K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 22)
- Language
- German
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68 Walter Oraetser, nisse zeigen aber, däB die maßgebenden Kreise einen Unterschied und zwar zu Ungunsten der Juden machen. Dieser ungesetzliche Zustand muß aus der Welt geschafft werden. ' 9. Blüten am selben Baum. Oben war gesagt, daß eine gegen Juden gerichtete Bewegung kurz nach dem Gesetz von 1869, das wäre also in den siebziger Jahren nichts Auffälliges gewesen wäre. Es hat aber damals gar keine Differenz, keinen Antisemitismus, keinen Judenhaß gegeben. Man muß hören'nnd lesen, wie damals Juden und Nichtjuden in denselben honorigen Verbindungen aktiv waren, wie die Juden' im Staatsdienst verwandt wurden, wie sie miteinander verkehrten — wie es überhaupt keinen Unterschied gab. Erst die Angst des bedrohten Adels, erst die Rauflust des übertriebenen Deutschtums mußten in den Friedenszeiten, die nun angebrochen waren, sich einen Gegenstand suchen; "0 wurde der Antisemitismus geschaffen. Man schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Alle Sünden politischer und wirtschaftlicher Natur wurden auf die Juden abgewälzt. Den beherrschten Klassen war damit etwas hin geworfen, woran sie ihre Schimpflust auslassen konnten, die herrschenden Klassen benutzten sie nicht allein als Sündenbock, sie hatten so auch Grund gefunden, die neuerschienen Bewerber um ihre Macht zurückzustoßen. _;_