Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 23 (1.12.1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Vblbsslbune Bezugspreis«: j u, I K״r ״M.wirh-Ingam helbjälirip K >11 ] »1. Jahrgang. Redaktion u. Adminisretlon: BrOiK Adlergasse 9. jj.iricjührijr K V 1 Die ״Jüdisctit? VuJksstimme** fr*cht‘int an! iKiit^hl.ind iranajähri*׳ ‘ Mark V K.iiilaml *:inzjährL׳ - KuM •J .0!״ < nw.-iz. Krankrt'i«*l>. Italien. Türkei. Serbien, Bulgarien u.s. w. Franks 7 inklusive P0Ht7.us«׳n«Jun^. VI. Jahrgang. Brünn, 1. Dezember 1905. 3. Kislew 5666. Nummer 23. Radaktion u. Administration : BrOqn, Adlargasse 9. Die ״Jüdisch«! Volksstimmeerscheint am 1. und 15. ein«'* jeden 3^0 Buchbftntflensche Vertrat■■•: 0tta| Ule»». Leipzig. Postsparkassa-Konto Nr. Henn1S(zelH*r und veranlwortlicherllitNiakteur MAX HICKL, Brünn. - Druck KARL HWBICHT. Brunn AnläBlich der Gemeinderats״ wählen empfehlen wir im Interesse der jüdischen Bevölkerung *Mäh• re^is WahIentha11ung. Die Redaktion der Jüd. Volksstimme. 100 000 Waisenkinder i V. n Professor Dr. A«1 Kurrcin J Linen wellig erUunlivl!«-rr Xin hlrnj: Jniu^.11;1:,«* ׳»1׳• fürelitcrlielien Jn«ltns«l11ü«־ht«m״n in li;1! ■:׳ J.־ Ktva UHMMMl \V,y-11״ki11tlcr s״ll״n ziiiu•!\-י hli«jt>en sein. verlas>1n!u!«l >1 Imtzlos.! 11« im. uline tlicr liebevoll«• zfutlidn* MutterluU‘1• olme <b11׳ sclintzeinlen vt*r>my»‘n«l״n < Vd״rar1». Wohin sollen, wohin könnet! 1li«־-e!\;111« n'f Was sollen sie btv'innen? Sollen -je wi'lmnirern, verelenden יחוו! mit «hin s«;ehsten Lila״ «len nirht ungewölmliduMt th ttelw-^ -In..1׳.• ״slnze!.eben untreten? Humlerttansen«! M״n-4’11ei1 können ein >runz<־< lle«*r jüdi<ul»«*n Vo.iii•- hihlen. Wird man etwa Wai-enhänsei j für «li«--- erbauen? Da^ wäre eine ganz״ Sta«lt i \•י W.ii^enliäusem und wfml«• Millionen in An־H!־׳in Kind zil l>״-itzt11׳. «len«*n Cutt dieses (ilück r>agt und die Mittel I»esitz«-n. um ein Kin«l «‘!nahmt |,s iinivcii nicht reiche Familien 1'־׳in. Im htyeuteil״, eist für die Kinder vort« ilhafdei. wenn di.־ JMl-L-eUtern «lern Mitteltandejangidioren. «laLi «h«* Kin«f״r einen kräftigen, .׳ 't1n«4־ 11־ Mittel-ehlaj bilde•!. Diese Familien!logen j -i111־ in ih n Xeitnngen mehlen, dali -ie!ereil ■fimt*eia rus-isciies Wai>t׳nkind an Kindertatt a lzanohinen. Amleisuits mü-'״n entweder die Vorstände h r (••■[111in«len si«11־ ^iisamnientnn. o«ler. wenn 1־»י »ו llir so|1'|!e Artteih n zu t-rhahen un«l nicht .11 11.11» ♦n -ii^it. mögen >i«h in j«;der (*emeimle ״mite •shii«|״n und!»e-timmen. wieviel Waiseninder tlie (gemeinde, ohne allzngroüe Heri-tnng -ichi an/V.nlatkn. ‘— ein Opfer nmti ll״n p hracld werden — in der ticmeimle ulsli׳-h untt}rhracl1t mul bis zur .Selbsterhaltnng .irso!־gt uvrüen können. Su allein kann jüdisch »י Kleiel «hir KNi.iNjo Wai-enki •der gemildert er«h*n mul den Wohltätigen Häusern wird utt «!•11־ Segen erfüllen, dali die Frauemnicht Witwen, die Kimler nicht zu Waisen werden. j Kampfe zwischen Deutschen 1111 \ Tsehech ,Dolen und Huthencn, Italienern und Sü«l-laven. Magyaren und Xiclitmag^ami?landen und stellen zun Teile noch immer die‘A-similant.e11 auf Seiten der national Stärk״r- < mul jeweilig Herrschende« und treiben au{ diese Wei-e ganze Völker ins antisemitische 1 -g, r. Hier wollen wir Jüdisrh-! 1 ׳derne. wir Jungjuden Wandlung schalten, i];!!tretend für die Wahrung unserer nationalen ndividualität, unserer politischen und sozialen He : de. kämpfen wir unter d״r Fahne der nation; len Autonomie. der Freiheit und s < Oalen (Jerechtigkeit. unt«*r «lern Har 1* d«*s all— gemeinen, 'direkten ׳ und gleichen Wahlrechtes mit Hrop.Ortic 1alsy>tem für die Hegenericrung di -״s alten Zeit- und Streitfragen der Juden‘. Von Dr. H. Kadi sc 11. s Schluß Wie we1)ig ״her an׳ ־•י■ ״ .»tischen Eniun׳l —-111-t wohltälige (?!