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Jüdische Volksstimme · 1904-12-01 · 23 (1.12.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
23 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 4 Jüdische volkifti««e 3ntn Thema: Assimilation. Die Assimilationsbestrebung, mag sie einem unter der Bewußtseinsschwelle schlummernden Künsche entquellen und sich als langsam schleichende Krankheit unmcrttich dem ganzen Organismus miticilen oder bewußtem Wollen entspringen, durch, dringt die gesamte Kultur des modernen Judenlums so intensiv, daß man oft unwillig den Blick von deren Betrachtung abwendet. Ernst stimmend und betrübendist der (Sin-, druck, den die öffentlichen und privaten Zustände u^iersttKb der Judenbeit bei den Nationalfühlenden liervvrrufcn; allein diese Betrübnis wird oft — Extreme berühren sich — unwillkürlich von Heiterfeit -abgelöst, die unbeabsichtigte Komik von Seiten eines assimilationslüsternen Akteurs bewirkt. Derart widerstreitende Empfindungen werden wach, weün man in den Sammlungen einzelner moderner Lyriker blättert, die den Gipfelpunkt assimilatorischer Bestrebungen zu erklimmen sich mühen. Die Einrichtungen der katholischen Kirche kehren als Gegenstände poetischen Entzückens in ihren Gedichten mit einer gewissen ^llegclinäßigkeit wieder und rufen eine bei anderen Sujets vef. mißte Begcisterungssähiqkcit hervor. Jesus. Mütter Gottes, Maria, kathollsche Heilige. Kirche erfreuen sich einer schwungvollen Begcisterävg. wie sie sclbsl der gläubige Ehrist bei Psalmensang und Orgelklang nur selten empfinden dürste. Als'typisches Beiwiel möge hier Hugo Salus angeführt werden und als Pelcge für seine ״religiöse Sehnsucht" Bcr׳e aus einem jüngsten Bande ״Neue Garden", dienen. Aus dem ״D e n t s ch - b ö h m i s ch em Weih uachtslied". Al׳«'׳, das redet mir niemand aus. 5as Ehrist kind ist hier bei uns wo zu Haus Zu ichnei'n am ersten Dezember sing's an. Sä'neil weiter zum neuen Jahre dann : ׳ Tu-.ch Stöbern und Lchnei'n Vv:.\.\\ die heiligen drei Könige ein . . . Aus dem ״Ständchen". präventive in Angriff genommen, 'die Philanthropie müffe durch rationelle Sozialpolitik ersetzt werden. Da eine einmalige kleine Hilfe in vielen Fällen zur Gründüng einer Existenz nicht genüge, und selbst die liberalsten Kulturländer sich allmählich den Einwanderern zu verschließen beginnen, so müffe man Veranstaltungen treffen, um die Existenz der Emigrantenfamilien dauern) zu sichern. Dies geschehe am besten! durch ihre Ansi:)- lung auf zusammenhängenden TerrainS in einem noch dünn bevölkerten Lande. Als dageeigneifte Gebiet für fett Kolonisation von Juden habe sich ersahrungSmäß'g Palästina mir seinen GrenzlünLern erwiesen. Hier ge׳ deihcn die Kolonien aus wirtscha'tlichen und moralisch:!! G:ünden am besten, )!och günstigere Resultate rverden erzielt werden, wenn die KolonisationSvereine sich -Pie gesammelten Erfahrungen zunutze machen und nicht mchr vereinzelt und planlos Vorgehen werden. DaS zu kolonisierende Gebiet muß erso:scht, die Kolonisation muß durch rationelle Maßnahmen vorbereite! werden und dann in planmäßiger Weise aus wachsender Stufenleiter erfolgen wobei die Kolonisten zu wirtschaftlicher Selbständig!.