Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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- 30 — Aus der Ansprache des Grosspräsidenten Br. Timendorfer an die Petenten der Maimonides-Loge in Nürnberg.») ..Die Ihnen Allen bekannten Verhältnisse bei Gründung; Ihiei Loge haben ia die Gefahr gebracht. dass Sie verletzt durch die Jlmen angethauen Verdächtigungen sich schmollend von der ganzen Angelegenheit zurückzögen. Dass Sie es nicht getlian. dass Sie die Fahne des Ordens nicht verlassen und dass Sie nicht eher geruht,-als bis diese Fahne siegreich hier aufgepflanzt wild, das zeugt von Ihrer Lipbe und Begeistei un:r für unsere Sache, das gewährt uns freudige <ienugthuuug und die Peberzeugung, dass Sie schon durch dieses Verhalten allein gezeigt haben, wie geeignet Sie iiir unsere Mitarbeit sind, und welch' werthvollen Mitglieder der Orden an Ihnen gewinnt. l'nd ich hätte wahrlich nicht n<>thig, Sie lochmals mit unseren Aufgaben bekannt zu machen, wenn es nicht unserer iTeptlogenheit entspräche, noch in letzter Stunde den Petenten d\e Möglichkeit zu geben, sich genau . zu prüfen und dann erst endgiltig ihre entscheidende .Stimme abzugeben. ^.AVii sind eine Vereinigung von Glaubensgienossen. Wir laden, wie es in uuserem Kituai vorgeschrieben i.-t. jeden edeldeakenden Israeliten, abef doch nur Israeliten, ein, sich a-i unsf-ieii Besti ebungen zu betheiligen Weni Tun uns'hat nicht schon der Zweifel beschlichen. ob wii damit das Rechte tlinn. in einer Zeit, in der Jrotz allei] wüsten Angl itfe "einer Anzahl roher Meeschen gegen unsere Religion und -unsere Rasse, doch ' die Anerkennung der Gleichberechtiguug aller Menschen ohue Unterschied der Abstammung und des Glaubens, sich immer weitere Vfege in der Menschheit bahnt. Wer von uns hat nicht schon die Befürchtung gehallt, dass wir damit vielleicht neue Grenz-und .■^ heidemauern und Hindernisse eniclrtenTür das vollständige Anflehen unserer Glaubensgenossen in der Allgemeinheit, der wir doch alle angeboren, unserem Vateiiande. Wer von uns hat nie die Befürchtung gehabt, dass wir damit ^vielleicht allen Freunden eines socialen,.religiösen und politi-cheu Fortsehrittes den Kampf und Sieg erschweren? l ud diese Befürchtung sie war ja auch gerade hier tür llne Gründung das grösste Hindern iss, und wenn freilich die Antwort diese Zweifel und BetnrchTuvgeii . bestätigen müssfe. 4ann müssten wir bekennen; dass wir ata einen irgend wie dauernden Bestand nicht zü rechnen haben. Aberm. y. H. die lüTiige und besonnene Prüfung'jn dieser wichtigsten Frage. sie .wird uns überzeugen, dass wir recht thun Ausschliessung, hier in unserem Orden abei anders, dass diese Ausschliessung tur eine-.* Freilich ist es erheblich besser gewoi ren Verhältnissen der, Juden. Sie waren schienenen Aufs itze ähnlichen Inhalt-. mit unserer n igend wo heinbare ist. dig ). keit dazu in den äusseei' eingeeug' len bi-her er- und eiugepresst, man hat sie in der Gegenwart erlöst durch gesetzliche Gleichstellung. Aber ich glaube, man wird ta; ruhig aussprechen dürfen, dass die Interessen der Juden nicht immer die gleiche Vei tretung und die gleiche Wtirdi- <*uii2 linden, wie die der Mitbürger aus anderen Religions- » gemeinschaften. Gewiss, auf dem Papies., haben wir ja die gleichen Hechte, wie wir ja auch thatsachlich die gleichen Pflichten haben. Aber die Gleichberechtigung $cbfiea»t noch nicht die G 1 e i c h b e r n c k s i c h t i g n n g in sich ein. Denn als die Juden auf Grund dieser Erlösung anfingen, sich zu bewegen, missfielen sie. Denn sie traten hier dem einen, dort dem anderen in den Weg und mancher tastete dann seine eigene Mittelmässigkeit mit dem Aerger gegen die Juden überhaupt. Wären sie bornirt und roh gewesen, man hätte sie mit Füssen getreten, nun waten sie intelligent und energisch, so nannte man sie zuzudiinglich: hätten jüdische Eltern ihre Binder sich nicht geistig entwickeln la«seri. würde man sie ein verkommene-- Geschlecht genannt haben, nun schickten sie ihre Kinder unter-grossen opfern in die Schule, so beklagte man sich, sie wollten nicht arbeiten, nur lernen. Man öffnete den Jaden Aetnter und Parlamente, aber man sah es nicht gern. da>- sie hineinkamen, mau hat den Juden die Freiheit gegeben, aber man göuute sie ihnen nicht. l ud wenn man die Feindseligkeiten der letzten Jahre, ja der letzten Monate und Wochen überblickt, so muss man zugestehen, dass uns das Martyi ium unserer Leidensgeschichte .auf unabsehbare Zeit verlängert worden ist. da darf man sich, so traurig auch die Thatsache ist, , der l'eberzeugung nicht verschliessen, dass die Abneigung gegen uns eine tiefere ist, als man vor Jahren noch annehmen musste und dass sie sobald nicht wieder vei schwinden wird. Freilich, die Anzahl derer, die den Angriff gegen die Juden beginnen, hat sich vermindert. abeY, wenn der Scheitel hauten glüht — da. verschmähen es die Meisten nicht, auch ihrerseits ihr Holz herbeizutragen. Eine Zeit, ein Geschlecht, das sich das alte, verrottete .Mai(hen vom Christenblnt wieder autbinden läset, ein Geschlecht, eine Zeit, die dem Juden die Verworfenheit des rituellen Mordes andichtet und die an solche. Blutschuld glaubtr oder wenigstens zu glauben vorgiebt, die bietet uns keine Gewähr für baldige Erlösung von der Eeidensgenosseuschaft. _.■ l'nd deshalb meine ich, haben wir allen Grund, voiuehmfl Zutückhaltung zu üben uud wir wollen uns nicht iu eine Gesellschaft hineindrängen, die uns im günstigsten Falle nur duldet, aber nicht gleichstellt. Nicht wir schliessen «naus. wenn man uns nur nicht ausschliesst Dass hier iu Nürnberg vor ö(>0 Jahren heftigste .Judenverfolgungen stattgefunden haben, daran wollen und brauchen wir heut nicht mehr erinnern. Die Zeiten, in welchen derartiges möglich war.' .-ind glücklich für immer vorüber. Aber es ist vielleicht nicht unangebracht, daran zu erinnern, dass noch im Jahre lHC. als die Juden-Kinancipation in Bayern angenommen wurde, in Altbayern noch 4C0 Petitionen dagegen einliefen und dass, als am 10. Mai 1850 nach einer Pause von etwa 500 Jahren der Kaufmann Joseph Kohn als erster Jude wieder als Bürger von Nürnberg aufgenommen werden sollte, dies nur mit der knappen Majorität von 9 Stimmen gegen 8 Stimmen erfolgte. Und es nicht unangebracht auf den dieser Tage erfolgten Erlass hinzuweisen, durch welchen