Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- III (1902-1903)
- Issue
- 2 (15.2.1902)
- Date
- 1902-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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III- Icrbrgang. " K HZrünn. 15. Februar 1902'. v>׳j»««»rcilr fitr C ׳:mfidi N»q< bafbia:;u ׳r if- 1$ ■ K 4 4 ׳- in׳'• k.pfUutontm!gJ jt Äu»la״d b-Id-rd '* -*:T' ict . K •> ־ ׳ Linr׳. .ammrr 16 fc §1 '1 Aüdische ♦ Centratorgan der jitoifdien Arbeiter und Handelsangestellten. TNr. 2 ))r(4«i»u und 9l5ttti11ivtrati*n .Vrantma.f: 11. £1e Polk-. skrmmeer׳L7׳!?l am 1. und 1׳ nuel גיןוכ'.יג* ח;ה;י«•. btreLnn Gedenket des jüdischen Nationalfondes! ücr 1nä>1r.-jüd. raiidesmassakonik. Seit bl111 ׳ Jahr!: 18f>8 har die mährische Juden iU;.'.׳t Sic autonome Verwaltung des Laudesmasia- >. - - inne, seil dem Jahre 1868 qibt der-Paradeta"rtär der Brunner Eulturgcmciudc, ,der tztel- und c:->t : reiche Herr Julius R. v. G 0 mpe rz, seinen I... .׳.'i'lUn!Kanten her und fungiert als Cbmann teeoutatoriumb. Ter Name jagt alles und de-;!! bar gn1V System, nach welchem die Bert; ::tng des sonder, bejjen Autonomie der stolz dir inatnischen finden ist, geführt wirb. Man iollte Vai» itz einem >0 hochwichtigen Institut, d. schaisä»^ als ,erster schritt zur Anerkennug d : iHirdlräl (jt'iiteuj unb zur moralischen Emancipatton &«f m! hrischen Juden" begrüßt aourde. r .t::! alle 1 Gebieten der össentlichen und ne-!:. . .n Lebens ber Zuber besruchtend unb richlung!׳:;׳!.,׳wirken kiunte, ber Geist modern^ Volkerziiiang längst j hon seinen Einzug gehalten hat, und da׳׳ an die S eile bureaulratischer Bef'chräuktheit 1:: an bent tobten Buchstaben des Statutes .. ׳:;tili iesibalt über Engherzigkeit ein oerständnist׳.!0׳Znterrsse ur bie wirtschastlichen und cultu- ׳---->:- Bidüriniss! ber Jetztzeit getreten ist. Werdas fl! tuet. kennt wehrlich jenes System ״Gompcvz" >,>!1 und hat e> 1e nlljugute Meinung von jenen!! Brunner Juden, die auch im Lanbesinajsa- >e: ׳ ea« Hejt in Händen haben »Nb nicht locker .!״.׳ W;e i» der Brunner Euliusgemeiiidekanzkei!;:! miss sähigll und verdienstvoller Seereiär die' cheineinbet erwaltung beherrscht, indem er in >-׳ > .ndi1 machen, int Ar»1en»ieje», kurz überall als 1. caieba fchal^et und waltet, so gibt es auch im 1. . -majiajonb keine Leitung mit einem klare», ::!...missten, bie Interessen der jüdischen Bevölkerung 1!>p.nerendcn -P״vgULMme.,Ter aulokratische Willen t - .".gewaltigen Herrn S.'eretärs enticheidel einzig .:!lein, und eine burcaukratijche״stoptiflkeit gibt mzen Thätigkcit des Foude«, ber Euratoriums d.; Vie'hn. Wir». Feuilleton.!lit iit bef Zibbawauzgang. rabl'at() aus bei» Haus. 1׳ uiii're 5 Itib' so düster ans, wäre all der stille Glan;, ve ain Stge!10.11 besaß, UI man so leicht it.li selbst vergaß, bi» ölttd'rgr war —, Oerfebii'unbeit ganz. lltiitter st!i id denkt: unter ketb lichter Sr mm י; n'- im sie IM vale, X ..bt bereits am Herb ,H'ai ist ber fabbdtb ivert, ׳^ zur Jvube bringt. . ei» ׳weißes 1 ׳ul ort >er lieben Seele Not!׳. der!Perflag uieberjii'ingt. fingt: ״Slijalui, licnig d» Srlöser du. . . " f '1 hinge blie '1 so groß, so weit, l -chwester oft ihr lekles '׳and 1 s ihren ׳ ־* ' ־' •־■־־ ׳..» 