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Jüdische Volksstimme · 1903-09-01 · 15 (1.9.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
15 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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'ijr. >5 Andijckie Bolksstinime . :ttcnbe Fortschritte. Nicht erst die Zukunft wird > '.r sein, schon die Gegenwart ist er, denn gegen' den einzelnen Partikeln des Judentums sind die einzige die Gesamtheit umfassende Liga- :uon, jo schloß der Redner unter stürmischem ׳all. \ In der Diskussion über den Rechenschaftsbericht pann sich durch das Eingreifen von Tavi-!etsch (Berlin) eine erregte, stellenweise stur l,e Debatte. Drietsch bemängelt die Tätigkeit A.-K. in der Wad-«l Arisch.Zache. Man hätte; Projekt ohne Zustimmung des Kongresses nicht .den dürfen. Redner ist für ein größeres Palä- Ost-Afrika könne nie Zion werden. Es war llnrccht gegen die Zache, nicht gegen seine Person,!״an ihn übergangen, obwohl er der eigentliche .ger des Projektes sei. H erz l habe wohl große nungcn erweckt, bedeutende Versprechungen ge- :11, habe aber in der Landsragc grobe Fehler .,acht und durch falsche Grundgedanken die Lache wrbcit. Während der Rede herrschte große Ua> ' u׳ und Drietsch konnte nur unter fortwährenden ilußrufen und'Zischen seine Rede mit der Berkung schließen, .fcr werde mit seinen Freunden, .-gestattet mit dewBefugnissen Tr. H erz l s, näher Palästina. Besseres finden als Lstafrika (£0 . 1 zlS Antwortrcdc wurde von der׳ Mehrheit mit oßen Ovationen und demonstrativem Beifall beattt. Drietsch habe von El-Ariich und seinen!dingungen-?eine Kenntnis und mit Zeitungsiikeln mache man solche Tinge nicht. TiePrak- ׳che Tätigkeit Trictjch' bezüglich Kolonisationsagen müsse aus das Schärfste mißbilligt werden, dm fehle VerantwortlichkeitSgesühl und er behandle nste Tinge in entsetzlich saljchcr Manier. Das erde eine Frau bestätigen, die in Basel anwesend 1׳ und als einer der Opser des Herrn Tri etsch .n der von ihm vcranlaßten und verunglückten Eredition jüdischer Familien nach Cypcrn teilgenommen habe. Nach einer längeren Diskussion über den liechenschajtrbericht wird beantragt, der .Kongreß olle Dr. Herzl und dem A. K. sein Vertrauen aussprechen, was mit allen gegen 4 Stimmen unter »üloseiu Bcifalle geschieht. Eine groß angelegte Debatte cntjpinnt sich über die Lstasrika-Fragc. Eingcleitct war sie mit einer Glan (rede Nordaus worden, die, wie die ״Franks, jeitung" schreibt, ein seltenes oratorischcs Prunk׳ Seite 3 stunde dauerte, wurden 473 Stimmen abgegeben, wobei die Mitglieder des großen beim Namcnsaufruj nicht mehr mitilinimten. La dicies als Gesamtkörper über diesen Antrag bereits abgcitimmt hat. Ter Antrag wurde init 2'.»', gegen17 ״t< Stirnmen angenommen. Tas Abstiniipuniusfesultat wurde mit minutenlangen, dröhnendem Beifall'begrüßt. Tie russischen Mitglieder des großen A. K. Tschlenow Tein ki b, B crn sie in-Kohan. Bclkowski. Ja-' kobjolfn, Bruck. Goldberg gaben die Erklärung^ ab) daß 1 ןc in der Sitzung des A.-K. gegen die Entsendung der Eipedilion gestimmt haben, und. verlassen unter BcisaUssturn, der Minorität den Kongreßjaal. Ihnen folgen etwa 150 Delegierte. Der Exodus der Minorität hatte keine weiteren Folgen. Sie bcteiligke sich später wieder lebhaft an den Verhandlungen. Als Sprecher der 178 Telegierten,' die gegen die Entsendung einer Expedition gestimmt hatten, gibt Tr. L c v i n die Erklärung ab, daß,der Exodus nach der Abstimmung keineswegs eine demonstrative Absicht halte, sondern der momentane Ausdruck tiefer ScclcNcrschüttcrung über den Beschluß war, der eine ernste. Gefahr sür die weitere Entwicklung der Bewegung bedeutet. Ojr stellt hierauf namens 178 Delegierter die Anträge! l. Die Kosten^ der Osiasrika-Expcdition dürfen nicht aus den schojelgeldern bestritten werden. 