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Jüdische Volksstimme · 1903-08-15 · 14 (15.8.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
14 (15.8.1903)
Date
1903-08-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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.'fr. U jüdische 8ol1»stim«e nt ci geblieben? Fand man zu solchen Tätign fiinc •}eit? Man hätte dann die Zeit dazu ...״.׳den sollen, die zur Ausarbeitung des Marrek'sche» Maulkorbgcsctzcs verwandt wurde. 1,. Arbeit hätte die Zionisten mehr geeint, als Dekrete' und Gesetze. Sie di« Opposition verbieten;,.1 und mit denen man dasielbc erreichen wird, in Deutschland mit den Gesetzen gegen die .1'. demokratische Oppösilion. Immer noch hörte das; Opposition irisches Leben bringt und.för- Ter Kongreß wird sich wohl hüten, sich durch Gesetze lächerlich zu machen. In seinem .gkeits-Fanatismus bekämpft sogar neuerdings deutscher Zionist die offiziell anerkannte zweite sfanischc Föderation. Und wenn gar schon alle -stiio» niedergehaltcn iverden soll, muß man wenigstens den guten Willen zeige», das, was .chlich vorbringt, zu prüsen, ob daran nicht ״> Gutes sei. Es scheint abcs nicht bloß ein ' :11 der Könige zu sein, daß sic mchl die Wahrheit i: wollen. Etwas erzählen möchte ich zum Schluß: Ich sprach ein Mitglied des großen Aktionsuces, bevor er das erstemal nach Wien suhr. war unbedingt Anhänger des kleinen Aktions- . uecs und Gegner jeder Opposition. Als. er aus :: zurüikkai», ivar er löic niugewandclt. Er hatte allen! den Wunsch, es zu ermögliche», daß un- Führer Theodor Hcrzl aus seiner« Wiener bnug herausgingc. Nach England wollte er am liebsten haben, nach dem freien England.. . Lin Geheimnis brr 3. K. A. tJrwisb Koloiiisatiou Assozialion.1' (*•״ Wir fanden cs für nötig im ersten Kapitel . ,allgemeine Bemerkungen" zu bringen und;! jetzt zum eigentlichen Bericht, der Revision, 7, m,t. der uns die Berwaltung der Jka in er Sitzung vom 19. Jänner betraute. Darüber, .; wir gesehen haben, bziy. über' den Eindruck, n die Kolonien aus uns gemacht haben, berichteten :1׳ schon in unseren Briefen'an die Berwaltung. m wollen wir alles besprechen, was, unserer - iitiiug nach, dringend Aenderungcn braucht. A- Unsere K o l o n i sä t io n s - Met h od e. - Die ersten Emigranten, die inj Jahre 1 SO 1 ׳ ich .Moricie" gebracht wurden, pstegten, gleich . ttlern, tagtäglich ihre Lebensmittel zu bekommen. Eine ganze Reihe von -Beamten war nur mit Verteilung der Speisen beschäftigt. Später wurde i geführt, daß jeder Kolonist monätlich eine ~- ׳ ldes bekam. So dauerte es m Jahre ^,898. Die Emigranten, die angekomincn uen ohne: einen Groschen Geld, ohne die geringste . .׳ von Ackerbau, erhielten nicht bloß Felder, Bich נ Instrumente, sondern viele Jahre hindurch h Gelduntcrftützungeii. Tie Jka geivähric ihnen dies in Form von Kredit, und es ist nicht zu onndern. daß die meisten von ihnen ihre Schulde» >l zurückgczahlt haben. Bei Beginn der Koloni- 71! waren wir gezwungen, diesen Weg cinzu- 7 7,ai. denn um den ersten Kolonisten, diesen wache» Leute» ohne jede landwirtschaftliche Praxis. :Haupt eine Existenzmöglichkcit zu bieten, mußten ihnen in jeder Beziehung unter die Arme greisen. 