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Jüdische Volksstimme · 1903-08-15 · 14 (15.8.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
14 (15.8.1903)
Date
1903-08-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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־1ב^~- gqbvcymfl. * 2־;h־ünn. 15. August 1903. M-. 14 I B׳;ucl׳>vreise: ♦viir Cefle1*rci<tj llit^nru kjalbjäl,ri§ K 2 -."׳. qm1,;iätniq K 1.!״kl. ^wry1icnb1m;\: Xculütilrtub ^uigäkriq M.uk l•:.״; Rnsstand gan;jäl11ig 2 Rubel. ÄiluPci.v iTiantrcid), Italien. 4iuke:. St'umriuicn, SevbK‘». Bulgarien uür. {vvf*.!!־ Redaklwn und Ädminniratton: Brünn. 3chütte.״". Rr. l. ^übiiilie Bolkoiliinmeeritbentt tun- 1. und 1:.. cm." ׳. ::.י ל Buchbrlnblenin.r Bcrlrckun.i: 3tto >ilem1n. "msm. מ11וי VI. Zioniütnlrongrcsst in Bafel. Ter IV. Zionistcnkongreß, der im Jahre 1900 i rn London lagle, siand »»ter dem frischen Eindrücke 'er rumänischen Katastrophe. Die Zionisten konnlen damals nichts anderer tun, als die unhaltbare Lage des Lstjudentumr vor dcrgesammtcn jüdischen Lessentichkeit klarzulegcn und den einzig möglichen Aus- »eg auszuwcijcn. Auch Heuer tritt der Kongreß uniiiiltclbar nach einer Jndcnkataslrophe zusammen, welche unheimlich grell die Silichtjo» der Juden mi Cl'tcn beleuchtet. Eine gn jüdischen Lpscrn reiche, entsetzenerregende Jlldcnjchlacht hat di? furchtbare Notlage unserer ruffischen Igrüder ln aller Teutlichkcit, die Niotivcndigkeit einer raschen, aber auch dauernden Hilfe in unzweideutiger, kategorischer ,vorm enthüllt. Zweifellos, Kischinew wird Mi Kongreß beherrschen.. seine Beschlüsse und Arbeit-;- richtung diktieren, das zionistische Retlungswcrk bcschleunigen. Die Zeit der dekorativen Kongresse ist endgjltig vorüber. Nicht iinsiuchlbarc Debatten, schöne Reden, problematische Beschlüsse brauchen wir. Ein Kongreß, der nach dem drohenden Mene- -tekel von Kischinew die Wege seiner Vorgänger wandelt, wäre blutiger Hohn. Tic zionistische Bewcgung ist an einem Wendcpunkic angelangt H bas sühEn wir alle. Die schicksalsschwere Bedeutung des bevorstehenden Kongresses liegt darin, daß er nach Jahren organisatorischer und agitaforijcher Arbeit, nach diplomatischen Verhandlungen und matirjcllcn.Sanimiungen aller Art eine neue Aera der prakti'yhe» Kolonisationrarbcit inangurieren, die unvergängliche» Denkmäler zionistischer Lpserbercitschast »nd Begeisterung — Kolvnialbank und Nation(!^ >o»d — endlich. in den Dienst des Volkes stelle» >011. Man sagt uns immer, .die Diplomatie verlangt , weitgehendst Geheimniskrämerei, der polilischc Zio- > ismuS als organisierte Partei basiert aus dem ׳Vertrauen z» der Führerschaft und ihrer diploma- ׳ ichen Arbeit. Gur. Tie Zionisten haben ja seit Jahrein geduldig gewartet, 'blind vertraut. Und' de» > diplohlatisicrcndcn Führern treu gesolgt. Aber eS scheint »ns, wir sind am Scheidewege angelangt. : Er gähn in den zionistischen Reihen, Zweifel werden!rege man will Klarheit über ckias Ziel, ■freien Blick über den Weg. Die Tätig- | feit -der Kolonialbank, die Höhe de» Nationalfondes, ׳ die allernächiic Zukunft der Bewegung — all das 1 ist für uns Zionisten ein Buch mir sieben Siegeln. Tie übertriebene Geheimnislurrei, die wir bei an deren jüdischen, großen Institutionen immer mit ■ Recht rügen, schasst in der zionistische» Bewegung ^einc Atmosphäre, die nicht allen behagen kann. Der politisch-diplomatische, der fast höfische Zionismus, in welchem die Diplomatie absolutistisch das Szepter siidrt und eigentliche nationaljüdijche Arbeit großmütig »achhinke» läßt, garantiert kein Gelingen des gewaltigen RcgcnerationsproblemS. als das wir : unseren,■ den berztischen. Zionismus immer hinstkllcn. ' Tic Verwirrung, die heute im zionistische» Lager über den zionistischen Weg' wie