2. Tie Zujaminenictzung und Ausrüstung der Expedition, wie auch ihre Entsendung wird dem großen A.-.K., das Von großer Wichtigkeit in auch die Einsetzung einer Palästina-Forschungs-Kommissign Ihr Zweck ist die wissenschaftliche Erforschung Palästinas und Der umliegenden in Betracht kommenden - Länder in wirtschaftlicher, rechtlicher und geographischer Beziehung. die Errichtung einer Versuchsstation, die Herausgabe einer Zeitschrift sür Palästinakunde. Es wird, der Antrag der deutschen' Landmannschaft aus Einü-tzung dieser Kommission and auf jährliche Sudvcnlionierung mit mindestens 15.000 Franken (Tür zwei Jahre) ohne Diskussion angcuommei. Der Kongreß wurde am Freitag Albend unter Begeisterung und stürmischen Hochrufen aus H e r z l geschlossen. ״Lin jüdisches Neuland " Englands Vorschlag wegen Kolonisierung Ostasrikas durch die Juden stand im Vordergründe der Beratungen des letzten Kongresses. Es wäre verfrüht, von dieser zionistischen Kolonisation als einer feststehenden Tatsache zu sprechen, da die Resultatc der Expedition und der desinitior Entschluß; eines ad 110c einzubcrusenden Kongresses abgcwaxtct werden müssen. Immerhin hat heute schon ein unter obigem Titel am 30. August d. I. vcrösientlichter Arlikel des Wiener Tagblattes ״Zeit" Anspruch aus allgemeines Jntcresic. Die ,Zeit" schreibt! ״Ten Bemühungen des unermüdlichen^ Vorspeziell zu diesem Zwecke cinbcrufen werden muß.! kämpser« des Zionismus, Dr. Herzl, ist es nach überlassen. (Angenommen.) Es ist bezeichnend/langwierigen Verhandlungen gelungen, von der eng daß einer derjenigen Rußen, die gegen Lstafrika stimmten. 350 Franken sür die Expedition gespcndet hat. Ucber 1500' Franken wurden aus dem Kongresse gesammelt. Z a n g w i l l hielt in englischer Rede ein Reserat über ״Zionismus und Wohltätigkeitanstalten". S o k o l o w (Warschau) ivrach über ״ZiobismuS und die Wohltätigkeit im Osten". lieber Organisation! und Agitation rcsericrtc Sir Montisiorc (London(. Einen der Glanzpunkte des Kongresses bildete das glänzende Referat Tr. Franz Oppenheimers über ״Ansiedlung". Er sprach über die HauplgesichtSpunkte zionistischer Kolonisation und stellte als solche hin: I. Die Kolonisation muß aus Zelbsthilsc bc frühen, 2. muß agrarische Grundlage haben, 3. dar stück war und wahre Beisallsstürmc entscsseltc. Bor ׳ Land muß durchaus und für alle Zeit«! im Eigentum dem unverrückbaren Ziele der jüdischen Besiedlung j der Gesamtheit stehen "und blcibertr Wir können Palästinas dürre es nur eine Haltestelle unterweas leider aus zcitungstcchnischcn. Gründen die Referate Palästinas dürfe es nur eine Haltestelle unterwegs und eine provisorische Arbeit geben: Tie Errichtung, eines Rotbaus sür die hunderttausendc Juden/ die nicht warten können und bereits auf der Wandcrung begrisjcn sind. Diesen müsse man vor der ständigen Taueiwohnung gleichsam ein Nachtasyl erössncn. Ein solches wäre Ostasrika, nicht bloß augenblicklichen Unterschlupf und Nahrung gewährend, und Grundstücke jeder Art anzukausen, das gekaufte iondcrn auch als ein politisches und geschichtliches Pand zu bebauen oder bearbeiten zu lassen, oder Erziehungsmittel dienend. In der Debatte gelangen 