1׳ aber nach viele» Erfahrungen sind wir daraus arbeite» zuerst als gewöhnliche Arbeiter bei anderen Kolonisten, erwerben aus diese Weise eine gewisse Uebung in ^der Landarbeit und ersparen auch kleinere summen, -späterhin werden die besseren von ihnen kolonffiert; Geldunterstützungen aber perlangen sie keine. Eine zweite gute Kolonisationsart ist die, daß die ersten Kolonisten auf eigene Kosten ihre Bcrwandten zu 'ich hiuüberbringen, sie in der Arbeit unterrichten und auch, für sic soweit sorgen, daß diese ncucingetrosfenen Kolonisten der Gekduntcrstützungen der Jka nicht bedürfen. Aus eben solche 1 Weise kann man auch die Söhne der Kolonisten! erzuhen, falls die Eltern für die Arbeit unfähig sind, aber die Hälfte der für die Unterstützung ihrer Söhne »öligen Kosten tragen können. Das wäre der richtige Weg zur Vergrößerung der Kolonien und dadurch würde von selbst dem alten System der Unterstützungen und der Berwaltung der Kolonien mittels einer adininistraliven Körperschaft ein Ende gemacht lytrden. Sollte es aber Vorkommen, daß man gezwungcn wird, auf einmal eine ganze Gruppe von Menschen nach Argentinien hinübcrzutransportieren —7 wie es mit den rumänischen Emigranten der Fäll war — dann gibt cs keine Mittel, von dem alten System mit seinen Fehlern — den Unterstützungen und Versuchen ans unsere Rechnung — loszukommcn. Aber auch in diesem letzteren Fall miß man. so Vorgehen, daß die »cuangekonimcnen Emigranten zuerst bei den allen Kolonisten'lernen müssen, um sic erst, nachücin sie in der Landwirtschast die nötige Schulung crivorben haben, 'selbständigen Kolonisten zu machen. z» u. unnien, den neuen aus Europa ankommcnden '-!islcn keine regelmäßigen.Geldunterstützungen 7 zu gewähren. Jeder von ihnen erhielt jetzt Tic Kolonie Verwaltung ״und deren K o st c n. , Unsere Verwaltung mit ihrer Zentraldirektion in Buenor-Airos und mit den Abteilungen in den Kolonien leidet an dem großen Fehler, daß sie viel zu hurcaukratijch ist. .Tie meiste» Beamten in der Zentraldirektion sind Nichtjudcn und haben, mit sehr wenigcn Ausnahmen, selbitverständlich kein Intercsie an der Sache. Das ist auch die Ursache davon, daß die Direktoren die untergeordneten Beamten nicht mit allen aus Paris kommenden Briefen vertraut machen können; insolgedessen die Arbeit nichts tut Einvernehmen mit den Pariser Jnstruktionen geleitet werde» kanni Die Direktoren sehen sich gezwungen, selbst die Korrcipoiidcnz zu führen, und die Beamten schreiben die ichon verfaßten Briese nur mechanisch ab. Auf diese Weise ist es den Tirck- ״.״ ^ummc wrcn unmöglich, sich über di- Fähigkeiten der einin Enlre Rios bi?(Jetncn '•״eamieii zu orientieren. Die Verbindung zwischen der Zentraldirektion und den Administratoren der cinzelnen Kolonien ist sedr lose. Einige Administratoren betrachten sich' für ganz selbstständig und sügen sich nicht den Befehlen der Direktion. Werden sie daraus aufinerksam gemacht, so bcant- Worte» sie die diesbezügliche» Schreiben erst nach Monaten oder beantworten sie überhaupt nicht. Tie Direktoren selbst besuchen die Kolonien nur sehz selten und auf sehr kurze Zeit und treten mit dcii Kolonisten nur selten in Verkehr. Auch die lieberwachung der Beamten ist sehr gering. Man darf aber auch nicht vergessen,' daß die Direktion in Bucnos-Airos die nötigen Mittel nicht besaß, um alles gehörig — anzuorüncn. Sic traf nämlich die jetzigen 'Beamten st on aus ihren Plätzen, und sie abzuschasfen wäre nicht so einfach gewesen, denn cs gab keine anderen Kräfte, mit denen man die Plätze 7n bestiniintcn Landsttich, ^n ״״״■ Aikerbauinslrumcnte, Same», vstmalS auch Summe Geldes bis zur eisten Ernte. Ziehen wir!! den Kostenpreis des Landes nicht in Betracht, w:rd doch jeder Kolonist aus diese Weise unscr luildner mit einer Summc von ca. 3099 Dollar.