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Jüdische Volksstimme · 1903-05-01 · 7 (1.5.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
7 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■f ITT. Jahrgang. I•• 1• Krünn. t. Mai 1903. ־Stl\ 7 ,vur i.ci!crrci(t) 11ורז0ן!וז halbjährig K <1cmgädri;1 K 4.— inU. * Reboklivn und Abnijniülaiii'n: Brünn. Lkhüttlzonc?u. I. Pongn'endlttni׳. Xcuriehhinb Mark Ko»; :K1u;lanb :Kubd: Xte w^ü&nd1c vn1*׳’*m ומס I. und l.'>.;;:u11׳.7.- ־:׳ '\V;ז 1 ״c rdmu‘1,;, Aronfrcich, Ilolien. Xiirfci, :h'umäijieii, 3erbieu, Bulgarien u׳w. ,Vf*. «»1 . ׳ Buchhändlerin.. vcr:.cmu1\: Ciu Hlcmni. i*.;:;־־־ ד. £ k , \ Aus der Lcidcnsgrschichtk der rusklchtn Juden. In Rußland, dem klassischen und -historischen Boden neuzeitlicher Judenexzrssc, gähn und kocht es unablässig. Bon Zeit zu Zeit, niemals in großen Intervallen, dringt zu uns die Lchrcckenskunde von Verfolgungen der Juden. Tie Judennot in ihrer fürchterlichsten Form, das potenzierte Elend als Majsenerscheinung. ist drüben zuhause und sordcn. die Volkskrast zerstörend, alle gesunden Keime vcrnichtend. ihre Opfer. Es ist das traurigste Kapitel unserer Judenfrage, cs ist die wuchtigste Anklage gegen die besitzenden Juden des Westens, die dem Siechtum und unabwendbaren Niedergange der jüdischen Masse in Rußland untätig und gefühllos zusehen. Tie unheimliche Stille, in der die latente Iudennot mit furchtbarer Gewalt und Sicherheit ihre HenkcrSarbcit vollzieht, wird öfters durch akute Ausbruche des Judenhasses unkcrbrochen. .Bei den geringfügigsten Aiilässtn bricht der Sturm los. An den jüdischen Ostertagen stellt sich des raub- und mordlustige Mob. Arbeiter und Bauern, mit größter Pünktlichkeit ein. Auch die letzten Osterfei:׳rtage gaben das Signal zu Exzessen, welche den ZcitnngSnach׳ richten zufolge zu den grcuclvollstenlund folgenreichsten Judcnkrawallen gehören, mit denen seit den Achtzigerjahren die russischen Juden beschert wurden. In den letzten Wochen war eS übrigens nicht Rußland allein, das der Schauplatz müftet, Judenhetzen war. Auch im gesegneten Galizien, dem netten Krönlande eines Eultur- und Rechtstaatcs. leistete sich zu Uhnow die christliche Bevölkerung das anregende Vergnügen eines. Judcnkrawalles. Tie Exzesse in Kischene w. die Greucltaten, die dort vflübr wurden, die schamlos brutale Haltung der Intelligenz und der die Truppen befehlenden Offiziere ^wühlen auch: den ruhigsten Juden auf und überraschen selbst jene, die längst erkannt haben, daß unsere Stammesgcnossen in Rußland auf einem Vulkane leben, dessen opferheischende Ausbrüche nicht ausbleiben können. In dem Blutbade. das in Kisch c n cst) angerichtet ward, wird das Gefasel von moderner Aufklärung, russischer Kulturarbeit und vom Zurückstauen des Antisemitismus zn Schanden. " Die ^Neue Freie Presse" bringt über die Exzesse ׳ folgende «chlußberichte: ' (Die Judenkrawatle in Kischencw.) Noch den Schilderungen von in Jassy eingttrcfff.nen Reisenden und Flüchtlingen aus Kischenew werden die dort gegen die Juden stattgebabteu PödclanSschreitungen als von langer Hand vorbereitete bezeichnet. Die Zahl der Opfer wird weit höhxr veranschlag!, als man anfangs vermutete, und der angerichtete Schaden ist ein bedeulender. Einige beziffern die Zahl der im Kampfe Gekö.eten auf 70 bis KO. die der-verwundeten/nach Hunderten. Tie Judenverfolgungen wurden dadurch hervorgerufen, das: daS Geruch! verbreite! wurde, Juden hätten einen Ritüalmord verübt. DaS Gerücht, daS in v«rfchiedenen Versionen in Umlauf gesetzt wurde, brachte unter der leichtgläubigen Bcvötterung der kleinen Ortschüft eine tiefe Erregung hervor, die von antifemilischen Agitatoren g-'chüo wurde. Dfa jüdii den Cfteitage bii;; beten hiezu einen willkommenen Voiwan). Bald arteten bre DeMonüratwnen des PöbetS