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Jüdische Volksstimme · 1905-10-15 · 20 (15.10.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VI (1905)
Issue
20 (15.10.1905)
Date
1905-10-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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זי-"־‘ J&discheVblkssIlmnie Bezugspreis•: Für Österreich-Ungarn halbjährig K 960־ ganzjährig K 5•— Deutschland ganzjährig . Mark 5 — Rußland ganzjährig . Rubel 250־ Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Serbien, Bulgarien u.s.w. Franks 7 — inklusive Postzusendung. VI. Jahrgang. Brünn, 15. Oktober 1905. - 16. Tischri 5666. Nummer 20• Redaktion u. Administration: Brünn, Adlergaass 9. Die »Jüdische Volksstimme" erscheint ajn 1. und 15. eines jeden Monates. Bechhindleriscbe Vertretiag: Ott• Kleaim, Leipzig. Postsparkassa-Konto Nr. 856.040. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur MAX HICKL, Brünn. — Druck KARL HABICHT, Brünn. Achtung! Wir ersuchen hüflichst um Einsendung des Alnxinementsbetrages, damit in der Zusendung des!!lüttes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. .Zwischen beiden Extremen. T Uer btiß in 4er alten jüdischnationalen Partei. die sicli die Befreiung des jüdischen Volkes zur Aufgabe gemacht hatte, ist geschehen. Eist liier nicht der Ort zu untersuchen ob der Hiß sich' nicht noch rechtzeitig hätte ver-!neiden lassen. Wie bedauerlich aber auch diese Tatsache ist, so war sie doch unvermeidlich. Denn nachdem die Erbitterung auf beiden Seiten <111011 solchen Umfang erreicht hatte, war es nicht mehr möglich, die beiden auseinanderstrebenden Strömungen in ein gemeinsames Bett zu leiten. Und so müssen die Brüder von gestern heute getrennte Wege wandeln. Ich halte diese Trennung nicht für gefährlich, unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist sie sogar eine zweckmäßige Teilung der Arbeit. Die zionistische Partei arbeitet für die fernere Zuknnlt, die neue Organisation arbeitet für die liegenwart, oder richtiger gesagt, für die nächste Zukunft. Letztere sucht die Zerstreuten schon j, 17.1 zu sammeln und auf diese Weise im abs.-hharer Zeit ein nationales Zentrum für die Juden zu schaffen. Der Gegensatz zwischen den beiden Richtungen ist kein scharf prinzipieller-, was sie trennt, das ist mehr der Glaube. Die einen glauben an die Erreichbarkeit Palästinas, die andern nicht. Diese Frage wird erst die Zukunft entscheiden. Machen die Zionisten im Laufe der nächsten Zeit In unserm einstigen Vaterlande nennenswerte Fortschritte, so ist >I<-r Unglaube der Gegner besiegt. Zeigt sich dagegen, daß wir unserm Ziele in Palästina nicht näher gekommen sind, dann werden aneil die leidenschaftlichsten Verehrer unserer alten Heimat den Landsucliern, wenn es diesen inzwisehen gelungen ist, dem jüdischen Volke' eine andere Heimstätte zu verschaffen für ihr ,Hemmschnorren' 'Dank wissen. Die Trennung der beiden jüdischnationaleu Parteien ist daher nur vorübergehend, und sie müssen sich früher oder später wieder vereinigen. Aber auch schon jetzt haben sie, obgleich sie getrennte Wege gehen, viel Gemeinsames. Sie sind beide national, beide wollen das jüdische Selbstbewußtsein wecken.; Und so bietet sich ihnen schon jetzt Gelegenheit genug, gemeinsam zu arbeiten und gegen Feinde zu kämpfen. Gefährlich ist allerdings die starke gegenseitige Erbitterung, die gegenwärtig Zwischen den Vertretern beider Richtungen herrscht. Die radikalen Elemente von hüben und drüben haben den eigentlichen Ausgangspunkt der Streitigkeiten vergessen. Sie haben vergessen, daß sie doch für die Befreiung des jüdischen Volkes kämpfen wollten, und haben sieh zu tief in persönliche Fehden verstrickt, die ihre ursprüngliehe Aufgabe nur schädigen. Es ist daher die Aufgabe der gemäßigten Zionisten, die zwischen den beiden teindliciien Richtungen entstandene Kluft zu .