| Christcii. gehen dürfte |T -־»׳ul erübrigt «־«■rilcii. um di■■ \V.i:-,11׳- j I! ai.- ' .t11״ ins Lebe» rufen, in Tätigkeit setzen! Tu mul :Indien /.u küiuieu. : .11 Seit «filetier Zeit 11:11 das Judentum aber ׳di l\.:- 11:■in,er notnendiL׳ >!et,at>t r Ha- -ind ilit.- jff zeitigte Pursonatuiiinn setzen will. I.n.euund vondi-ii.a.mimen.diediejiiden ן «icklun^ 1 )esterreietis" ein groüer Teil unserer efi-|H11itike1t der verseliiedenen Parteien j!ent lial. i״!!daraus er-ielitluii. dalt man den ul'el dnreli 11111־ lielzebul) austreiben «et. lind die Stelle 1ä e s I) a n k e r 11 ״ e n l) n a 1 i s m u s In ns,, ininni^tieke und durch neue «Vieren Ir.aaiaeii tteste jener! gedankenlosen Xaeli- . i der jüdiselien Assimilation-periode. da in•::: da- Judeiitum nü lit anderals im ,i liri-l- ' ()1 I״ "eil Stile־ zu betätigen «utile. 1 Wir Juden leiben ,11. seit unserem L'i-pruuj.ן •,׳ eli ׳■iiöii-teu best einjieneliteteii Waisenlifm-er.: da ׳ . Kinder nielit zu sulelien l.eiieiis-; K11 Es ist d.+■11 uni.'laiiti'ieli. daU zu einer Zeit, alle . Ven!üufti-׳eu. «־eiiis'stens in Weststerrfirli zi r Erkenntnis jriel;!njrt sind, dali in tiij-er Hrdfte weder germanisiert. noch tscheelij-ierl uorli aoloni-iert «erden kann, sondern Iteeht ei 1er jeden Nationalität auf freie »׳ieklun); durch eine nationat-autonoinisliselie s|, lei.en erzielien. die sie später im Leben | Veifassuiig!;«•־jiehert werden muU. uni! eireielien könne״, sondern in ei ifa,die uoi li.'ii-lielie I.ehe11sl1edi11)z1l11|'e11 eiufülireii. kein j der man immer h nielit b ■.׳reifen will, dali was dies-eits l.eitlia!feilt ist. am h jenseits der h>1,| ko-deu und nielit .Millionen der Wold-11. e j 111 a . 11 i 11 jz ist. Die Verwirklichung der l 'h/M il in Anspruch nehmen und anszehren. | nuituiialcii Aula.iomie in (;isleitlianieii und die hie-■ hillic'deii. he-leil und eiv.ielilieti-teii i Ver^«i-׳nne de r inagyarisehen. chauvinistischen W ,i.äuscr l'ülirt uns schon unsere lieili!.ן ■״ He-potie filier Tic III der l'r-tbeslimiiiun;׳ vor: (l)eiileron. i mäljeli j. n-eil 11׳ -Ervue dieli an deinem Feste, du und I harer (■Ys'eiisafe. - ״im und deine Tocliler.und dein Kneelit J ilie J nden aller, die seihst eine natio■ ׳leine Mae!) und der l,e«ile undsiei■ Fremde i nai'1 Minorität bilden, welche die jahrhiusend■ Waise und die Witwe, die in deinen I•'.׳ ׳!׳■>:: -.11:. I 11■״ I T"l־e: Je״'-■ -Ci■1 ״ ■111 ׳•,. dl, Eamilli, die Deutschen. Staren und Kuder Leitjia. ist ein unverein- 1 lelien־. Die Erklärung dazu!:ibt 111der ׳.einer Jose (Abot I. ö|: ,Die Annen leine Hausgenossen־. Da- Han-, die der Eingang mit den Hausr'1."-en i-t die wahrste und beste Armen- 1״וח 'tai-eifsErziehung-anstalt. Diese lie-alien *i" J ''■" seit Du Ml Jalireu. wie ja Abraham der erste Slammvaler der Juden, das c-'elfihite Muster- und Vorbild der echt 11 Arinenptlege. audi sein Hans zum Waisenhaus im (!eiste des Judentums i-clien Volkes machte, indem■ er Lot. Waisenkind seines Bruderan Kindes- ־ ■dt .׳, -ich nahm, es in seiner Art erzog, daU “!*' *' 1•"*. der nach Abrahams Leitung mit ihm ',,i'afe. Binder und Zelte wie sein!'liege- '•der erwarb. I diesem echt jüdischen Sinne schlage iie Errichtung von Waisenhäusern für I'mi.immi jüdischen russischen Waisenkinder ״r־ *'-' güd jn allen jüdische» Gemeinden .11’י־ kinderlose Familien, die sich sehnen ><'1101. -Ic|- . jli.li-c '■r.