Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 7 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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jüdische Bolksttimme sick» MV■' 41: itV I״- r. u: r.:. ft: t: r r. »v: h יי) .;11 to: n:•: 1'iä christlich^oziüle Partei Mährens orqani׳ nd die Diener ddr heiligen römischen >Urche . Heerbann daranqingen, das Evangelium der :!iu'be in Wahrheit umzusepen ' und das -׳׳arres zu verkünden. der Bombenerfolg. De. Max Dl em!111:. Sumr I.- .e lechzen nach Existenzbedingungen und wir von unserer Universilät in Jerusalem. Sic ״.!/ meine ich -die Juden, deren Jude,»um . Blässe der europäischen Multur noch nich, ־.feit ist, und bi« er allen?lnsechtungcn gegen- :! naiver Selbstverständlichkeit und eherner : behaupten. Dar Paradoxe unserer Bestieliegt aus der Hand. Wir machen die größte 1»ng, unsere nationale Entwicklung -,״ au-zugestalten, viele von uns lehnen ein .silich, vielleicht i sehr vortcilhasles Kolonisa-;.ft, dar uns weitgehende, öffentlich recht- 6 politstche Garantien bietet, ohne Prüsuug i wir sürchtcn,! dadurch unserer nationalen Entwicklung Eintrag zu tun: Die Träger nationalen Tradition, aus denen jede üational- .. Reugründung' süßen muß, leben größtensolcher wirtschaftlicher Not, daß sie intellek- :־.bedingt verkommen müssen. .:!,er dieser Zwiespalt? Die vulkanische Er- :ung. die heftige Erregung, die im Volk-ganzen rochen ist, tritt in diesem Widerspicl zutage, säst "zwei Jahrtausende verurteilt die Paria :!eich dic Kapitalisten Europas zu sein, sind .11 daS erschreckende Urbild des gepeinigten, sinnschlcichenden R aj je nprolctariaiS, »einer :itlichcn Bedcutyng nach schlimmer gestellt das ökonomische. Ter titaniiche Groll, der inger Zeit sich ausgchäusl, sucht, da sich die gelockert, regellos und gewaltiam einen ck.־ vei Versiiche, di« Fesseln der Jahrhunderte . sind typisch und daher geeignet die Grundlage Ine allgemeine Ichlußsolgcrungcn abzugcben. e schon angcdeutct, stimmen beide in ihrem .־:punkte und ihrem Ziele überein. .־ gehen davon, aus, das jüdische Volk aus nde und der Beschränkung des Golus zu und bezwecken beide seine nationale Entg zu ermöglichen und den Juden eine, den . Völkern gleichwertige und ebenbürtige g zu verschaffen. Tic eine Bewegung ist ־:imilation, die andere unsere nationale Be- Beide haben vielerlei Abarten entwickelt, .n aber ohne Gefahr unberücksichtigt lassen :1 dzm man das Typische, das allen Abarten :iame, heraurgrcist. .r Nnterschicd sn den beiden Lösungsversuchcn achdem Ausgangspunkt sowohl als das Ziel 0111 sind, nur in der Methode liegen, e Methode der Assimilation war eine indi- :isch-anarchistische. Sie bestand darin. Einihrer christlichen Umgebung derart auzudaß sic in ihr verschwände, damit sic dann ־.hr unier ein Ausnahmsrechl gestellt werden, iruin gicng es, dar Volk, sondern jede n inen und dadurch! das ganze Volk zu erlösen, s Jndividuum gelang auch die Lösung und bei intensiver Durchführung der Meist ausnahmslos. Aber schlecht kam dabei elkstum weg, es wurde zerstäubt. Tennorl) .inand, der ruhig denkt, den Schöpfern der tionsbcwcgung die Reinheit und Diese ihres icnhangcs mit unserem Volkstume, die ge- :׳:ge Absicht bestrcsten wollen. Was ihnen Ile, ivar das Verständnis jür die Lcbcnsben der nationalen