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Jüdische Volksstimme · 1903-07-15 · 12 (15.7.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
12 (15.7.1903)
Date
1903-07-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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f -\ 17י־\ Jahrgang. ■?Brünn, 15. Juli 1903. ־?ITr. 12 £*1־UhVHH'fiH': A'i'tr Ceümvuh lliuani t1ntbj,1hvn'v K .ן>ח';סנ;״0ן K l. nitl. Teunchiank׳ Mark I•:.«»3 .־im;I.1׳ <<״_' siturci.v ,vrankrcich. ^la!:cu. Jiülo:, Siumujiiiii/ Sivbiai. Bulam:<« um׳. ,Tit-:-. ׳ ->ükn>.1׳r m:> 71׳ Zukunft unk Grkaltuntz der ökrr-> rcichischrn Aultusgcmrinkc.! iTalltischr Z^ragrn.» j erkkatttt a»n dem L^xner ^iouiüeiuag r>cu X: ü. O^olbroafifr, .Hrctau Wenn wir das uns umiauschende Leben näher betrachten, so feljcn wir eine ganze Reihe verwickelter »nd komplizierter Probleme, die den igenschliche» Geis« in einem langwierigen, säst undurchdringlichen Banne halten. Tie Tenkkran arbeitet intensiv und; iuchl nach Lösung und Erlösung. Aus diesem iirnerkn j Be ege gelangen wir zum Ausbau von Projekten und! Pläne»/ die nach unserem Tasiirhalten als die ge-, eignetsten und dem zielbewutzten Bestreben am ,inj gemessensten erscheinen. Tie Hauptsache jedoch isi! es die richtige» Prämissen, den kulturhistorischen I Entwicklungsgang zu erfasse», um nicht in das aprioiisrische, doktrinäre Grübeln zu verfallen, Es genügt nicht, eine /alle von Idealität in seinem Inner» ^anzuhäusen; den» das pulsierende Leben, der lebendige Lrganismus zwingen >ips, sie selber zu», Ausgangspunkt unserer Bestrebungen zu machen. Unser ganzes Programm, so schön und idealistisch es auch sein mag, bleibt ein toter Buchstabe, sobald es nicht vom Gegebenen aurgeht und'church das Leben bedingt ist, dem es doch neue Wege weisen und junge, srijche ,iiräste in den alten geschwächten .Organismus zusühren soll. 20 verhält es sich auch mit einem der wichtigsie» Probleme der Iudenheit. dessen mannigsache fragen wir unter dem kurzen Worte ״ziultuSge iiillnde" zusammensassen. Auch hier mutz der be׳ .nächtlichen Summe von Idealität, die in unserem Programni so beredt zum Ausdrucke gekommen ist, eine entsprechende Tosis von reeller und!wirklicher Tat als Aequivalent beigesellt werden: ««ist bleibt das so schön «nd logisch ausgestellte Gebäude wert׳ los und unbrauchbar/ Tas Judentum der Gegenwart und die jüdische Ration der;{ukunsl! Wir suchen nach den Ja klaren, die!»ns vom ersteren in die letztere hinüberzulciten vermöchten. Und wir irren wohl nicht, weün wir als eines der wichtigsten Momente in der weiteren Entwicklung dis heutigen Judentums die ziultuSgemeinden besieb aus die >l:.,׳..:n1s beichränken. Man mutz Biun| zu schär׳n und. ' um sodann in wendigen mit der praktischen Betätigung die unserem Progralniu entwrech zeichnen, sowohl ihrem äutzeren Wirlungskieiie, als . Toch er genügt Y1>: der ihnen innewohnenden inneren älrast nach. der Lokalverhällniiie ,zu . - . , .... ״ , ... »ielmrdr, um den ki/nfch mi.sse^iL?u:ge^L°Le;ü^N L ’7'7'7' £״־''^ iTPl mam" ™V 7* 10״l "*& ^deu,cnd»«cne» der qanzen^sÄsv» ins Auge ־ 7 IT M'"r«nd '.ner bewutzten faij(n 6 ״״״j > ״,elkiiöe:: e na, ־ ״ nn»^ur«grc.send.n «.ch.ung- und Bor- 4,;atfria( ,-.׳» v״q1e,.1-.u.:en T,״H fn,ll!V'r Tabellen hinsiechtlich, der inneren E.nr.chtllng und 7 , . und ge,,ehert werden. W.r ,^, der Aul-usoemeinde mrwer-en, mnsien vor allem unkcrcn ,vanö, keine L^liwachen-, und Starken qenau kennen lernen, um dmm mit desto größerem Erfolg dem Liege e,,lgegenzuschrei,en. -,,^.