Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VII (1906)
- Issue
- 5 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 Jüdische DokksAiinme 2 cito 3 morien und sage: ״Die Juden in Westösterrcich habe» also deiner Ansicht »ach gar kein Recht und feinen Anspruch aus dieselbe. Denn sic sind ja ,aisächl'ch keine so ausgesprochene Eigenart, das! sic Interessen hätten und haben dürsten, die sich nicht vollständig decken mit denen ihrer Wirtsvölkcr. Nun qnt. Das gilt aber nicht für jene l1׳, oder mehr gut. - Millionen ostöttcrreichiichcn Juden, die anders denken als ihr. Diese Jude» haben ihre Eigenart, denn sie gehören zu jenem großen Kulturkrcis. der w!c Mathias Acher sagt, die ganze Welt umspannt, dem ottjüdischcn. der alles das. was man iiatio nalc Eigenart nennt: Sprache. Literatur und Kunst besitzt. Und diese Juden haben ihre eigenen Interessen, sic haben einen nationalen Besitzstand gi wahren und zu fördern und deshalb gebührt ibncn geradeso die. nationale Autonomie wie allen andern Völkern Österreichs. Und die wcstostcrreichlichen Juden bekennen sich ja doch immer mit jene» als stammcsverwandt. Das wißt ihr ja doch alle und wenn cs auch nur instinktiv wahrgcnommc» wnd. Und so habt ihr denn, weil mit ihnen stammverwandt, das gleiche Recht wie sic zu fordern. Was ihnen gebührt, muß auch für euch jtiit!“ Also wir können ersehen, glaube ich. daß sogar vom Standpunkte eines v e r n ü n s t i g c n G c g n c r s zu gegeben werden muß, daß unsere Forderung dercchtigl ist. Wie vielmehr muß dies von uiijerciii. den national jüdischen der Fall sein. Ja noch mehr. Meine Devise lautet: ״Pom Nationalismus zum Zionismus". Das heißt mit anderen Worten: Wenn nur den Juden das Nationalbcwußtscin cinslößen könne», io werden wir sic dadurch «o ipso ׳,um Zionismus bringen, besser gesagt, sic werden dadurch selbst dazukoinmen. Und d e s h a l b in>iiicn die Zionistcn in die Agitation s ü r d i e n a t i v n a l c A u l o n o m i c mit aller Macht und Schärfe cintrclcn. Die müssen da'iir ein treten, doch dürfen sie nicht d e n Z u i a in m c n h a n g mit d e m Z i o n i s m u s oertieren. den» wie zwdi Zahnräder greisen diese׳ beiden Fragen inein ander ein. Dem Z i o n i s in u s b i c t'c t aber diese B wegung gleichzeitig eine Gelegenheit dazu mit dem alte» Regime zu bilechen. ein ncnes zu beginnen 1ב n6 im Z eichegi dieses ncncii Amtes vordas Dokk zu ircten.Demi gerade das bat bisher der Zionismus nicht vermocht. Er iii ז::\י in t^rundzug »ach etwas Erhcilbcncs »nd Ideales, das vollständig zu crsassc». wenigen Anscrlorcne» Vorbehalten ist. Er ist vollständig auch nur von wenige» ersaßt worden, halb und halb von einer bedeutenden Majorität der jung-jüdischen Intelligenz. nie und nimmer alwr von dem west lichcn Assimilatioiisvolkc. Wer »ntcr das Voll >:>1en und cs sür sich gewinnen will, der wird es :::!leicht vielleicht im seitlich gejchuuickien Saale niomciiian die Jahne des Idealismus knüpien. aber am nächste» Tag. wenn der Eindinck eininal vcr : n acht ist. wird es wieder seinen wiriichaitlichen j W.ikeltagsgcdanken nachhäiige». Und ich lau» cs i :am ganz gut nachsühlc». Unsere Zeit >>l eben io.. Jäalc Ideen crsährt man meistens ans Vüchcin.! wenn cs hoch geht, teilt ein Mann der Wiffenichasi: ׳::::er jungen Hörcrjchast vom akadeinischen Lehrj sinh! herab sie mit. Also mit Idealen wirbt eine׳ Bewegung untcr Jugend Anhänger; und viele Zölle beweisen, daß cs auch damit sehr schlecht bestellt ist. Das Voll will ökonvin. wirt ichastlichc Fragen mit dieser Idee vcr äniclt sehe», cs will hören, welche wir! 1 äiast>ichcn Momcntc dscjc Bewegu>1 g in ihrem Piograinm berücksichtig!, diese vorhanden, sind sic moderner 'Natur. 