Kultur, der Blick i» die :e und dieser Mangel allein schlug uns jo :lndcn. Dieser erste, in einer einzigen Rinne egende Lavastrom Jahrhunderte alten Freiirsnisses, ließ dem Volke ein Trümmerfeld, chenhaujcn zurück. .:gen wir nun, ob unsere nationale Erruptio» ch einen Lavastrom erzeugte, der zerstört und ׳rächtet. Im Gegensatz zur individualistischen der Asiimilation ist unsere eine soziale: Tie . des Volkes soll die Befreiung deS Einzelnen , Aus dev ersten Blick schon scheint unS.'jene für unser Volkstum beseitigt, die die Assi- :> mit sich gebracht hat. _ > r können wir, befreit von dieser einen Sorge, leichtert oder gar hoffnungsfteudig ausalmen, wir annehmen daß der komplizierte Ligaunseres Volkes nunmehr gefahrlos in den Hajen unserer Wünsche cinlausen wird? 1>rl unsere nationale Bewegung uns zur ^clbstermannung der Judenhcit? Seite Ick von l* i0 lmb crf,0'fen diesen Erfolg ן ' Tann erst könnten wir mit einiger Wahr- ׳:a1a; ««,fr« alicn nationalen Bodens, j schcinlickkcil aus die Erreichung misercs Zieles rechnen. > ..!eihodi-ck: Iliiieriuchiiiig stellt aber dieser! wenn die Ration allseitig kvästig ausgebildet dasteht, j,'?viiiiUiig »i.:־,:a..^ Bcöenken entgegen. jEin Volk mit kräftiger Eigenart und entwickelter; Ter Liedl-.ngracdanke einer nationalen Sturm- I 1'■9cJ)er Kultur wird sich ätm neuen Problem das und. Trangueriode war wohl jedesmal die ' sich nuswilst mit ruhig« Kraft cnlgegenstellcn. ltrrlöiiing der Ration: die Geschichte der Völker!?"׳. uns 2apan heult, wie cs gestern andere keunl »eine ,, k!־,n B.stp:!, daß allein durch < .rw r.1lchu.ig das Volk beireit wurde. aas war die Ir,:»lache der Geschicht! so .׳erderblich auslies, weil i; daß die Asiimilalioi:' man glaubte. inr das Volk alles getan zu Ya b en. wenn in.־.:: d. ״ einen Gedanken erfüllte, die Wohls.׳, .!rl des Einzelnen zu erzielen n!1) die v:־',en anderen Lebcnsele-! Nie Ille der ־.'laiion unbcrncl'lchiigl ließ. l, Wenn man aber paradox sein wollte, könnte bman aioch behaupten, daß Der nationale Boden kein! Volk von dein llmergange gercikct hat, vielmehr allen j unlergegangenen Völkern i 111 eigenen Lande der Garj aus gemacht wurde gerade die Juden aber durch! ihre Foueristcuz außerhalb des heimatlichen Landitebictcs; bie Jirelevanz de- Bodens erwiejen. Ich jwill das aber nicht bcha:w:en, sondern sagen, daß j unier Llrcben selbstverständlich nach unserem alten Lande gehen muß. weil öieics uns die terrestrische! Vorau-ietzung der ürinllnng unseres Wunsches nach! freier Entwicklung boi. datier noch zu bieten scheint.! T>e einzig von der Besiedlung Palästinas erbossle, ungeahnte Entsaltun.z der nationalen Krast . ist es eben, die unsere Bedenken, insbesondere nach!den mit der Asilinilalion gemachten Erfahrungen i ivachrnseii muß. Auck» damals, glaubte man ja alles mit der alleinigen ״Anva״ung" erreichen zu können. In der ü b er,» a ß! ge n . Pslcgc nur einer Seile u n ׳ e r e r V o I k s i n d i v i d u a l i I ä I liegt die Perki! in 1»er:!ng der übrigen. Es IN eine kindliche :V ilvität zu meinen, daß! ן mit dem Boden alles gc־.vo־:nen sei. Rur die gleich; Völker erwiesen. Ilnscrem-sVolkegehl diese Kraft! heule ab. Das zeigt das :»riebhasi-hastige unseres ן Vorgehens, die Glut unseres Wollcns. der Drang zu erhaschen. ״Alles' sprinefhasle ist mir