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Jüdische Volksstimme · 1930-03-15 · Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXX (1930)
Issue
Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930)
Date
1930-03-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Jl/BILAUMS-AUSOABE JODISCHE V 01K S S T I M M E“ tNaclidruck vcrbotcn ) 1000 -1030 aroslav Poldk-Rokvicana i Alex. ,Die hundertturmi von Humbold fire S: ih rer adt Piag“ setzt' Schonheit wegen art die Spitze der Stadie Furppas Dem Prager Jiiden ist „sein Turm“, — der niedliphe/'Jdeine | Rathausturm mit der Enbrais^hen Uhr unter1 allen den hunderten T irmen der liebste; es ist ihm sein Turm genau so liisb, wie der Mutter' ihr Kleinstes in der Sej vrelen und groBeren u: Prager Jude hat auch iiflen Grund zu dieser besonderen Liebe! I' .ule, in der Menge der stakeren Kinder. Def alter Stad tplan aus dem ■ ' lidil Vor mir liegt ein Jahren 1641, der das damalige Ghetto ziemli plastisch wiedergibt. [Mir, leinem „alten PraT ger"1, der die Judenstiit ndch so gut gekaiiiij pnd sich eines jeden Vinkels gct nau zu erirmem weiB, ngt dievel alte Plan vid mehr, als dicke Bånde hierOber bericilten |c6nnten. Hier „bey 3e bnn i aen HauB‘i das im Jahre 1622 i?m Jakob Bassewi „von Treuerburgf geschenkt wurde, dort „der luden Stadt-Tnore“ am Ende der jjoselstådtergegen die Stockhausgasse, dann ein splches amj Ende der Rabbiner- und c er Karpfeijgasse. Der Situations ilan der jiidenstadt ist zwar in ieineriåuBeren Umgrenzung rieitig,; doch ,sein Inneres", das C i iietto — is t ganz falsch eingez: ichnet, was nur die Tatsache be ■ råftigt, wie unbekannt die Juqenstadt den Christen war! I;,Der Juden ihr Begrebruip“ ist an drei råumlich getrenntin Hedten zu sehen: atieh hier iifrt der Autor des Plan«s, denn der alte Fnedhof wurde war wiederholt durch Ankauf < iner angri nzenden Parzelle verj roBert, w ar aber stets ein in sid) abg^schl« issener Komplex. An das Ghe to grenzte die! „1 > o 11 i 111 rh u 11 n“; diese stant unmittelt ar „bey der fiberfuhr", wo auch ein „W o s c h h a u B“ - auch alt ,.Spinnhaus“ (åpinhouz) genan ni, stand. Dieses letztg« nannte Htus war eine Art Zwangsarbeitsanstalt fur Frauen, die „Sollitlerhuttn“ jedoch —, ar deren St« ile lieute das csl. Parlai nentsgebåi dc (trfiher Rudolphinic m) steht - , war eine militarisere Einriél.tung und dien te der Erzeugung von Pottast he und Salriter. Den heutigen FaChsmpler dur ne gs wohl interessieren, daB hier ir der Gass?, die noch lieute iani t rovå“ hei it, die Fir na F. X. Brtsche (jetzt Alct.-Gts. Prag-Li/eben) ihre ijlranfånge zu suchen ha An der Friedh rfsmauer, heute das Gewerbefnuseum sijedoch ohne Berficksichtigung Ider ursprfingli-j chen, durch Jahrhunderte geheiligte Besitze und Rechte. DaB den jfidischen Aelltesten eine wfirdige Rcpråsentanz sehr am Herzen gelegen war, geht aus dem Werke „P r a g“ vpn Joh. Emler hervor, der das jiidische Rathaus foLgendenmaBen zeichnet: „Ein Barockbau, ein tatsåchli- ,ches Rathaus aus der Zeit der Selbståndigkeit — und man kann sagen, auch der råumlichen Isolierung der Judenstadt. Das malerische Dach, eines der letzten, welche das j-ntzuekende rote Meer der Rundziegeldåcher („prejzové strechy?) der Stadt iiberragte, wird durch einen charaktéristischen Turm, der wiederum mit einem herjrlichen Gitter verziert ist, gekrent." Das jiidische Rithaus in Prae ein weiBer Recken Scharfrichter. Diese: keine Andeutung enes etwa dort ieht, ist im „der Freymaiui“, d Håuschei|t mitsamt del: da jjidenhier wo Plan deii Tagen expropriiert und teilweise verbaut dc. Der Friedhof b stand hier bis zum J. und wurde auf Grt nd eines jpsefinischen tes, wetehes die Ftiedhofe im Stadtinnen bietet, gesperrt. So1 veit unser Stadtplan. b ichts, vorstehenden Mari« nstatue erstand die gemeinde im Jahre 1763 und erweiterte den Friedhof um et er. den T^il, der in underet) " . ‘ wur-' 1784 tdikverrecht Rathauses“, erst keine einer TurmuHr oder einles G lockervt finnes. , Wohl waren iie Pragei Juden vor der Schlacht am Wetfkn Berge m Besitze wtrtvoller Privilegien dei Selbstver waltung und Ge- '1 richtefcarkeit, welcre ein Beratungslokal (vielleicht auch ein eit eis fur d ese Zweck« besthnmtes Haus) voraussetzt. Nach der durch durch Ferdinand II im J. 1648 erfolgten Sistierung der Lande sverfassung verloren auch die Privilegien, der Julen ihre Giltigkeit. Erf t spater wurden ihnen einige Zu?eståndnisse durch die „Vemeverte Ljandesordnjung11 eingepåumt, Was dem voranging, be\ or die Juden zum Baue eines solehen „Stadtkkinodes“ (,,klinot“) schreiten konnten, daruber btlehrt und