Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXX (1930)
- Issue
- 42 (28.8.1930)
- Date
- 1930-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 75% known words query
- IRI
…/2621806-6375659-6376033--4728-4861624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I «*• JQdische Volksstimnie 42. _Sélte 3. 30. Oktober 193a lfervielfaltigungs-Appairate I Das b« abrikat Dia hSehate LeiatungsfVhigkeit | Eln Bpief — arie dbp ander« Zum 28. Oktober. Am Jahrestage der tscl cchosiowakischen Republik kommen lins tmwillkurlich die Aufcspriiche zweier gro ler Manner, welclte zwar iKirch 3 Jahrhur ilerte voneinaiuler getrennt sind, welche aber in ihrer Ideeliihereinstimmen, wieder ins Gedåchtnis. , Es ist Johann Amos C omenius, der groOe Exulant und Lehrer . ler Nationen, der ala sprach: „Einst wird sich das Ungewitter verziehen. Dann werden auch die Sachen'Deiner Verwaltung i i DeineHånde, fnein Volk, zuruckkehre i." Und Lord Baltour, der Staatskanzler les britischen Weltreiches, der groBe Frei nd der zionistischen Bewegung, der anlålllich der Deklaration folgende Wbrte g( sprochen haben soli: „Efter vergeht der Himmel urid die Erde, bevor trotz allem Wandel der Regierungen und der Verhaltnisse — auch nur ein Wort der Balfoursihen Deklaration veråndert werden sol I tt." i Ein jedes Volk ist unzeitrennlich verkntinft mit dem Boden, auf dem es sich aus'urdenklichcn Zeiten aus eht, und nur danri ist ein Volk' „frei" zu pennen, wenn es die moralische Macht zur Selbslbeherrschung in sich findet. Ein Volk, welches sein tand, ilas von seinen Våtern ererbte l.aiwl, durch die Ungunst dys (ieschickes verliert, lebi weiterhin nur rioclt in seiiier geschichtlich^n Reminiscenz Es hoffl. Es hofft und glaubt dem proplu tischen Worte, ^lall „einst’das Land se ALLEINVERTRIEB i Jie'VdgitGV Brunn, Ceskå 16 i ner Vater in seintf Hamle zuruckkehren vertle". Die sen Olauben hat auch der ieringste seines Volkes nie auch nur fur einen Augenblick verloren. Doch nicbj minder glaiibig und ernst oalim auch das jQdische V tik die Worte des groBen englischen Staa ismannes. Wie sagte doch Dr. Arnold Aristein namen« der jiidischen Siedlung T:l Aviv: „Der 26. Mårz, der Tag der Ba fourschen Deklaration, wird nicht allein in Tel Aviv, oder nur im 'jiidischen Jisrhuw vdn Dan bis Ber Schewa, sondern t on der ganzen Vierzehnmillionen-Nation pefeiert." / Nun kommt dem jiidi;chen Volk die Kuride von einer anscheini nd gertngfugij gen Ånderung, einer kleinrn Wortumstell lung — in Wahrheit aber ninés der grbfl-f teni Wortbriiche der Weltj esihichte. Da^ wichtigste aller Wbrter, v elbhe die Bajj foftrsche Deklaration dars ellen, ist. „gé* andert" worden und Himmel und Erde isi filter „der Welt Albions do:h nicht urner* ge^angen. Was aber tatsachlich unterge* gangen ist, das ist jenes reriihmte, das englische Parlament und S a^tswesen ausl zeichnende Wort fair play .-. . Das jiidi sene Volk erfåhrt wieder eimnal, wie schon unzahligemale friilur, wie unsåglicb sclnivr vs einer entu urzelierr Nation wird, die eimnal verlorene Selhstaudigkejt wieder zu erlangen. Urid doch sind schwere Opfer ge* bracht worden, ja Striine edlen Blutep sind gefiossen. Solite die; alles etwa nur ZUr Sattigung der Machtf ier, der Expansionslust des britischen In pcrialismus und seiner Textilimlustrie gibracht worden sein? Gtucklich zu preisen sind die Vblker, dtnen solche Enttåuschuugen erspart geblieben sind. Ihr Einsatz an Opfern war nicht umsonst. Doch leicht gewohnen sich die Menschen an gute iieiten. So leicht, daB sie in den Tagen des Oberflusses glauben, es kSnnte gar nfcht anders sein. So sehrjhaben wir uns ari die Existenz der Republilø gewithnt, daB i wir es uns gar nicht zum BewuIJtsein wingen, dali sich Unser Geschick durchaus anders gestaltet hatte, wenn aus dem Weltenbrande Zentralmåchte als Siege wåren. Langst schon sind unser Vaterland bedroht liaben, verflossen. Werden wir die in den ' 'agen der Gefahr gewonnene Freiheit beh »upten? Bestiirzung in Palåstina. Spontane Protestkundgebung. - Kitdi bei Chance|lor Die blitische Regierungserklarung fiber die kiinitige PalSstina-Politik, w.