verhaßt." sagte einst Goethe. Dinieren Sturm und Drang aber kann allein die Sensation, der Bombenerfolg befriedigen. Ter Bombenerfolg muß aber ofrpussen, wenn er nicht die Krönung langer und intensiver Arbeit ist. Ter Sozialismus hat den Weg von der Utopie zur. Wissenschaft — nach schwerer Arbeit zwar — zürückgelegt, trotzdem man einst die Wegsuchcy verlachte, unser Weg müßte gehen von der Romantik in der wir stecken zum Realismus, der uns Ruhe und Krast verleihen und unsere Entwicklung läutern könnte. Allerdings dann gäbe es keinen Bomdcncrfolg, aber unsere Arbeit möchte nachhaltig zu wirken vermögen, den endlichen Erfolg zwar niemals garanticrcn können, seine Wahrscheinlichkeit aber täglich erhöhen. Je größer aber die Möglichkeit des Erfolges werden wird, ostenbar desto tiefer, klarer und kräftiger wird das Streben sein ihn zu er-' reichen. Zur Solonifotion paläSinas. ״Palästinofreunde, vereiniget Euch!" — So lautet die Parole, unter der Tr. Alfred Rassig im Lemberger Verlag ״Kadiinah" eine Broschüre: ״Tie jüdische Palästina Kolonisation" in polnischer Sprache erscheinen läßt. Tie KolonisationSfragc ist jetzt wieder ins Rollen gekommen. Rach vielen Jahren, die ganz l mäßige Psicge der 1v>r::.:1.׳sllichcn und a l licr der Organisation und Agitation gewidmet waren idealen Jnlercsien ha: d:: Wahrscheinlichkeit einer und in denen osiizicll-zionisrischciscils für die Pa-!günstigen Entivicklung i;!r sich.! lästinakolonisation erbärmlich wenig gearbeitet würde.! Liszt, der bekannt. Rationalökonom. rustiTie ftüheren Kolonisationsvcreine haben mit wespottend der klassische» Sck,::.e der Nalionalökonomie > nigen Ausnahmen ihre praktische Arbeit eingestellt :zu, daß der Ledensinhali der Kulturmenschen nicht: und die vom Kongresse gewählte Paläsiinakommission wie sie vermeinen, .sich in ״der allein selig machenden Formel möglichst billig einznkaufen und möglichst teuer zu verkaufen" birgt, sondern auch"noch andere Elemente enthält, die dem ökonomischen Faktor mitunter sogar die Wage halten und mit dem Wechsel der Kultur ihren Ernsluß ändern. Die Zionisten, die von der Berührung mit dem nationalen Boden einzig die Entscheidung über die nationale Zukuni! erhoffen, sind nicht einmal mehr das Kehrdild der komischen, alten Rational ökönomen. deren ganze Welt der Tauschverkehr aus machte. In ihrem Traum einziguus der Erde Lebens führte ein beschaulicher Tasein am Papier. :Rur sozusagen Privatinitiative ist es zu verdanken, daß in dieser Zeit für die praktische Koloniiation-idec das Verständnis und Interesse rege erhalten wurde. Run scheint es anders werden zu wollen. Seil dem letzten Kongreß nämlich. Hie Lst-Asrika. hie Paläsiina, hie Groß-, hie Klein-Aoloniiation! Tie Palästinakommisiivn gibt wenigsten; ein Lebenszeichen von sich.,Ihr Lrgan ״Alrnculand" tsrüher Rossias ״Palästina") läßt viel erwarten. Sogar von Land-!kauf wollen manche wissen. Ein erfreulicher Anfang! Zur rechten Zeit daher erscheint die genannte! krast zu schopsin, iinden sic eine Analogie höchstens!4'» Seiten Smiassenge Broschüre. Eine ernste und j in einer mmliologischen Figur bf4 hellenischen Sagen-! sachliche Arbeit. Freilich, viel Reues darf man b'rin i kreise- ', nicht suchen. Reu ist nur die Formulierung der I Ter kraftvolle Wille für Palästina, wie er