׳!! zu erziehen sind. Eine derartige, wahrhaft moderne Ko lonijation ist aber nur dann möglich, wenn alle KolsniiationSvereine, ja sämtliche im Orient tätigen Organ: ן satiÄren sich dauern) untereinander verständigen. > Der neuge'chaffene ״Jüdische KolonnattonSverein inauguriert diese vom Referenten augrdeulere neue Phase ^deS AnsiedlnngSwerk-S, da er alle Haup:p:insipien eincr ן gesunden Kolonialpolitik in fein Statut ausgenommen ׳ hat. ES ist dies auS dem $ 2 drS Statuts ersichtlich, ' welchen wir hier mir Rücksicht aus seine reiormatorische!Bedeutung vollinhaltlich folgen kaffen: ft;1 £ Vereinszwecke. 1• Der Verein hat den Zweck, allein oder m Ver- ^binduiig mit anderen, gleich; Z ele erstrebenden Jnstttuj rionen die planmäßige .Ansiedlung von Juden in Palä-; stiua und seinerOM-benländern zu fördern. Es fallen daher in seinen Wirkungskreis inSdeionderS: hi die Förderung der Erforschung Palästinas und seiner Nebenlünder unter den! Gesichtspunkt der Errichtung von Versuchsstationen aller An: Im Förderung des Verständnisses für e.ne p'.anmäßige Ansiedlung von Juden in ״Palästina undseinen ״Tu M tltter Gott es," so sinq es (ul ' durch Versammlungen, Vorträge, Veröffenk- ״£u reine Jungfrau." so klang cs dann. >lichungen oller Art, Entsendung von Rednern. Unter-?u Reinste und Schönste von allen! . *“'־ v:־ h־־“־ v.. Aus ״Sankt Florian." : heiliger Sankt Jlorian, ׳.-iuum Du D.ich meines Herzens an! .... usw. ralus schreitet in der zeitgemäßen Tracht de s ludnchen Lnrikers einher; cs wäre nicht uninteressant, dinier dem aufdringlich koketten Mäntelchen das?vudenherz zu ersorichen und seine Neigungen bifc aus den Ursprung zu verfolgen . . . Doch davon ein andermal. ' I. I. Wien. de- Oberrabb. Dr. gesellschaft. Auch wurde, die Wahl Güdemann zum EhrenprLsideuten in llu-sicht genommen. Der Jüdische kolonisatiou-vereir vereinigt in seinem Ausschuß die Vertreter sämtlicher Gmppen der Wiener kulkuSgemeinde. deren gemeinsames, achtenswert ist eS, daß dre erste Anregung zu seiner Be grünbung von den Leitern der Getffeinbe auSgezangen ist. Die neue Organisation dürfte also wesentlich zur Verbreitung der Erkenntnis beitragen, daß daS jüdische kolonisationSwerk erne Ausgabe bilde , an deren Lö׳'u»g sämtliche jüdische Großgemeiuden dr rch ihre offiziellen Vertretüng-n sich zu beteiligen verpst chtet siu>, und die - nur aus diesem Wege tatsächlich durchz ׳ V Seitx 5 Tübrt werden kina Tüdilcbcr Kolonilationsvcrein in Ulien. Der Jüdische KolonisationSverein, über besten Bsg'undui'g wir bereits kurz berichteten, hielt seine konstj- :merrnd« Versammlung im großen Sitzungssaale der J'r. Kultusgemeinde in Wien ab. In seiner Eröffnung-- an'prache führte Präsident Dr. Alfred Stern aus, daß die unmittelbare Anregung zur Gründung des KolonsialiousvereineS die Ausstellung der Produkte der jüdischen Kolonien Palästinas in Wien gegeben hätte, welche den Beweis erbrachte, daß dieses HüsSwerk befriedigende Re- ׳ultaie erzielt und dah׳r, besonders in Anbetracht der üerS wachsenden Judennot im Osten, tatkräftigste Forderung verdient. Das von Dr. F. E. Weist und Dr. W. Pappenheim redigierte Statut deS KolonisationS- Vereins wurde von den zuständigen Behörden ohne Ein sprnch zur Kenntnis genommen: die formellen Bedmgungen zur Konstituierung deS Vereins seien also gegtbe». Dr Arthur Kamrnka forderte hieraus die Anwesenden zu einem Akt der Pietät aus. Willy BambuS, einer der ersten urrd elsrigster: Förderer deS jüdischen KolonisationswerkrS, sei vor kurzem gestorben. Die Veriammlung ehrt den VerbUchenen durch Ausstehen. Dr. Alfred