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Jüdische Volksstimme · 1933-03-23 · 12 (23.3.1933) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXXIII (1933)
Issue
12 (23.3.1933)
Date
1933-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheiat jeden Donaerstag Bitiia, BnitrKMia 20. Prfth« X.f Yftkov« fo. Jwiié« Ans dem Inhalt; B** Driltf IWrt; — Der Mord Uh dem Rabbiner. Frankei in' Berlin. — Wie die kbmpft. — Antiaenitucli« AaMchreitonjren in Milowka. — W** bei der Jewtah A ft emry mox« lieh ist. — Aub Palafttin*. — Dr. K. Soskin SO Jabre. — BHtaner Nachricbten. — Prajrer Nachricbten. — VcjUcswirtacfcaft. MfbMttHt Ke 35 rtf Ki 7* rm lAiéBMiii Prae JI2. Wtaa 1UBU. Bnrtta 1&2U, JAHRCANC. BRUNN-PRAG, 23. MXRZ 1933 (25. A 5693). NR. 12. Das dntte Reidi in Beril Wefui irgend jemand Verståndnis datiir hyt, daB ein Volk seine1 Befreiung feiert, dfcirm darf der Jude diesus Verstehen (tir isich in Anspruch nehtficn. Wer unti-rdrijickt ist, begreiit die ljeiilcn von Schicks^lsgenossen. j Da$ deutsche Volk fiihltej sidt soil dem Vetlust des Weltkrieges bedriickt. Der Wdgfall der Kolonien låljmkseine Wirtschaft inehr, als die „Noteinberverbrechgr’’ — um im Jargon di r Nazi zu sprechert — an ihr verschuHIct hatten. Kein veinQnftiger Mensclt wird das Streben des deutschen Volkes. sieh wieder einen Pia z an der Sonne zu erohern, ungereehtf :rtigt halten. Aber d.-jll die Joden in Deutschland den Sieg t|er Nazisache in so grausamer Weise zu ispuren bekommen. daB eine Orgie von MaB und Verleumililng uber sie hinwcgbrat(st, die in der an Verfolgungen gewijB reichen Geschichtt unseres Volkes unerhbrt ist. das vermag kein Kulturmenschi gutheiBen und dagbgen muB insbesondene jeder Jude auf's, schårfstc protestieren. Diel TagesblStter bringen sovielo ungehenerltche . Details, difi wir uns es TUgnCh Vrjpiitrr (tbnninrUlÆ ffet~ _ richten. Jber den Raubmord all dem grei-' sen Rab liner Frånkel beriebten wir an anderer Stelle. Wenn wir noyh aus dem Abendbl.itt der „Lid. Noviny” vom 18. d. M. beric iten, daB ein Jude, di|r sidi iiber die Priigri von S. A.-Leuten heschwerte, gezwungt-n wurde, barfuB i durch die Stadt zu laufen und ein Plakat mitzufiihren, in tvelchem er verspracji, die Polizei nicht mehr zu behelligen, so miigen diese be dén Falle zur Geniige die W>rperliehe Not der deutschcnf Juden illustrieren.! | Die materielle Not ist mindestens obenso sjhwer wie die ktirpiirliche. Wo ein Jude |iu einer dftentlich;n Stellung war, wu de er unbarmherzii; auf's Pflaster gewurfen. In Breslau Wacht Polizei dariiher, daB kein Jude das Gerifbt be tritt und die Anwalte werden von ihrer Kammer „schonend" verstSi(iligt, dail sie lieber ih en anwaitlichen Pflichten nicht nachkom nen mdgen. Jiidisiclu! Kiinstlei werden i ntlassen, nicht zu reden vifn jiidischen ournalisten. Ein! iiberragender Dirigent, wie Bruno 4Walter, dart in Leipzig nicht dirigieren. Die Ntjzipresse setzf ihren j; hrelangen Verleui|idungsfeldzug mit vers arkter Kraft fort, jede andere Presse ii t geknebelt oder verboten Am schåndlichsten wirken die Rumlfunk-Haf ireden des ReichsWnisters Gfiring, det, wie wir berichtelen,-durch seine Esser er Rede das Signal zu Drangsalierunger der Juden, namentlich in wirtschaftliclier Beziehung gab. Am 17. d. M. sprach «r wieder in Stettin u. verwahrte sich gegen diesen Vorwurf. Diesmal wird kein Dementi der Regierung, keine Mah Die Sdiekelzahlcr melde Dich! irganisation braudit Didi! Am :|7 Nazi in (tie nas Frdnjcei, ten an erst, wer Frankei (Berliner Originalbe'richt.) cr. etwa um 8 Uhr kamen 3 Wyhuung des Rabbiners Jo- Dragonerstr. 