Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXX (1930)
- Issue
- Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930)
- Date
- 1930-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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JUBILAUMS^AUSGABE 1900 -1930 Alnis Jiråsek Aloii J i råsek ist am 12. Marz géstorber, — In semen histor ise hen Romanen finden sich håufig yerståndnisvolle Schilderungen des jti'Jischin Milieus. F.r. Ot Jehudah I.inv ben Be/alel, „der groRp Rabbi“, war bcriihmt 'unter scinesgleich.n Selbst die Christt s'Jhåtzten inn: Ihrt Gebhrten, Edelmånner und sop ar der Konig. Keiner konnte sich ihm ve g!eichen, was die Kenntnisse j j „ des Talmud und c er Kabbalah betrdft, und i den Stcrnen las er to, :IaB auch Ticho de Bian?, i des Konigs Sterndeuter; ihn' ehrte. Aus seiner Schopferhar.d tuts »rang der tonerne Oolem dem er Leben gab, in dem er ihm das iteheirrinis vqfte „Sehem“ in den Mund legle. i)er Rabb. b^siepte die Gehei nnisse der Natur, die anderem verbiorgen bljtjben, und selbst dem Tod bot er die Stim. Die Sortne vcilschleierte sich und,Petit war fiber did Fiivwohn;r Prags gekommeu. In den P aper Stadten stand es arp, und am Aerpsten in der Judenstzdt. Schreck herrschte in allen Hiusern, arp furch barsten aber' wiitete er Beth Chajirn, in dns man vom Morgenprauen bis in die spate Na cht die von der Pest befallentn trup. Dorthin, in den Garten des Todes. pinp in dieser Zeit eines Tapes auch tøabbi Lcw, von seinen Schiilern bepleitet. Tr 'wollte dtirch die Hinterti re eintreten und hatte den Schliissel schon aus der Gurteltasche penomm?n. Aber das pra re Tor unter den altén Baum m spranp von st lbst auf Hinediirre Gestalt mt bleichem. finstmen Anpesicht stand Idarin, in/einen gratien Srhleier pehiillt, und hjelt in der mageren Rechtpn einen beschriebenen|Strei- ^e i' Papiers. Es war der Tdd, der wartete Alle er^chrasich amiisiéren wollte. moclite den Wc: die Sohiffbriicl: nach I’est machen: tind d<i :r des hcimischm Fluchcs nicht sichcr.-Ja. in drtilien cing man seinen Geschaften. Gewcrbeu wic ein Clirnrist jener Tage sagt: I’est war ..das lauS Jes Leben: “ flir die Allofn.-r. Andcrerseits suchten die Pester Familien zur ewigen Rnhe noch •hntelang das Altofncr „Haus des l.ctiehs’F dén FreJhof. auf. in dem eine ehrwfirdige Ocmcinde. ein elrrwi rdiges Geschtci lit begraben Iiesrt. \yer uber war Babel nach: du Olierne' zå Di rite Kicll Auch hause. sucliti Juitg ar das Ghetto wufdc. sobatd die Ju Reibbi L6w urid der cht kat nre ihn, irank n In tinem aufgchetztén Christert! er ihm entgegen; dts Rabbis M stii 'ker. Kot und Stqin, die au jhr cs ielen. Rosen und Veilchen auf einer dunk) Ted in se i: ihn die letindti! Lhtnim seinen Luften. In ht staiil sich der titiil schlich in der schwarzen I »i I.cper heran, tmhtirhjar wie cin aber bemerkte sich, entzundete Talmud zu lese tb Und der 1 Mcjcht iiber ihn. In diesem Kampf verflossen ittr-Jl Bert-dts Rebbi wur-den \vei[| JaLr seines Lebens bjepann. Ur.d les versitr nel sir:tisene pa.nze Frlmiiie, Sohné und T»bitter tel urd Urenkel, und sie brflchten, ih pal uppierr auf unge-: ^ken vor