in Gewalttätigkeiten auS. Im Judenvicrtel begann ein wckdes Randen, Morden und Plündern. Truppen wurden nquirier! »nd machten dem Plündern ein Ende. — Eui anderer Berich! laiitet: Emgeleitet wurden die SchreäenS'zenen durch Gassenbuben, welche die jüdischen Kanstaden mit Steinen de. warfen. Die Juden eilten herbei, um die Jungen zu ve:!reiben und ihr Eigentum vor Schaden zu schützen. Die Demonstralio 1 nahm bald-io große Dinteysionen an. das: sich die Polizei als zu schwach erwies, und die requirierten Truppen fraiernr!'ierten mit den De m o u stra u!en. Viele ' jüdi'che Geschäfte wurden ansgeplündert, die Waren au! die Straße geschleudert und die meisten derselben gestohlen. Arbeiter und Bane׳.!! drangen in die Jndcndäuier ein und raubten und mordeten. Auch Frauen und Kinder wurden getötet. In einem einzigen jüdischen Haust fan> man acht ermordete Inden aui. Amtlich verlautet, das; acht Juden gelötet worden seien, während in der Tal mehr als 70 Tote gezählt wurden. Die jüdischen Synagogen liegen in Trümmern, die Tbo.ai ollen und Gerän'chafteu wurden zerstört- und an! die Straße geworfen.' In der angren-;enden Onfchast Perieni, wo die Juden in der Mehr-, zahl sind, verjagten diese die Angreifer. Die 3lraßc. die vom Zentrum der Stadl zum jüdischen Friedrsi führt, ist zerftöo. Eine Jüdin, die sich in einem K .!er versteckt hielt, wurde getötet, ebenso ihr Kind, das sie an der Brust hielt. In den Spitälern uid Kast׳,i«n befinden sich viele Verwundete und Berba'lele I n jn dischen Spiral zu Kjichenew fanden dis zum Mrrtwoh mehr als ckOO Verwundet« Aufnahme. Im dstichenhan׳-'׳ auf dem indischen Fstedhof baue man Ick Lerchen au׳ ' gebahrt, d.eren Identität inso'.ge der gräßlichen Verftün; metungen nicht feslgesteU! werden konnte. Die Gefam: zahl der bisher geborgenen Toren selräqr 7-2, darunter 45 Juden. Mehr atS 500 Verhaftungen wurden סיז*; genommen: unter den VerbailelM' ׳:.״:׳׳.den sich S:. denttn der Theologie und etwa 20 Studenten 0!:.־ Odeßa, die herbeigeeilt waren, den Auttuhr zu dampfen. Von Odessa aus ünd am Mittwoch stchS Waa^׳.׳.o m׳r B-or »ach K.sche^rew gefchickk׳ worden. Frauen nn> Kinder stüchteten am Montag, nur roldürstig ü:lle7"׳:. auS ihren Wohnungen. Dem Kaufmann Galanter Augen und Zunge h.ranSgeichnttten worden, weil er n n gewehrt hatte und ׳eine ׳echs Kinder deschüpen wou!^. Er wehrte sich mit dem Revolver tn der Hand. S?-׳r: lrcheS Eige)ttu:n der Juden ist zernort. u!׳d die ׳.> wurden aur die Straße geworfen. AuS Petersburg wird berichtet: Bei deu Erzo'׳.׳.r in Kischenew haben üch schreck.:che Szenen erc-r״.:. Sämtliche Geschälte, die im Besitz von Inden waren, wurden gestürmt, die Waren d2vongei'ch!ep:׳׳.k b.- Häuser demoliert. Birken jÜdiscktN Frantv lülktt dir Erzcdcnktn O'twalt an: Kindcr wanrn fit "ans Sru obercn Swckmcrkrn örr -Hiimcr auf Las Skraßcii Pflaster. Und wakrenü Vieler granciivollcii Aiisjchrei tiin.qen einer .qcravczn wadnttlinigeii Bkcnge enömc am Dem* Boulevard lustige Musik. Tic ד,ז;;1:ו*ה:; dische Bevölkerung flüchtete zum Haust dcS dort trieb man sie aber gewätlsam davon. Xn׳ O‘: ז:,«׳• neur hatte erst nach'Petersburg telegraphiert und' I:: siruttionen erbeten, als dann d!e Am-rrr: eintrat. man daran. Ruhe zu ichanen. Ter angeOchrete Schade:: :׳t f:hr groß und wird auf etwa vier Mtll. Rnbtl? Taufende vor^ Per'ouen sind ohne Obdach un״ N.״::::׳..׳. Jeuitt'eton. ^eitklänire. opl!a, an dem er vorbcikam und kehrle das Gesicht Dichters Blast mein armer :r Wand bin. ' 'dsr Unsterblichkeit geträumt- ' Tarichles, eiaiätiia Ban -Z. r'. Pere;- Nach dem HebnSische» vm, M o r i z Z o b«l. sie schließt Iraurig den Flügel, und klagt bitter: ״Tu Horst mich nicht-" Untcr dem Fenster rauscht die! Straße von Spaziergängern- Bor einer Weile hat dort da» Stillschweigen verwunderte, und crgrissencr Menschen gewaltet- Als die Schwingungen jedoch verhallt waren und von den Tasten der letzte Seufzer cmporklang, da erbrauste Beifallslärm und Häitdcklatjchcn- Doch > dem Manne auf dem «ophafürwahr, nicht diesen zuliebe hatte sie ihre Seele! ״Weshalb denn? H-׳rf bat den Traun,' ,zur Wand hin- ’ ' der Unsterblichkeit geträumt j Sie spjiitc plötzlich einen spitzen Stachel in Herz! Tie Blumen veröluben, d>« Farbenipiel .