-), zu aber war der Kolonist mcistentiilr vorher ein ::»» mit keinem oder ganz geringem Vermögen; , wird deshalb von dem Reichtum überrascht, alg "'» Eigentümer er sich auf einmal sicht, und nur iellenen Fällen richtet , er seine Lebensweise so wie cS sein sollte. Das Land Argentinien und e Einwohner sind ihm iuibekannt; er weiß nicht, man Land überhaupt bearbeitet, wie man Vieh '׳• rl, und nun beginnt er aus Kosten der Jka um frische und geeignete Kräfte hcranzubilden. Einige der untergeordnete» Behörde» gingen fo - weit, a» den Kolonisten verschiedene Uebeltaten zu begeben und sich ihnen gegenüber übermäßig streng zu benehmen. Dadurch entstand bei den Kolonisten die Ueberzeugung, sic wären Tyrannen-gireisgcgeben, und das Rechts- und Gerechtigkeitsgefühl sank bei ihnen. Solche Benmte müßten auf jede» Fa l l be st r af t werd c». Er ist allerdings möglich, daß die Tireklion von solcher Auisührung der Beamten nicht informicrt war: sie hätte aber darüber informiert sei» sollci^ und auch iniormierl sei» können Vergleicht man-'»un diese miseryble Verwaltung mit den Ausgabe»^ so gelangt man zu geradezu »che anzustellen. ' Besser steht die Sache mit ן überraschenden Resultaten, -9:1 unseren Kolonie» Zungen Familien, die ebenso wie Kolonislcu 'befand!ich Ende ,!um wlgeude Zahl von .1010- ■':» Nationen und Religionen eine »a-.ürliLe i ׳nsieii, wöbe, als .Kolonist o!״״als mehr als eine iunctlunq aufweiscn.- Das sind Familien, die auf-; tyantilie bezeichnet wird: ׳ tzu. Rechnung nach Argentinien k inme» Sie *1 i'-'17 feyen ten in der voiigen stummer b-q-uneuen .::»׳k des Berichiefo׳.I, den ein Tiictwr der .׳tu, Herr 7 ne 11 j chei 11. über den Llaud der argeininiichMl Kolonien fue 'AeieUichail erslanet bol. (Tie R'd.) 3m Berichie werden die Rechnungen imm:r hi Tollui s Teüeiil. JniMoiswill . . . -32 Kolonisten . Moricie ... 137c . ״ Enlre-Rios . . 709 Zusammen . 1079 Kolonisten 7040׳ Personen). Bloß aus Beamte wird auigewendei: Seite 5 in Bucnos-Airos . . 7^.840 Dollar _־־ oiswill . 18.000 ״ MoArie^ . . . yri.400 . . Entre-MoS^-—>—7^37 700 Zusammen . 134.000 Dollar, das sind zirka 125 Dollar per Familie. R׳chnct man noch die׳ übrigen gewöhnlichen Ausgaben hinzu, so z. B. auf Erhaltung von Schule», für Acrzie,. Polizeibehörde». Straßenbau :c.. jo kommen die (Hesamtkosten aus 355 Dollar, das sind zirka 300 Dollar per Familie. Mit einem gewissen Teil dieser Ausgaben werden die Kolonisten belastet. Nun fragt cs sich. ob . die Kolonisten imstande sind, dicie Kosten zu tragen. Man muß alle Mittel anwenden, um diese Ausgaben zu schmälern. li. Tie Kol-o nisten und die autonom^ Verwaltung der Kolonien. Da für die Erhaltyng der Verwaltungsbehördeu soviel Geld verbraucht wird und dabei die Vcr- Wallung Niemanden befriedigen konnte-so ist die Frage auigetaucht, ob er nicht vielleicht Vesser wäre, eS den. Kolonisten z» überlassen, sich ielbst Aufs, her zu wählen Und dieselben auf eigene Kosten zu er halten. Es versteht 'sich vozr selbst, daß ein solche» SysKm i» den Kolonien ratiamcr ist. Aber nur ei» geringer Teil unscrcr Kolonisten Hai es so weit gebracht,. daß mau bei ihnen eine solche Ordnung elnführen könnte. Herr seines eigenen Schicksales kann nur derjenige sein, der sich in einer guten materiellen Lage befindet und dessen Zukunft vollständig gesichert ist. 