überbrücken. Diese gemäßigten. Elemente, die man politische Zionisten, Ugaidisten oder sonst wie nennt, haben nicht weniger als die Ultrazionisten den sehnlichen Wunsch. Palästina für unser Volk wieder zu gewinnen. Sie sind jedoch hesonnen genug,' einzusehen, daß unser Wunsch allein, wenn er auch noch so stark ist, nicht ausreicht, daß die Errlangung unseres Zieles doch zum wesentlichen Teile von äußern Umständen abhängt. Sie sind der Meinung, daß wir an Palästina als an dem Lande unserer Vergangenheit und unserer Zukunft festhalten müssen, und daß dort schon jetzt alles zu geschehen hat, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen in zweckdienlicher Weise besehehen kann. Da eine größere kolonisatorische Tätigkeit in unserer einstigen Heimat sich gegenwärtig und vielleicht auch in der nächsten Zeit nicht ermöglichen läßt, so ist esiin Anbetracht der Gefahr, die den Juden in jmaterieller und kultureller Hinsicht droht, ׳ nimmgänglich nötig, für unsere zahlreichen Auswanderer eine Zufluchtsstätte zu finden. Es soll nicht damit gesagt werden, daß irgend ein küai < rh; kolonisationsfälliges Gebiet, das man lassen würde, schon in allernächste! großen Masse unserer auswandemden genossen eine Unterkunft bieten ist aber unsere Pflicht, schon jetzt e 1 einzurichten, die wenigstens nach dem bedrängtesten Teil unseres M Zuflucht dienen soll, wenn sieb die V in Palästina bis dahin nicht günstige haben. Die besonnenen Zionisten, die irgend eine Doktrin eingeschworen für die die Sicherung der Zukunl: Volkes die einzige Richtschnur ist. me, nicht daher durch den Sturm der Leiden: der gegenwärtig das Lager des Judentums durchwühlt, ihren klarfe trüben lassen. Sie haben die dringen 1! unter allen Umständen in der alten Or zu bleiben und die Arbeit in Palästij: Grenzen des Zweckdienlichen Und J fördern. Zu gleicher Zeit müssen sie Bestrebungen der neuen Organisation sie auf nationale Kolonisation gericlit eifrig unterstützen. Auf diese W wir die Übereifrigen der beiden vor übereilten Schritten bewahren wirken, daß die Kräfte der beider statt der gegenseitigen Zerstörung de unseres Volkes dienen. Dr. Tyl Ri 1ns. übe.- Zei^ der Stammesntc., Es me Sjtätte rzetjnten oikesl als ältni.-se gestaltet nicht! aut sind! und i unseres >gen sieb schäften alionaa!n n Blick ei Pflicht, anisation a in den iehen zu auch die soweit et sind, kö|1nen chtungen und he- Par! eien נוי Besten b oczinski. Zur Gesamtorganisation der Österreich Jaden. Das Wiener ,Jüdische Volksbla t‘ bringt folgenden wichtigen Vorschlag des Hern Dr. Ernst Franz Weist zum Abdruck: Die verschiedenen Strömungen i mus. das Verlangen der Jüdischnation al politischer Gegenwartsarbeit, die So in der jüdischen Sozialisten, die Abststn Juden der liberalen Partei u. a. m. Zerfahrenheit der jüdischen Verhältii! mentlich in Wien, so vermehrt, dal Judentum als solches das Aergste zu 1! :׳für steht, wenn es nicht gelingt, die Juden nigstens so weit zu organisieren, d: gewissen Hauptpunkten einig vorgeb׳ Zionislen nach derwege «nz der Laber^ die 1־sse, nafür[ das cjiten weiß sie in FEUILLETON. ־ De profundis. Zur rechten Seite des Tales erhebt sich ein borg, dessen Gipfel wegen der engen Perspektive nicht sichtbar ist. Er gleicht einer unverschiebbaren Kulisse, von der Natur dem Menschenauge vorgerückt und seiner unersättlichen Gier, zu schauen. Nach der anderen Seite aber erheben sich terrassenförmige