20 Kontra- und 13 Proredner zum Worte. Tie Kontrarcdner sind meistens russische Delegierten. Ter Widerstand gegen die beantragte Einsetzung einer Kommission und die Ablehnung des englischen Ancrbictens wird damit begründet, daß dar Ziel des Zionismus die Schaffung einer ösientlich-rcchtlichen gesicherten Heimstätte nur in Palästina ist und das Projekt dem Grundprinzips: des Zionismus und dem Baseler Programme widerspreche. Sie erachten 'as Palästinaideal sür gefährdet. Nach den Angaben oes Mr. Green berg, der mit der britischen Re- :strüng verhandelte, liegt das sraglichc Territorium, das Chambcrlain selbst angeboten habe, zwischen 'lavanbi und Rau Escarpment, sei Hochland und vürbe 200—300 engl. Meilen lang und ebenso reit sein. Der Schlußantrag des großen Aktionskomitees lautet: ״Zur Prüfung der Fr^jc der Ansicdlung des ״oon der englischen Regierung io hochherzig in Ausiicht gestellten Gebietes bejchtetßi der Kongreß eine Kommission einzusetzen. Diese Kommission hat aus neun Mitgliedern zu bestehen, und es ist ihre Ausgäbe dem engeren A.-K. mit lediglich beratender Stimme zur Seite zu stehen bei Entsendung einer Expedition nach den zu erforschenden Gebieten. Es ist wohl verstanden, daß die Kosten der Expedition weder von der jüdischen Kolonialbank, noch von der Anglo-Palästinc-Eompany. noch vom jüdischen Rationalsonds entnommen werden dürjcn. lieber die Beschaffung der Mittel hat sich zcitungstcchnischcn. auch auszugsweise nicht wiedergcben. jDcr Totalertrag des Rationalsonds be trägt 19.71,7 11 Pfund Sterling. Rationalsondkommisiion lautet: Zweck des National׳ sonds soll sein: In Palästina und in den Nachbar׳ ländern Bau. Acker- und Gartenland, auch lijchcn Rwierung ein Zugeständnis erster Ordnung zu erlangen. England ist bereit, in seiner Kolonie Lstasrik/ zum Zwecke jüdischer Ansicdlungen einen großen/Landerteil hcrzugcbcn. Dicies Land!'oll unter jüdischen Oberbeamtcn ein autonomer Staat sein unter Oberhoheit Ser englischen Regierung. Wo liegt dieses Neuland der Juden? Es liegt. inmitten der britischen Kolonie Lstafrika, die sich vom Indischen Ozean bis an das Ricsenbinncnmeer Mittelasrikas, den Bikloria-Niania. erstreckt, zur südlichen Grenze die Kolonie Teutschostasrika. zur nördlichen den Sudan hat. Vom Hasen Momdasia. der bereits unter englischer Verwaltung einer der besten der Lstksiste geworden ist, gehr eine Eisenbahn, die Ugandabahn, bis an den Niansasce. Sie führt mitten durch das jüdische Zukunftrland. das Raum dielet sür Millionen, die dork ein Heim suchen wollen, sür andere Millionen freier Bürger, die dort ihre Heimat haben werden. Tas Land ist 300 englische Meilen lang und hat eine Obcrsläche etwa oön 9O.000 englischen Ouadratmcilcn, d. h. es ist ungesähr jo groß als vergleichsweise O esterreich ohne Siebenbürgen. Tie Bahn Reisenden in dreißig Stunden von der in das neue Land, eine Hochfläche mit Der Antrag der. Tirol und Ungarn ohne!führt den ' Küste dis auch an Juden mit Ausschluß der Asterpacht zu verpachten, alle möglichen oder denkbaren Unternehmungcn, welche diesem Zwecke dienen, zu bcgründen oder zu fördern;' zur Erhaltung oder Erwerbung des Besitzstandes Verträge jeder Art zu schließen, sowie zur Entwicklung dieses Zweckes mit industriellen oder finanziellen Untern:hmungen, sowie mit Regierungen oder Behörden in Verbindung zu treten. Ferner wurde beschlossen: Vo» dem Ncuilkhalsond sollen 3:4 zum Landankause dienen, 1/4 »nanlastbar bleiben und fruchtbringend angelegt werden. Die Feststellung des Status für den Nationalsond ist Ausgabe der nächsten Jahreskontcrenz. Tie 'Generalversammlung de« Aktionäre Kolonialbank genehmigte dqn Bericht Direktoriums und die Rechnung. Diese ergibt 2°.