10 müssen sie den Verstand des Volles gewinnen, der dann auch mit der Zeit, vielleicht auch sofort, das Herz sich erobern wird. - ״Der Jugend crlt Nahrung für das Gemüt und da»» sür den Ver ftand, dem Volke erst Nahrnng sür den Vc stand, dann fürs Herz." DaS ist meine Devise, möge sie auch bald die des Zionismus' werden, denn nur '0 wird und kann sic feste Wurzeln sassen. , Lctilnn lotjii- ^ufgrlök. ■ Tr. Mar Tiamant. Ezernowitz. Der podolischc Bczirkshauptmann hat seine Stellung zu unserer nalioiialcn Bewegung nun endlich doch gekennzeichnet. Eine ganze Zahl von Ziiviiisicnvcrcincn in Galizien wurdcn ״wegen poli- »sicher Bctätignng'• ansgclöst. Wir horchen ja immkr geiveuinf. wenn ein gufcr Europäer, ein refireseir- >miv man unserer Kultur zu uns spricht, cincrieits Sfl״l’CIUlrt uns immer geschmeichelt ׳*"״ i'uuuud feinet Aufmerksamkeit nmröig Nndet. bau» rverl wir in den Erfahrunqcn m'ierer-nationalen Geschichte und in den täglichen Erleb,nffen noch immer keinen rechten Grund finden, die nationale Lclbsiverleugnung zu unterlassen. So warten wir Zimmer. bis einer von draußen kominl uns ״ns jagt: - ״Du inst Jude ganz recht daran ,aioc zu teilt.•״ ■Voriiariait über diesen Gemeinplatz fmdcn wir unsere ltzesinnung gebilligt und . fühlen »ns für die Lache »nicres Volkes neu gewonnen. Lv entsprichp cs nur altem Brauche, wenn wir bedeckten Hanpies dem Herrn Bczirkshaupt: mann und seiner!Tal näher treten, hoffend, daß aiich er uns Zwei (er und Nörgler für die jüdische Lache neu gewinn:״ wird. Via» muß icm Bezirkshauptman» dankbar lein sür seine cnli! siedcne nnd sreimütige Sprache. Er hat ansgeivroc >en. was der gegenwärtige Vize könig von׳ Galizien Gras Potocki. schon vor länge»er Zeit gegenüber icinein Getreuen. dem vielgeliebten sr. Buck, mit den Kcniigswortc bedeutete: ..Die Inden scheinen in!׳ inclit mehr zuverlässig." Nun itchl es lest, die s »de» sind sür die Reaktion nicht mehr z» vciwcnle». wenigstens nicht alle. Sic tragen ihr Wasser in ciiie» andere» Mühlbach. In ibien eigenenb Die Frage :ff Juden gegcvübrr gewiß nicht deplaziert, aber yie Eiitwicklung ist noch zu neu. als daß man schcjn eine cnlschicocnc Antwort sindc» könnw. Es düritc aber innncrhin nicht schaden, wenn man!je ionwähfend z» beantworten suchte. Tenn gar io klar, als manche meine», die den Mund so voll nehmen, daß ilinj?» die Augen übergehen, ist die Sache durchaus!nicht: es maiigclt nämlich völlig Klarheit über das Endziel der Richtung, die cingc schlagen wird. Mlomentan sind die Wege, die »»icr Volk;״ wandeln׳ Hai. noch leicht — auch sür de» Wcguiiknndigcn mühelos — zu finde». Was jetzt geschehen ist. iit iiänilich kaum mehr als ei» Answetzen alter Scharten Wer criiineri sich nicht i» diesen Tagen mit Schmer; an jene siir unsere Entwicklung verloren gegangene Zen. da von gewisse» Leute» versucht wurde, den Zioiiisie» von der ״Realpolitik״ fern zuhalten. Man ,ragte damals vergeblich, ob den» Politik etwas anderes >e1 als. ein Rechne» und Handelli mit realen Fatioren: ob cs vielleicht eine Jdcalpolitik gebe.