Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 15 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-6375625-6375828--0867-4860326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3fr. )•ל Und diese Hand modert im Grabe, dieses Auge, in das man׳ nicht schauen konnte ohne Bangen - es in gedroschen — erloschen aus ewig. — Wir waren a»! Ende ^a»gelangt vor X Jahren: 3Jfit i'Hfiitmut oder Feindseligkeit betrachtete man im tfniif unseres Volke« da« Geschick Israels. Trüben im Siten gab er nichts alS Millionen buiocnder, dungernder, hinsiechcndcr. sterben wollender und nicht könnender Menschen, hier im Westen erklang das Lied vom Bus- und Untergeben in der fremden Umgebung. Hier war da« Rückrat längs« gebrochen und der Name Jude ein Schimps geworden im jüblichen Lager — und die Wenigen, die noch wissen wollten um Israel — sie waren machtlos. — In dieser tiefsten Nacht des sittlichen Persall; begann Dein Stern zu erglühe», der letzte Dropsen MakkabäcrblutcS. er begann sich zu regen, er lebte aui in unseren Besten: Kehret zurück, kehret zurück, werdet Juden, wieder Juden und suchet die Hülse nicht hier noch dort — vergiß nicht Jude Deiner H.-inat: ,kn eschkochech Jeruscholajim tischkach jr-1r.!ni!* Wenn ich jemals Dein vergäße, Zion — ,liege die Rechte mir verdorren! Und sie kehrte wieder die Erinnerung an Zion, machtvoll, eindringlich wie noch nie, seit die Väter Vaterland und Heiligtum verloren und die Rechte wart», stark, sie wie« hinüber »! die Heimat. Der alte Dropsen Mackadäerbluter, >r Halle sich geregt sin dem Einen, dem Einzigen, der stark genug sich suhlte, ihn, zu gehorchen. Was kann ,ch Euch tagen, daß Ihr selbst nicht wüßtet. Denkt dach juriirf: an jene herrliche Zeit vor S Jahren, mit welcher Begeisterung der Judensiaat ausg!tommcn wurde, wie ohne WahlZ wir ihn aus unären Schild hoben, den Führer unseres Volkes. In twchstrr Not erstrahlte ei» Stern ,n Jakob und Israel, das lOUOjährige, hatte sich verjüngt. Was er geschaffen hat? Wie oft sind nicht die Bestrebungen und Erial:e unserer Bewegung verspottet, belächelt, de- 'ehdet worden gerade in' jüdischen Kreisen. Was er getan hat, jo hat man gcjragt: Ich will nicht davon sprechen, wie er uns eine Stätte ׳chui, wo wir beraten frei vor aller Welt über Jsiaels Wohl und Wehe in einer Weise, die jederman Ächtung abzwang, ich will schweigen darüber. dieser Fürst Judas hintrat zu Hohen und V tisien, um ihnen zu künden von dem Willen ' ..׳:es Volker ein Volk zu bleiben und glücklich .:! zu wollen in der Heimat, ich will übergehen, >w. er ei» Leben ohne Last und Kummer ein- : chte, um für uns sich zu mühen: wenn ma» .:. .11 aber fragen sollte heute noch, war er getan, saget den Fragenden und mögen sie sitzen in ilireu, sattem Ueberfluß und sich schützen mit zehn- '!