״ Dividende. Die Summe der äuSgesertiglen - und cingezahltcn Aktion beträgt 214.213 Pfund «t. Die Kolonialdank hat eine-Filiale in Palästina errichtet, indem dort mit einem Kapital von 50.000 Pjund die Anglo Palestinc. Eonspany gegründet wurde, deren Sitz in London'und deren Geschäftsleitung sich in Jaffa befindet. Ihr Zweck ist rein kommerziell: Hebung und Belebung van Landwirtschuft und Industrie, Regelung von Import und Export. Die Errichtung einer Bankfiliale io Rußland und die Aushebung des Einfuhrverbotes der Wald ausgezeichnetem, dem Weißen in jeder Hinsicht zuträglichem Klima, in einer Höhe von mehr als 2000 Meter, mit Bergrücken, dic^30O0, 4000 Meier hoch anstcigcn und die alle vom gewaltigen Schneegipfcl des Kenia überragt ivcrden. Wie jener einst durch vulkanische Kräfte gchobcnwurde, verrät das übrige Land in den rundgewölbtcn Gipfeln noch seinen Ursprung, und eben darum ist er ungemein fruchtbar. Durch die Täler strömen, von den hochragenden Gipfeln kommend, wasserreiche Bäche und Flüsse. Sic werden den Ansiedlern die Wasserkraft sür vielerlei Zwecke, vor allem sür elektrische Turbinenanlag^en liefern. Tie -Täler umschließt ein an Baumanen reicher Galericnwald, in dessen Schalten Moose und Farne wuchern, die Vanille ihre Ranken um die Aestc schlingt, bunte Orchideen aus niedergeiunkencn Baumriescn ihre.seltsamen Blüten entfalten. Durchbricht er den tiefer gelegenen Urwald, so tritt der Wanderer hinaus aus weite Wieienflächcü, die einen gewaltigen Park darslellcn. in dem knorrc. niedrige Mimosen und Mangobäume das Gebüsch bilden, das der gewaltige Wollbaum überragt, dessen Ausdednung nur noch von dem geradezu riescnhaiten Affcnbrotbaum übertroffen wird, den man, seiner klohigcn Ungestalt wegen, am besten Mammuthdaun! nennen sollte. Die Abhänge der Berge bedeckt dichter, immergrüner Büschs in dem der Kaffeestrauch wild wächst, wie denn überhaupt Jnnerasrika die Heimat des Kaffees ist, nicht das Land Jemen, das Mokkaland, wohin er einst von Phönikern gebracht und. .der des Kolonialbanksharcs dahin dürste in nächner Zen , , , . , . .. ein Erfolg der Petersburger Reise Tr. Hcrzlr —: angcpflanzt 1cm mag, ebenso mit eine sehr schmack erjolnen ' ' :! hafte kleinkörnige Bohnenart. die dorr ,eyt vor- In der Schlußsitzung referierte Tr. Friedci kommt, in Lslasrisa zu Hause ist. Steigt der Reisende -׳.-!-.,. »tut! uic <jc|u!uMum1 ״״״״: ״״ Ul an i>. Wies baden über das Lrstanisationsstatut. > an den Berghängcn höher empor, >o stndct er dort der Finanzausschuß mit dem engeren A.-K. ins Ein-: Laut Kongrcßbefchluß wählen ki,nsi!g je 200-che einePilanzcndeckcüicder unicicr^ie-nn^ Amen vernehmen zu setzen. Der Beschluß über die kelzahler einen Delegierten, nichtj 100 wie bisher, i >n etwas gleicht, bis dann die Höhenlage d-m ^.uch. ־ -- --- . . - Ter Nationalbibliothek in Jerusalem werden 2000 Fr. ein Ziel letzt. In den Ebenen wo zum Teil der bewilligt. Jeder Verein so» ihr jährlich einen de-! Ncgcrstamm Maßai ,eine Viehherden treibt, ״nden stimmten Betrag zuwendcn. i stch mehrere «een und viele Weiher vor. iu von BcjictzlungOstäsrikaSmirdcinemeigcns hiezu cinberufencn Ko ngreß-vorbehallen." In. namentlicher Abstimmung, die fast eine 3- Verbreitet die ״Jüdische Volksstimme 44

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