-.»ngen zu beeinflussen. W,r veraugp» deshalb ,n erner Reihe als Bornme Kn wichtiges Lehrmittel >s, Endlich auch das d^ praktnchen Betätigung ,,״ zlultusgeiuerndeleben regelmäßige Besuchen der Sitzungen de-s a!i,!-..s - d׳e th eore.l'che -ch ulun g unserer m den stvrs,ander. denn so gewinn: m* ״״ Öen richten vordewpen -chlach.re.hen ״ehenden «״B,pWnp״en.; ffit bas mxU^ w r,, •״״״ föt .״.» ösuerlt mu״en wir die derzeit bettehende geietzliche! . I - I - Grundlage kennen, vor allen, das für alle im Reichs-. ^rundzüg. ft־*,״ HauPim.iiel rme. ,°"״t auch ,ur d.e au, diele», Parte.,age »er -,rivet ,fischen Vorbildung. TieHauptsache öle.?, tretenen Grönländer herausgegeoene m,d in .,trän c ep״ ^״ der aurgRuilten Grundmve bel.ehende Ge,eb wom 21, Marz. I>W. R G-Al. Wir verlangen daher־ van jeder-Izi-ui.nichen L.'ka: Rr. velre״e,,d L,e auneren Rechtsverhalruipe: vrgan.iatiou, dag sie sofort zus Einsetzung einer der ,,raelm-cheu ReI׳g,onsgeno׳,en,cha,-. -״er-j^ j^ Mndiqen tätigen ,eiommiinon für atulrus reich,׳chen ,!wnnleu ״nd ,a au d.e h.erlabds be , gemeinde-Angelegeuheiten schreite. Tieie Pü.chi cV "ekendeu Ge״tzesne׳rm<n gebunden und un.ere ,zanze jj zi°uE1i-»ea Lrtsgruvven, eevntuell an, organpatorliche und ag,ta:or,iehe Aye.t m»,z dem i -j xis,r,k,s-Kom,lees־ odlr Srekbuokomnee« ' TTSSla*u' »'chV'e-'cl' ile den letztere״. Tiefe Eommiisio״ hi-t zwecken,spreckuad mchnch, Zudnihn, nur als eine Relig.onsgenginen-: Arbeit zu verteilen »nd vor allem das», 'ch°,I betraehle, und den ziultusgeme,»den einen uler-i,-^. m die notwendige! aus engen Wirkungskreis z»w,1't, wird’,•■*4 ״יי י- . .. . . - '1^?°^!n׳chen Borkennrniiie >m nach uiaherenl Studium ergeben, datz auch un Rahmen ^drien sich aneignen und ins.-.-'.-nd.-re d.n' . . d,e,es Geiepes ׳am, den bezüglichen Mln,׳,er,al-, ,-,.,vdrsitzungen s>e,n,g beiwohnen. Berickue :-.ein der in geeigneter, Weise publizieren, sowie Ar:1l>. :1» "׳eine unseres ätultusgemeind.- Programm:* so» zjdit z»;{eit in de-r jüdischen Pre'/e erscheinen lassen. Ei» sehr wichtiges Aqitationsmittel sind end lich ö'sentliche Bolksversanimlungen deh»׳s B -'ore chung wichtiger .liultusgemeindo Angelegenheiten.. Tenn hiedurch wird zweierlei erziel: erstens eriv.ckeh wir das Interesse der breiten Boltsmasien für ei! nt Linne der zen 1Tn.׳z. , eri-.!-^- ::>!1 Verordnungen bei Borhändensein von Bersiändnis und guten Willen ein neuer lebeuskräsiiger Geist in die säst allerorten vermoderte i^emeindeslube h:nV111getragen werde» kann. Lodann empsiehlt eS -sieli, den Lnsverkäliniiien das Augenmerk zuziiwenden und zu diesem;{wecke mutz das Ltatul der Lrtsgemeinde und insbesondere auch die derzeit in >irast siebende Wahlordnung, die Art der Budgetierung und die Jahresabschlüsse einer, liche Angelegenheilen, denen gegenüber sie .״s-.!!«- genauen Prüfung unterzogen werden. Hiedurch ge-!sich ganz indisserenl oder sogar ieindjich ve>!>1,lie», winnt man ein klares Bild darüber, was d.r ,liul-j und zweitens bekommen wir so Gelegenheit, neue lusvorstaiid in Wirklichkeit leistet, was sollte und könnte. >; v . 1 ךי»*.יו uxv ,)ivuum e'.ivuiieiui ivu |v y/e. *v ««1! v »1, i.e». er lejsleii i.,iamv׳- und Gesinnungsgeuoiien ^u werben: indem!wir doch, was ilbrigens ׳'ei! üoer,ländlich i'i, d u JeniN'eLon. Ein nrurs bl.nt. dcm ^ttdikcdttt des ü- Tittkiobn. Äurerinene u^bev , keizung ven M B. Still und traurig klang heute die Ltrmme des BorbeierS am Betpult. Bewegungs und säst lauilos betete heute auch die ganze Gemeinde. Es war, als gb ein riesiger sz-els von irgendwo herabgerolli wäre »nd sich über dem Goueshause gelagert hätte, uni die Herzen und Geniüter der Betenden