-Iler Mosuer gegen die Not ihrer Brüder, und mögen sic predigen von einem VolkeH daß kein V.lk sein könne und dürfe und nur geistigem, ׳umweh. Was er getan hat wollet ihr wissen? Er bat "uns geschenkt: Mil seinem ganzen, großen -H'tzen, mit seiner edle» Seele, mit seinem ge- 1°. lligen Können und Vermögen. Er hat uns dergegelsen die längst begrabene Hoijnung, den;..::!U׳t vergessenen Stolz, er hat uns, die wir i . wankten ohne Rückhalt und Absicht ein Ziel ge-; . nkt, ein Heeres und heilige«: sein Herz hat nur ' : Zion geschlagen, für Zion ist es gestorben, ־• isi aller, Waisen sind wir geworden, unser Vater hat : verlassen. Wie einst unserem ersten Führer, m es auch ihm nicht vergönnt gewesen, sein ׳rk selbst zu krönen, und wie einst Joses in der »,de stärk und bat: Lasset mich nicht ruhen in ■ Fremde, dringt mich zurück, wo die Väter äsen, so war auch sein letzter Verlangen: . tnq: Ulich zurück in die Heimat! — Unsere e» verlangen von uns in sinniger Weise: Drösle neu Bruder nicht, so lange sein Todlcr unde- '׳ulet vor ihm liegt. Höret die Mahnung, sie gilt n׳s allen: Israel bestatte Dcirrngrößten -'-'len! Erfülle seinen letzten Wunsch, lasse nicht zugrunde gehen, wns so mühin >״ er heg onn cn, Js racl ersü l le Kindes- >" licht, bestatte Deinen Vate!r! Der Tod unseres Führers isi ein Unglück, so farchibar!wie die Zerstörung unseres Heiligtums, und doch, wenn wir zurückblicken in die traurige rgangenhcjt, so müssen wir Mut schöpfen für du׳ Zukunft: die Väter verloren Heiligtum und Vaterland und zogen hinaus ins Golur und Jahrlausende furchtbarster Leiden haben nicht vermocht ihre Lcbenskrast zu zerstören, ihr Denken und ^chncn nach Zion zu vernichten. Zion war nicht lugkunde gegangen, denn beim Scheiden gab der Prophet seinem Volke die Liebe zu Zion ins Jüdische Volksstiinme jüdische Herz und diese Liebe ist unsterblich. Diese Zwnsliebe ne Hai in unseren Tagen sich verkörpert ln unjerein Heimgegangenen Vater. Wohl ii! er von binnen gegangen nomnte'ii isi kr uns nicht, unser Pro׳ uns die Erbschaft weiter: Sprechet nicht an meiner Bahre, »m Wunich, um uns zu iagcn: bestattet mich nicht wie -ludere zu Grade getragen werden, mit Wort und Lob, das der Wind verweht, das der nächste . Dag vergißt, denn ich bin die Zionsliebe, die un- | verblich ist, sie geht nicht hinab mit mir in die . Grusk, sie dringt ein in Euer Herz, in Eure Seele,!sie'wird ewig leben! ' . . ^les^ Zwnsliebe. sie ruht über uns in dicier . heiligen -tunde der Trauer und des Gedenkens, üc spricht aus inir :11 Euch und läßt mich adlegen inr uns alle das Gelöbnis ewiger Treue unserem ' Pater und Führer: Wir geloben Dir, der Du verklärt aus uns berniederichanii, Dir nachzuwandeln i» Liebe und!siaikein Wollen, wir geloben Dir heilig zu halten, ן den rochwur der Zionsilreitcr: I u esclikockeck ' Jenischolajiin. tischkach jemini!; Wir schwören Dir zu,, nicht zu ermatten, de- -vor Dein, unser aller Wunich erfüllt, und unier Volk glücklich und frei tm freien Land der Väter lebt, Nicht wollen wir ruhen, bevor wir nicht erfüllt,Dein innigste» Sehnen und Verlangen, und , Du!ruhst in der Heimat, dann erst wollen wir Seite 3 neuen Abschnitt in unserer Geschichte beginnen, da sich das Land wieder mit seinem Volke vermählt. Aber Herzl gab seinem Pocke mehr als längst entschwundene Hoffnung.