'Man muß auch das vorausgegaugene Leben unserer Kolonisten in Erwägung Ziehen, das ,.sie in den Ländern׳, führten, - aus denen sic stammen.;Heutzutage kann man nur in Moricie fo weit als | möglich die Administration reduzieren und es den > Kolonisten überlassen, die Interessen ihrer Gemeinden;selbständig zu leiten, die Schulen und den Sanitätszustand in der Kolonie zu überwachen In Moiswill und in Entre Rios. läßt sich diese Ordnung noch i nicht, cinführen, denn dort befinden sich noch zu viele; neue Kolonisten, von denen nur eine geringe Zahl! die Verlräge mit uns unterfertigt haben. Doch tritt 1 auch hier das Streben nach einem solchen Verwaltung;; system immer mehr und mehr zum Vorschein. Es j wurde nämlich auch hier schon eingefuhrt. baß die Kolonisten aus ihrer Milte eine Kommission wäblcn, die die allgemeinen Interessen der Kolonie vertritt. j I). Tie Kolonien.; Unsere Gesellschaft I, K. A. besitzt jetzt i»,! Argentinien Land: ,n der Provinz 2an:a Feu iMoiswill׳ ca. 109.15911» '. . . ״ Bucnos-Airos 1 Moricie' ״ 34.333 ״ . , . Entrc-Rios 181.010 ״ ,! Zusammen 3'24.50211a, ׳ welches Land im Ganzen 0,975.000 Dollars kostet.! Davon ist unter den Kolonisten vcrtcill: ן in Möisivill zirka . . . 49000 da 1 ״ Moricie .... 20.000 ״ ״ Einre-Rios', ... 90.000 ״. Zuiammcn '. 150.000 ha. Vom übrigen Land werden 800 ha in Moricie lLa-Espcranzal erst in 5> 2 Jahren i» unseren Be sitz treten, 70.000 ha können von Kolonisten de setzt werden, sobald nur unsere Kolonisation sich ge beffert haben wird. Tic 99.000 ha in Enlre Rios eignen sich jetzt für eine Kolonisation »och nicht, soivodl aus dem Grunde, weil sic von Eisenbahnen und Vorkehrungen zuwcit entfernt sind, als auch deshalb, weil man dort einneue Zcnlralvcnvältung einsühren müßte, wofür die jetzige Lage der Kolonisten in E iirc-Rios die passend! Gelegenheit >!,chl dielet Wie die Kolonisten in den vcrichiedcncn Ort ichafteu a7-.gcorü»ct wurden, habe» wlr schon iu unjcrcn Berichten vom 30. Juni, 23. Juli »ad 26. August nillgeteill. Wir können nur noch hinzu sügen, daß die ׳M-thodc: .JcSermaun muffe seinen Landstrich besitzen" sich als die' beste erwieieu Hai und daß unter oen!etzigen Bedingungen jeder »o lonist reine 150 ha d-iiyen muß. um existieren und seine Schulden der I. K. A. gcgentber tilgen zu können. Damit aber jeder Kolonist!0 viel Land de sitze, werden in den Kolouicn, insbesondere aber irr Enlre-Rios, gewisse Umänderungen unuingänglich nolwendig sein, welche gewisse Ausgaben voraus setzen. Es wird sich auch als unvermeidlich heraus stellen, einige Kolonisten in andere Kolonien zu ver ietzen. In der Kolonie .Klara" ist viel unbesetztes Land zniückgebls-.'ben. weil viele Kolonisten die Kolonie v.rlasten haben. Hälie sich der. Adminislialor nicht beeilt neue Kolvnistcu dorthin z» bringen, dann hätte »1a» das unbej-tzt gedlicdcne Land unter die zurückgebliebene» Kolonisten verleileu könne» und alles wäre in Ordnung. Gedenket des Üonditionslosenfondes! ״f

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