37 und klopf- Tur. Die Tochtcr fragte vora wåré, worauf die Antwort kam: „I)e Polizei!" In der Meinung, daB sie vielleich: die Plisse revidieren wollten, machte sie |auf: Sie wunschten nun den Rabb. selbst zu sprechen und verschafften sich Zugin« zum Zimmer, wo er gerade am Schriibisch sal’.. (Alle Jrei waren in Votitur. sin-T von ilineit mit dun Streiteit ,deutschi. filfspolizei".) Zwei von den Dreien h el en die Tochtcr in Schach und der eine sc tlug, ohne ein Wort zu sagen aut den al en Mann ein. (68 Jahre alt.) Die Toet ter konnte nicht um Hilfe schreieti. denn ,c ne Pistole wurde ihr vor den Mund gi h; ilten und die andere vor die Brust. Lfcr alte Rebbe wurde von dem einen mfi djer Pistole am Kopf derart bombardiert, *lttB er drei tiefe Wunden (L6cherl h. nungslo^ die Mdrdejr genug, nahme.n aus einer SchubladeJ die am Schreibtisch, wo der Rebbe s tB die Brieftasche, in der cn. Rm. 2000.— e tthalten . waren. Nun verlieBeii die. Råulic fluchtartig das Haus unil warfeti lieiin -finausgehen die Brieftasche in die Kitcl e. an der sie vorbeigehen nuiBlcn welln si: linauijwollen, und schlugen die Lichtsicl ei ung entzwei, so daB die Wohnung in Ci unkel gehiillt war. Die Tochtcr ans Fenster i nd in Mensch kam erst lief indessen schpel schrie um Hilfe. Ki hhtauf. 100te von Li'ilten standen vor dL*m Haus. Sie schleppte ihren Vater an (las die Leute sahen, daB iiberstriimt wjar. lu 1te L-mvagen u. alarmit te iner Stunde erst k im Fenster und erst als der Mann mit Bluf jemand einen Krank die Poli2ei. Nach^ ein Arzt. Die Pofizti hat niemandén festgenommen. Sie sagti., daB sie keine Zt u gen hStte und nicht! unternehmen kiinne Den' nSchsten Tag gingen die Toehter und ich erst zur Gemeinde und|wir v;rlangten Hilfe. Die sagte zu unserem lirstaunen, daB sie nichts unternehmen kot nte. Die Hilfe, Jie' u Ir yerlangtvnj war in erster Linie Schutz und Protest. Da v ar also nichts zu mact«n. Wir begaben nns zum Polizeipråsidiu n. Da erst wurde. die Sadle zu Protolcoll | jenommen und es w arde tchon festgestelW, daB die Polizei an Tatort nicht rechtmaBig gehandelt I at ' ' mar. fest, dafl der Mamt'in Uniform Letzte Nachrfditen Am Sonntair abend erschien eine 'Gruppe von Le uten in SA-Unifarm in den Kaumen der. Zionistisehen Vereinigunjr fiir Deutschlaud so-wie in der Wohnung eines fuhrenden Zionisten und nahm Durchsuchungen vor. Die sofort durch uns unt^mommtaen Schritte ergatien, dat, es sich nicht urrAiehordlich autorisierte Mahnahmen handelt, Wie man uns rusk-herte, ist Voraorge dafiir getroffen,' daB sich ein de rartiger Vorfall nicht wiederholen wird. Unser Biiro-Betrieb ist in keiner Weise gestort. Unsere Arbeit geht unveranddrt weiter. — Um von vornherein unrichtige Meldungeii im In- und Ausland su verhiiten, legen wir W ert daraiif, den Sachverhalt durch vorstehende Mitteilung authentisch klarzulegen. In den j Raumen des Bundes jhdischer '^'rontsoldateil Osterreichs wurde eine polizeidiche Haussuchung durchgefiihrt, die aelbsterstandlicb nichts.. Belastendes ergab, dit der. Bund jiidischer Prontaoldaten auf vollkommen unpolitischer Grundlage organisiert ist und in keinerlei Gegenaatx zur Staataexekutive steht. In die Rkume der Haganah in Wien drrnngen nachts unerksnnt gebliebene Tater ein und durchsuehten d(e*elbea Setbstverstindlich wurde modn. hier aiehts BetsskMées ødunden. Ansaer iBUMriiMi WMda udi iler weillcn Arinbinue tlieselbe zu Unrycht trug. ilenn die Hiffspolizei ctarf diese in Begleitung der richtigen Polizei tra;en. Bis jetzt ist glaube ich nichts urternommen worden. Dje Polizei fahmlet. Positives weifi ich nucli nicht. Der Mant ist jedenfalls so schweij .verletzt, daB er roch lange liegen inuB. (jpr ist inzwischen storben! Die Red.) nung Hi lejrs und Papens die Tatsache aus der Weit scliatlen, daB Goring wciter gehelzt 1.11. Sagle ér doch wiirtlich: „Man darf da"Q’ nicht zuruckschreckcn, wenn es dalie: einmal „etwas ungerade’’ zugeht. Die AIbcélmung’muB durchgefiihrt werden. W. isj„im Uberschw^nge” geschehen ist mut: entschuldigt werden." .Das ist doch Anlfjorderuiig zur Gewalt von Itiichster Stilig aus. So traurig diese'Ditige an sich sind, so nied .-rkehmetternd sie auf uns einwirken'j so rgicht doch nichts an das Geiiihl des Hk Ts Jieran, welches durch die Haltung e in s Teiles de'r deutschen Judenschaft uisgelost wird. Man weiB genau, daB m tn in, Deutschland als. Jude nicht das scltri tiben darf, was man will. Aber was si :h der C. -V. (Cuntralverein deutscher! 