daS zionistische Ziel ’ herrscht und Führer wie Geführte crgrissen hat, m aus das Konto dieser diplomatischen Kulissentätigfeit zu setzen Der VI. Kongreß soll Klarheit bringen über die wichtigste Frage unserer Bewegung, das Wo und Wie der Kolonisation. Bei der Lösung י dieser Frage ist nicht maßgebend der Wortlaut, das Dogma, der trockene Buchstabe des Baseler Programmes, sondern nur das Bedürsnis und die Not unseres Volkes, die Zukunst und -das innere Ziel un'crer Gcjamtbewegung. . . ES ist bezeichnend, daß noch nie vor. einem ' Kongresse von Programmändcrüngcn, von der nötigen Erweiterung oder Einengung des Baseler Programme»! so viel gesprochen und geschrieben wurde als Heuer. I Diese Erörterst»« über Wert oder Unwert des Pro- ' gram ui eS, die FMtionsbildungcn, tzic inneren Rci ■ billigen sind bedeiwungsvoll? Symptome und künden seinen Systcmwcchscl an. Er wird sich — wir baden I das Vertrauen zu der Einfichl Tr. Hcrzls.— unter seiner Aegiüc vollziehen, sonst geht die Frucht siebenjähriger mühevoller zionistischer Arbeit verloren. Das Aktionskomitee wird unter dem Drucke der äußeren Verhältnisse und des Kongresse«-abschwenken müssen zu sruchlbringcnüi!Gegenwortsarbeit, die bisher wenig oder gar Nichtbeachtung fand. Durch Intoleranz, durch Knebelung jeder, offiziell nicht geaichlen Ucberzcugung kann mau eine natürliche Entwicklung nicht hemmen, die im innersten Wesen unserer Bewegung licsbegründet ist und zwischen der Landgewinnung und Volkscrziehung den heute mangelnden und ignorierten Zusammenhang der stellen will. Wir.hadcn sieben Jahre agitiert, organisie«, gesammelt, gegründet, diplomaiifiert cs ist Zeit-zu prakti scher Arbeit. Kein vernünsiiger Jude erwartet die Realisierung des Zionismus sörmlich über Nacht und nach der Kongreß,» ■che. Aber wir müssen uns endlich klar werden darüber, in welchen Bahnen sich die Vorbereitung einer großen planmäßigen Kolonisation üderyaupl bewegen soll. Was unterscheidet uns sonst von den Hilssvercincn, die von Katastrophe zu Kakastropn,- warten und nur Wohltätigkest aus ibre Fahne g. schrieben haben? Täuschen wir uns nicht: Auch w» tappen noch im Dunkeln herum und baden für die Armen, die hilfesuchend uns um den Weg zur ZusluchlSstätte^sragcn, keine Antwort. Der VI. Kongreß wird unter dem gesahrverkündendcn Zeichen des Kischincwer Blutbades tagen — darin!,egt vielleieti: die beste ■Gewäbr siir einen prakrischen Gewinn, iur realpolilrsche Arbeit Der polnische Zionismus krankt an einem großen Fehler: er ist mehr politisch als zionistisch. Es wäre der schönste Erfolg des KongresseS, wen» er da Wandel schanen würde. Wir envarlen von der Begeisterung der Delegiencn >ur die glückliche Zukunft unseres jüdischen Volkes.( :>.׳•;! der politischen Reise und Schulung der Zionisten und ihrer Fubrer, von dem Ernste und der Einstlp: unserer einzigen Naiionalvcr'ammliing, daß sie '.1:׳ richtigen Weg finden und Juda seinem bZßersebnt-n Zion näherbringc» werden.'4&MÜ1# ,auj! IeuMet<n»n. Sie UabbinrrMlil. En, Zibüs-voii T. Roiiidlniii- ־' Rabbinatskandidat,Di. Fluß ist ein junger Nann von geradezu' mädchenhaften Gesichtszügen. Ta; weiche, energielose von rötlichem Flaum umbene Gesicht macht einen fast kindlichen Eindruck. T:e Formen seines Kvipers weisen jene runde», richwommencn Linie» ans, wie wir sic bei wohl- .