Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- III (1902-1903)
- Issue
- 23 (1.1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Bezugspreise. rjjs Österreich-Ungarn •ilbjnhrin . K ■2־:M ״ntjiilirifl . IC 4.— :1111. l>or,m'cni>H11n. für das Ausland albjnliriit . IC 20!'.׳ ׳!iiujiihrig . IC — >'i»zchR»»t»1cr 11; h. jüdische Redaktion ««4 Administration Vritini Seftüngasse Nr. 4. 5 ic ...siiD. ¥0ltf(nu1mc“ rrfdit'iiu am l.'una l.'>. cinc-j jcScu?.'i'ouim-T״. Pnchband5. Vrrltciuiig -Ctm Slcmm, Veil׳un. m» 3aövc^auc\. l&vimn. 1. Acinner 1S)0:3 -2־Ir. >:! Vrünncr ^uttusgcumndk. 1 Tie Neuwahlen sind vorüber und der »!ullus- Vorstand hat!eine Tätigkeit wieder ausgenommen Tie Einleitung der nclicn Aera trug insvscrne einen den! Wesen dieser Körperschaft entsprechenden Eharatlcr an sich, als sie in einer Umgehung der Statuten bestand. Die Statuten der Brunner kultuSgcmcindc ichrcibcn vor. das! jede Ausschusssipung^burch Anichlag im Bethause anznkünüigen sei. Bon diesem i'Vcbrauchc aber wurde, diesmal Abttaud genommen und die zlultusräte haben 'ihre erste ״össentliche" Zitzüng nach den Wahlen derart arrangiert, das; - niemand hievon Kenntnis haben konnte, sic also gänzlich ungestört und von Zuhörern verschont blieben. Nun mag es ja an sich ganz , löblich sein, wenn die Brünncr Juden wenigstens an geweihter Stätte vor der wirtlich nicht sehr erbaulichen Er- :nncrung an die Eiistcnz ihrer' derzeitigen Repräicntantcn bewahrt blieben,׳ da aber sür eine andere Art der Ankündigung in der Geschäftsordnung nicht vorgesehen ist, bestehen wir daraus und werden küns- .t'ighin die stat>sH^1«׳äs;e Ausjchrcibung zu erzwingen wissen. Besagte lichtscheue Sitzung -förderte ein ebenso lichtscheues Resultat zu Tage. Zn ihrem Berlause witrdc Ritter v. ,Gompcrz zum Ehrenpräsidenten der Brünncr .)iullusgcmeindc ernannt. . ׳&; Zeuge der rührenden Beharrlichkcil gewcien in. mit welcher dieser 'Mann den Sitzungen des Bcrtretungrkörperr, dem er als Mitglied und Obmann angehörte, jahrzehntelang .entschuldigt" sernblicb, wird crsahrcn, dass im kliinsten .Krähwinkel, in der obskursten Spiel» und Äneipgejcllschast bei der Vergebung von Ehrcnstellen mst ׳mehr Takt, Anstand und Selbstbewußtsein vorgcgangcn wird, als in der jüdischen - Grobgemeinde Brünn. Für die höchste Ehrcnstcllc wissen die Brünncr Kultusrätc keine bessere Ber- Wendung, als sie einem notorischen Sitzungsschwä»- zer.zu verleihen, einem Mann, der der Nichtachtung deS von ihm inncgehabtcn verantwortungsvollen Mandate« dadurch den unzweideutigsten Ausdruck gab. dass er die mit demselben verbundene primitivste Pflicht des Sitzungrbcsucher konstant ignorierte, von der > Ersüllung anderer Ptlichtcn überhaupt nicht zu reden. Tyreilirft Leute, die cs zuwege gebracht haben, niebr als zwanzig Jahre hi,!Lurch den edlen Unsichtbaren sich als shrcn Präsidenten zu wählen, handeln nur konjeaurnt, wenn sic schließlich einen Beschluß saflen. der ihren Mangel an Selbst- und Anstandsgcsüh! sür immerwährende Zeiten dvliimenli'crt. Welch hoher und sittlicher Ernst die kultusräte bei der Bornahme der Präsidentenwahl beseelte, geht am deutlichsten aus dem llmsiand hervor, das; dieselben .stultus- Vorstandsmitglieder, die. wenige- Wochen vorher in össentlicher Sitzung über Gomperz und sein Regiment, besser Richtregimcnt. heftig raisonniert, rcipeltive seine Untätigkeit als die llriache der Zerfahrenheit der Brünncr Gcmeindeivirtschast hingcsiellt hauen, einstimmig seine Wahl vorgenomme» haben. Ein frivoleres Vorgehen in schwer möglich und, unter solchen lliiistäudcn izt, ihr Bestreben, die Letzte Sitzung durch ungesetzliches Vorgehen zu cincr ver traulichen zu gestalten, nur allzu begreiflich. '״Als Führer dere