Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1896
- Issue
- Oktober
- Date
- 1896-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 68 — Erhöhung der Genüsse bei. . Das Stiftungsfest unserer Loge wurde durch eine Festloge in würdigster Weise gefeiert. Auch während der Sommerferien blieben die BrüdeJ in Conriex. i.-.dem sie unter grosser Betheiligung einen Ausflug nach dem wundervollen Park von Vv'örlitz unternahmen, bei welcher Gelegenheit zum ersten Mal eine photographische Gesammtaufnahme der Brüder und;nrer Angehörigen stattfand. Auch jetzt ist unsere Loge wieder mit frohen Hoffnungen in ihre Winterthätigkeit eingetreten und hat ihre Sitzungen mit der Bien-Feier eröffnet. Die Anhalt-Loge hofft durch ihr treues Festhalten an den Aufgaben unsreres Ordens nicht allein der jetzigen kleinen Mi. jliederzahl Befriedigung zu gewähren, sondern auch allmählich den Kreis ihrer Angehörigen wieder ve^grössern zu können. •'• '. Nassau-Loge zu Wiesbaden. Am ll.Oktob. hielt die Kassa; - Loge eine Festsitzung ab, die erste Sitzung im neuen Lokale. Einer der Brüder hatte die Freundlichkeit, auf dem Harmonium eine Fülle von Melodien aus guten iryodernen Compositionen zu produziren, unter deren Klängen man von dem schönen neuen Sitzungsraum Besitz nahm und sich auf die Eröffnung . vorbereitetf.' E$ folgte Einführung und Aufnahme von 3 Brüdern und nach deren Vorstellung die Weiherede zur Eröffnung des Hauses. Als schönstes - und kostbarstes Angebinde bezeichnete das Präsidium den Hinzutritt von 3 Brüdern. Dann ging man über zur Julius Bien-Feier, bestehend aus gelungenster Festrede des Br. Vice-Präsidenten. Hierauf nahm man die Begrüssung des Bevollmächtigten der hochw. Grossloge entgegen. Am Abend fand ein gemeinsames Essen statt, unterbrochen und verschönt von zahlreichen Ansprachen, Toasten. Tischliedern, Declamationen Gesängen und Musikvorträgen. In der Friedrich-Loge zu Heidelberg hiejt Br. Vice- Präsident Ferdinand Liebhold gelegentlich der zu Ehren des 70. Geburtstages sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs Friedrich von Baden stattgefundenen Festloge einen Vortrag, in welchem er etwa folgendes ausführte: Redner wies darauf hin, dass das Jubiläum des Grossherzogs in dasselbe Jahr fällt, in welchem wir die 25-jährige Gedenkfeier der Wiedererrichtung des deutschen Kaiserthums gefeiert und das Nationalfest der Einweihung des Kyffhäuser- Denkmals begangen haben Mit dem Kaiser Barbarossa zog der tapfeFe Ahnherr unseres Grossherzogs, Markgraf Hermann IV. von Baden und der Mark Verona über die Alpen und mit seinem kaiserlichen Herrn starb er in fernen Landen den Heldentod. Seit dieser Zeit stand das Geschlecht der Fürsten vom Zähringer Löwen treu zu ihrem Kaiser und gar vieleJ derselbeta, so z. B. der grosse Türkenbefreier Markgraf Ludwig Wilhelm, der durch die Aufhebung der Leibeigenschaft berühmte Carl Friedrich, der Schöpfer der ersten badischen Verfassung Grossherzog Carl u. a m. werden von der Geschichte aufs rühmlichste erwähnt. Und so stand auch ufiser jetziger Grossherzog Friedrich getreu wie sein Ahn der Paladin des Barbarossa, zum ersten Hohenzollerri- Kaiser, brüderlich zu Schutz und Trutz. . Wenn ein einfacher Bürger seinen 70. Geburtstag feiert,, so zeigen ihm an diesen Tage die Glückwünsche seiner Familie und seiner Freünde die Freude über dieses Ereigniss,_ die Anerkennung für die Bemühungen seines Lebens. Urf<$ so steht heute das ganze badische Volk glückwünschend vor seinem theuren Landesvater, ihm, dem edlen Fürsten und besten Bürger zu - danken, für - das, was er für sein Land gethan.. - - Redner geht nun näher auf das Leben des hohen Jubilars ein, schildert die Verhältnisse, unter denen' er zur Regierung gelangte, seine stete Fürsorge für die Jugend und deren Erziehung und hebt hervor, dass besonders die Juden allen Grund haben, sich dieses Festtages zu freuen, da Grossherzog Friedrich eine hervorragende Rolle bei der Emanzipation derselben eingenommen hat. In allerjüngster Zeit danken die Israeliten in Baden ihm die jüdische Synpdal- Gesetzgebung, die erste und einzige in der ganzen Well. Und dieser, frei von allen Vorurtheilen auf das Ganze gerichtete klare Blick unseres edlen Fürsten begründete das Emporblühen und Gedeihen unseres engeren Vaterlandes. Als im Jahre 1870 dem deutschen Volke von unserem westlichen Nachbarn das Schwert in die Hand gedryäcict wurde, bewährte sich unser Grossherzog an der Spitze deutscher Truppen als hervorragender Feldherr und er war es. der in der Spiegelgällerie zt* Versailles begeistert das erste Hoch auf den neuen Deutschen Kaiser ausbrachte. Fünfundzwanzig Jahre des Friedens sind seitdem verflossen. Viele der damaligen Paladine des greisen Heldenkaisers sind mit diesem dahingegangen, nur wenige Heerführer jener Zeit weilen noch unter uns. Und wir freuen uns, dass ein gütiges Geschick erhaltend und beschirmend über dem theuren Haupte Unseres Grossherzogs gewacht hat. Waren ihm auch Enttäuschungen und bitteres Leid nicht erspart geblieben, so -kann er doch heule sagen, dass sein Leben ein glückliches gewesen, denn er schaut im 70. Jahre auf ein mächtiges geeintes Vaterland, zu dessen Entstehung er so grosses beigetragen und herrscht über-ein Volk, das in treuer-und aufrichtiger Liebe anerkennt, was esseinem Landesvater in jeder Beziehung verdankt. '. Redner schliesst. mit folgenden Worten: Generationen kommen und vergehen, der Name Friedrich, Grossherzog von Baden, aber bleibt bestehen in der Geschichte Badens und der Geschichte Deutschlands, namentlich'aber auch in » 1 p der Geschjcke der Juden. Wir hier in unserer Vereinigung haben in richtiger Erkenntniss dessen, was dieser Name bedeutet, denselben zum Namen unserer Loge gewählt. Heute erheben sich unbere Herzen zu Gott, ihn bittend, uns unseren hochgeschätzten und geliebten Landesiursten noch lange zu erhalten. Möge es ihm beschieden sein, bis zu den Grenzen menschlicher Lebensdauer seine treuen Augen über das Wohl seines blühenden Landes und über die Geschicke des Deutschen Reiches wachen zu lassen. ) Druck von Max Cohn (loh. A. M. Brodacz,) Berlin NO., Kaiserstrasse 41