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Jüdische Volksstimme · 1930-03-15 · Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXX (1930)
Issue
Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930)
Date
1930-03-15
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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J^JBILÅUMS-AUsOABE 1900 1930 I)r. Leo (Joldhamner, Wien: Das Jie 17 „JODISCHE VOLKSSTIMME" ^er Kn<gszusaminenbruch jnd die in s;i-j Wie' unheilvoll die Zersehlagung des ehe-» nun Gefolge aufgetretene 1 nflatic n und Gelt&le-; måls osjerreichischen Wirtichattsgcbietcs auf valvation sowie die yollige Ver mdorimg c er Idas jiidi'sche Wirtschahs'.ebm einwirkte, lehrt, bislier beslaiidenen KViriSchafts^ebieie haben um nur ein Bbispiel anzufiiliren, die Geschichte selbstversiandlich auch im jidisenen Wrtdes jiidischen Textilhandels und der Bekle'- schaftslebcn einen stajken Wandcl zum S-chlei li- ’ dungsindustrie Wiens, zweier vornehmlich jiidi-, tciren und eine Reihe |von Problimen hervorgescher Berufskatcgorien. In Deutschland befindeu rufen, die nicht langer unbeachtet bleiben kii npn, vielmehr dringenld eine Klåiung verlang urenn dem Abwårtjsgleiten jiidischer W geboten wrrsehaftsexistenzen endlich Einhal den soli. In den westeuropåischen Låndern war Jude bis fast zu Krjegsbeginn gis Tråger des Handels die Mittelstandsschicht tat’ exochen, so daB gs Niemanden gab, an dejn er sich Jigtte; ler assintilieren konnen. Der feudale stand] zu'hoch, der Bauer viel zli tief. Der Jjidejren Oesterreich- Ungarns, tung zwischen den gassen der ånderet Wirtspråge als Zentrum jedoch Grundbesitzer/der Textilfabriken und Bekleidungsmannfaktusich von ca. bO.OOO Textiliesdiåften mehr als 30.000 in jiidischen Håndwt. Aehnlich durften relativ die Verhåltnisse in Wien sein. In Wien Iieftn namlich bis ziun Kriegsende die Fåden der gesamten Textilproduktion der seinerzeitigen Dcppelmonarchie zusammen und hier wurden dann diese Fåden zu ernem das ganze Gebiet des Reiches umfassenden b etz gespoanen. Wien beheibergte die Zentralbii os und Niederlagen volker und. war daher von ihnen abhångig. Sein Leben zwischen den' anderen, ncht mit ilineh, soaderti ihn von der Umgtbung ab und schmicdete die Judtnsctaft umso fester aneinander. Dazu kommt, daB die Bedeutung des Handels im Leb<n und in c er Wissensc iaft genau so umstritten ist, wie die Wertgngjdes Lipfljusses der Juden auf das tVirtschaftsleben iiberhaupt. Lbenso wie man a lgemein irrtjimlicherweise in der U .bertragun; der Giiter yon einer Jdand in die andere jeine unprcdukjive, parafejtåre Tåtigkeit érblickte, ii dem Gewinn des kaufmannes unbedingt det Verlust eines anderen witterte, stel 1te man si<h den Ji.den ais unllrebsames, schma rot zendes ' Virtschaftsbigau voir. Diese Ansicht der Nicht uden hatte zur Folge, daB in dem Juden i elbat sich ein ftcvuisses Gefxihl der Minderwertigkoit herausbildete; es'åuBerte sich vornehmlich d trin, daB die j’Jdische Jugend den Handel ztl miBachten begann und anderen Berufer zustTebte Seit eini gdn Jahrzehriten begann aser auch der Handel aus den Hånden der Juden in iie der nicht iidisenen Bevdlkerung hiniib: rzugleiten, eine Erseneinung, die auf die dureh!d:n Nachkrieg gescn3ffenen Verhåltnisse und a tf die Kap talskonzentration, die Verstaa lichungs- und Verst idtlichungs-Tendenzen,:owie auf den J\usb< u des is . Genossenschaf tswi •; sein wirkliches Gewurde ihm voni den Handilshåusern verliehen, ler Fabriken in die der Monarchie verr Handelshåuser lag kauften die Prjxkikte sen s zuriickzttfii åren , rpges,, inneres Leben bestand Der Prager Parteitag hat die Entwihlung groBen jiidischen wehrhe die Erzeugnisse 50 Millionen F.inwohner mittelten. Die GrdBe dies in ihrer Kcpita’skraft; sie der Textilfabriken fur