-lche ift Sonderausgpben des „Palestine Bulletih" und der hebråischen Zeitun^en auszugsweise: vtriilfentlicht wurde, hat in den Reilien der palastinénsischen Judcnheit tiefe Bestiirzung hervorgerufen. Obwohl lanzunehmen ist, dail die Palåstinja-Regierung bereils Montag, den 20. Oktober, im Besitze des Statements war, erhielt die Exekutivc’der Jewish Agency erst aus den Verbffentlichungen des „Palastirre Bulletin'^ am 21. Oktober Kennntnis von seinjem liihait. Wie die JQdische Telegraphen- Agentur erfåhrt, hat Colonel Kisch den High Comissioner Chancellor aufgbsucht, fim dagegen zu protestieren, dail den Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency det vollstandige Texl des. Statemejits nicht vojrgelegt worden ist, 11 Aus Tel Aviv wird gemeldet, dail die Lage dort åuflerst gespannt ist Bs herrscht eine Atmosphåré von Erregung Und Emporung, die zu spontanep Prjtfestkundgebuitgen fuhrt. In de* jiidischen Viertein Jerusalems wurden die Polizeipatrouillen verstål die Regierung die Wirkung der englischen Regierungserklarung auf die Offentlichbeit mit einiger Besorgnis verfolgt. Jerusalem, 27. Oktober. (E. D.) In Tel Aviv fand gestem nachmittag ei fle Protestkundgebung der jiidischen Bevolkerung statt. Unter Schmåhrufen die englische Regierang und den englischen Regierungskommissar durchzoge rere Tåusend Demonstranten die Stadt, wobei es mehrfach zu Zusammenstoll dyr Polizei kam. Mehrere Demonstranten wurden verfiaftet. —| Jabotinsky iiber die neue Lage | Zionismus. mehmit Berlin. Am 22. Oktober abends|: hielt der Pråsident der VVyltunion der Zionisten-Revisionisten, Herr Wladinur Jabotinsky, im Bachsaal zu Berlin einen Die tschechische Nation nimmt eine die hervorgegangen lie Wolken, die eigentijmliche Position unter den europåischen Machten ein. Schon dér ■ erste Reichakanijter Urs treutsche u Retenes, Flirst Bismarck hat diese So ulerstellurig erkannt, als er die derikwiircligen Worte schrieb: „Wer das Land Bbhmen beherrscht, der beherrscht zugleich ganz Europa." pamals mochten Bismarck ganz andere Plåne vorgeschwebt haben, Absichteri, die vielleicht noch damals, doch seither niti .wieder realisiert werden konn ten. I Das iiteht jedoch auiler Zweifel, dafl des tscliei hischen Volkes schon der geographischi n Lage wegen eine Mission von besondere- Wichtigkeit wartet. Es vird einem Volke unsåglich schwer, d e einmal verlorene,Selhstamligkeit wiedrr zu e langen. Es sind Strbme Blntes — nicht der Schlechtesten ihrei Nation — vergossen worden, Galgen brachen unteir der Last ihrer Opfer, Kerkermauern erstickten die Såufzcr ihrer ungliicklichen Insassen. Die Verlustlistcn det tschechoslow, Legioniire sprechen vor 3292 Toten! — Die jiidisrhen Legionåre die fur die Sadle der Entente ihr edles 111,111 verspritz,ten, die glcichfalls und nichi minder Itohe Einsatzfc in-iliesem furchtbarsten aller Viilkermassen gesetzt haben, de* ren Loltn ein tig uUd allein in der charta magna drr B iltourschen Deklaration aus-f gédriickt erscheint, werden dt^rch dieseil neuen Bi schluB, der an die in der Geschichte oft wiederkehrende Wortbriich der Poleitati n „von Gqttes Gnaden" er: innert, einfach