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Jüdische Volksstimme · 1930-03-15 · Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXX (1930)
Issue
Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930)
Date
1930-03-15
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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* i JUBILAUMS-AUSGABfe 1900—19^0 inen wtirdé, daB die ncuen Gemeinden r um å n i s c h e M (• h r h e i l ha-ben. Ebenso wurden an manche S tadie mit jiidischer oder deut- >eher relativer Mehrheit mehrere Kilometer entfernt lierende Dorfer „angéschlossen", damit — so lautet die Begriindung groBere Venvaltungseinheiten erstehen. Bei den jiidischen Gemeinden also, Ze sprengung wegen des „Selbstbestimmungsrech :es“, bei den anderen: Zusammenfassung weg m „groBerer Verwaltungseinheifen“. Der Pfe defufi wird deutlich sichtbar. Die national-autc nornen Gebilde der: Minderhcitsvolker soller zerstort werden, allen vbran c‘ e der Juden, v eil die sich am wenijgsten zur Wohr setzen un<! ihre FiLVer mit den „Zukkerln" von .Man'laten zufriedengestellf werden kunnen. i ■, Was jst dagegen geschehen? Nur selir wenigi Gemeinden haben sich aut Grund des lieuer Oesetzes reorganisiert, in der Bukowina die jiidischen Gemeinden* von Succava, Radauti, Dorna und die paar abgesprengten Dorf-kultusgemeinden; in Bessarabien dfe jiid. Gimcinde von Kischiiiew; sonst nirgends, méines Wissens keine einzige judische Gemeinde im alten Regat und in Siebenbiirgen. Gie unter dpr Fiihrung der Uniunea stehenden jiidischen Gemeinden des alten Konigreiches habijn von der gisetzlichen Berechtigung, mit der Vorlage ihrer Statuten noch ein Jahr warten zu konnen, zu ausgiebigen Oebrauch gemacht, so daB nloch keine Gemeinde legal . konstituiert ist. Gie Motive, die in diesem Zusammenhang nicht crortert w'erden,; konnen, sind zu gut bekaijmt. Man halt auch hiqr zu gem an der „Måcht" Ifest.; ' V. i- So ist die Situation heute. Die ze-n tr>f ugalen Tendi wollcnder Forde nzen obenan, ikiit wohlung seitens der Regiérung der Nationalzarjanistf n, von deren d e m b k r a t ischem lj n d m’i n der h e i t sf reun d 1 ichem Prpgramm wir viel erw.artet haben. Die jiidisché Politik zerriittet und auf der Sucht nach Maredtafen bus der Hånd des „Puretz". Statt der Staatssubvention nach der Ve r h a 11 ji i s z a h 1, eine solche vpn 10 Mil- Fonen I.ei flir alle jiidischen Gemeinden GroB- RunraniensJ das heiBt kaum 10 I.j e i pro Kopf, obwohl das Bediirfnis der jjiidischen Gemeinden; mindestens 700 bis SOOJLei pro Kopf ausmacht und diese jiidischen Gemeinden an Staafssteuern selbst mehr als 10 I. e i pro Kopf zahlen miissen.J Statt der Volksgemeinden: zersprengte, kleine Ritus-Gemeinden. Man hatte nicht einmal den. Mut,< den Standpunkt) zu betonen, daB die judische Geschichte kejne rein lfeligiosen Gemeindlen Kennt, sondem intmer und bei aller Unterdrpckung in erster l.inié weltliche Aufgaben erfullt hat und Volksgémeinde gewesen ist, diq fiir die meisten kulturellen, sozialen und okonomischen Bediirfnisse der Judehheit gegorgt hat. . Man benotigt in der jiidischen Gasse izu oft das Srhlagwort von der „religipsen" Gemeinde, lim ■gegen die jE i n 1; e n in den cigenen Reihen demagogisclv auftrtten zu konnen. 1 Nicht : viele haben auf diese Geffihren aufmerksam jjtemacit. Ich håbe die Njaivitiit, zu glauben, daB es vielleicht noch nicht iu split ist. bhne die fTinbeiufung durch die RegSerung abzuwarten„jmiiBtf der Jiidisché Klub m Finver- ■ nchmen mit der „Vercinigung der jiidischen Gemeinden des alten Rcgats“ einen GeneralkqngreB der jludisden Gemeinden einbejufen, an welchem^uch die Vertreter aller jiidischen P a r t e ien teilnehmeti mfiBten. Alle lokale und) allgeneine Politik dér jiidischen P.ar- , teien miifite der Frage der Organisiequng jiidischer Volksgemeinden untergéordnet \verden. Siur die gesclilossene und ø u f