bi res Geld, ubernahmen sedann das Risiko, das it^ der Kredjterteilung an den Kleinhandel gelegén war und wurden daftir mif einem ent tpreehendcn Gewinn entsehådigt. Im Laufe de: Zeit wuchs ihre Bedeutung noch mehr. Aus den ZwischenMnpF.ern wurden Auftraggeber, d e auf Grund der genauen Bedarfskenntnisse jener Absatzgebiete, die sie geradezu mono| »olartig beherrschten, den Fabriken jBestellung tn iiberwiesen. Sie erweiterten -ber) auch ibren Beschåftigungsradius, indem sie diel von den rextilwerken gcAauften Produkte se'.nst konfetti enieren lieBen, um die Kleider schlieBlich nach dem Balkan und Orient zu exportierea. Es gab auch Firmen, die nach der Saison dig ubriggetliebenen Lagerbestande der Fabriken Zu verhåltr ismåBig niedrigen Preisen ubernabnipn und so die Fabrikanten in d:e Lage versetztgn, in die neue Saison ohrte Sorgenlast iiberzugehen. S a arbeiteten Produzenten und Gropkaufleute Hånd in Hånd i|md so bliihte aus Saat und Erijte ein koloss.aler|Reichtum empor. Der Zerf riB dieses feingesponne eisen, daB in allen DiifFiklen und Vereinenlglieder die D wort von der das Statut un. til der 6, terr.-ungar. Mc te Netz in Stik strikte fii i Autonon ie larchie te. D>e der" osterr. Organisation un terbrochenf| weii IT £UTI -daS; auf die Weiterentwicklung der Organisation aufgebaute Organisationsstatut ncht artnahm. Es war aus tiner fiinfjåjhrigen Arbeit an der Organisation eifwachsen ujxi hat a le F.rfahrungen, die bis daljin gemachl word:n'waren, verwertet. Es sdatuierte Minjangruppen, um die einzelnen Schekelzahlei zusummenzufassen. Es wies jeder Teilorg; njsation seine besonderen agitatorisrhen und organ satorischen Aufgaben zu, nahrn die vem 8.! k ongreB erfolgte stramme SchekelgebaHrung durch Bestimmunggn voraus und wolltel neben den strengsten zionistisphe.n Propaganda [ und Uaiturg auch fur Gcgepwartiarbeit soraeh. Es imferstcllte jeden Distrikt einpm Mitgliepl des I ardofkomitees, dis aus den .Mitgliedern des prpBen Aktionskomitees gebiidet werden, so-llte. mel hatte so perspnlichcn wie sachjiche i Kon- Hkt zwischen den juntersten und obersteni K<?rfersebaften im Zipnismus hergestellt. Dieses Dtatut hatte sogar als Aufgaben des Iu ndeslonlitecs die gemeinsame Regelung der Emigrationen n3ch Pålåstina ur 1 die gemgiusame wrbeitsregelung fiir die Palåstinakomrti ssion j iestgesetzt. Unter den Aufgaben des Z ion'sten-, tages befand sich das Palåstinathema. Das Statut hatte Inhalt, Straffheit und Festigkeit.' Das Inndeskomitee wåre durch Ausfuhrung (dieses. Statuts das Haupt der zionigtischen Orglanisalion in allen Distrikten gewesjen, weil aéine Mit-1 rten Aber das der Distrikte Es war in mehnraligen Sitzungei, des Landestomitees besprochen worden, ai>^r die Mitglieder deis Landesk omi tees, die Herren Nathan Grofi, Igidor Gewitsch und Dr. Egon Michael Zweig \Varen in I “rag die Hauptgej p>er. 1 Dås kanp vorkororlen und hatte mich nicht zum Riicktritt veranbfit, aber es wurd: intrigiert urd gfigen mich gehetzt, so daB i oh .vol! Ekel Prag ve lieB. Der aucJi schon verstorbéne Nathan GroB war Sekretår des Landeskom i tees und gis sol- Bchlagkachte Schriftleiter de' vom we tvollcn cher veranrtwortlicher Landeskomitee herau^gegebenen, Zeitschrift „2 ion". Die Zmtår.de imj groBen .Aktiensi omitee dessen Mitglied ich aiich war. und wo ich d;c inaBlcsen Argriffe aegen Herzl mi erleber muBtec warei auch nicht geeignet m ch mi Artaeitsfrcude zu erfiiHen Diese Verjlålta isse?.v schildem, kormt mir heute nicht zu. Eiii-Mann von groBter Bedeutung stand neben He zl und Nordau, Israel Zangvtill Ibm schloB icjh mich nach Herz's Tode anj Was au« dem Landeskomitee nach memem Abgang wurie, weiB man. Eifersucht uibd Srre bertum kamei zu Worte. Ich kann ruhig sagen, daB ich viel urd gut ^earbeitet håbe. Zollmauem, jpit