Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1903-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Hess auf den Oeisr der Toleranz, wie er in der Loge gepflegt und geübt werde, gegenüber der Unduldsamkeit - unserer liegner. — Auf das Zusammenwirken der Gelehrten mit den Miiiinerii der praktischen Tbat in Beziehung auf die Zwecke und Ziele des Ordens sprach Br. Dr. Xobel in längerer geistvoller Kede. Auch derFraaen wurde in einem begeistert umgenommenen Toast des würdigen Präsidenten der Faternitas- I.ige. Br. Dr. Cohn, gedacht. Dei W i r t h s c h ä f t s - A u s s c h u a s erntete in dem vom 'würdigen Expräsi deuten Br. WilMm Frank ansgebrachten Trinkspruch für das höchst gelungene Ajrrangement wohlverdienten Beifall. — Bergische Loge In Elberfeld-Barmen Zum eisten Nfale hat der Tod iu die Reihen der Brüder eingegriffen. Am ö. Dezember V*tarb Br. Leopold Feldheim aus Barmen, der nun als efster auf die zu errichtende Gedenktafel der Berg. Loge einzutragen ist. Lebhaft beschäftigt znr Zeit unsere Loge der Gedanke eines zu gründenden israelitischen Mauchenheims, welches den zahlreichen in kaufmännischen Betrieben des Wuppertales . angestellten auswärtigen Mädchen ein angenehmes Heim und Ersatz für das Elternhaus bieten soll. Man ist sich der Schwierigkeit -ouohl, wie des hohen Wertes einer derartigen Neugrüudung wohl bewusst und will dabei mit den anderen'gemeinnützigen israelitischen Vereinen des Wuppertales Hand in Hand gehen. Besonders rührig uud eifrig auf diesem Gebiete zeigt sich Br. Ph. Blumenthal aus Elberfeld, der die Vorarbeiten und Unterlagen zu dieser wichtigen Angelegenheit-zum grossten Teile besorgt hat. In der Sitzung vom 6. Januar hatien* wir die Freude, den Präsidenten den Philantropia Loge ans- Reichenbergin Böhmen, den Br. Schnabel, als Gast bei uns b-grüssen zu können, durch dessen Eingreifen diese Sitzung sich zu einer sehr belebten uud interessanten gestaltete. Er wies im Laufe der einschlägigen Debatte darauf hin, dass gerade während der letzten Zeit in den Fragen der Bodenkultur und der Ausbildung von jüdischen Handwerken innerhalb der beteiligten jüdischen Kreise lebhatte Bedenken aufgestossen seien. Für eine grosse Zahl von Handwerken zeige neb die Zuführung von neuen Kräften, durchaus schädlich und mau erweise damit -jungen israelitischen Leuten durchaus keine Wohlthat. Kiue ganze Reihe von Handwerken sei durch den wachsenden Indu»trialisinus am Aussterben und nur ganz wenige- Handwerkszweige könnten noch in Betracht kommen, etwa das Kunsthandwerk, Zusehneiderei, Dekorationsmalerei. Präs. Schnabel gitbt im weiteren Verlaufender Sitzung einen-Ueberblick über die Arbeit des seit zwei Jahre bestehenden Wiener Hülkvereii.s für Galizien. insbesondere über die dort eingeführten Heimindustrien und deren woh'tltige Folgen. Von dem galizischen Judenelend, entwirft Redner drastische, erschütternde Einzelbilder und ■S zeigt den inneren Zusammenhang dieser Not mit dem in Galizien blühenden verwei fliehen Mädchenhandel, dessen wirksame und einzig richtige Bekämpfung er nur in der materiellen und kulturellen Hebung der galizischen Juden erblickt. — Am 12. Januar worden 1 neue Brüder aus 4 verschiedenen Städten, Elberfeld, Hagen, Iserlohn und CrefeU eingeführt. In derselben Sitzung sprach als einer des Berufensten Br. Flörsheim von der Märkischen Loge in einem die historischen und sozialen Verhältnisse würdigenden Vortrage über die „Entstehung unseres Ordens" nnd fand mit seinen durch Form und Inhalt fesselnden Ausführungen verdienten uud reichen Beifall. Am Sonnabend den 24 Januar fanden den schönen Bäumen der Elberfelder Stadthalle das erste, giössere, sehr gemütlich und harmonisch verlaufene Fest der Beigischen Loge statt. Der protokollierende Sekretär Br. Dr. Apfel hielt einen einleitenden Vortrag über „Judentum und Kunst," in welchem Redner nachzuweisen versuchte, dass von einer jüdischen Kunst1 in speziellem Sinne bis in die Neuzeit hinein nicht gut die Rede sein könne, dass aber in unseren Tagen sich verheißungsvolle Anfänge einer spezifisch jüdischen Kunst zeigten. Als den Beginn einer jüdischen \ Kunst betrachtete Redner die religiöse Poesie/ler alten Israeliten, wies im weiteren Verlaufe auf die mannigfachen Anregungen hin, welche bedeutende Künstler aller Zeiten — Rembrand, Michel Angelo, Raffael, Hebbel, Byron, Otto Ludwig u. v. a. — durch die schicksalsvolle, und bewegte Geschichte der Juden erfahren haben und zeigte den organischen Zusammenhang der soeben entstandenen jüdisch-künstlerischen mit der natiönaljüdischen Bewegung. An den Vortrag der durch Rezitationen und Bilderdemonstrationen unterstützt wurde, schlössen sich Theater und Tanzaurtührungen an. — Am 26. Januar sprach Br. Dr. Grabowski über „Den sittlichen Wert der Arbeit im alteu Judentum." An der Hand zahlreicher Aussprüche aus der Bibel und geistvoller Sentenzen aus dem Talmud bewies er in bereifter- Ausführung die hohe und sittliche Auffassung, welche, unsere Altvordern von dem Werte und dem moralischen und ethischen Einflüsse der Arbeit besassen. — In den beiden letzten Sitzungen nahm besonders die Kontroverse über das Thema,,Bibel und Babel1' das Interesse der Brüder lebhaft in Anspruch und fühlte zu sehr anregendem'und bewegtem Meinungsaustausche. Am 11. Februar wird die Berg. Loge einen Konzertabend veranstalten, der in der Hauptsache von dem nahezu erblindeten Frankfurter Pianisten Moritz Adler bestritten wird. Einige unserer Schwestern haben in freundlichster Weise Ihre Mitwirkung zugesagt. Huchdru.-kerei Max < <.hn Inh; A. M. Ki».larz , Kerliu S.W, Kittorstrusse 78.