dieses Z i e j g e i 11 e Front (tes gesamten ruin itn;srhen' Judeitums konnte den Widerstand der Siebertfcmrge Orthodoxen und den der Re- .'T'erung brechen, und konnte vielleicht noch ' dazu fiilirén. daf wir die unter guten Auspizien begonnerie Org£ nisationsarbeit zu einem' leidlichen Fnde fiihreiT und fiir lange Zeit hinaus eine tragbare gesetzliche Grundlage ftir uns e r e nationale A u t o rto m i e schaffen. Wenn es nicht dazu kommt, werden! die jetzigen Fuhrpr des rumanischen Judentikms eine sehr schwere Verantwortjung auf zir 25 _ , z igreb \ „JODISCHE V O L K S S TI Ml M E“ ml« Das am 17. Dezei „Gesetz iiber die Organ Religionsgen osse nschaft slawien" bedeutet .einen schichte der Judenlieit, gebung aller Zeiten uik Gesetz aufzuweisen, wel berechtigung der Juden Weise aussnrechen und Am 19. November greber Gemeindesaal die jiidischen Kultusgemein« len Kroatiens! und Slawoniens versammelt. Ei gen fiir di« Verfassung ler Julen JueislM. Juden Jugoslaviens und nddiren.) - r 1929 erschienene sation der judischen im Konigreicne Jugo- Hohepunkt in der Gelenn die Judervgesctz- Lander hat kaum ein :hes die vollste Gleichin derart plrågnanter verbiirgen wiirde. 90a hatten si|ch im Za-, Vertreter von zwanzig galt die Vprtiereitundes kroatischjen Judengesetzes zu treffen. Scion damals Wurde der Wunoch nach einer Zs ntralvereinigøng aller Juden Kroatiens laut." Als es dann im Jahre 1921 nach der nationalen Vereinigung zun ersten Kongresse der jiidischen Kultusgemeim len ganz Jugoslawiens (abermals in Zagreb) kam, wurde dieser Wunsch iipmer dringen ler. Es wurde der Gemeinde verband gegriindet und das Landesoberrabbinat — beides alhrdings nar im Verordnun.gswege — aufgestelt. Nunmehr ist dies; lies auch gesetzlich geregelt. .Mit Freude und gerechtem Stolze blicken die Juden Jugoslawien. i auf das letzte Vierteljahrhundert zuriick. Es bietet eine gule Gelegenheit fur einen Blick n ihre Geschichte. Hochinteressant sind die vielfachen Denkmiiler der Judenniederlassungen in Dalmatien, die noch aus der Zeit des Romerreiches stammen. Man denke nur an die E ntdeekung eines altjiidischen Fried hofes in Salora bei Split durch den weltberiihmt?n Archaologin Monsignore Or. Fran Bulic. Ein zweiter hirvorragender kroatischer Gelehrier, der Prå sident der Akademie der Wisstnschaften, Di. Vladimir Mazurovif, hat hochst interessant ijl«r die Beziehungen der Kroaten zu den Judep und Arabern Spaøiens geschriiben. Sein leiztes Werk galt den im beriihmter Briefe des Chasdai ibn Schåprut jerwiihnten „Gebalim". In scharfsinniger W’eife erbringt Dr. Mazurovic wiejseinerzeit Caksel und Cannoly — den Beweis, daB es sich daj trip Kroaten und nicht um Deutsche, Bohmen cjder Polen hmdelt. Mit ejen Glanzperi iden der Gesc lichte Dalmatiens biefassen sich auch andere kroatische Autoren: Der verstorb ‘ne Un iversi ta sprofessor Dr. Djuro korbler schreibt uber r>idacus Pyrrhus, den groBin Humanisten, und dessen Ereund Ama tus Lusitaius, den groBten medizinischen Schriftsteller!einer Zeit. Universitetsprofessor Dr. Grga Novak hat ein hochst interessantes Bi)ch iiber die jjiden Splits herausgegeben. Eigenartig und icichhaltig ist auch das B o s n i e n s. Manchcs Moric Eevy, dem Oberveroffentlich}. Speziell Schicksal wurde sc der Juden ion von Dr rabbiner i’on Sarajevo in Sarajei o.gibt es ten Hagadah viel ii teressantes Mpterial, das noch niet t verwertet ivurde Bedeutend sind die bisherigen gen auf dem Gebiete c ler Geschichte in Beograd. 