denen die^ N'achfolgestaaten sich umgaben, verbarrikadierren die Vi ege, dw von den ErzcUgungsståtten zu Jern Wiener Sammelrcservoir gefuhrt hatten. Die HandeLshauser in Wien standen nlotzlich ohne \\!are da. Die geringen Bestande, die sie sich dann doch beschaffen konnten, stieBen sie ins Verderben, sie vcrloren infolge des inzwischen eingetretehen Wåhrungsverfalles ungeheuere Summen bei den Kunden in Ungarn, Jwgoslaw.en. Polen und Rumanien, wo man die Vaionsierung der alten Verbimdlichkeiten ebenso verweigerte, wie in Oesterreich. Allmåhlich gingen abti auch diese Kunden ganz verloren, deru in den Nationalstaaten wurden eigene Textilfabriken errichtet ur.p uberall entstand ein eigener natio-’ naler ZwischepJiaztdell der die V'ermittlung des Wiener Zw’ischendiabdels total iiberflussig machté. Diesem blieb nichts anderes ubrig, als der inlandische Markt, doch auch hier wurden die Entfaltungsmoglichkeiten srark beeintråchtigt, Weil dSe Industrie in der letzten Zeit wie uberall, so auch in Wien die Tendenz verfolgt, den Zwisclienhar.del auszusrhalten; sie schickt selbst Reisende zu den KleinhånJkrn ur.d entzieht sb.den GroBkaufleuten die•Ejiistenzgrundlage. Verstårkt wird dieses Mom.-nt noch durch die Konzernbildungen, welche die Einzelunter; nehmuttg kleineren AusmaBes mit ihrer perconlichen (Wirtschaftsweise und mit dem in ihr herrschendien Unternehmungsgeist ausschaltet; s;v verstårkt die finanzielfc Sclflagkraft, zuglewh aber auch die Burokratisierung und bringt da- . durch! eine schematische" Einreihung des F.inzelnerl in den Gang des wirtschaftlichen Prozesses, mit sich. Verstaatlichung ur.d Verstadtlichurtg der Betriebe, sowie die Ausgestrltung der Oenossenschaften bedeutet aber nicht blofl Verdr^ngung dér Juden aus politisrben Motiven, Sondern Schaffung eine wirtschafrlidieb Monopofstellung gegeniiber dem judische.. Kaufmann. So ist das slo’ze Gebåude der osterreichischen Eeideidungsindustrie und des Textilhåndels, ein groBartiges Werk jiidischen Fleifirs und jiidischer F.msigkeit, bis in seine tiefste.j Fur.dåmente erschiittert. Ebenso ist es dem Herdel in seinen anderen Zweigen ergangen, dufast al’e von Juden repråsemieti,wurden. Rasche Sel'bstniUe tut not. Die bestehcndei jiid'S’hti) Wirtschaftsuntemehmungen. miissen dur 'i boligen ]Kredit gestårkt und in ihrer Konkurrer' fåhigkeit gekråftigt, gescheitertcn Fx'sfr./;. miissen neue Erwcrbsquellen crschlcss.n werden. Dies muB durch dié Juden selbst gcscN'- hen. Von*anderer Seite ist nichts zu envirte". denn wéder die Regierungspartei ho d'e scz'nldemokratische Mehrbeit in Wien uorden irgend etwas fur die Juden ubrig ’r.ihe die erstere, weil s:e auf Grund iltres Programmes daran gehindert ist, die Sozialdemokraten, weil'sie nicht in den Gerttch 'éinqr ludenschutztruppe ge'angen wollen und 'weil ihre jiiqischen Fiihrer es zu'verhindern wissep daB ihrén nichtjudischen Oenossen der Fe.+nrd ciner Jf.denfrage klar wird Die j ii d i s qh c K u 11 u sge m e i n d e, die ein/.ig beruf‘’K=' Kdrperschaft, die Abhilfe schit'fen kdnute m i mufite, hat in ihrer heutiggn Zusammensetzi ng fiir all idiese Fragen gar kein Interesse, w eil s|:e "•’e S ol n d e r a r t jii dischen Wirtschaftslcb rns iiberhagpt nicht sehen will urd noch da/.ti de datutafischen Bcstimmungen der GemeinJe jarart ér.ge interpretiert, daB neben Kultus »tu! - .•Vrmerpflege »n venlteter ■ uberholtcr Fornt List nichts ibrig bleibt. Um so mehr muBten die lam Bestamd tind an der Gesundting der Judenheit iktiv interessierten Korporationen, insbesor.derc der „Verband der judischen Kauilcute" in die Pr es ch fe treten. Sie werden damit nicht nur ihretl, cdéheg Mitgliedern helfen, sondern auch ■dcr gqsamten osterreichischen Judenheit. t

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