Teputation, die den neuen Ehrenpräsidenten von der ihn, widerfahrenen Ehrung zu verständige» hatte, nmgicrte Rabbiner Plaezek. Ter gute Mann ist aliv wieder aus dem d'idttcn Schmollgewölk. mir dem er sich bis nun umgeben, hervorgetretcn, der Zwist, der zwischen ihm einerseits und der .ttultusgemeinde anderseits io wütig getobt, scheint l beigelegt, und zwar zu seinem Gunsten. Ein Verdienst, dessen Zweiselbasiigkeit derartig grps; in. das; wir nich^ umhin tönncn, cs dem neuen -!ultur gewaltigen Herrn Tr. Ftalla zuzuschreibcn. In Brüni» herrscht bekanntlich eine'Radbincrkrise. Ter bisherige Scclenhin Tr. Plaezek hat erklärt, für dcrhin seine Fiinklio» nichn versehen zu wollen und rut's auch nicht Tas berechtigte Ansinnen aber, in Pension zn gihcn »nd einem neuen Manne Platz zu machen, das die .'!ultusgeuicinüe an ihn stellte, hat er-rundweg abgcmicjcn, und herablasienü erklärt, das; er cs wohl gestatte, das; ein.bezahlter Steil- Vertreter seinen Dienst versehe, aber neben seinem Gehalt auch alle cutsallcndcn Funktionsgebürcn auch künstighin ihm zugcsührt tverüeii niüszten. er über- Haupt nur aus die Pflichten, nicht aber aus die Rechte seines Amtes zu verzichten gedenke. Die Herren Kulturvorsieher — die' nur armen zionistischen Studenten und Handwerkern ——!-ן- Aenilleton. Vrr Kausch. Von R o i a PJ> m c r a n z. .Gestorben'?! Reb Jochcnc gestorben! 1;< >111<-l 1 .l.ijiiM 11' i tm-lli“ - - murmeltc mein Oheim, Red Ehaim, betroffen und betrübt zugleich, als er an meiner Seite durch die Strassen schlendernd, einen Parlezettcl der .::!,׳»,-uh näher ins Auge faßte. — ,Wer ist dar, Onkel?" fragte ich. Erst seit kurzem hier zu Gast, wußte ich nichts v'on den. Manne, dessen Tod meinem alten Oheim äugenscheinlich zu Herzen gieng. ,Ach," seufzte der Gefragte leise und schmerzlich, .das ist noch einer '-von die Leut, die noch was gelernt und gekannt haben." Ihr müsset wissen, daß'sür meinen alten Onkel Reb Ehaim es nur ein ,Lernen" und ein .,gönnen" »I der Welt gibt: Das Hebräische. Alles ändere Studium und Wissen verdient eben jene hehre Be, Zeichnung nicht. ״Das war noch Einer, der.den (:I1m11:11 1111;׳- rowotl! lesen und verstehen konnte," fuhr er traurig fort — .aber ein Zionist ist er deswegen doch nicht gewesen" — fügte der Oheim gleichsam schadenfroh hinzu. Er versäumt nie die Gelegenheit, mich zu sficheln. Gedenket 1 .Sagst Du cs ihm zum Lobe nach?" fragte ich verdrießlich. Onkel Reb Ehaim S Gegnerschaft ist mir als Zionist ein umso größeres -AergcrniS. als sic sich eigentlich nicht so sehr ans die Sache selbst, als vielmehr aus ihre Vertreter bezieht. Nicht die Idee -- .nein — uns, die wir sic veiirctc» und propagieren, ganz besonders die akadcinischc Jugend, nimmt er keinen Augenblick ernst was ich einfach?mpörcnd. finde. _ Der Onkel beachtete meme »frage nicht: er suchte aus dem Zettel die Stunde der Beerdigung zu erfahren. 1" . ,Bei der K»o:׳ muß sch sein," sagte er in destiMilcm Tone. Auch ich wollic einem schristgclehrten und geachteten Glaubensgenossen — war er mir auch persönlich unbekannt geblicbe,/ das letzte Geleite geben. .Kol Jisn»-I .Die ganze Stadt," wie man zu sagen ptlcgl, war versammelt. Reb Jochene — der Verblichene, war ein wirklicher ״Könner" Und als solcher geschätzt gewesen von Allen. Rach der schönen, jüdischen Sitte, die sich leider nur noch in Galizien und Rußland erhalten hat, wurde der Leichnam, bedeckt mit dem schwarzen Bahrtuchc. auf dem in weißen Lettern das tiefsinnige: ./.ckiilia weil 11״n«w,1׳l1־ leuchtet, von Verwandten,- Freunden und Bekannten zur letzten Ruhestätte ge tragen. Doch nicht direkt, auf dem kürzestsu^Sege. Rein. Richt eilig' hat man es, die Kennender heigegennbet energisch aut zutreten .wi>-en bab-n >,.zwohl dagegen gcnräubt, ge-chiiüpst, Entr:!