-le|1 dejü ׳las '<11 min die lang Knechtschaft der nationalen und sozialen Bediüeknng an ihrem Leibe Verspürt haben, dürf ■n. nicht wie cs die a-siinilalhrische Politik iiiuii l.is-t V<־rg B.ci ■r lat und noch heute lut. Schergen Heilste n in einer der bei,len Iteichsiiälfien zur walligillig irg<*ml eines \ olk׳■-. Das gleiche I und die Autonomie, die sic für sich he- _11 ■,׳ r 1 n. mü-sen sie aucli für alle anderen \ ölker Bis- und Tra11sleitha»ie11s fördern und in diesem Sinn• al- Volk mitarhi ilen an der l'mgestaltung die» diialistischfii < hslerreicii-t ״garns in :ו oiidriies J ungöterreic h. in eine des ein L'ni< n freier gleichberechtigter Völker. Politik bedarf wie die altösterljhe lii-lierige altjüiljsehe ehensf) der B e v i s i o n wi< , reichiH'he. Züclitete das allf'-rerreichi-che Begienujgssvstem. «eichesteil überall auf die privilegierten Klassen stutzte, den nationalen Badikfdi-mu- und die antiösterreichische Kata stropilcnpolitik. so förderte die altjüdisclig. as-imilatiii-clio Politik den Antisemitismus. 1.1 dem Zeiten an 11 e m K u l- B eich es und wollen hiita seiner Modernisierung zu tur- und Wirtschaftsstaat Alles soll von unserer Seit^l unterlassen werden, was zur Schürung des reich freiheils- und Kulturmörderisclien Nlttionalitäten- Streites führt, der »berat in dies *■ Monarcliie fnilier pder später in den Bassena! itisemili-nws mündet und jeden politischen ind sozialen Fortschritt liindert. Und gerade wir Juden haben besondere Ursache, die Pioniere des sozialen Fortschrittes zu sein, da ja einer- •itdie Majorität unserer Volksgenossen mit, - «־irth -s>- liclier Not schmaclitet und anderseit < der Hauptnährbo ien für den -■)genannten wii tsehaftlirhcn Anli- 'niiti-nms die stets wach-eini soziale Not aller produzierender Stände! bildet. Unser Volk ist eines der ältesten, welches in di r Beschichte der sozialen Betormen eine Bolle ■{Zielt. Adolf Damaschke, der Führer dl}- reich־- deutschen Bodenreform er, idlirt dies in seinem Buche: .Die Bodenreform in Israel‘ in höchst in te ss an t er Weise ans. j Da wir als die jüngste national Bewegung auf den Kampfplatz getreten sind, o müssen wii die Felder der anderen national 4 liruppen vermeiden und dorten uns keine־ «vgs ihrem Chauvinismus assimilieren. National in unserem Sinne schließt nicht aus. sondern rm.ernstt soziale Arbeit, schließt nicht au־, sondern ein. Mitarbeit an den genuinsamen Gütern der gesamten K1111 u ־menschheit, und so müssen wir denn, wem wir auch den modernen Parlamentarismus keineswegs überschätzen, unbedingte Anhänger des allgemeinen gleichen und direkten W .1 hl recht es sein. Wir wollen keineswegs einen (!11 •tlo-Nutionalisinus, welcher « ine rlunesisc ie Mauer zwischen uns und den übrige, , Völkern res Beidies errichtet, sondern sobald wir ein gleichberechtigtes Volk und gleich Kr echtigte Staatsbürger einmal sind, in üestei ־e förd.-rn. was zur HersteUung der!111 Ordnung, des inneren Frie lens, der D tisicrung der Verfassung, zur pliysiscl ei. gcisligen und wirtscliaflliciien Benaissance < e*1 Bürger, zur sozialösterreischen Staatsidec ülirt. Daß moiternes Judentum und moderner Kn!.Urmensch nielit im Gegensätze stehen, das be\< eist unser Gg. Fr. Oppenhejmer, der in der! iesciiichte der Bevision־l>estrebungen des Socia ismus als Vorkämpfer des Genossenscliafls -S )zialismus und Bodenreform einen hervorragen len Platz einuinimt. Aber auch unsere volkstn neu jüdisehen Genossen in Rußland, die tro zdem die heranbreclieude russische Freihaftsä a j durch Strörie jüdischen Blutes besudelt wir» , ullgeiiieinen Freiheitskampf teilnehmeu sind iie weise, daß die Betätigung nech;11'es tionalen mokra- ~T^exloxei־t®'t Ä.S22. *^7"-