K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1906
- Article
- Burno Weil: Juden heraus!
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- section
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4862473-6377459--075-4862540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
51 Bruno Weil. zeichnen sollte, keine Bestrebungen breit machen, die in einer mißverstandenen Auffassung akademischer Schneidigkeit und in der ängstlichen Furcht, den Universitäten in diesem Punkte nachzustehen, alles andre wie eine liberale kaufmännische Auffassung des Berufs verraten.“ In einem Sprechsaalartikel suchte ein Angehöriger einer der Kölner Verbindungen deren antisemitischen Charakter zu rechtfertigen. Er führte an, daß dasselbe Bestreben sich auf allen deutschen Hochschulen breit mache, und daß Ubia und Hansea wohl keinen Anschluß an Verbindungen anderer Hochschulen finden würden, wenn sie Juden in ihrer Mitte duldeten. Zudem sei dieser ablehnende Standpunkt auch der des deutschen Offizierkorpe. Darauf entgegnete ein Anonymus im Kölnischen Stadtanzeiger in schlagfertiger Weise: „Nun schlag aber einer lang hin! Wollen denn die jungen Herrn etwjf später ein Offizierskorps bilden? Ich denke doch, sie wollen tüchtige Kaufleute werden, Kaufleute, die späterhin mit Juden wie mit Christen verkehren müssen, und die einem Stande angehören werden, in dem mehr als in andern Ständen auch viele hervorragende Juden tätig sind. Unserm Kaufmannsstande hat bisher der weite, paritätische Blick nicht, gefehlt, der über allerhand kleinliche Scheidemauem und Vorurteile hinwegsah; er war gerade der Stand, worin das Wort: „Dem _ Tüchtigsten die Bahn frei!“ mehr als in andern