betrogen ... Schwer jwurde es dem ritclteehiscliet) Volke, die Freiheit und die Selbståndigkeil wieder zu erringen! Weit schwerer wird es jedoch, diese zu halten! Der Tag de£ i8. Oktober |st nicht allein das WahrzeiL chen einer geschichtlichen GroBtat, ér bedeutet vielméhr ein Symbol der erlangten nationalen Einheit! Den Jubeltag der Freiheit kbnnen wiir Biirger des tschechoslowakischen Staates nicht fé erlicher flegehen, als wenn wir das Bekenntnis ailegen: Mit allen unseren Kraften woll« n wir das stiitzen und schirme i, was mit solch grollen Opfern errungen worden ist! Es ist dies unser „Bekemptnis zur frei en Republik”. Jaroslav Rokycana. im Vortrag fiber das Thema „Eti -tand, Araber und die Juden”. im Zusai imcnhang mit der englischen Regiei ungserklårung war da« Interesse fur øicsen Vortrag ungeheuer groB. Der Sajtl wai uberfullt und viele Hunderte kønitten keinen EinlaB mehr finden. Wladimir Jabotinsky, von de Versainmluntz enthusiastisch begriifit, fuhrte in dreistiindiger Rede u. a. aus:; De: erste Eindruck der britischen Regierubi rung ist der, daB durch sie eine Palastina aufgerichtet wurde. lch nicht, daB es \virkli<?h“'eine eisyrm ist. Die allgemeine Empiirung in i ionistiglaube Wand Der menjschliche Organismus i« t zur Herbstzeit c mp f å n g I i c h c r fur Erkr apkun-g-wi, al$ sonst. Schnupfen, Kafarrh«, . Influenza sind an d :r Tagescrdnung. > Beug in Sie ihnen vor. und hårten Sie Ihren * Kdrp ir ab durch t&gli« . che ^iassage mit dem A L PA Fran virk den surk und di i ipbrannterin. Er vohituend auf )lutkreis!«uf, den Organismus macht die Haut Erkåltungen virsrand'fåhigef- Alpa - IhreGesundheit ' K6 500ner Winter C — erstklassiger modermantel besiter Qualitåt -E N.T-RY Hans BUM des futen GoidMaaek*. LMiummuiEi. Telefon 147J. wåre, ii F lalitfit ik-r alter .-juf n zeigt, gralen ange-; wåre Mehr- PalaiSort die schen und nichtzionistischen Kreise daB die Forderung nach eiriem, int Zionismus nllgeineincr ist, als (nar nominen hat. Denn diese EmpiSrun unverståndlich, wenn wirklich die heit der Juden der Ansicht w-årf, i stina kame es nur auf die QnaF geschaftenen Werte, nicht GriiBe des Jischuw an. lch hoffe, daB nunmehr jeder Zionist aus den Ereignisen die Konsequenz ziehen wird, daB Zionismus nichts andefqs bedeuten.kann, als den Judenstaat, d. Ji. die judische Mehrheit in Palåstina. Eine judische Minderheit in P; lastina wird. niertials Trågerin. einer i jii Kultur sein kbnnen. Obwohl die De 400 Jahre, lang in den Ostsejppnt-iirzen lisclien tsclien Kulturarbeit geleistet haben, ist ihr dortiger Kulturbe;itz wféder vdrloren gegangen weil sie rficht die Mehrhefijm Lande hatten. Dasselbe Schicksal haben die Griechen in Anz tolien erfahrfcn, und dieses Schicksal wi il auch einer jiidischen Minderheit in i’a åstina nicht trspart bleihen.” Der Redner wies durch Zitierung zahlreicher ^juBerungen criglischer Staatsmånner nach daB die Baljour-Deklaration auf die . Bildt ng einer siqi selbst verwaltenden jtidiselten Mehrhi-it in Palåstina ahzielt. Aucl das Manitatj, in dessen ffråanthcl von ei ter „RuCons^tuation" des Nationalheims i lie ReiNTseLigche von diesem Gesichtspun it aus. D.Js Schicksal des lamllosen jii lisclien Volkes ditrie Con den iunerii.-jlh dreier Monate; fertiggesteltten Sinipson-Be icht, der keirie Expertise, sondern ein „F mill.eton". darstelle. nichf ab- Irångig gem.icht werden. Die englische Re- Spciial-kiirschncrgeschåft Fr. Malaseki Briinn, Ruzovå 3 Spezielle Eizeugung von ‘ Dømenptelz månteln n tch den neuesten Pariser Modellen. Stets grelles Liager samtlichen Pelzsortejn. Itlr tarbeitungen wer- |en iibernommen Telephon 779-11