ihm; nur Tabbi Low schritt iapfier auf " ih n zu und schnippte ihm mit einer Handbewe pung das Blatt aus der Hånd. „Diesmal bist Du mir entpanpen“, murmel .tender Tod, „hute Dich aber vor einer Bege-gntinip!" Und versc rwand. Nur das Blatt blieb zuruck. Und auf ihm die Namen ,derer, die mit ihm hatten pehen pollen. Rabbi Low und alle seine Schuler. So uberwand ér ihn .zum ersten Mal 'Dann rtfng er mit ihm, mauspeseizt, denn der Tod stellte ihm nach, ol ne Unterlaft. Fr sprang ihn j auf der Strafte an als ein scheues Pferdt, aber der Rabbi wich zm rechten Zeit aus, Fr erpinp sich am Ufer der JV oldau und (der Damm bracli ihm unter den Fufttn ab. Aber der Rabbi rettete sich nit einem Schritt. Der T.od verkroch sich auf qen Grurid einps Bechers; der- Rabbi erist mtil II od lien' in Ofcn auf Kultur und Politik elnge: tellt. das Altotier auf Religion und Volkstum so tic lit das Losungsivort des Pester Judenqtiartiers von .'man« ari: Ocschaft. Der „I’estcr Markt" stand liei ih ti I’ate, der lockte die Judcn von allen Gauén und ( ettenden des I. utdes nach der ■flauptstadL wo sie.lv i Josef II. nur :ils „Ki'rmiioraiitcn" sich auihaltei/ d iriteii. Ali der Waitzuerstrqtie. die bei d'en inne en Stadtteilen vo Jiheriiihrte. stand ein Haus ne W: .ein Mammutk >mplex. mit vier Riesenhofen. und Lanirsireb; luden, mit Wohnunecn. Oewiileinerraumen srnder Zahi; der Volksmund eres håbe seinen Kktentiimer jetle Stunde einen kat.-n cetrasten. I'ieses Baron Orczysclie Haus iJensdiaft sich hier ni-vlcrbissen ihr Zentrum. hr Rairm fiir alles. Hier trafen dfe Oeschaftsleu e, die Anfamte1 der Produktcn-, ndtreide-, Woll- und Wcinhbrsc sind da, zu suchen einc Lehrerlx'ir! e gab es im Orczy’schen, Ca<é- F.in F'amilier vater, ein Gemeindcpotcntat. einen HausleHrer oder einen Talmudiuneen, Juda suchte einen Posten: hier traf man sich und b;i rinem Kaffer war der Jahrcsvertrag ahgeschlosien. Dieses H5ti serviertel beherbergtc die'erste jiidisc fe Nationalschu c. auch die erste konzessionier te Sy lasoge. noch hente inv-Besitze der orthodoxen Gemcinde. Als aber il den Hetortniahren die Jugend auch iinen C3tor- und Orgeltempel haben wollte. da wurtk derselbe ebenalls knapp an den anderen an- 39 Tod. rje uiiJ ent-ki.ni niiien s:idrmti cht abct-wai Jer IlorJe au repneten, venvarifelun »ich j i Blumen. tin« em n „J ktipt unc stiinivoclf.) Schlafpeniaclj >t.Tilis a:i >c;t chattei’.7Tt: bb:; ra.-ich exaob ttpj bcpantl. od hatte kerne ben. St'iuj treues elnet' Stratfft m Rabl i 1. oW frem il “é Nat hk::'tini iFm -fine erpr-mte i iijir e :es |!ini der itosc;<}r:nncr in : :Lr er ■ tirud s Zcft. in der ihpfn pat' ie Jahre. 1 la;r , das aclizipstc : alt . in ,!V un^l vr - rr; - in i .r K ' pu- Abeles: Bei pen judisclften Bauern T ranssylvciniens. Ueber den Marktplatz von Marmarofsipeth ' dem ni Gaatteltem Pferd ein merk wiit'diper Reiter. Fi| trapt Kaftan uit:l Stirr,- ( lccaen, unter dem sp:ckipcn Filz lupt ein Sanitkappehen hervor; ber die proben Bem eleid stetken in r.iclitipen iauernstiefeln und jiiehtip Jie Faust, welche die Ziipel halt. [Jer junpe Jude reitetin sein Dorf ^uruck Voriiber an dén Jam nerpestahert der jii: ischetr Betrler tind klpinen Vl'echsler, der z.erbrorhenen v/a •h-'pdben Kramer, d>e mit nichts zu handeln haten, der hunpripet Miisstppanpér, der ver OblSCH in d:e;er B Leind I r i unn lappen; m'V f!er wtipJerbar, Vfi-'k;:'1*, s: Arme seinbr pewes; Der ua! (A V O L K S S T I M M E“;ahertes W'eib sclienkie iilim einer wtinlerbaren Rose. id iiber sein.' Kir.