^oder ob die Inden gar in einer irkeale» Politik ihr nationalcs Teil suchen sollten. Gemig. aus »!:versiandlichcr Antipalhic gegen ״RealPolitik״ wurde:, die natnrlickien Versuche enier nativnalen Betätigung >m politischen Lebe» gelnnderc nnd der sreien Eiitialtung der nationalen .grüne ein schädlicher Widcrsiand cntgc'gengesiellt. Damals standen die Zionisie» dem Herrn Bezirkshanvti»a!»i z» Gesicht-׳. Man kann Wohl ohne Ueberireibnng sagen, daß derjenige, der Wohlgesallen geinnden bat in de» Augen dieses Herrn ein Wider- ׳ackier der europäische» Kultur ist. So belastete die Antipathie gegen die ״Realpolitik" die Zionisten Mil dem Schandmal der Freundschasi seitens der Reaktion, eine guie Empfehlung sür junge Jrcihcilslampser. Wenn es jetzt anders wird, ohne daß jemand gedrängt oder getrieben, so beweis! das nur. daß es vergeblich iE die. Volkskrast zu binden, da sic ״Realpolitil" Mis der jüdische» Bewegung zu vcr bannen. Wenn wir aber Keule, »ach dem kurzen Moment des ersien lebhaften Ausslackcrn dieses nationalen Feuers uns frage», wie weit wir vorwärfs gekomm«״ sind, so können, wir uns nur die melancholische Antwort gebe», daß wir wcriauf diesem Boden mit beschämender Klcrhcit zu Tage. Man blicke ein wenig zurück! Kein Zweifel. In juristischer Beziehung loird sich gegen die Vcrcinsauslösungcn kaum etwas cinwcndci lassen. Dieser Einzige, der Dr. Byck konnte gegen! der einer Volksbewegung, die sich in wenigen Ta jen über das ganze Land ausdchnle. sich in Hunde len Vcrsainmluiigcn maniscsttertc. seinen Vcrr >l. seine ~ eiiimzialion mit freier Stirne verüben, er durfte drohen, daß gegen die Million Juden Galiziens upd der Bukowina ״mit Feuer und Schwert" vorgeganhc׳, werden wird. Diese Millil ir Juden, die vermöge ihrer Bcvölkcrungszahl. ihre: Steuerkraft, ihrer Kulturhöhc, ihrer populati inislischcn Schichtung ein sonnenklares Recht auf!0 unangcsochtcnc Mandate habe», erhalten das Danaergcschdnk von 6—7 Mandaten in Tcrriliricn mit zweijethasier Majoritätsbildung. wo sic nur 1m Kampfe gegen die eine oder die andc:c Nation ihre Kandidaten durchdringcn könnte. schließlich bchaiidcln wir cs auch als Errungcns!!,aft. daß Herr Tr. Schals» mit dem Minister vnscriercn komne.!So spiegeln wir uns in unsere» Ersolgen! IcnI lege» wir unsere Hände in den Schoß. Allerdings habe» wir einen :Kann, der die Bahnen der Eiitwicklung. srnhzcitic erkannte »nd uns aiifgeiordert Hai. den Moment gründlich vorziibercite»: Dr. Nalan Birnbaum. ab>.r heute noch, wo wir uns bewegen wo wirdscine Lehren verwirklichen, sicht dieser ieltcnc Man» ckniam »nd seitwärts und Mittelgut ist. was pora!geht und die Masse leitet. Doch wenn unserer jungen ״Realpol tik" ideenreiche Leiter »och schien, wen» ihr die shöpscrische Kraft, der srüchlbarc Kops noch abgeht wenn die Bewegung schon »ach wenige» Wochen vcrsiimv'l und verflogen und nur »och in den Mat rrgclunaen der volitischc» Polizei in ,Erscheinung tritt, wie vorhin im historischen Augenblick, so >01׳ d wen» es nächstens noilui. der nationale Wille vicdcr und mit. größerer Turch'chlagkrast ausireten. allerdings, immerhin schwächer als dann, wen» n ir