׳':«::gsko mödie gespielt, Rabbinerkonkurfe «wrgc'chriebe» :-׳. ui» — wie Sie jüngst.11 Ereignisse lehren sthließ:!: dem geistlichen Herrn gegenüber klein bcizugehen irO nach ׳'einer Preise zu tanzen. Wir haben er bis!.: vermieden, uns mit dieser A!7,gelegen heit z» l-.idv.: . Ilgen, weil sie uns als Perionenträg.׳ wciisr tii.i-t interessiert Jetzt aber, da der unerhörte Zustand .daß sür die Bestreitung widerspenstiger und .!.׳׳: ivieligcr" Launen eine-.Rabbiners Gemeindeg-0er ,verschleudert werden, anicheincnd stabilisiert werden soll, kominen wir auf diese Angelegenheit ׳.:::.!>: .u'miomehr. als sich Vizevrä׳ s Dr.. Fiall.r .:!. .״״.!hat. in der letzten.tiultuswälilerveriamnilunz ׳klären, dgß. Dank der Bemühung -des - : Standes. die Rabbtnersra'ge bereits gel.-ß sei Ta>: - diese Behauptung nur et׳..״ leere, lediglich als. An- -putz des allm : ׳ .׳,!:•T.:1 Täligteusberidites die!!!!d. Phrase mar, ist zetzt jedem -crkeuntliai. :!. :r 1-.-.-.!: dessen schon damals sicher Aus dst zioni'p.'d.. Forderung nach Entwietlung einer- «kntai'.-ndcn :!.:! tionälcn Mid soziale» Tätigkeit, anvrorien di. . ] tilgen jnd^ieii Repraientanien immer, daß cs!>7׳. Midi ihre B'Iicht sei, -ür den gereg.'lten Gan z 7 7! .tiultus zu sorgen. Jetzt teigt' es sich, daß sie >:■״. •' . einmal imstande sind, diesen Handlangerdienst 0:7.: : 7 Mich zu versehen. I . In weitet׳' Fiirtorae ist der Brünger '!Vorstand daraus bedach:, sur das pinattsg:׳:.׳!.׳.. Geld-Ersatz z» tchaüen und hat dem z!.״.::-n״.<0'׳. ^HanLclsange^I^Ufenv^r^i>^ ״Eniunah" und der :nistii'chcu Stud.׳ntenv,rö!ud:i: z ..Vernas" die : ' gewährten minimalen Subventionen entzog.». Tan . Vereine die-.r Kategorie vor allen anderen Sts Recht aus Untcistützung und Forderung voni'ei:.!!!jüdischcx'Vertrctungskörpcr besitze», hierzu >ror:.:׳!,!halten wir tur überilusi!.! Der llninand. daß ihn.׳!!, der Brunner .Eultiisvoritaiid. der durchwegs ans!-Leuten besteig, die den Zionisten nichts we׳»ger als j freundlich -g.-tinnl 'sind, birnun die Gewährung von ' Subventionen nicht vorenlbatien konnte, -'vrrchl die. reichend da׳ür. Rur die Schamlosigkeit der h.-.rstchenben Prvtzengeicllschasl der jetzigrv ׳'sem.inte Machthaber, die sich nicht cntbldden» das 1:111.tt -י---1! I sigcn Thora in d/ Erdc^ z» versenken. Aut groß:!-, j Umwegen wandte man ttch der ״alten-Schul" zu. ^wo der Verstorbene stels gebetet. . Tort, im V.-. : Hose der Shnagoge widmete der Rabbinerdem :Toten einen Rachens in hcbräisdtcr Sprache, in dem ,seine Goitcsgclchrthiit. seine Tugenden' ,zerubuit :wurden und dem Schmerze Ansdruck gegeben ward, den die jüdische Gemcmde bei dem Vertuste e!u>s . iolch' teueren Gliedes cmpiindcn miit'se.! Am Grabe sprach ebenfalls hebräisch der Tajvn, und zuletzt konnte sich Onkel Reb Ehaim. vielleicht der Gelehrteste von Allen,'istckit enthalten,!dem scharssinnigctt ״Lerner". dem ge.idiegtSn Dtsvnleur in den verzwicktesten talniudtschcij Fragen, ,61111 Einzigen, mit dem sich ein gut' Wort reden lies! " einige bedeutungsvolle Worte ver.Abschiedes nach-.!! rufen. Rach den nun folgende» üblichen Zereino nien hörte ich an meiner Seite die leise Fra>r.: ״Sind die Söhne da? Tic müssen za-.siadiidz sagen!-^ ״Ter Jüngste ist da" - antwortete Jemand ebenso leise, ״jetzl steht er am Grabe." Ich wandte mich-et« wenig und iah einen Inas; und verstört ausjehendcii sungen Mann, desicn Gesicht mir aber auch - seltsam genug in diesem Moine!!:. und an diesem Orie - große Verlegenheit. t!n. Art nervöser Unruhe auszudrücken schien.-! Ich stand in einiger Enlseinung von dem frischen!Grave, konnrc also nicht gleich die llriache per b,-- des jüdischen Nationalfon des!