'Haftet ■rot schinarze» Haar. Es fand Hl Ik ihr schönst.'S l'lezh. vi niincrüllndr.. TaqkduchbtuN. . sitz' ich in.meiner »eugemieleie» Stube flcichlost'cn n Büchern und stabrc auf die!stiche drüben an ber Wand.! ׳'!rgilbtc Bilbir der Vorväter sines, stiabbinen, Echslmantisl gehüllt/ über Folianten gebeugt. und ber Generalversammlung bas charakteristische Gepräge. Ticseibe rückständige, kleinliche Auffassung, welche die Borfsandc der EultuSgeniiinden von den Ausgaben einer jüdischen Gemeindevertretung haben, findet sich auch hier. Nirgends ein Hauch modernen Geister, nirgends eine Spur nationaler Gesinnung unb socialen Vcrstänbnisies, nirgends ein höherer Gesichtspunkt in der ,ziihrung der Fondsgeschäftc. Man muss einer Generalviriammlung dieserstörperschast beigewohnt haben, um aller zu begreifen. Tie Gemeinden entsenden ihr» ״beite»" Männer, die in der Regel auch die reichsten find. Ein freie« Wort in dieser Versammlung, die unter dem despotischen Einflüsse der Biünner Euraioren und einiger Pertreter größerer Gemeinden, stellt, wäre ein unerhörter Frevel am iacrosanetin Euratorium. Nach dem, esommanbo des Seemen« wird alles automatisch erledigt. Tie Vertreter der lutnen Gemeinden, unter denen es seit Jahren gähn.und die privatim ihrer Unzusriedcnhcit unverhohlen Ausdruck geben, .werden mundtodt gemacht, brutal nicdergcichricen und erdarinungrlo« maiortsiert. Eine Geschäftsordnung, ein parlamentarische» Verhandeln kennen d.e Herren überhaupt nicht. Aber dafür vergessen sic niemals, die üblichen Lobgcsängc herunterzuleiern. und in -gegenseitige» A^strudelungen auf dem Altäre der!Lächerlichkeit unk> ihrer kindischen Eitelkeit zu opfern. Tie alten Brünncr Macher und die Provinzdclcgicnen. natürlich ruhige, friedliebende, jeder Lppositton abholde Leute werden wiedergewähl-t. Herr von G 0 mp c r z lä!'st sich in seiner selbstverständlich gewordenen Abwesenheit ebenso selbstverständlich zum Shmanne des jöttratvriums machen — die «Nencralversammlung hat. ihre statutenmäßig vorgefchriebenc Tagesordnung glücklich durchgcpeiticht und überlässt alles übrige dem!Herrn Secrctär. Jn.rs nun wirklich wahr, da!» der "Wirkung«- kreis des Landcsmassafondes über die Bewilligung von Personalunlerstütiungen an Rabbiner, Cantorcn. Vorbeter und andere AngencUtc der Eultusvovfteher. von Gemeinde und Schulsubventionen, welche Ste wenden das Antlitz zu mir, mit den tiesgezrgiiien Mundwtnkrlii, den fahlen Wangen und erftorbeneii Auge». Jammergestalteu.., - . Und sie wachsen gespenstisch in der Tänimerung. jje treten, aus denz alten Rahmen-heraus, kommen näher und!näher, und ihr ׳chreiender Singsang dringt! littr in s tiesste Mark. . ״Wachgepeitscht sind die erbgesessencu Leiden, die müde im letzten Seelenwinkel schluMmerlcii: sie -treiben mich ans und ab zwischen den engen vier Wänden, ruhelos, ruhelos... I Herrgott, mach' die Jugettd gesund! }; Weich sind wir und ungestähli. ' Wir' weinen 1 über das Leid der Brüder und hätscheln unser Jdeak Unser Herz ist emvstndfatn, nne zarte!!׳öeiber - haut, auf der schon der kleinste Mückensktch schmerzlich - große Beulen zeugt. Und da« leitefte, liebende Wort saugt cs auf, wie der Verdurstende jeden Tropfen faulen, fumpstgen Wajjers. ' . , Von den Almen haben wirs her. die fo erbärmltch schwach waren im Hassen und so über- - schwänglich im Lteben, dak die Besten und >"׳roßten einen Götzen brauchten, ihn mit der ganzen Inbrunst ihrer kranken Brust zu verehren.'! Unter Heine im Staube liegend vor dem kleinen!graue״ Hütchen des Eorsen, die gessivollen Inden- ׳ sraueii Berlins in wahnsinniger Ertuse die hzuß-!stap'e» ("loethcs küssend, nnstr theurer Sänger Ga-! btrol, sein Ttchterhaupt vor Saut.'