^ Nicht ein Meteor ar es, der srrah end am Himmel erscheint und otzlich im Wcltenraume verschwindet. Von ihm n man wieder das schöne Wort aus unserer liedelungrgeichichte sagen: ,Und die Sonne siand still im Tale Gibcon. und der Mond im Tale Ajulon. So lange Theodor Hcrzl lebte und wirkte ipar er licht und hell am jüdischein Himmel, nie war er dunkle Nacht, denn die Sonne siand still im Tale Gibeon und zeigte den Weg nach Lsien. Daß Theodor Herzl die Schwachen und Entmutigten wieder ausrichtetg war groß. Aber größer war seine Tat, da er dem nur den Weg gab und das Zieh Hilflosen nicht zeigte, sondern ihm auch die Mittel gab, diesem Ziele zuzusireben, da er einen Scheintoten wieder ins Leben rief und einen Träumer zur Arbeit wies, zur zirlbewußten, planmäßigen, fruchtbringenden Arbei. Drei große Merksicine hat er ausgerichieh die seinen Namen der Ewigkeit sichern: den Kongreß, die Bank und den Nationalfondr. Aber noch eine weitere, große Tat verdankt das jüdische Volk Theodor Hcrzll. Er machte aus der Judensragc, die nur eine Frage der Juden war. den Notschrei: Wo hinaus mit uns, wo isi .Rettung, wo unser Heil? — eine Frage der Menschiprechen über Dich und verkünden den kommenden! lichen Gesittung und Kultur. Er wußte die Großen Geschlechter» von Dir. Tu Einziger, der Tu gelebt i dieser Erde und die Edelsten unierhr Zeit für die hasi nur für Deines Volkes Zukuusl und gestorben . bist jür sie.! Schau aus uns hernieder, gib uns von Deiner Stärke, von Deiner Liebe, damit wir vollenden! können Dein Werk zum Heile unserer Volkes, zur ׳Ehre! Deines Namens, der zum Segen war für; uns und cs bleiben wird in Ewigkeit: .Lecker Xaclik | liwrdcho!״!; Hieraus sang Herr Professor Schmied das! Lied i .Herr war ist der Mensch?-׳ jlr. Schalst auS Wien ergriff das Wort.; liniere Trauerseier gilt einem Großem! l Ein Großer war eS. der am 7. Juli in Wien f begraben wurde, efn Großer in Israel, so groß wie das Goluth keinen zweiten kennt. Ein -Mann ' ward zu Grade getragen und ein ganzes Volk und Wünschen iüdrl man einen Baü nicht zu Ende!lrauz'rt in licssrer Verzweiiluug um ihm, ein Jude Lösung der Judensrage zu interessieren und das Besreiungrwerk allen Europäern »ersiändlich zu machen. Das alles ist es. was diesen einen Mann uncrsctzlich und unerreichbar macht, aas fernen Tod zur unermeßlichen Trauer eines ganzen Volker ichasil und was das Mitgefühl!der christlichen Welt erweckt. j Tausende umstanden sein Grab Alle ihre Hoiinungcn und Wünsche, all ihres Sehnsucht und Träume senkten sie mit hinab in ן die Gruit. auf daß der Leib Theodor Herzls zum Samenkorn werde der jüdischen Freiheit.! Aber mit Tränen und Seufzern macht man tote Erde nicht wieder fruchtbar, mit Hosinungcn die Zeit der Wunder ist vorbei, nur eines bringt war ׳gestorben, und die christliche Welt fühlt den f Wunder: zweckmäßige, ernste Arbeit.! großen Schmerz der Judenvo.keS mit! . Was isi cs denn, daß diesen einen, Theodor!Herzl, über des Tages Erscheinungen hebt und ׳ ihn loslöit von der Menschheit Allgemeinheit und! ihn rmponrägt zu der Geschichte Gestade? Weil er ‘ ein Jude war wie kein zweiter, weil der jüdische; Weltschmerz in ihm' seinen erhabensten und edelsten Ausdruck gesunden Hai, weil in ihm alles lebte, was dar Judenvolk durch Jahrtausende auf das ׳innigste bewegte, der große Schmerz um die Not!der Brüder, der wundertätige Glaube an der Zuj kunst des Volker, da; Vertrauen zur eigenen Krait I und zur Selbsthilfe, und weil in ihm die Kraft! des Riesen erstand, der unaufhaltsam, unbeirrt!gegen Vorurteile. Selbstverleugnung und Selbst-! enlmannun'g ankämpste.! In Theodor Hcrzl war nichts von lieber- I Hebung, nichts von unechtem Pathos, nichts von i allem Miiiionsdusel. Eines Tages