Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Nr. 6 - Oktober
- Date
- 1898-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4864325-6028946-6029348--0234-4864425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— CO — denen jedesmal ein Kaffee mit Damen voranging, fanden den lebhaftesten Beifall und liessen ihre günstigen Eindrücke auf die zahlreich erschienenen Familienmitglieder der Brüder erkennen. Mit Befriedigung dürfen wir sagen, dass diese Veranstaltungen wesentlich zur Förderung der Geselligkeit und der geistigen Interessen beigetragen haben. Nach Einführung eines Candidaten am 27. April hielt auf unsere Einladung Br. Oberamtmann Cohn aus Berlin, einen Vortrag über das Thema: rDie Ueberführung der Juden zur heimischen Bodencultur". Der Vortragende welcher selbst Fachmann ist, beherrschte sein Thema auf das Gründlichste, er gab ein anschauliches Bild der land wirthschaftlichen Verhältnisse, soweit sie für unsere Glaubens genossen in Betracht kommen und leitete aus den ver schiedensten Gründen die Notwendigkeit her, dass die Juden sich dem Ackerbau zuwenden müssen. Bei den sich immer schwieriger gestaltenden Erwerbs- \ erhältnissen ist dieses ebenso lohnende wie arbeitsreich^ in hygienischer wie sozialer Beziehung vorzügliche Gebiet nur mit Freude zu begrüsseh. Wir müssen, so schliesst Redner seine interessanten Ausführungen, dieses ernste Ziel unablässig im Auge behalten und eifrig bemüht bleiben, die Erschliessung derLandwirthschaft für .unsere Glaubensgenossen zunächst zu versuchen und vorzubereiten.' Mustergiltig hierfür ist die Ackerbauschule in Ahlem. Der ebenso lehrreiche wie anregende Vortrag wurde von den zahlreich erschienenen Brüdern mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Der Präsident spricht dem Bruder Oberamtmann Cohn den Dank aller Brüder aus und versichert, dass die Loge diese für das Wohl der Juden nützlichen Bestrebungen nach Kräften unterstützen und fördern wird. Dem Vortrag schloss sich ein Brudermahl an, das die Brüder noch' bnge in gemüthlicher Weise zusammenhielt und dem Austausch, mancher Meinungen und,Anregungen für unsere Sache bestens diente. Einen wesentlichen Theil unserer Verhandlungen bildete der Religionsunterricht in den Gemeinden Pommerns. In Anbetracht der eminenten Bedeutung dieses Gegenstandes, haben wir " demselben unsere besondere Beachtung zugewendet. In verschiedenen Gemeinden unserer Provinz liessen wir Schulinspektionen mit. daran schliessenden Prüfungen abhalten. Die Br. Br. Dr. Vogelstein, Dr. Sandler, Schwedt, sowie Rabbiner Dr. Goldschmidt-Colberg, haben in dankenswerther Weise diese Aufgaben übernommen und ausgeführt. Haben wir aus den Berichten auch mancherlei trübe Momente vernommen, so fehlt es andererseits.auch nicht an Anzeichen, welche uns zur Hoffnung auf gute Erfolge .berechtigen. Wir werden auch fernerhin unentwegt diesen für das Judenthum hochbedeutsämen Bestrebungen unsere volle Aufmerksamkeit zuwenden. So gehen wir denn nach Beendigung der Ferien, arbeits- und hoffnungsfreudig an die Arbeit, beseelt von dem Wunsche, dass, unser Wirken von dem schönsten Erfolg gekrönt, unserer Loge zum Segen gereichen möge. Amicitia-Loge in Posen. Unser Bericht betrifft di« Thätigkeit unserer Loge in den Ferienmonaten. Zur Ausführung des Beschlusses der letzten Logensitzung vor den Ferien, betreffend die Ferienkinder, wurde das Unterstützungscomite zu einer Sitzung am 17. Juü berufen, in welcher beschlossen wurde, 8 und wenn möglich 9 Kinder zur Kur nach Inowrazlaw zu senden. Nach einer Correspondenz mit den dortigen Brüdern und nach persönlicher Rücksprache, waren die dortigen Br. Br. bereit, für die Unterbringung der Kinder zu sorgen und stellten auch in Aussicht, die Kur- und Verpflegungskosten eines Kindes zu übernehmen. Von den Brüdern Dr. Elkeles und Dr. Peyser, sowie mehrere.n andern Aerzten wurden uns 9 Kinder für das Soolbad empfohlen. Die Kinder mussten sich den 2 Damen, Frauen unserer Brüder Schleyer und Seelig vorstellen und diese Damen unternahmen die Mühe, die Kleidungsstücke derselben zu revidiren und etwa fehlendes zu vervollständigen. Da die Damen verwendbare Sachen empfingen, war nur eine Ausgabe von 17 Mk. 25 Pf. für fehlendes Schuhwerk nothwendig um die Kinder reisefertig herzustellen. Am 10. Juli wurden dieselben nach Inowrazlaw gesandt, dort von den Brüdern erwartet und dem Arzt zugeführt. Die Kinder haben die Kur 4 Wochen mit guter Verpflegung genossen und sind mit einem Mehrgewicht von l bis 5!/4 Pfd. zurückgekehrt. ( Ausser dieser Gewichtszunahme wird die Kur der Soolbäder hoffentlich einen weitere^ nachhaltigen Einfluss auf die Gesundheit der Kinder ausüben. Die Brüder" Fraenkel und Librowicz haben sich viel um die Kinder bemüht. Ferner ist eine Stadtkolonie mit 20 Mädchen eingerichtet worden, die aus den Schülerinnen bestanden, welche die Nachhülfestunden erhalten und Andere, welche durch Empfehlung dazu genommen wurden.' Die Kinder wurden von Frl. Jacoby bei günstiger Witterung in s Freie geführt, wo sie die Nachmittage verbrachten, mit Milch, Brödchen und Belegen gespeist und mit diversen Anregungen unterhalten und belehrt wurden. Frau Felix Peiser hatte die Oberaufsicht und wurde von mehreren Frauen unserer Loge an einzelnen Tagen vertreten. Die Kosten der Stadtkolonie betragen 102 Mk. 5 Pf. Eine weitere Thätigkeit war unserer Loge zugewiesen, indem die= Ferienkolonien für jürffsche Kinder in Berlin durch Br. Adolph Mayer uns ersuchten, 150 durchreisenden Kindern am 11. Juli und am 8. August auf dem Bahnhofe hierselbst behülflich zu sein und denselben etwas Kaffee und Brödchen zu überreichen. Bei dieser grossen Zahl Kinder war ein grosses Hilfspersonal nöthig; mehrere Brüder und deren Damen und die jungen Damen hatten die grosse Arbeit übernommen, alle halfen recht tüchtig, so dass die wahrlich nicht kleine Aufgabe zur Zufriedenheit gelöst wurde, wofür wir auch den Dank des Berliner Comites empfingen. Die Kosten der Verpflegung sind von Berlin erstattet worden. Vor Allen muss die umsichtige Leitung der Frau Licht hervorgehoben werden. Der würdige Präsident stattet allen denen, welche sich bei den verschiedenen Veranlassungen der Mühe und Arbeit unterzogen haben, den Dank der r * ■ i' ' Loge ab. Eger-Loge in Ostrowo. Dank der Thätigkeit und der Bemühungen unseres Propaganda-Comites war die Eger-Loge in der angenehmen Lage, unserem Orden am Ii. d. M. 16 neue Mitglieder zuführen zu können. Um den Festakt möglichst