Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1930-03-15 · Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXX (1930)
Issue
Jubiläums-Festnummer 1900-1930 (15.3.1930)
Date
1930-03-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
76% known words query
IRI
…/2621806-6375659-6376035--4672-4861572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JUBILAUM$-AU|SGABE 1900-1930 Abg. Dr.- Julias R c i s z, Ilrjitiislava. f ' i! Die wirtschaftliche Lage ger Juidenlin der „JODISCHE VOLKSSTIMME" Slowakei und in Karplathorussland. Die wirtschaftlic len Verhåltnisse der . uden;u der Slowakei und in KarpathoruBland sind im gewissen Sinne abweichend von denei,der liistorischen Lander. Einerseits schon de ihalb, weil die .wirtschaftl chen Verhåltnisse in der Slowakei auch im A lgemeinen sich , von den Verhåltnissen der historischen Lander interscheiden, andererseits aber, weil die Juceri in der Slowakei und in KarpathoruBland wesent lich anders orientierl sind, als die Juden in.^den historischen Lånderni Bekanndich gibi es in der Slowakei tind in KarpathoruBland eigentlich nur eine unlædeufende und kleine Industrie. Diese Verhåltpisse liegen in den historischen Låndem wesmtlich anders. Hier ist bereits die Industrie hoch entwickelt, was zur Folge hat, daB in den J istorischen Landern ein groBer Teil der Juden airekt oder indirekt in der Industrie be^chaft gt er- . ' Kardeiner scheint, wahrend in der Slowakei und pathoruBlahd nur pin verschwindend Teil dpr Juden in (ler Industrie tatig ist 1 Wohl {inden wir judisehe Gewerbet erbende, besonders in ein telnen Zweigen, in d t Slowakei und in Karpa horuBland tatig, doel es verfriihtt, wollte man heute schon diesejt schen Oetwerbetreib enden eine gtoBe tung zumessen, wiptvohl in den einzelnen schen Zentren naml afte Gruppen judischtr Gewerbetreibender i hi em Verdienste naclgehen und;sich besonders durch Qualitatsarbe|it her-, vortun. Auf diesem Gebiete soilte eine lordernde Tåtigkeil einsetzen ware jiidiiedeujud e rhoht; ln der Landwirtschaft waren fruher Slowakei judisehe påehter tatig, die muslergultige Wirtechaften gefuhrt* haben, doch varden diese duirctr die spgeiumnte Bodenrefor n und durch die landwirtschaftliche Krise beceutend geschwåcht, so daB heute mir der Kern dieser Gruppe zuriickgeblieben ist, die eine leiBige und anerkennenswérte landwirtschaftlicl te Ar- \ beit leistet. Das Gros der Juden ist in d:r Slowakei teils im Handelsstand, teils in der sogenannten Intelligenzberufen (Aerzte, Ad\okaten usw.) tatig, und ein namhafter Teil des Juden tums arbeitet als Arbeitsnehmer (Handele und 'Privatangestellte, Kanzleikråfte usw.). Ei;i nicht unbedeutender Teil der Juden der SDwakci und- KarpathoruBlands entbehrt leider jéder festen wirtschaftlicinén Basis, so daB es a s judisches Proletariat biezeichnet werden mut ■: Bis zum Umslurz lebte ein groBer 1 eil des Judentums der Slowakei und JCarpathort auf dem Lande. Dieser Zustand hat sich IjiandS insbesondere in der Sldwakei vollkommen geåndert; Dor- Stådte das Judentum ist gezwungeri worden, d "fer zu verlassen upd in die umliegenden zu ziehen. Die PKindei Umsturz (die ma kisohen Nationali Auswirkungen d' werden konnten) len gezwungen, hr Hab und Gut ngen in det; Slowakei beim einen. Ausbruch des slowr us nennt, die aber a ich als Antisemitismus bezeichnet aben die Juden in vielen Fål uchtartig ihre Existenz ufzugebcn; nach dieset derungen wurden vielen Juden, die auf d^n fern ihre Existen: hatten 'die Lizenzen gen, so daB ihnen jede Existenzmoglicldteit auf dem Lande genot unen war. Dies hatte zjur Folge, daB die juditche Landbevblkerung Minimum herabshnk und die auf dem , slowakischen Lad de zuriickgebliebenen werden auch nicht sehr lange tn den Dorfetn verbleiben konnei, so daB man mit eiter gewissen Bestimmtl teit damit rechnen kar n, dafi dis Judentum ip der Slowakei ip absthbanr Zéit dauernd nui noch1 in den Stadten yohnen wird. J In Karpathc ruBland ist die Warjderung aer Juden aus een Dorfern in die S adte in einem solehen VaBe, wie sich dies in ter Slo wakei vollzieht, gar nitht |moglich, wei Stådte Karpatho uBlands picht im Stapd in der uttd Pliin- Dorentzojuf e n flachen Juden ja dw.i- Dr. Juliiis Reisz, jdie ersten Abgeor. ■<. he Ml I>r. Lu (hvis Singer, eten der „Jlipisphen Partci" •■im sil. Parlament; ren, groBe, v:>m Lande kommende jiidischel Massen in sich aufzunehmen. Freilich h; t sich j die wirtschåftpche Situation der Jtiden zi etner recht krisenhaften entwickelt Die Steudrlasten und sozialeti Aus gaben, die allgemein Ischweren Verhåltnisse macaen es der judischen Bevolkerung nicht leicht, n den Stådten ihr oijdentliches Auskommen zu iinden, da es ja allgemein békannt ist, daB