1 an cl Dsoberrabbinei auch auBer der beriihm- Forschunder Juden Dr. Isak Alkalay pjibliziert sein| diesbeziiglicleh Studien rverbande au: igegebenen rejsl-.i Almai acii“. Der crader askenas in jedem, vom Rabbin Jshrbuchi, dem „Je Oberrabbjp.er der Bco: mcinde.'Ignjat Slang, ischen- Gehat schon vor lier Jahren sich nehmen, und in s c h i e hj e so dasteHen Schopfer des Gedanke n. g a t i o n t n“ in der vorigen J^hrhurtderts. Die z e i g e n, ivortun b :i der j ii d i s c wie die von den dngarischen Ju allerniiéhste Zeit muB es ob lj: o c h nationale Veran tg vorhanden ist. Zum SchluB einen persqnlichen Wunsch: Wenn die judische Prejsse Rumaniens piesen Arein eigenes Werk iiber die Juden in Beograd geschrieben. Der Zagreber Oberrabbiner Dr. Gavro Scbvvarz veroffentlicht in den „Mitteilungen des kroatisehen Landesarehivs“ wertvolles Material iiber die Geschichte der Zagreber judischen Gemeinde. AuBer den vorangefiihrten Biichern und Publikationen gibt es aber auch sonst zahlrei-- ehe Zeitschriften, Zeitungen, Jahrestjerichte und Gelegenheitsschriften, in denén sich zerstreut interessante Daten iiber die Geschichte der h eriåndischen Juden finden. Es gilt nun, nicht nurdas bisher Veroffentlichte zu sammeln, sondem auch bisher Unbekanntes zu erforschen. Als .Muster schwebt mir Hugo Goids „Die Juden und Judengemeinden Mahrens in Vergangafc héif und Gp^érrwart“ vor Dieses måhrische Judenbuch enthiilt wichtiges Material fiber eihzelne Personen - speziell Rabbiner — die im jugoslawischen Judentume wirkten. Hochinteressant ist die Geschichte der Wanderungen dér einzelnen judischen Familien. Die bei uns verbreiteten Namen Trebitsch, Loschitz, Bcskowitz. Kremsier, Eeipniker, Rausnitz, Austerlitz, Kanjtz, Auspitz, Eibénschiitz; 'Brod, Kosti, Irritz, Triesch u. a. beweisen, wieviele Juden jm Laufe der Jahrhunderte den: Weg in das heutigé Jugoslawien gefunden haben. Es ist charakteristisch fiir die >|fentaEtåt des jiidischen Volkes, -daB auf der zwpitausend Jahre wahéenden Wanderung die verschiedejien Heimstiirten in der Regel gar bald vergessen wurden, wahrénd die ErinnerungHr die Urheimat auch noch heute in den judischen Volksmassqn lejbt. So wissen die Trager oben mvåtinter Herkunftsnamen kaum mehr von jenen m;ih-, rischen Ghetti, in denen einst ihre GrpBeltern lebten. . Ich selbst wåre zu’ groBem Danke verpflichtef, i wenn ich Niiheres iiber jene meinev Ahnen effahren konnte, die als Naeljkommen des Wierjer Hennoch’ Schkrk im Jahre 1670 bej der Vertreibting der Juden aus Wien nach UnJ garisch-Brod auswanderten. (Hennoch Schiclj war eirr Enkel des Menachem Sik, Vorstehers der Prager Judengemeindc zur Zeit des hohen Rabbi Low.) j Gerade dieser Teil . meiner Familiengel schichte, iiber die ich schon in der .i.Berlinef- Jiidischen Familiengeschichte“ berichfete, isft noch ziemlich unerforscht. St'.bst im mahrischep Judenbuche werden nur die beziiglichen, von Dr. David Kaufmann und Dr. Adolf Frankl Griin veroffentlichten Daten wiedemegebert. Von groBem Interesse waren auch die Familieøgeschichten des langjahrigen, verdiensrvollen Priisidenten der jiidischen Kulrusgemejnde in Zagreb, Josef Siebensfhein, der aus- Ajahrisch- Weifikirchen'stammt. - I Auch Eduard Prister, der ebenfaljs Prasiident der Zagreber jiidischen Gemeinde war, ist der Eamrlientradition nach miihrischer Abstarpniung, niimlich aus der Nikolsburger uegend. Der urppriipgliche Fnmilienname soltjKohn gewesen und erst gelegentlich der Auswanderung'der Familie nach FriSul in Prister um- ' geiindert worder sein. Nach Zagreb. kamen die Prister‘s um die .Mitte des 19. jahrhurederis und nahmen’hier gar bald eine fiihrende lupg ein. Ueberhaupt mussen mejner Meinung lach in Nikolsburg manche die Juden Jugoslawiens betreffemde Dokumente vorhandin sein. en G erfichtigten < o n g r eden-heit des tike] abdrucken will, dann bitte ich sie, ihn ent-" weder ganz oder. gar nicht zu druclcen. Ijcli mochte es nicht wiedei5 haben, daB jepe judische Zeitung aus meinen Artikelp nur das hérausnimmt, was ihr noti<z scheint, — um den;jevveiligen Ge gn e r zu treffen Ir.h habej meirten Blick .iuf das Ganze gerichtet, und envaj’te den gleichen Standpunkt. ' j. Succav.a, 2n. Dezcmber 1029. j; i I - Dr. Meier T é i c li!

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