K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Walter Graetzer: Zur Frage der gesellschaftlichen Stellung der Juden
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 18)
- Language
- German
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64 Walter Graetcer. damals nach dem Volksempiinden gefragt. Es hat Deutschland nichts geschadet, daß es die geflohenen Franzosen aufnahm. Und der sonst so stramm regierte Staat würde auch gewiß nicht wanken, wenn ein Jude Leutnant oder Regierungsrat wäre. 7. Judenhaß und Antisemitismus. Bevor an eine feste Umgrenzung des Begriffes „Antisemitismus“ gegangen wird, muß noch der Unterschied zwischen Judenhaß und Antisemitismus dargelegt werden. Oben ist gesagt, daß auch in dem Falle, daß der deutsche Jude von dem deutschen Nichtjuden als etwas Anderes empfunden würde — ich leugne auch dies — noch keine Haßempfindungen ausgelöst würden. Die Lage der deutschen Juden wäre ernsthaft und schlimm, wenn es in Wahrheit einen Juden haß gäbe. Dann müssten tiefgehende Verschiedenheiten zwischen den deutschen Nichtjuden und Juden bestehen, dann wäre der Haß eine natürliche Regung, ein, Etwas, das nicht mit Worten oder Aufklärung aus der Welt geschafft werden kann. Üben ist, wenn auch nicht .ganz_zureichend,—der Nachweis—geführt,—daßkein Haß existiert, daß kein Haß existieren kann. Die unteren Klassen kennen keinen Haß; sie kennen nur einen Feind ihres Wesens oder den untüchtigen Mann, aber nicht die Gleichung Jude — hassenswert. Die oberen Klassen haben in begreiflicher Eifersucht auf ihre Macht eine moderne