eiiierseits die Lrwcrbsverhaltnisse fur Juden immer, selbst in demselben Handelszweig oder Beruf, schiw'eriger sind, als tQr di«;Nlcntjudcn, daB aber andererseits das Leben djes judischen Biirgus und seiner'Familie auch teuerer und schwierigjer is: Dazu kommt nodh ein Umstand, d^r sich insbesondere auf die Slowakei bezieht, und dtm bisher nicht viel Aufmerksamkeit zugelvendet wlurde. In den letzteh Jahren kann mrin b<a eiiem GroBtejl der Jtiden in den Stådten e:n**ii ] Lcbenswandel beobacljten, der im schrofrøn fi'-| ginsatz zu Bescheidepheit, Sparsamkeir, und | wjrtschaftlicher Einteilung steht Leider >lebui viele Juden und ihre i Familien in der Wéstslowakei leichtfejrtig, genuBsiichtig und weitaus uber ihre wirtschaftlichen Verhaltnisse. Die Fblge davon ist natilrlich eine Verschuldung, eipe Vcrarmung und eine Schwåchung dier judischen wirtschaftlkjhen Verhåltnisse Nach feiner Beobåchtung leben die Juden tin der Istslowakei und in KarpathoruBland Vtel bescheidener und sparsamer, als in der Westslojakei. Die Juden in: der Ostslowakei und in KarpathoruBland kommen mir kleineren Verdiensten verhåltnismåBig besser aus, als die ,lu din der Westslowakei mit ihren groBeren E nnihinen. Man kann beobachten, diB jiidischc Familien, die dieselbén Verdienste in dej' Wes:- sljowakei und in dej- Ostslowakei haben,. ri*>hnjen wir an 30—40 D00 Kc, damit in dej Orts'iowakei nicht nur auskommen, sonderp; sich s<pgar ein betjachtliches Vermogen im La ufe de: Jahre zur Sejite legejn konnen. Diese Erspr.rnisse, die pinsen und Zinseszinsen tragen, Werden in einigen Jahren sicher eine gesunde wirtschaftlich; Basis bilden Hingegen gibt es ip der Westslowakei viele Falle, wo ziifolge dtr Lebensw. ise die Juden aus ihrem Linkomnjen kein Atskommfen finden konnen, Wo de- VeArauth ip keinem Verhåltnis zu denj :innah nien steht. Dies fiihrt in der Folge zu eirer Versfhuldung, d e von Jahr zu Jahr steigt, da auch hier mit Zinsen und Zinseszinsen zu rechnen isjt. Sparsam teit uiid Bescheidenheit sind rm sten bei de: judischen Bevolkerung olier und h'lreicher za findejn, als in der Westsl awakei. an kann a tch be eingehender Betrachtung kjonstatiéren, daB sich im Osteh der Republik judisehe Mittelsitand kraftigt, daB Geld ge- HEIMWEG.*> 1 ‘ Vun Arthur Q r ii n. Im Duttkel. aut irrlzen. fren>Ueir \\ eKen. ■ Wand'urte ich mjt gthrochtnem Stal). Mvin Ziel war getaucht in NorøscIUeicr. Eifwpr so diister: das dunkle Qrab. ♦ Da, kam wie aus fornen Himmebzonen Eip funke, ein Leuohten aus dunkVer Wolk’ Und. wios mir den Weg. den wahren. den rechten. , D^h Weg des Lebens — zu meinem Volk. j Nwv IsaV i eb den sonnigen Heimwes cctuflden Uhd tneinen Wanderstab vertauscht Mft ktiospend-m Zweig eines Zederba urnes.• Dfr in dem L^tttde des Sehnens rauscht... iJt wir spart wird und weggelegt wird, und daB im westlicben Teil der Slowakei eine Verproleta risitjrung einzelner Schichten vor sich geht. Hiezu kommt noch die unangenehme gro Bo Teuerung im Verhåltnis zu den historischen Låndern; das Leben in Bratislava ist z B. vi i teuerer als das in Prag. Beri'u'ksichtigt werden rnuB auch noch der scharfe Konkurrenzkampi. so daB; man von einer ernstlichen wirtschaftlichen Krise der slowakischen Juden sprechen kann. In der Ostslowakei und in KarpathjoruBland ist. das Leben der judischen Massen^ insbesondere auf den Dgrfern ein unmenschliches GroBe Massen jiidischcr Familien leben in gtoBem Elend im Wåhrsten Sinne des Wortes Insbesondere in den karpathorussischen Dorfem leiden Tausende von Juden buchslåblich Hunger, sind unteremåhrt, ohne ihre pigene Schuldl korperlich und geistig verkriippelt, da keine F.nverbsmoglichkeiten vorhanden sind Hier mul) Wandel geschaffen werden, hier muB das Judentum eingreifen. W’åhrend die sozial, Fiirsorgearbeit der gegenseitigen judischen Unterstiitzung in der Slowakei, im Westen wie im Osten, gerrugend organisiert ist und ih rer Aufgabe en'.spricht, sind bezuglich KarpathoruBlands nur vollkommen ungeniigende Mitte, vorhanden. Die judische^-Fursorge besonders. fur das vcrelendete Proletariat ia- KarpathoruBland ist vollkommen ungenugend. Hiar wå v ein groBzugiges und Tadikales Hilfswerk zu o: ganiSieren. Das ist die Pflicht des Judentum« der Cechoslowakei, vielleicht auch desjeaigen der ganzen Welt.;Zusammervfassend kann gesagt werden: D]ie wirtschaftlichen Verhåltnisse der Ji* den in der Slowakei und in KarpathoruBlana lassen viel zu wunschen ubrigv-Fs sollre diesen Fragen* eine viel_groBere Aufmerksamkeit gewidmet werden. *) Aus ilom kneben im Jiidischen Buch- und' Kunstverlag crschienen.n Ruche: Arthur Otjun. Dus groBe Sehnen, Oedichte cincsHuden, Preis KJC Is

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.