Männer hätte», die die Volkskra'f mobil Haiti II und I׳efruchten lönnien. Daß aber d!e׳er Wille La isi. daß unser Volk iickf seiner bewußt wird, in d,c hvsiiiu» fsreichc Erichciiiung dieser Tage. Auch andere 1 lerken. daß dieser Wille da in. Eine sehr iifmpath iche Rester ciicheinnzzg verzeichne» wir cben. dc> podolischc Bckzirkshauptman» wird nervös. Da-kdentc! auch a»f Ilmichlag der Witterung. Sb woh't ein be'rucb!cijder Frnh!:ngsregcu kommen wirb. Damit wäre» wir ja königlich z»t ׳ieke». Wir linid ja bescheiden, kurzlebig und wäb en uns d:n Giiichtskreis minier io. daß wir den Harizont m׳l dez Hand erreiche» . tünne». Hosiana ׳ wird uns schon gesiingeu. wen״ man nur!>: isi. daß Saal Wurzel fassen, daß die Kenne spricpte» könnten. Aiss die Ernte'rechnen wir gar nicht. Einmal war es allerdings ande m«,1 crn Hosianah i» den Laiibhnllc i zur des criolgic» Wcinlcfc. Juni öttitilirigril Eodrstaye Nvn idre's. Dr. B <1>. :׳ , Anläßlich des ö: > jäkriqen Tode sich ihre Wege fi״det »nd dal: es ,ckllcchi war. vie.״,^׳^ a״t- ״,ci״f »,׳.1,״!. Sie ich '.״-••• -- ..- . ,!in, IG» jährige» Gebunstage des lang vi'i.'r t')finr&. s:nges 1 or!> Jatnei! Dichters veräffen»,chte: sie dürste» auch heute roch nicht an Akniatitäl verloren haben. ״Wer auch immer gegen seine llbcrzcugung rein egoistischen Motiven seifen Glaube» im Menschen" verletzt. Wenn ich trotz dieser Wone. die ich am Schluffe meiner Broschüre ״Friedrich Hebbel und die Juden". Brür 1897. ichricl׳׳ Heinc zu scnicm IG! fahrige» Gebunsrage in Blaf! der Eriiiiicrung widme, io gcichiehi cs ni׳ hi dem näch'l Goeihe grötzlen deiilichc» Lvriler zu E hre». ׳ondcri. wcchlcll, begeht eine Tat. die er wefer vor t>׳on volle Jahre »ntzlos versircichen ließc». Ter Ziijaminenn(lfi) ll״r ,',-׳«״»! Gewissen verantworte i kann: denn stoß mit de» Machtmittel» der Reaktion isi jetzt cc ן1(ן( lnjt rcf>cn. das ״mo aliiche Gesetz nur eine Feucrtanse. die de» Mutigen belehren, daß die isewali imgcsährlich isi und Ihm köchsiciis als Tricblrast erscheine» wird, das Verlorene »achzuholen. Es isi aber ei» gesährlicher Irrtum, wenn geglaubt wird, wir ständen aus einer E'iapve des Ersotgcs zu ciiici» Ziele, liniere gaiizc säligkeil — aus dem Gebiete der ״Rcalpol-tik" »alürlich war eine negative, cs galt de» Ballast abzuschnitcl״. den die verkehrten Bcstredimge» unserer Vorgänger aus Misere Schulter״ geladen. Tas möchte jeder Bcladrnc treffen^ Nicmand täusche sich darüber Isinfveg.. daß der Tag nahe ist. wo wir uns legitilnicreli müfsenZiiit ,»ijerkr Richtung, mit inisercin öffentlichen Streben, mit unjercin politische» Wollen. ך" d׳׳n Ereignissen der tctzle» Wochen Irin, berichlcl uns -v>. er m'icre noch kindische U» bxh o ,scnhei li man» Eampe deshalb.״ weil Heine auch nach seiner für die Juden eintrat. Mit inniger Begeisterung von jüdischer LiicraMr Gclchrtci, sprach »»d gleich Lein», der Humanität durchdrungen war. Diese Punkte — eine Ergänzunk Gracp -in seiner jüdische» Geschicks! S. 3>B ff.׳ über Heine gcichricbcn 'im Folgende» besprechen. . Ter bekannte Heniebiegraph ante war»! reudc. ja mil und jüdischen vom i'zeiiie dessen, was ll. Bd״ - wollen wir G. K.iipeles. aber .h. .e>ei»c's i. W.. H!»Iburg, von- I. Bd.. Sekie 14'! . daß der Ifcrlnuftct >» «ult־ »nd finff״l|״nrcru fit ״ziidischr V-Ik-Mmme".