussens vertheilt sind, gewiss eiu Zeichen regsten Interesses. Oefters hatten wir auch die Freude, Brüder anderer Logen" in unserer Mitte zu begrüssen und fanden deren Anregungen bei uns stets fruchtbaren Boden. Angesichts unseres noch schwachen Mitgliederstandes und der damit verbundenen 'Einnahmen konnte sich unsere Thätigkeit nach aussen nttr. auf einige kleinere Unter-

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