׳es , der Brust und ein Hämmern im Hirne. Eilend» - -iiegcnbvgen» verdämmert, jede Herzensregung >>l löste sie sich die Spangen vom Haar, warf sic zu > vergänglich, und närrische Hcrzckr zerich -len wie Boden, »nd wogend ftrömlc ihr dawollige Haar die Schkiltcrn hinab- Einen Augenblick holte sie mit der Hand ausum das Leibchen zu öffnen, denn sie atmete schwer, allein sie hielt inne und barg das Gesicht in die bebenden Hände. ״Hab' ich chcul nicht gut gcipielt?" fragte sic hinter der Vermummung der Handilächcn hervor. ״£, fehl gut," tönte die kalte Antwort von in das Spiel aurgegosfen. Sie hatte des klaren, ״Es gab Zeilen," begann sie zitternd. lieblichen Abende» vergessen, des Mondes und der, mit einem Ruck erhob sic sich von ihrem Sitze, Sterne in den Höhen, der Menschen aus der Straße.! ging zum Balkon hinaus und blieb dort ilcheii- Fn Ihr ganzes Streben hatte sie darauf.verwandt, ihm, ihrem Auge begegneten einander ein eisiges Blinken, zu Herzen zu sprechen; er aber wollte nicht hören, j 608־ von deu Sternen oben nieücrsuhr, und ein Sie führte bitter -Silage, Die rosigen Lippen und j Sprühen der Bewunderung, dar von den Augen die Wimpern der hellblauen Augen zuckten schmerzlich \ der Untenstehenden hinauszuckte- Doch keines von unter Tränen. ״Gott im Himmel!" rief sic plötzlich mit be Bist du krank'? ״Mir isl's wie gewöhnlich," antibvrtctc der Befragte hastig, als wäre ihm die Frage lästig. Er erhob sich vom Stuhl und schritt aus und ab im Zimmer. Nach einer Weile warf er sich auf das irdene Scherben!" Tie Eribnerung an die wenigen Tage ibres Glückes ziedt gn ibrem Geist vorüber, »»? sie a:ie erscheinen ibr als Melodgen und -Silänge Im Schoße der Natur waren sie einauda ... gcgncl, im Lenzesir^hsn... . Sie spielte allabendlich aus dem Piano und er stand im Gonen, an einen Baum g>;eh»t. Er war der Schwainni. der die Flut ,hier Äupnndnng anssog, und seine Augen ein Magnet, der die geilu- Doch \ gelten Wesen aiizog. die zwischen ibren Finger» und den Tasten cmporstrcdtcn.. . .Ter Tichler," ״Ter Narr," so deutele uian mit Fingern aus ,du. T.och o Wunder: in dem Augenblicke, da sie ihn sckmiäbeii hörte, cmpsand sie ihre Liebe zu ihm. — ... Abend. — Plötzlich drichl eine Wolke wie ein Mcerungchcucr aus dem Westen bervor, um de» Rest des ersterbenden Tages zu verschlingen ״Warum verdeckst du mir sein Angesicht?" beiden drang ihr zu Herzen. Vergebens kam auch der Mond au« lichter Rcdclhülle ihr entgegen: viel- . bcnder Stimme, ״was hast du nur, David? Deine leicht würde sie ihr Heimlichstes vor dem Himmel klaglc^sie «der da« Ungeheuer in ihrem Melodienipiel. Augen sind so rot und deine Wangen — wie Malt, ausjchütten... Ltrömendc? Regen ergoß sicki. pe oder 1'a1..׳ß "". Eine kleine Träne quoll ihr aus den Augen, :nicht das Fenster und Hörle keinen Augcnbsick aus Und ein bitterer Gedanke rollte ihr durchs Hirn: zu spielen... Und Schreckcnrlautc, Angsiruic klangen ״Es gab Zeilen. .. Doch der goldige Traum aus ihrem Spiel hervor. Ihr Herz suhlte, daß er ist vcrsiogcn, die Lage des Glückes sind verronucu! unter dem Baume stehe. Vergebens suchen il,re Ulcs hat ein Ende, auch die Empfindungen eine« Augen die Schatten zu durchdrinqcp, vergebens st'äl.en Oesi1mu11g8genoss8e11 verkehren in Lokalen, in denen die ״•Indische Volksstininie“ aufliegt! ^44642

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