åer, ube>' und iltre Gesche.tke, atier als gab rischv Zeit.' du d e n bef rau die hcrriiehe Ros ferz. D;e. strahlende 1 ihn un d'e verpangene \\'e:b junp waren, ilire I iebe -zn bliilie pil",' verpaR?r mi f^'ine n die Rose und n;:h in Ade.r'iolen. Und '.t Du ger d uTstrbn •: di ft er die Ati'.n s ulolf t ■ tif.-etif/te. lir's.liloR d Jer. Tot s: gen t ran ur Tt: 1;'nr :n Jer Rose v ialt.' ’m iiberwalrat. nicht wi: wc Bha' -I nr ur..: e Ai-- ’k; i c , rlior- :'::n t ern Alten iibertri;en' von Kr ri Bauni,) -F T' ment lrlosten entsetzlich zerlumpten Kinder, die sich dem Passanten irt die Sohlen heftén, am Pfl ister nachtipen, im Schmutz verkontnien , Marmarossipeth ist die Musferkarf? jtid - schen Elends. UnveraeBlich das Schausp el, das sich am ersten Blick pus dem Hotelfenster.bot• Drt iBip, vierzip judisdie Kutscher, apiT dem Bo: k stcffiend, die Peifrschc peziickt. spahfen auf das Hoteltor, ob die beiden Geschiiftsreirietiden, der:n Bahnfahrt fulhi ist, weiL ihre Musterkofler bereit stehen, séhqn sichtbar werefen. lin nået sten Aupenblick ein Wettrennen, djifi die moi schen, dreckipeo_Kasten in allcn Ftipén krachei und die mapereh hinkenden Gåule attfstot nen. Wer wird siepreich ius der Konkurrer : hervorpehen? Dje Herren Reisenden haben an diesem nassen umwirschen Herbsttap in * ch iin Tcxtillager ' Jarin te erst vom Selirciber tUcscr Zciiui jjuuivckt gclnut. Heute tvi.nilet iilentiikiert worden sind in diesem_Mihi lime An/alill spateivr Groatur-Sladtt4il" Kalder gewesL-n. Der junge Sonneiitlial spielte hier mif 'seinem spilleren ZuiiitgenoSseii Pc s er Gemeindesekrctari der „Kbnig.n von Sai>a" sam en jiidischer Kuntorc Josti Joachim sich alsba Lagpr hiniibergeigte. Uelch Gewiihi und s em Bieiienkorb gegelKii auclt in den benaelibartén iriiay. dem Solene d--.» der zukiim'i:gé Kdiiipoiiisi iibte sein ()|ir an den Gel, wahr.n-d der Violinkiinig mit Gesehiek ins iindere „Man dari nur die Kiiu odei Dréi- Irommclgasse benannt) oder andere dar; len". - so liiBt sich mann veriiehnieii. - und dall da der Israeliteiisaine ist.es nicht viel anders: Trodter in der Stadt zu ihren Jahrmarkt ab. Abe te", die F'remdon. die Fan nen vornehineii Gåsten., u båtte einer geiragt. waruit Prachtgebåude cxisticrc gednrworte«: Ja. in i’est e<l>cnso reiche Jilden, aber p.l zu bauen: sie miilUpn. i.and duréti ihre Tiichtigke Rin. viclsagendes Wort, tr viel spåtere Luejrer’sche wahrlich dem Judentume mag. pottverlassenen Nest enJlich ihr Amuse das sie absichtlieh veriånpcrn. Sie pout eren atngerept, weisenstut dieses und jenesi Vehikel, t as ihivcn ztisagtn wiirde, verschurf.,)n dea Katr[ f. Nachher sah ich die Schar der Unterkpenei auf ihren Standplatz zuriickkehren. 