K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1906
- Article
- Henry Lepman: Der Kampf um die konfessionelle Studentenverbindung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 18)
- Language
- German
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96 Henry Lepman. Zeit eine selbständige kulturelle und religiöse, vor noch längerer Zeit eine staatliche Einheit bildete. Das Objekt ihrer Bewegung gewinnt die antisemitische Praxis somit, indem sie einen rein historischen Begriff der Juden bildet. Jude ist hier jeder, dessen Ahnenreihe hinführt zu jener Gesamtheit, der Staat, Volkstum, Religion, Kultur gemeinsam war. Aber eben jene Einheit wichtiger Gebiete des menschlichen Geistes- und Gesellschafts- Klebens, die das Wort „ Jude“ zu einem eindeutigen, konkreten Begriff machte, existiert heute, wenigstens für die westeuropäischen Juden, auch insbesondere für die deutschen Juden nicht mehr. Ein Teil der Antisemiten übersieht dies, ein Teil will es übersehen. Indem der akademische Antisemitismus die Absönderung den Juden aufzwang, richtete er sich in der Tat gegen alles, was Jude hieß auf deutschen Hochschulen. Das zu erkennen, ist das wichtige. Denn die K. C.-Korporationen, die sich dann der Reihe nach auftaten, waren die notwendige Reaktion dagegen. Die jungen jüdischen Studenten aber, die sich so zusammenschlossen, waren keine religiöse oder konfessionelle, oder jüdisch-nationale oder sonst politische Landesbündler, sondern Jünglinge der verschiedensten religiösen und politischen und philosophischen Weltanschauung, einig nur in der Bluts- und Schicksalsgemeinschaft, die so wahllos sich an ihre Kamensgemeinschaft haftete, einig in