zu erdrücken - Tas ״Lchachris"-Gebet war zu Ende. Es herrschte angstvolle Stille; nur die Augen der Belenden richteten sich auseinander und schienen stumm ,zueinander zu sprechen, einanderverwundert zu tragen... >' Ter Syuagogenvorsteher trat aus den Bvrbeter zu und raunte ihm etwas leise ins Shr Tiefer ilieg die drei Stusen zur Lade hinag,׳ öffnete den Borhaug und versenkte sein Haupt in die heilige Lade... Die Gemeinde stimmte das Gebet an: .Und es war, als die Bundeslade aurzog" und aus der Lade heraus drang eine von' Träne» erstickte Stimme: ״Aus, o Gott, und er sollen sich deine Feinde zerstreuen und deine Hasser sich flüchten wor deinem Angesicht!" Ter Vorbeter nahm eine Thorarolle, drückte sie an seine Brust und hielt sie 'mit beiden Händen so fest, als ob sie ihm jemand 'emreifien, sie zertrete», schänden wollte. Todesangst und Stille herr-chte im Golteskauie. Aller Augen ■ waren gegen die Ssiwand, aus de» Bo^deter und die Thora i» dessen Arme» gerichict. Tie'er hob ' die Thora in die Höhe und sang mit einer Summe!voll ..!läge und Berzwei>lu»g: »Höre Israel, der! Ewige, unser Gott ist einig und einzig!" ünd die! Iöe,»einde siimmte ebenso traurig und v.-rzweisell IN!den Ruf ein: .Höre I׳rael, der Evige, unser Gott!ist einig und einzig!" Ei» eigeniümticher Ruf, der j so geheimnisvoll von der Decke d.s hochgewölbten!Gotteshauses widerhallle. gleichsam wie fern der; ertönte, aus dem fernen mittelallerlick!en Spanien. Es schien nicht dsc Stimme der jetzt zum Beten versammelten Juden z» sein, sondern dar Echo jenes feierliche» .Schema Israel", mii dem Tausende und Abertausende, dem Namen Gottes zur Ehre, freudig den Scheiterhaufen bestiege»... Er wurde zur Th»ra ausgerusen zuerü ,Eoben", dann .Lewi". Als aber der Borbeler das ,Miicheberach" jagte für den abtretenden Eohen, der 18 :Hubel für die unglücklichen, geplünderten Brüder in züschinew j gespendel, durchzog es das Bethaus wie ein mäikitiger | elektrischer Strom und traf alle Herzen, die nun voll! und ganz ihr Leid, das unendliche Leid und Wehe I ihres Volkes empsanden. Sie waren auss liesiie!erschüttert: ihre Tränen brachen in Strömen hervor! und von allen Seite» 'drängle man sich an das!Almemor. Jeder wollte so gern zur. Thora ger-./en!werden, um seinen .Neder" zu geben, jed:r. d:r!daheim noch etwas be-asz. wollte hier im ,o>o::eS!!< 1״! banse seine Bruderpflicht erfüllen 11 nd lknglncktichen teilen, denen rauhe Mörderhäi-.d. -..:s genommen haben. — Biel - trauriger und rührend»-, wurde die S:-.n!mung als der Borbeler nach d.i» Bo11>ü - ׳!--!Thorarolle erhob und zubeien ö.-gann: ^E mo.e!rachmim". .Gott, voll Erbarmen, der du :׳och!thronest!" Aus allen Ecken, aus jedem Wu:k.I des Bethauies wurde ein ersticktes Schluchzen hörbar, da» Weinen elender, -verlassener und niederchdrü-lier Gemüter und gebrochener Herzen. Tränen rai ne» über alte, gerunzelte und über junge!'׳e׳'ich-.er. d:.- sonst voll Irische und Lebe» weiren... D!! Bei beter sprach die Worte: ,Tie Seelen »niere-r,Br!,d:r und Schwestern, die gemordet und gelötet wurden zur Heiligung deines Namens" ,und die Herzen waren vollends gebrochen. Bitteres Wei^e-1! und lautes Jammern ersullse dar Gotteshaus. Laut weinten alle, die {Jungen wndie Alten: es weinte der Borbeter und feine Tränen ergossen sjch auf die heilige Thora: es weinten »nd ׳chlnchzten die Weiber, wie noch nie bei irgendeiner Andacht für Verstorbene, es weinten alle, die in dem Elend des Bolleibr eigenes, shr eigenes Weh:, ihre» eigenen Ia>n:!:.r suhlten ^44642

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