N o s s i g erstattete als Vertreter des Pariser Zemralkom.teeS der Kolonisationsvereine dqS Rrserat über die Bestimmung und den Plan der kold» nisationsaklion. deren Organe die KolonisationSvereiü: sind. Die jüdische Hilfsaktion hat in den letzren Jahren ~ aus Grund der gesammelten Erfahrungen eine» weserstlichen Fortschritt gemacht. In ihren Anfängen begnügte sie sich mit Interventionen von Fall zu Kall, nach detn Eintritt von Katastrophen. Sie befolgte daS Prinzp, mittels einmaliger Hilfeleistungen die Emigranten in Kulturländern zu zerstreuen, und hatte einen rein phifanthroplschen Charakter. ES stellte sich jedoch heraus, daß man auf diesem Wege weder neuen Katastrophen Vorbeugen noch die -Emigranten entsprechend persorgxn könne. Neben den improvisierten Aktionen uzüffe eine stützung von Institutionen, die dieser J)ee dienen. En- J queren 1t. dergl.: j ו י die Förderung der Kolonisation selbst durch! I. Enonkung günstiger AnsiedlungSbcdiugungen!jeder Art: I 2. zweckmäßige Heranbildung geeigneter Ansiedler: 3. unenlgeltllche Ertellurig von Ratschlägen und Anleitungen; i. Unterstützung der Ansiedler, insbesondere von Nathanson war in Nan Ackerbauern, Gärtnern, Handrverkern und GewerbSleuren ' z. B. ״durch Darlehen und auSaabm-wrife durch Bei Hilfen, ftctS mit dem Ziele, die wirtschas!lichr Selbstständigkei! nn) die volle geschäftliche Unabhängigkeit und eigene Verantwortlichkeit der Ansiedler hrrdeizuiühreu; 5. die Förderung von jüdischen Vereinen, Genoffenschäften, Gesellschaften re., die. sich zur Ausgabe setzen, in Palästina und dissen Nebenländrrn Grundbesitz zu erwerben, zu pachten oder zu bearbeiten, und die ihnen von ihren Mitgliedern oder anderen Personen aus privatwirtschaftlichen, binnaintären odeL religiösen Motiven zur Verfügung gestellten Mittel dazu benutzen, den Grundbesitz der Bewirtschaftung durch die Genoffenschasier selbst, durch jüdische Pächter und jüdische Arbeiter für Rechnung der Genoffem'chasl odet von jüdischen Ernzelbcsitzern oder K-rporanvnen -zuzusuhren oder sonst der Bestimmung der Eigentümer entsprechend zu verwenden und zu verwalten: V. Ankauf oder Pachtung von Grundstücken in Palästina oder deffen Nebenländern behufs Ansiedlung, ihrer Vorbereitung und Förderung: 7. Förderung des wirtschaslUchen Gedeihens jüdischer Kolonien in Palästina nyd deffen Nebenländern, namentlich durch Begünstigung deS Absatzes der dortigen Boden- und Gewerdeerzeugniffe; 8 Herausgabe von Druckschrlfren und periodischen Mitteilungen. ' r Nachdem Präsident Dr. Alfred Stern die formelle Konstituierung deS Vereinfestgestell! hatte, schritt man an die Wahl des leitenden Ausschuss.-, der sich vorläusig auS nachstehenden Herren zu'ammensetzl: Dr. Rudolf Am'pitz, Prof. Dr. Ehrmann. David R. v. Gurmann. Emrl Horner, Dr. Alfred Stern. Kars. Rat Sachs, Rabb. Dr. Schmieds, Baurat Wilhelm Stiaßny. Dr. F. E. W-isl, Dr. S. ZinS, Jgn. Schiff. Dr. I. Bloch, Oskär Marmorek, Dr. W. Pappenheim. Der Ausschuß, welcher sofort zusammentrat, wählte zum Vorsitzenden Dr. Alfred Stern. Präsidenten der Wiener KultuSgemeinde, zum Schatzmeister Emil Horner. Prokuristen deS Hanse» Rothschild, zum Schriftführer Mzlrlrabi. ״'*dl bin oiiDäa; Wnssenschniicö, Mein Hammer in dcr Esie idmiirdk Euböas -vi-rnl Zril, Judäas 2clbitbilic uns Crii infeit. odj bin Der ^rribeit -Kicirn ob», od) bin tinc (s'cDtr vom -Hanau. Mci» Wipiclbaiuii