K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Bruno Weil: Spielarten des Antisemitismus
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
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182 Bruno Well. möchte diesem Goldbaum mit seinen abgestorbenen Manieren und Beiner Wechselbalggesinnung Zurufen: Mensch! lügen Sie doch nicht so entsetzlich 1 Wo haben sie diese unglückselige -Figur, die es ja gar nicht giebt, nicht geben darf, her?- — Dann besinnt man sich, man ist im Theater. Man beherrscht sich und wahrt Silentium. Unsere Theaterliteratur sündigt unendlich mit diesem an den Pranger stellen. Dabei sind es lauter schablonenhafte, längst überlebte Typen, die immer wieder den unglückseligen Juden auf der Bühne verkörpern müssen. Entweder er wuchert oder er hausiert, aber stets hat er den Zeigefinger im Westenausschnitt stecken. Er führt den Namen seines Gottes jeden Augenblick, bei jedem Wort, bei den gelogenen am meisten auf der Zunge. Er handelt, schachert, wuchert. Entweder er ist arm; dann handelt er mit Hosenknöpfen. Oder er ist reich; dann mit Staatspapieren. Alles Streben eines gequälten Volkstums, jeder ehrliche Wille wird abgetan mit diesen paar armseligen, typischen Vorstellungen, die nichts zeichnen, nichts bedeuten und denen man doch glaubt. ,_ Ich vergaß eins: unsere Bühnenschriftsteller, beträchtlichen Teils selber Juden, kennen noch einen anderen Typus als den des manchmal emporgekommenen Handelsjuden: den Literaturjuden. Zweiundzwanzigjährig spricht er über sich wie über einen Gott, über andere wie von Idioten. Mit