Dr- Zikmund Winter in seinem Werke „Kulturni obraz ceskych mést*1, Th. III.: „Die Stadtverwaltung wurde in dem Bestr« ben, die verodeten Gassen und Håuser neu aufzi richten, durch Konig Johann von P o d é b r a d tatkråftig unterstiitzt. Dieser erteilte d< n Stådten ein Privileg, demzufolge alle Neubiuten und Invcsiitionen von Steuern aller Art btfreit wurden. Dieses Wohlwollen kam allen Burgem des Reiches -zu gute mit Ausiahme der Juden’jG*-“, brmerkt Dr. Win ler Diese konnten an der Ausschnriickung und Neuerrichtung ilu-er Wohnståtten noch immer nicht.schreiten. Noch im J. 1527 wurde di?r Judengemeinde frisch eingeschirlt, daB sie klin Haus an ifgend einer Stelle errkhte, an der es zuvor niefrt gestaniden hatte. Alte Håuser der Judenstadt durften renoviert werden, jedocli „nur mit Bewilligung des stådtischen WirtsckaftsMntalder sechs Stådte“ („uradu sestiméstskdho'O — fArchiv plrazsky c. 203j fol. 49.1 Vor dem Regierungsa atritt des Konigs VI ad i si av/findet sich nrgends in Bohmen ein repråsentables Rathaus gebåude vor. Erst wåhrend des Regimes dieses friedlriebendén Konigs wurden itålienisc ie Baumeisternach Bohmen berufen und im Verlaufe des 16.; Jahrhunderts sind hier, teils von der Regierung subventionierte, teils durch ErblaB oder lokale Be-i steuerung, auch durch nachtrågliche Kiirzung von der erhobenen Staatssteuer, verschiedene „Rathåuser“ erbaut worden „lm J. 1561 schenkte der_Konig 200 Schock bohm. Groschen den ‘Burgern der Neustadt aus den Strafen und Gefålien zum Zwecke der Erbauung ernes Rathausturm1* („véze rathouzu“), — daB aber irgend ein Konig zu idem Baue eines judischen Rathauses in Prag irgendwie beigesteuert oder irgend etu-asJ gespendet håttq, hieruber findet sich in den, Archiven nichts vor. i . In dem Werke ^amåtky architektury11, Bd. XXIV., behandelt lng. Fr. Mares die Werke des beruhmten Ba urne isters Ignatius Bayer und hier erfuhr ich, daB dieser Kunstler im J. 1689 das jiidische Rathaus in dem Konzepté, in welchem wir es heute sehen, wied e rer r i c h t e t hat. Auch dic^ spåteren Umbauten in den J. 1754 und 1763 haben an dem alten Bilde, wie wir es auf zahlreichen erhaltenen Stichen-kennen, nur weniges geåndert. Das jiidische Rathaus steht auf der Eckparzelle der Rabinskå und (der durch die erfolgte Assanation aufgelassenen) Cervenå t'.lice; seine langere, achtfensterige Front geht in die Maizlova, die kurzere ist dem kleinen Platz, auf dem sich die Alt-Neusynagoge befindet, zugekehrt. Das Gøbåude selbst ist zweistockig, mit einem Manaardendåchlein, welehes an seiner liHvgsseite durdi drei Lukken maskiert wird. Die tnittlere Fucke besitzt einen Anbau, der die Dachsilhouette tragt. An der kiirzeren Seite befindet $ich ein zierlicher Erker, der eine mit hebråischen Ziffern versehehe Uli.' und in verkehrter Ri cht ung laufende Zeiger trågt. bieser Erker mitsamt der Uhr bilden das FuBende des kleinen Tiirmchens, welcher wiederum, von einem zierlich ' geschmiedeten Gitter umfriedef wird; uber dem Gitter erhébt sich der zart gegliederte Turim, der eine mit einepi romischen, Ziffer- ,| blatt versehene Uhr tragt. Den Turmknauf beschlieBt das Daj ' vidswappen (,„Mogen. Dovi,d“), in dessen Mitte sich das Judenabzeichen des frfihen Mittelalters;— ei.v S|p i t z h u t — befindet. Auch di&se Turmuhren (*orloje“) waren der Stolz der alten Gemeinden. E m 1 e r berichtet hierfiber: „Die bohmisc hen Stadte begn Og ten sich nicht immer mit etner simplen Turmuhr. Diese alle werden an kjunstlerischer Ausstattung von dem Altstådter ,Jorloj“ fibertroffen. Wenn auch am Ausgange pes Mittelalters viele Stådte ihre Kuhstuhren Ha.ten, sp reichte doch keine Uhr der dialigenWeltan den Kunstwert der Praer Rathausuhr heran.“ Nun, ein so kostbares Uhrwerk konnten $ich ur.sere Vater doch nicht -anschaffen. Auch zeugte der Neid oft „gro!k Augen“, i davoT ’ muBten sie sich vorsorglich. schfitzen. Dessen fingeachtet sind die beiden Uhren, dit hebrå jsche und auch die romische trotz ihrer S c h 1 i c h t h e i t ein nicht nur dem Auge. aber iaueh dem Qehore wohltuendes Wert, denn ihnen ist ein reines, melodisches Glockenwerl; zugcsdlt, dessen s'lberheller Klang weit in den StraBen der Altstadt und auch an dem gegenfiberliegeDden Abhang der Letnå horbar ist. Das zierliche Tfirmchen beherrschte nacit seiner Art die gesamte Umgebung; seinem Ursprung im J. 1763 ging eine langwierige Am’«- handlung und demiitige Petitionierung voratis. Als nun zur Neige des Winters im J. 1763 der Zimmermann die Turmsparren und der Dachdecker („fkasnér") das Dach zum grofiten Teilc l

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