sichsProblems. Sic lautet: Richt Klein-'und nicht Groß- ^gerade bei der nationalen Intelligenz zeigt, ist wohl! kolonisation. sondern langsame, aber unaus- 'ein wertvoller Beweis unserer Lebenrcnergic. Erlhörlichc Kolonisation Palä1׳ ina-״nnü .garantiert unS aber in keiner Weste die Richtigkeit der Rcbenländcr. iim'eres Weges und läßt die Möglichkeit eines Tc- ' bakles unerwogcn. Das Land allein kann nämlich 'die lebendige,, treibende Kra't im Volke^ weder tchassen noch gegen widrige EiNiTiisse isolieren. - Tie Krast des Volkes aber ruh! aus nationaler j Zucht und gleichmäßiger Pslcgc aller seiner Lebensinicressen. E:n starkes Volk hingegen wird auch aus widrigem Terrain sich behaupten. Wer das Studium der Geschichte dazu benützt daraus etwas zu lernen, dem ivird wohl eine so aus »Kichts zu bauende Landnahme mehr als gewagt erscheinen müssen, ^luch aus der sichersten Grundlnge gebaut, bleibt jedes geschichtliche Unternehmen gewagt. Rur um hier ein Wort SchäsilcrS zu zitieren: ״Ei» Bild des wirklichen Entwicklungsganges der nächsten Volkswirtschaftlichen Zukunft darzusiellen, den wirklichen Verlaus einer weitausholcndcn Zukunft voraus anzugcben, ist kein Sterblicher imstande, noch im Jahre 1789 wußte niemand, was auS der liberal-dürgerliehen Reucrung sich entwickeln sollte. Rur eine Vorstellung des Möglichen, vom Wert diskussionSfähiger Thesen kann man gewinne».־.." Rach dem Stande der Tinge bei der gegenwäriigen Entwicklung »njercr nalionalcn Bewegung müssen wir ans Grund geschichtlicher Erfahrung joäkn, daß eine Landkolonisalion großen -ules im gegenwärtigen Augenblicke von unserem erwünschten und crhosstc» Ziele sich vielleicht noch, weirer ־ cnkfernen dürste, als die Resultate der A׳ninilatcon sie käme wohl der Vernichtung jener kolom,lenen Volksteile gleich. Ter Raum verbietet cs uns, in Details einzugchcn; wir wollen daher nur den Inhalt skizzieren. I Rach der Feststellung, daß die jetzt bereits überwundene Krisis in den Palästina-Kolonien nicht durch das Kleinkoloniialionssystem hcrausbeschworcn wurde, sondern durch mangelnde Lande-kenntnir und falsches Produktion;- und Verwaltungsiystem — wird am ostasrikanischcn Beispiel — und da speziell aus Grund der Mitteilungen deS Herrn Alfred Kaiser, der 18 Jahre in Afrika gelebt und aus Grund seiner Erfahrungen die Teilnahme an der Ssr-Asrika-Expedition abgelchni haben soll — die Unhallbarkeil dieser und aller anderen Piaffenkolonisationrvcrsuche außerhalb Palästinanahegclegt. Hieraus wird das neue Kolonstalionsprogramm ausgestellt.־ ' Tic Charlerbestrebungen des politischen ZwnismuS scheinen bei der türkischen Regierung auf für längere Zeit unüberwindbaren Widerstand getrosten zu haben. Es ist daher angezcigt durch langsame Besiedlung und Landankauf das begonnene Werk zu konlinuicrcn, bis sich die Verhältnisse ändern werden. Das. Programm lautet im wesentlichen: Das jüdische Kolonisationswerl in Palästina isr ununlerbrachen und energisch wcitcrzuführen. Tic Kolonisation isr durch Landankaus vorzubcrcitcn. hat nicht nur Palästina, sondern auch die Rcbenländcr zu umfassen, soll außer dem landwirischaitlichcn auck» städtischen und industriellen Charakter haben. Tie Kolonisation muß legal )also nach Erwirkung der Verlag in Gast^mid Kaffeehäusern die ״.Jüdische Volksstimme“. i