hörte er die 1310t seines Volkes und er sah zu seinem Entsetzen ן ein armer, irrendes Volk, von Drt zu Srt gehetzt,!ohne Ruhestätte, ohne Heim, ohne c,n schützender l Aiyl. Und Lar war sein Volk, sein Volk in höchster!tzfvl und Pein, mit dem Blutmal aus der Stirne.! Der ewige Jude klopfte an seiner Türe, und er! machte ihm aus und sprach zu ihm: Komme, denn! Tein Volk ist ja auch mein Volk. Sowie Moses erst zu seinem Volke sich zurückjand, da er den Aegypter erschlug, io war cs der reife Mann und nicht mehr der Jüngling, der sich icinem Volke zugejellte. Und nun ging er einen Weg, der ihn so hoch führte, wie keine irdische Macht einen Menschen stellen kann, so hoch, wohin nur die Dankbarkeit der Völker und die Anerkennunq der Geschichte trägt. Sein Leben gewann nun einen neuen Jphalt, seiner Arbeit war ein Ziel gesetzt, das ihn ganz erfüllte. Er hob die Gedrückten aus, er gab den Und so müssen wir alle weiter arbeiten, nicht um den Großen und Herrlichen zu ersetzen, sondern um -seinen Tod nicht zum Nationallinglück der Juden werden zu lassen. Hinaus in jenes Land, wo die Sonne den Erdball küßt, wo Juden für ihrf Land und ihre Freiheit den Heldentod starben, hinaus in unier Land, das seines großen Sohnes wartet, der nun in fremder Erde ruht! Sprengen wir die vier Brettcf. die den Schatz, des jüdischen Volkes bergen, aber!nicht allein Mil unseren Tränen und Gebeten, ׳oUdern auch mit werktätiger Liede und schasiender Arbeit, aus das aller, was unseren Meister >n seinem Leben erfüllt hat, durch die Schollen dringe, kn die Lüste sich schwinge und die jüdiiche Well dukchzittere: Leben und Sterben für Zion! Das Schlußwort hielt der Vorsitzende Gg. Mar Hickl. Er forderte die Anwesenden aus, da« Andenken Herzls durch intensive -Arbeit für der jüdischen Volkes Zukunil zu ehren. Tranerlrnndaclnmiu׳n. — Vrünu. Beim Mussas Goitcsd ensie hielt Proi Dr. Mar Griinseid dem versiordtnen Führer de; jüdischen Volkes einen Nachruf. Tsem Gollesdienile wohnten bei: Kultusvorsiand H. Fialla, Vize- Präsident Bauer, weiters die Mitgl cder des Kultus. Vorstandes.׳ Ludwig Straßer, Al. Ditrosrkh, Dr. Lhrcnilcin, sowie die Ldmänner der zionistischen Lrganisationcn und ein zahlreiches Publikum. Brünn. In der Sitzung vsri IS. d. M des hiesigen Kulturvorstande« hielt de: Präses Dr. H. Fialla den nachfolgenden Nachruf auf Tr. Theodor Herzl, der von der Versammlung sichend angehört und im Protokoll verewigt wurde. Zugleich wurde beschlossen. Herrn Dr. Grünfcld zu ersuchen. Verlanget in (*ast- Hoffnungslosen verheißungsvolle Hoffnung und diel am nächsten Sabbat, am 23. d M mtt der Pre- Schwachen und Zaghaften erfüll,- er mit Mut: d.gt e,ne Gedächtnisrede aus der Verblichenen zu Was kümmert cs uns, wenn draußen der Pöbel verbinden. Dr. Mallas Aniprache lautete: tobt, wenn Stück um Stück persönlicher Freiheit «fc^r geehrte Hern n. und persönlichen Rechtes verloren geht, wir sürchten Ter Tod pal wieder c,ne schmerzlich klagende nicht mehr Haß, Bedrückung und Tod, mag auch Lücke m uniere Reihen gerissen. , das teste Kapitel der Golu-Hgeschichtm.t Blut' Vor wen.gen Tagen gele״etän ,n der Hauvtgeschrieben werden, wir wollen und werden einen!stadt un.cres Reiches D au,ende üon Leidtragenden und Kaffeehäusern die ״Jüdische־ Volksstiinme“.! /׳