1 leutv ibis keir Brot fiir die f amilie. Das sip.j die Bessehutuierten, die „Wagfenbcsititer". .aber wenn man dem paioppiercrJeri |udenju apen bis zu seinem Hole folgt.! entroflon ich, knapp an den Grenzen der Stadt, andere Bilder. Dort' breiten sich die jiijiscF.cn BaufTndorfe ■ der Marmarcs, dort schaiien hiitp'.ser'ote, ptobschlåchtipe Månner auf der f r-Je, Dorfi chmiede, derbe, pesunde W’eiber W'irtschaft, dort sieht man das Gliirk de^ Men schen der mit der Scholle verbunden ist. ucli hier proBte Armtit, niedrigsi^- bensh tltunp, kein Bissen Fleisch, bloB Ma und (iriitze, denn winzip ist der fiinzei an Grand und Boden. Aber sie haben do Siiickchen Lrde unter den ’faiBen, ihr. Dach fiber der Familie, die Burschcn tind chen versor.pen den Stall, bestellen den ilt |dV‘i n 'der iewimmcl mag es in J>- liab.-n, Jessen "Sehwåno-- Gassen itcrumsumnitcii. gasse. Jie Zw ei-Moliren- (nach Firmenscliihl-rn so' n stob.nJe Gålicheii. betreim.sifr>'oben zitierter Uetvahrsitian 'wir.J letelit efkenneH. lusgcstreiit ist. Noch heute wievicl Kriimer. TailJler. nJen.sin-J, Jie hatten hier eben' Jiese „kleinen Leu tewahJerten lianen Budapest groft gemadit. auch Jern Ungartum stolzel Stolt gruppen geliefert. Rine Am kjotc sei Jiier zum Schlutl erzåhlt. Der grotte l’alalimis Josef halte cimnal sei ner ilmeii dem vielmacht.gen Mettcrnich Jie Altoficr Synagoge gezeigl. Da ireibei die Ziepen und die einzige Kult apf Vi’eidej F. ne Anzahl Leiterwapen, von jiidjschen Fubrleaten pelenkt, dicht beseizt mit Miriineitu. welche ihre Wcrkzeupe pefichultcrt haben un im rauhen Chor ostjirdische VolkslieJer singin pc^err iiber die LandstraBc. Das sind die tuhmli-hen jiidischen Holzfåller und Waldar-, beiter, die kråftigsten, verlåBlichsten, gcw und resten di 'ses Gtbirpslandes. Ui.d oben, auf den Karpathenhohen, es einejt Berufszwcjrp: Almbubcn. Kcdne puloht i roler. sonde ni richtige jiidische Senncr, dort oten den Sommer;icrbringen unJ K den rituellen Haushalt bereiten ise lur Wånderunp Jurch ein.ge Judendorfer. N:<|- ntals. n rgends haWe ich dcrart iibcrquellcndep Kindcrr'idituin pedehen. Die DorfstraRcn hqspickt, (Je Hole iiberfullt, hafbnackt, aber frisch. ståmmi;, keines hintallip, durchsichtig. ki tinpe'jhaft, wi? die traurigen Kinder von Marmrossipeth. n dem Dorfchen Sarasau iiberi aschit mich in einer lachhaft engen, nackten Eauernhiitte ein Bild doppehen Mutterpliicks, wie es so hell riur in der' Arme-Leute-Stube lquchtdj; kann. Z in I’est kein Jerij^tiges inj Jer Rrzhcr/og hatte ::ebe es eibcnso vibie unJ Jie hatten keine Zei|t. Temorerst Jie -StaJt unJ das t in Jie Hobe brifwfen Jessen Beleuchtu|ng de' Spottname „Judapest' nur zum Stolz geretchen vei plumpe Holzwiepen nebeneit ander. .Mutter nnd Tochter kamen pleichzeitip n Woj chenbett vier Paare pliinzcnder Braunatipen. Glårbipes Volk. Aber sie lassen sicli nichl von den Rabbis gångeln, die in den .Markt* flecken i nd Stådten der nåheren und w eiterett .Umpebuip regieren. Fs ist die Frommlieit dej erdverbu rideiien .Menschen, der seinen Knabett in der h< iligen Lehre unterweisen låBt, aber rim! so lange bis er ihn auf der Weide, im Stall, am . Feide verwenden kann; der zuverlåssig) in die l