.el ״dem Jurfu»"!neigend, ״unter den Sonnenstrehlen jeincr.Gunst er [leuchtet und erwärmt"...! kleineren Gemeinden oft wohl nach langem, un- . ' würdigem Feilschen gegeben werden, nicht hinausgeht? Nein, und hundertmal nein! ' Tie Herren Curatorcn, die heute im Landesmasiafvnd tonangebend sind, werden mit dem Hinweise auf! das Statut des Fondes nicht zögern. Ter Wortlaut ' seine» Programmes gibt ihnen ja Recht, cbtnsowie Rijährige Ucbung und Tradition das burcaukrattiche System ihres Seeretärs sanctionier! haben. Tie Herren in .Brünn kümmerno^ttb heute blutwenig darum, dass die Juden in der Provinz draußen nicht nur rituelle, sondern auch eulturellc Interessen haben, welche zu bcrückjichtieen der Landesinasiasoud die- ' Pflhht und denen gerecht zu werden 11 die Beacht . hat. Tic patentierten Führer der nzahr. Jud.-n'chajt glauben auch die tiefiratirige Thatsache ignorieren' zu müssen, dass der' Mittelstand in der Sl.'. alei -und Hannakei dem ÜNtine cntgegengeht unddem Boyeott hilflos preisgegeben ist. Tie ״Landflucht" des jüdiichen .stleinkausmannes ist den hochwohlweisen Lenkern de-r -mährischen Juden bisher «t! gangen. Aber wir nagen: Wenn der Lalldesnta'sa fond tausende von Gmlden in Tramwayaetten T e׳e!0e Luegers anlegen darf, ist cs unbillig, ven der Privatinitiative, der >n ihren Gemeinden! ׳'! et::- flussreichctt Euratoren zu verlangen, da>s s,e zum - Sehutze des bedrohten jüdischen '!aufmannsstandes Eremit und'Vorschu>seasfen gründen helfen, welche ,der Landesmasfeifond dann ohar, Uel-.t'ehreilitn'z seines natutenuiäßigen ÄLtirkungslrei׳'es unleritutze:! kann und int:׳'»? Wenn die tsteneral'.'erf fni->nlun>z des Landesmaifafondes den:!..einikey Unterstützungsverein debatteulos eine Sttl-oention bewilligt, während sie unter nicht:.!:» Vorwänden einem ziontftiichen Vereine, der -,sie ::;nt Ausbau»׳ seiner Stellenverintttlune. begehn, vore1::H׳>te׳n wird, ist es unbihtg, von de-r Vrtvattni:iae!׳e-e der Euratoren zu verlangen, dafs iie diese Stel!!1,e׳.:u>ittlung 'oder einen Conditionslosenfond fordern. dise. Institute von eminenter Wirtschaft:!..:-:! Bedeutung. welnt!,tu i'leix der LandeSmaffasonS zütniuLest i'o Und das liebe: kam ans uns, Li» wir dir Vo>l; erheben sollen.; Wir dämmern in weichen Träumen vom E n hin und beten unsere Sehnsucht in W:e,ab.׳r wird ün« der Stunde 'für Stunde erflehte S!׳n::.׳:7::::׳!׳n antrenen. wenn jeder Sck'Merzenszug au׳' o m ׳i.iitlttz. - - j unseres Volkes untoc Iraukhaitc Liehe cr'.;.-׳-׳n 1,10 :.1t? Herrgott, mach die Jugend gestindl - Schenk' uns ein Fünkchen von der u h,:t ci-ernen! ,straft Barkochhas. der vor feine ׳:riegcr lnntrat und! ihnen edesahl.!ich selbst den Ftngtr ihrer Hand mit ' dem Mordbeile abzuhaucn ', e Lehr »ns ruhig dteiben. wenn das S!1-:ck׳at Bett Rucke» des Volkes mit taufend blutigen Striemen zkichne»! '■ - Lehr! uns still stin. wenn die g::׳:tz!.!!' 1׳:: ineinüchen Flüchtlinge an die Stätte ihre-r ׳T.ual.n zurückwandern inüsten. iviUenlos ln.ngezogen-, wie die Ercatur, die, geknebelt vom giitiezen Blick, in ihrer!Todesangst von selbst ttfbat -weitMtzifneten tllachen der Schlange kriecht, zitternd und den kleinste'» Sechmcrzenslaut,.. Lehr' uns still sein, trenn sich der ga!:z׳.׳'ch. : Schnatesjnde unter den Senankiisch duckt, weiuiend : ihm der trunkene Mod Gläser und Fl.i'cheü an den Schädel schleudert, still «ein. wenn lnzi-grigc Ghetto wetder durch die Schaudoaisen ichl>׳.',en. Reiß' uns das lähmende Miteeih aäs dem Btt.fe'n, dräng' d׳e unfruchtbaren Tllr.'hen znri'jet, nimm' z!t!-:> das L :;'e S.1׳-׳::t und gib mt« chi./kultc, stolze st:af:, die die T. :1 reit׳.! |V ' C t. 0 in. e:. s.