Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1897
- Issue
- August
- Date
- 1897-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Deshalb freuen wir uns, dass nun endlich einmal eine Gelegenheit gekommen ist. die es uns ermöglicht, Ihnen auch durch ein äusseres Zeichen unsere wahrhafte Liebe und Verehrung bekunden zu können. Sie w iren nicht nur für unsere Logenbestrebungen ein Vorbild, sondern auch Ihrer Familie. . ■ » Fünfundzwanzig Jahre hindurch haben Sie im' Verein mit Ihrer gleichgesinnten edlen und treuen Gittin nur Gutes gestiftet und reiches Glück gespendet und genossen. Namens unseres . gesammten Distrikts er aube ich mir hochverehr,te'r Bruder Grosspräsident, Ihnen diesen Tafelaufsatz zu überreichen. Möge dieses Angebinde bei recht vielen froheji Festen Ihre Tafel schmücken. Möge es Ihnen noch viele, viele Jahre vergönnt sein, nur wahres Glück .und ungetrübte Freude im Kreise Ihrer Familie zu erleben. Wir wünschen noch besonders, verehrter Br. Grosspräsident, dass Gott Ihnen die Kraft verleihen möge, weiter wie bisher in so hervorragender Weise als Führer und Leiter des deutschen Distrikts für unsere gute Sache Wirken zu können zum Segen der Allgemeinheit und unseres geliebten Ordens! ' Der Präsident dankt in bewegten Worten für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit.- die ihn überrascht und beschämt habe. Denn weder wollte er seine Person in den Vordergrund stellen, weshalb er den Tag seiner Silberhochzeit geheim gehalten,^ noch erachte er seine Verdienste für so gross, wie* sie hier gewürdigt worden. Jedenfalls aber danke er für die Absicht, die doch dahin ging, ihn zu erfreuen, und nehme er gern Veranlassung, zu erklären, dass er im Dienste des Ordens nicht ermüden wolle. Auch den' Dank seiner Frau ersucht Br. Dr. Maretzki entgegenzunehmen. In Folge verschiedener Anfragen aus Logenkreisen wird seitens des General-Comitcs folgende Resolution gefasst. Es wird den Logen empfohlen, falls sie von Personen oder Vereinen um Zuwendungen für Zwecke, die nicht mit den Orden zusamment hängen, angegangen werden, sich vor Hergabe von Mitteln behufs Information an die Gross löge* zu wenden. Die Grossloge wird stets bereit sein, einschlägige Prüfungen vorzunehmen und den Logen das Ergebniss'mitz u t h e i 1 e n '. Die Rheinland-Loge hat an die Grossloge und Schwesterlogen ein Circular gesandt, mit welchem sie unter Darlegung der immer mehr um sich greifenden zionistischen Bestrebungen auch unter ihren Mitgliedern Mittheilung von dem ihrerseits gefassten Beschlüsse macht: Die Loge erklärt, dass die Bestrebungen des «• Zionismus den Grundsätzen der Loge und ihrer nationalen Gesinnung widersprechen. Die Rheinland-Loge ruft alle Organe des Distrikts zur Bekämpfung und Unterdrückung der zionistischen Bestrebungen auf, sodass schon der für August er. einberufene Congress mit der vollen Thatsache rechnen muss, dass die Deutschen Logen die Absichten des (Kongresses aufs Schärfste verurtheilen. Dieser Gegenstand ruft eine sehr eingehende und lebhafte Debatte hervor, in welcher es sich hauptsächlich darum handelt, ob die Grossloge das Recht oder gar die Pflicht habe, zur Frage des Zionismus Stellung zu nehmen. Zwei Ansichten stehen sich gegenüber. Die eine geht dahin, dass der Zionismus eine Gewiss ensfrage für alle diejenigen bilde, die täglich für die Wiederauirichtung Jerusalems beten, aus j einem Eingriff in diese Frage seitens des Ordens könne nur Unfrieden entstehen, es sei das Recht jedes Einzelnen, religiöse Bestrebungen nach eigener, innerer Ueberzeugung zu fördern, der Orden Ipbe Raum für alle Richtungen. Ueberdies seien 5 Milüonen unserer Glaubensgenossen in Rumänien und Russland durejh den Zionismus sittlich gehoben und gestählt worden in der Verfolgung und Unterdrückung, deren sie ausgesetzt gewesen. Der Zionismus sei zwar ein unbesonnenes Bestreben, der den Orden aber, wie auch manchtandere Bestrebungen einzelner Mitglieder, garnichts angehe, es wäre ein grosser Fehler, wenn der Orden Gewissenszwang ausüben wollte. Schon aus Opportunität sollte von einer Stellungnahme in dieser Sache Abstand genommen werden, denn aus einer solchen würde eine Quelle des Unfriedens und Streites entstehen und die Autorität der Grossloge müsste > geradezu herabsinken, wenn doch eine Loge einen anderen Standpunkt einnehme. Nach alledem liege für die Grossloge kein Anlass, noch weniger eine Pflicht zum Einschreiten gegen den Zionismus vor. Gegenüber diesen Auslührungen wurde hervorgehoben, dass die Rheinland-Loge, die keineswegs einen Gewissenszwang auszuüben beabsichtigt, verpflichtet gewesen, zur Frage des Zionismus Stellung zu nehmen, nachdem sich einige ihrer Mitglieder zusammen gethan, um zionistische Bestrebungen im Grossen zu organisiren. Zu den vornehmsten Aufgaben des Ordens gehöre auch die Pflege des Patriotismus deshalb müsse er dokumentiren, dass der Zionismus unvereinbar sei mit den nationalen Aufgaben der Logen und des Ordens. Geschehe das nicht, dann mache sich der Orden bis zu einem gewissen Grade mitschuldig und bringe sein schwer errungenes Ansehen in Deutschland in Gefahr, dann endlich nehme er die Stellung ein, als Centrale für alle jüdischen Bestrebungen angesehen zu werden. Wolle man diesen nicht zu unterschätzenden Erfolg auch ferner behaupten, dann müsse der Orden auch gegen die zionistischen Bestrebungen einschreiten, wie es seine Aufgabe sei, gegen alle Schäden im Judenthum, anzukämpfen.' Die Grossloge sei daher geradezu verpflichtet zu erklären, dass sie die zionistischen Bestrebungen, besonders soweit sie auf Errichtung ■eines national-jüdischen Staates abzielen, nicht billigen könne und zurückweisen müsse. Zugleich aber sollten die Logen gewarnt werden vor der Erörterung dieser ganzen Angelegenheit, denn es sei zweifellos, dass sie als in das Gebiet der Politik und Religion fallend angesehen werden könnte. Im Laufe der Debatte sind verschiedene Anträge aüf Vertagung, Uebergang zur Tagesordnung' etc. eingegangen, dieselben werdenabersämmtlichabgelehnt und wird schliesslich folgender Antrag in getheilter Abstimmung mit 9 gegen 5 Stimmen angenommen: Das General-Comite erklärt, dass die Bestrebungen des Zionismus, soweit sie die Gründung eines n a t i o n a 1 j ü d i s c h e n Staates herbeiführen wollen, den Gründsätzen der ^oge und ihrerr nationalen Gesinnung widersprechen. Von der Erörterung über diesen Gegenstand seitens der Logen/ wird indess abgerathen, weil die Diskussion darüber lekchtdas Gebiet derReligionundPolitik treffen könnte. Buchdruckerei Max Cohn (Inh. A. M. Ürodacz), Berlin NO., Kaiserstn 41.