Abhänge, an denen der Blick beliebig Imuiufkieltem kann bis ans Ende. Die letzten Lichtschimmer einer verblutenden Sonne fallen grüßend in das Tal. An den Abhängen entstehen rote Bilder wie Frauenköpfe auf Tizianischen Gemälden. Sie verblassen allmählich, als söge eine unsichtbare Macht an ihrem Leben. Dann verschwinden sie wie Menschen, die man in die Erde senkt. — Jetzt weiß ich, warum die Menschen die Berge suchen und die Täler meiden. Die Höhe bietet eine Aussicht auf. das Leben, die Tiefe gemahnt an den Tod. Der Gipfel läßt eine Welt erstrahlen, die einem zu Füßen liegt, die Niederung aber raubt jeden Ausblick und weckt das Gefühl der Ohnmacht im Herzen. Wir dünken uns hoch und hoffnungsvoll *n den Höhen, schwach und kraftlos in den Tiefen. J\ir sind so erbärmlich klein hier gegenüber allem Großen. Wir können den Hals nicht so weit recken, um einen Gipfel zu erblicken. An diese mer schliche Demütigung haben unsere Ahnen gedacht, als sic ihre Betstimen in die Tiefe bauten. Kein Hochmut rege sich zwischen dem Menschen und! seinem Gotte. ,Aus der Tiefe rufen wir Dich ab.* De profundis. Und langsam steigt aus den Tiefen ein schwarzer Schatten und legt sich allmählich, aber hartnäckig auf das ansteigende Gelände. Zunächst berührt er den Fuß des Berges wie der Tod den des Menschen. Dann schleicht er weiter wie ein unendliches Reptil, bedrückend, bedeckend und beklemmend. Kaum daß sie mit diesem Ungetüm in Berührung kommen, erschrecken die hellen Streifen, erblassen vor Furcht und flüchten in die Höhe. Der Schatten ihnen nach. Wie ein Verhängnis schreitet er seinem Ziele zu, unabwendbar, unabwendbar. [Schon hat jer das Herz des Berges ergriffen, ddch er schleicht noch immer weiter, immer höher. Jetzt ist er gahz oben. Der Gipfel Erblaßt, ferlischt Ünd der Berg| ist tot. * Furchtbar anzuschauen, liegt er da, wie die Manen eines Giganten. Pin großes Geheimnis kchwebt um ihn und seinen T-d. Die Bäume, die ihn umsäumen, lassen wieTratterweiden ihre Zweige hängen. Eine tiefe Stille heiligt sein Ende. Und dennoch ist er nicht allein erblaßt. Wie viel Geschöpfe und Lebewesen kamen mit ihm um das Licht, um das Leben! Wieviele verendeten hier unter dem Drücke des Schattens ung^dmt, ungesehen, unbetrauert. Und doch warten es gar liebe Kinder der Natur. Das Leuchtkäfe ־chenj und die Eidechse und die Grille' und das Heim auf ihrem Lebenswege wurden sie plot lieh rascht und vom bösen Schatten vernicht! t. Leicht möglich, daß sie in der Ausübung ihr -s Behufes als Opfer fielen, daß sie inmitten der Erfüllung eimihen. - ch fmer- Jpha uchtd Und :dös b( ihre Pflicht hinweggerafft wurden. Das würmchen mag unter den Seinen als L^ gölten haben, als es jählings erlosch. Eidechse war vielleicht Kennerin alter Ge idmi die sie in rätselhaften Runen auf ihr m K! schrieb, und die Welträtsel gingen un ihr zugrunde. Vielleicht war die Grille ci tendste Sängerin ihres Geschlechtes un ihre Stimme für ewig verstummt. Da: aber war die einzigeyTochter ihrer alten N1 zu Tode erkrairi^^mAKind um ein heilen los Kraut in den Wald gcseuael. .. Alle verfielen r ie sperlos der Vcrgessenhqjpnüoräuschlos nimmt sie auf uqd — siehe da, sie sind, als wen gewesen wären. Ihr ganzes Verbrechen is klein waren unter Großen, wenn auch groß unter Kleinen. Deshalb lebt der B!rg selbst nach seinem Tode, sie aber nicht. Wie doch das alles, denke ich, Menschen paßL Sind wir anders? Sind von einer grausamen Undankbarkeit gigen ]die, ^^©xTox©ä/t©״t cL©ü ״T־cL.dJ-scl1.QH. ^7־ol godie mit eumit ist Heimchen utterj die. ler fftides vielleicht auf :uns wir reicht T

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