1; atsbiirger jiidischen Glaubens) leistet, was der Bund judischer Frontsoldaten ul, das iiberschreitet jede Grenze. Man kunb es nicht besser ausdrucken, als es Rof eft Stricker in der „Neuen Welt" getan hat: „Sie hatten lieber schweigen sollen. ’ j U åhrend Juden, an denen sich N'azi vergrifien haben (es sind natiirlich immer P’oyokaleure in falscher S. A. Uniform) in-Schutzhaft genommen werden, mit andtfren Worten, wahrend der Geprugelte, ticht der Prugelnde eingesperrt wird, w, Ihrend unter dem Schutz der Polizfci S.”A. Leute SprechchOre vor den jlidischenJWarenhausern arrangieren, mit dem Ittnah; „Kauft nicht bei Juden”, da schreiptl der Herr Reformrabbiner Dr. -Josef Lthlpann: „Der deutschen Volksgei> meinschaft gehiiren ' vir an auf Gedeih V’erderh." Wahreni Juden massenltaft m s Ausland fliichter Zeitung: „Eine Mette Ehtwicklung Scharfén werden sp Regierungen wcri)e ,schreibt die C. begii mt. fch abschleiten. Aie den wertvo Isn V.- Kern kennenlernen, (Jen die deutsche Ju denheit in sich bringt . . . Wir wis: en, daB in einer revolutionaren Zeit vi des vorkommt, was in einer normalen!eit nicht vorkommt. Vergrobermtgen. Cl'ertreihungen und sogar freie Erfindunijen sind in solehen Augenblickeii mdglpch. Hier setzf unsere Pfllcht ein . . Steht das in einfcr Hitlerzeitung, wel che, um das Ausland zu tåuschen, schweres Unrecht beschdnjgen will? Nein, das steht in der jiidiscbjen Assimilanteifzei tung, deren geistige Fiihrer “Selbst in dieser furchtbaren Ziit vor der Wirklichkeit die Augen verschlieBen und die, mit FuBtritten bedacht,| in Wort und Scirift auf's groblichste beschimpft und veffeumdet, noch immer nidhts zugelernt ha ben, als eine Vermehrung ihres Kriechertums. Der Reichsbund judischer Fron soldaten vermeint noch immer, daB die Herausgabe eines Buches, in welchetr die Heldentaten judischer Soldaten ges :hiidert und die Namen deT 12.000 Toten aus den Reihen des deutschen Judentums hin reichen werde, um Frontgemeinscha t in 'Volksgemeinschaft umzuwandeln. Da arrangieren sie eine Versammlung mi# christlichen Kameraden und S. A. Li uten in Uniform und die! erkiSren ihnen, die juden hStten kein Vateriand. Darajifhin und erst njach einer halbstQndigen Pause kann die Versammlung fortgesetzt werden. Und dann sagt der "Herr Vorsitzende, iler R. j. F. hahe. die Aufgabe, der Verstandigung zw-ischen ilen. verschiedenen Gruppen des dputschen Volkes zu dienen. Das deutsche Volk wird sich diese Venmittlun£ energisch verbieten und wird nur seine Abnergung gegen jene Unbelehrbaren, |die sich ihm wiirdelos anbiedern, vergtjdBern. Der H^B. Jer sicli jetzt gegen unserc bedauernswerten BriiJer in Deutscnland austopt, tindet besonilere Nahrung in' der Tatsache, ilal., ein Teil derselben im linken-LagJr steht. Man muB sich an den Kopf greifdn, wenn jiidischsozialistische Zeitungen tinter solehen UmstanJen Marxens 30. Todestages gedenken uiul sein Bild in riesiger AKftnachung bringen. Dieser Rat binerssohn. iler inrjuden nur den scltacl ernilen Hamlelsmensclien sah, ist zum gi&Bten Ungluck des judischefl Volkes gevronlen. Die Vjorgånge in Deutschland mussen die Juden der garizen Welt tjeiehren, daB die Zi gehdrigkeit zu den linkfn Parteien eine vergebliche," ungeheuer schådliche Assimilation ist, welche alle Juden ohne Unterschieii der Einstellung biiBen mussen. Die-jWischt Geschichtf wird eiftst iiber jene Verfiilirer zu urteilen haben, die in unser an Zjahl so kleinies Volk die Brandfackel des Klassenkamptes geschleudertjhaben. Nur das? unerschutteoi-, che Gefiihj nationaler iViirde, ohne Kom-* promiB nach links und rechts, wie es der Revisionismus verlangt, wird alle Bestrebungen, Bruder, die zusammengehoren, zu verteinden, eu Schanden machen. Dies zu' erkennen ynd darnach zu handeln, das ist die Lehre, welche uns das Los unserer Bruder im „dritten Réicft’' gegeben hat. . i E. V. fDIVlUK

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