nmbrnnit Dtr Linrm, odi ragt am Bcrgc, ein ein iamer Jnnn Uns!)litte in itilltf Ainjtsli t Hinab, wo Sit twigt Wog^ gebe Wai ,»lcrt>n | Hunt! 1*111 a(u. Die Hewane der Hebens. Berliner ton jtrvalivcii Blättern war bieder Tage tint merk würSige Todtranzeigt zu ltstn, dit Gras Älbrechl Knekenstein aus Anlaß bts Adle >tns icincr Garrin, dtr Gräfin Mari! Augusla Hin^eniiein. geb. Miß Nanson, hallt tinrmcktn lassen. n der Anzeigt de» Tode» jcincr Frau iaglt dcr 0>raf: .Sie iit der seil neun Jahren bellchenden ^wang-verwgllung meine» Majorar» Herzogswalüe zim Spier gesaden. die aus Veranlassung der Herren Bernhard v. Pullkamer-Plauth und;iammerllrrrn l ilard v. Sldtnburg- ^׳anuschau. damaligen Beralern de Familienslisiung»- lasse, gegen mich einqeleilel «u Sr.- .ju dieser Anzeige schreidl die Berliner Heilung: Tie Leben» geichichte der Grälin. die in der. Blüle ihrer Jahre und nach einer sünszehnjahrigen, überau» gliickttchea Ehe geslorben, in ein Roman der Wirklichkeii. Mary R a l h a n j o n war die To hier einer Berliner iiausmannes, der als er in Berli 1 auf keinen grünen Zweig kommen konnte, nach Eiglaüd ging, wo er sich verehelichte. Rrch Zähren kn in er der Name Ralhanjon mar in Ran on anglikanisiert worden — nach BetNn zurück. Auch in England Halle ihm das Glück nicht lächel 1 wollen Ter Ehe waren mehrere Zimder cni'prosi n. darunter Math, die sich zu einer cbenio blenden >en als vornehme» Schönheit entwickelte. Etncs Sonntags, als sie, um dem Gottesdienst beizuwohnen, IN die> englische Ziirche in der Iunkerslraße gi, g. sah sie ihr ipälerer Gatte, Albrecht Gras Finck nstein, der damals Leuiiianl im Garde,ztürassier-Re zimente war. Ter Anblick des schönen Mädchens mcchte aus den!ungen Ossizier eineu tiefen Eindruck. Bild daraus hielt er bei den Eltern Mary», d:e ui vermögend weizen, sich jedoch eines ausgezeichnete! Rufes erfreuten, um die Hand der Tochter an. TroySem der Gras, um di?Hand des geliebten Märchens zn-errin^n. aus alle Beziehungen zu semer H1׳n!ilie, aus aiarro re und Vermögen Verzicht leisten >1 ußte, lebte er doch mit ihr in ztücklichstcr Ehe. Man darf daraus ge spannt sein, ob und wie die i > der Todesanzeige angeklagren Verwandten des Gra en sich rechifertigcn werden. Tie verstorbene Gräii! Ainckensiein war übrigens eine Cousine der Gattin des Wiener Hos jchauipielerS Ioies Kainz. Mi leilNngen der Derdsoder TSr SutittiR der!]■de*. (Zentrale! Berli,,-Halen ec.i Tem Verband ,ür Slatlstik der Zuden tu t1■ nach langwierigen Verhandlungen über die- Bejchasi nng der pekuniären Mtttel dank den Bemühungen -einer Kuratoriums, an desicn Spipe Sanilälsrat Tr. Maretzki und Geh. Sanilälsrat Tr. Blumenthftl stehen, gelungen, die von der letzten Plenaroer>an>mlnng in Aussicht genommene Errichtung eines st indigen Bureaus für Statistik der Zudei zu verwirklichen. DaS Bureau, das seine Geschäj lrräume in Berlin Halcnsee, Westfälische Straße 4k. hat und von dem Nationalökonomen und -statt ttker Tr.?lrthur Ruppin geleitet wird, ist seit den l. Oktober^lWt in Tätigkeit und hat neben «deren Ausgaben die Bearbeitung des neuen Jahrganz s des .St'atimschen Jahrbuchs des Deutsch-Jiraetiti chen Gemeindcbun- Dr. F, E. Weist, Biz-prLsidenten der Österr, Kolonial-! des- und eine Unterinchung! iber den Anteil der Verhroitet di© ״Jüdische Volksstimme“. 'M»

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