׳siegten, vor jeder Arbeit zurückschrcck-nden Frauen den. Schon seine Hand läßt sein ganzes Wesen kennen. Diese klcinsingcrige, weichgepolsterte, jeder ׳:en Linie entbehrende Hand —! Er ist heute seiner L-benSgewohnheit entgegen selir schlechter Laune. Er hat sich nämlich a>1 einer iabbiner-Konferenz in der Stadt K. beteiligt und ü in de» nächsten Woche» schon seine Probe- . digt abhalten. Doch diese Tatsache an. und für :ch macht ,hm nicht viel Schmerzen. Mein Gott, : ist' ja nicht das erstemal. Aber dieser Doktor 'stiruch . . . Das steht einmal bei ihm fest: Im Predigen ■der richtiger ins der Art zu predigen, da hält ihm!.Hier, aber auch keiner seiner Konkurrenten Stand. Was Stellung. Handbewegung, Augcnausschlag, ja -׳gar die Aussprache betrifft, da kouimt ihm keiner ach. Das ist sein Geheimnis. Sein Geheimnis.. .1 1 muß bei dem Gedanke» lächeln. Wenn cs nicht ׳einer kluge» Mama eingefallen wäre, ihn für Jahr der sicheren Hand des Hojschauspiclers Hohenberg zu . übcrlaMp, dann wäre auch er. Tr. F-Ist׳ — oder wie seine Mutter sagt: Siel — ' Fluß hinier dieses Geheimnis »ich! gekommen. Er macht auch immer auf die Frauen einen unfehl Matura . . . nimmer bätie er ne bestand-», würde / nicht seine Muttrr für ibn a» allen Tnren ang.- -? klopft haben, lind dann diese Idee Tbeologibaren Ei.idruck, denn er hat jozu'agcn das Wort s Er sollte Tbeologic studieren, der nicht Unpunkii-n.s in seiner Gewalt. Ja, das Predigen, wenn.es nur! lese» konnte. Auch da,hals die Mutier. Es gelang daraus ankäme....'. ' ‘ .!ihr, die Seminarprosessorcn für ihren 201,n. zu Es kommt aber auch aus das Wissen «11 und! stimmen, der aus .purer Vorliebe zur jüdii-yen manchesmal sogar aus das jüdische Wissen und i Wissenschaft" sich dem Rabdinatc widmcte, u::.׳.. da ... . <Dr Fluß der kt den .Satz nicht aus,' achtel aller Schwierigkeiten, die ihn da erwarte:-״׳ sondern beschließt ihn mit ei»!■,» Lächeln! Alle!Sic fand auch in der Person des Barons Ratzen- Ander-» würde er mit der Kraft 'seiner Predigt stein, her Vizepräsidenten der Kullusgemeinde. e>׳-en über den Hausen rennen, aber de» De Baruch I Gönner, der ihrem lieben Feist ei» Stipeiidiui» siir Dies.r Mann, hat in erster Reibe ein,:» Namen, s seine ganze Studiendauer angcdcib-n lies: Und wie Er hat sich bereits d״rch einige Arbeiten, die in I er Doktor wurde — er wüßte es ielv.r nicht wie. der Gelehrtenwelt großen Eindruck macht-'», hervor-is Und nun stellte sich ich», das erste.^ große getan. Man ipricht voin chm wie von einem Manne,! Hindernis entgegen in der -׳׳esialt dieies -1 s von dem man »och vieler, erwartet. 2ein jüdisches' Baruch ... -Wisse», das er sich in der Zeit ieincr Autodidaris Da trat seine Mull-r ins Zimmer. S:o erkai:!:!-■. ang-eignet batte, ,oll tdcn» Dr. Fluß!,י«!״ das sofort die Stimmung ibres Lieblings und ira-,1. eigentlich nicht io recht beurteilen! -in pbänomenalcr Ziach der Ursache. sein. Außerdem spricht er güt. Gut. freilichi Und als pe alles ge.ort batte, was ibm das 1 Dr. Fluß lächelt abermals) an kbn reicht er nicht Herz bedrückte, ließ sie ein verlrauenerregendrs Lächeln Hera». ■Aber die anhern Eigenichajicn .... ja. er!über ihre Lippen gleiten und sprach: .Las: die kann sich der Erkenntnis nicht verschließen: Gegen. Sorgen. SEI. Tue nur das Deinige, das U-d:ige diese» Mann wird er nicht aujkominen. Es müßte; besorge ich." Ta׳ lächelte auch der Sohn, denn sein, daß dar alte Glück - - , Tr Fluß sendet einen träumcrijchcn Blick in ' Hie Ferne Ja dieses alte Glück . . . /oder mit' Baron Ratzcnstc», jag in seinem elegant nioblirr!-,! anderen Wori-n: diese gute, klug- Mutier. . . . Arbcilszjmmcr und las-die Zeitung. Etwas mud.. Was wäre er ohne sic geworden? Nichts. Wie nicht ganz ausgeruht, üb-rslog er die Rubriken. D:e schwer ihm doch seit jeher das SiudiuN, siel . . . Sonnenstrahlen sielen.durch^dunkelgrüne Stores ge schon in, Gymnasium. Da machte sic die Wege zu dämpft aus die seidenen Tapeten und aus einen de» Proscsjorc», unverdrossen, •■■—וו■ ״׳׳״״ -מ״״יייי! ׳1'י '*■■׳<<<״—״.n»׳1<׳ unermüdlich. Die Boticelli, einen Mädcher.kopj mit seeneien '.■!!>1: ׳' Gedenket des jüdischen Nationalfondes! ^44642

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